Diktatoren, Investoren und Plagiatoren: Wie man sich selbst auf den Leim geht


Robert Trivers, Bild: Uni Göttingen

2011 ist das Jahr der gescheiterten Diktatoren, Investoren und Plagiatoren. Der Evolutionsbiologe Robert Trivers liefert dazu die passende Theorie: Sie erklärt, warum Betrüger nicht nur andere, sondern auch sich selbst hinters Licht führen

Von Ulrich SchnabelZEIT ONLINE

Menschen sind merkwürdige Wesen. Sie verfügen über ein hoch entwickeltes Denk- und Wahrnehmungsvermögen und können ihre Umwelt vom fernsten Stern bis zum kleinsten Atom präzise vermessen. Wenn es aber um die eigene Person geht, sind sie mitunter für das Offensichtlichste blind. Dann scheinen all ihre kognitiven Fähigkeiten nur dazu zu dienen, sich die Wahrheit schönzureden.

Das zurückliegende Jahr bot für diese These reichhaltiges Anschauungsmaterial. Die Realitätsverweigerung arabischer Diktatoren, das Lavieren angesichts der Euro-Krise oder die Guttenberg-Affäre – scheinbar grundverschiedene Themen, die doch eine Gemeinsamkeit verbindet: Immer wieder erwiesen sich die Protagonisten als unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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Ein Gedanke zu “Diktatoren, Investoren und Plagiatoren: Wie man sich selbst auf den Leim geht

  1. Argus7

    Allein schon das Beispiel, welches der Plagiator Guttenberg abgibt, belegt die Tatsache, dass Betrüger nicht in der Lage sind, sich ihr Fehlverhalten einzugestehen. Intuitiv wissen aber solche Betrüger, dass Teile ihres Publikums noch um einiges blöder sind, als sie selbst. Betrüger, die erkannt haben, dass große Teile ihrer Anhängerschaft durchaus jeden Betrug ertragen und aushalten, finden sich in der Wertung bestätigt, dass sie im Grunde genommen unschuldig sind. Offenbar kann man sich den Betrug nämlich auch schönreden.

    Wer sich allerdings den Sinn für Ehrlichkeit, Wahrheit und das ungetrübte Urteilsvermögen bewahrt hat, wird feststellen, dass sowohl der Betrüger als auch seine Verteidiger zweifellos unter Realitätsverlust leiden. Somit ist sowohl der Betrüger Guttenberg als auch seine immer noch vorhandene Anhängerschaft in gewisser Weise einem Selbstbetrug zum Opfer gefallen. Zweifellos ein offensichtlicher Wahrnehmungsverlust, den weder der Betrüger noch seine Anhänger erkennen können. Das wiederum spricht für einen nicht zu leugnenden Defekt im Oberstübchen.

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