Interessant: „Was kann man heute noch glauben?“


Vor wenigen Wochen ist Ihr Buch „Was kann man heute noch glauben?“ erschienen. Das Buch protokolliert ein Streitgespräch zwischen Ihnen und EKD-Ratsvorsitzendem Nikolaus Schneider zu einer traditionsreichen Fragestellung. Warum ist das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft nach wie vor ein so brisantes Thema?

EKD

Urban: Kein einziger Satz im Apostolischen Glaubensbekenntnis aller Christen ist heute in der wissenschaftlichen Theologie unumstritten. Weil das so brisant ist, gab es bisher keine Diskussion eines EKD-Ratsvorsitzenden über die kirchlichen Lehren im Lichte der Erkenntnisse der Wissenschaften. Nikolaus Schneider hat als erster den Mut dazu. Die Kirchen nehmen die Erkenntnisse ihrer eigenen historisch-kritisch forschenden Theologen kaum auf und wissen über die Erkenntnisse der Naturwissenschaftler wenig. Sie fühlen sich seit Kopernikus, die Protestanten spätestens seit Darwin, von den Erkenntnissen der Naturwissenschaften existenziell bedroht.

Wo sehen Sie den zentralen Streitpunkt zwischen Ihnen und Nikolaus Schneider?

Urban: Die Evangelische Kirche ist immer schon auch eine Kirche der Aufklärung gewesen. Daran wollen Nikolaus Schneider und ich erinnern. Schneider ist der Repräsentant aller Christen, und die sind in Deutschland sehr konservativ, sofern sie noch in die Kirche gehen. So knüpft  Nikolaus Schneider an die alten  Glaubensvorstellungen an und versucht sie, wo immer möglich, zu bewahren. Im Gegensatz zu Schneider stelle ich die im Lichte heutigen Wissens fragwürdig gewordenen alten Vorstellungen, wie Offenbarung, Heiliger Geist und Trinität zur Diskussion. Ich versuche, die dahinter stehenden Bilder in Einklang mit unserem heutigen wissenschaftlichen Weltbild zu bringen. Denn ich meine, eine Kirche der Aufklärung, die den Fundamentalismus überwindet, hätte auch den Kirchen-fernen Christen etwas zu sagen.

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