Müller: Kirche bei Missbrauch nicht Täterin

Gerhard L. Müller links im Bild

Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, wies die Behauptung zurück, dass sexueller Missbrauch im System Kirche liege.

Mittelbayrische

Der neue Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, sieht die Kirche in den Skandalen um sexuellen Missbrauch nicht als Täterin. Niemand habe den Tätern irgendwie die Möglichkeit eingeräumt, die Vertrauensstellung, die ihnen zu Recht zukomme, in einer so schlimmen Weise zu missbrauchen, betonte Müller nach Angaben des NDR vom Donnerstag in einem Interview mit NDR Kultur; es soll am Samstag gesendet werden. „Die Behauptung, dass diese Untaten im System Kirche liegen, muss ich als ein schweres Unrecht zurückweisen“, so Müller demnach.

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Vatileaks: Beati pauperes spiritu – Selig sind die geistig Armen

Kammerdiener Paolo Gabriele, im Hintergrund der Papst , ©AFP

Vor Gericht gibt der päpstliche Kammerdiener Gabriele freimütig Auskunft über gestohlene Papiere – das ist wohl auch seiner geringen Intelligenz geschuldet. Was da zu Tage tritt, ist abenteuerlich.

Von Paul BaddeWELT ONLINE

Als Kammerdiener war Paolo Gabriele (46) der verschwiegene Mann im Hintergrund des päpstlichen Haushalts, der stumm den Tee eingoss, die Koffer für die Reisen packte, vorne rechts im Auto saß, immer still.

Doch eigentlich ist er, wie nun vor Gericht offenbar wurde, eine ausgemachte Plaudertasche. Das wurde ihm noch mehr zum Verhängnis als das riesige Intelligenz- und Bildungsgefälle, das den ehemaligen Putzmann des Petersdoms vom intelligentesten und gebildetsten Mann des Vatikans und anderen Mitarbeitern des Papstes trennte. Dies machte den Geheimnisträger zu einer höchst willkommenen Quelle auf zwei Beinen für jeden, der ihm in die Arme lief – und umgekehrt.

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„Die Wiederkehr der Religionen ist eine Plage“

Biblische Plagen. Bild: ard.de

Im globalen Medien-Raum tobt ein symbolischer Weltbürgerkrieg. Viele geben der Religion die Schuld. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Von Thomas AssheuerZEIT ONLINE

Es gibt von Immanuel Kant einen Satz, der so fantastisch ist, dass man ihn gar nicht oft genug zitieren kann. »Unter den Völkern der Erde«, schrieb er 1795, sei es nun »so weit gekommen, dass eine Rechtsverletzung an einem Platz der Erde an allen gefühlt wird«. Kant hatte die Weltöffentlichkeit entdeckt und feierte sie als Fortschritt der »Vernunft« – zu einer Zeit, als die Landkarten noch mit weißen Flecken übersät waren.

Kant war ein Prophet, heute ist die Weltöffentlichkeit unser Alltag. Aber ihr Gemeinsames ist nicht die »Vernunft«, es ist der Irrsinn. Es ist nicht Verständigung, sondern die Infamie – es sind globale Exzesse aus Wut und Hass und Schmähung und Kränkung. Kaum ist eine Welle vorüber, brennt wieder eine US-Flagge, und anschließend drängeln unbekannte Weltklasse-Karikaturisten vor die Kamera, todesmutige »Freiheitskämpfer«, die der »unaufgeklärten Masse« im Weltmaßstab liefern, was sie angeblich so dringend benötigt: den nackten Hintern von Mohammed, porentief echt aufs Papier gepinselt, ganz große Kunst.

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Reduktionismus gegen Emergenz: Ein Gefecht zweier Wissenschaftskulturen

Das Higgs-Boson ist der jüngste nachgewiesene Baustein der Materie. (Bild: picture alliance / dpa / cern)

Viele Physiker gehen davon aus, dass sich die Mannigfaltigkeit der Natur im Prinzip auf einige wenige Bausteine und Gesetzmäßigkeiten reduzieren lässt. Im Laufe der Jahrhunderte hat dieser Ansatz – Reduktionismus genannt – beachtliche Erfolge gefeiert: Physikern gelang es, Atome und später Elementarteilchen als Bausteine der Materie zu identifizieren. Dennoch gibt es Forscher, die nicht an die Existenz einer alles erklärenden Weltformel glauben.

Von Frank GrotelüschenDeutschlandfunk

„Ich möchte mich bei jedem hier bedanken, der an diesem großartigen Projekt beteiligt ist. Es ist unglaublich, dass ich das noch miterleben darf!“

Genf, 4. Juli 2012. Im Hörsaal des Cern, des Europäischen Teilchenforschungszentrums. Sichtlich gerührt nimmt Peter Higgs die Ovationen seiner Kollegen entgegen. Es ist der späte Höhepunkt seiner Karriere – Higgs ist 83 alt. Fast fünf Jahrzehnte zuvor hatte der theoretische Physiker ein neues Elementarteilchen postuliert – das Higgs-Teilchen. Ein Teilchen, das erklärt, warum Materie überhaupt Masse besitzt. Jetzt scheint sicher: Es gibt das Higgs. Denn gerade hat Rolf Heuer, Direktor des Cern, die neusten Messdaten des LHC vorgestellt, des größten Beschleunigers der Welt.

„Wir haben eine Entdeckung! Wir haben ein neues Teilchen gefunden. So wie es aussieht, ist es das Higgs-Teilchen!“

Das Higgs war das letzte Element, das im theoretischen Fundament der Teilchenforschung noch fehlte – im Standardmodell. Mit der Entdeckung ist das Standardmodell endlich komplett. Für die Teilchenforscher eine Jahrhundert-Entdeckung. Für andere Physiker jedoch nur eine Entdeckung unter vielen. Robert B. Laughlin, Stanford University, USA. Physiknobelpreis 1998:

„Ich habe zwar gewettet, dass das Higgs existiert. Aber es wäre viel interessanter gewesen, wenn es das Higgs nicht gegeben hätte!“

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EKD: Mit „Gottesschoppen“ Männer locken

Bild: akd-ekbo.de

Gottesdienst und Frühschoppen als spirituelle Muntermacher: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will wieder mehr Männer in ihre Gotteshäuser locken – zunächst an den Männersonntagen.

WELT ONLINE

«Die Männer machen sich rar in den Gemeinden, sie ziehen sich mehr und mehr aus dem kirchlichen Leben zurück», sagte Martin Rosowski, Geschäftsführer der Männerarbeit der EKD, in Hannover der Nachrichtenagentur dpa. Ob das an den starken Frauen liege, die mit ihrem großen Engagement den Ton im Gemeindeleben angeben? «Ja, vielleicht liege das auch am forschen Auftreten der Frauen», meinte Rosowski.

Die Männersonntage gibt es eigentlich schon seit 1945. Damals sollte den traumatisierten Männern wieder Mut gemacht werden. Die Kirche will die Männersonntage nun bekannter machen. Erstmals soll dazu am 7. Oktober in Berlin ein zentraler Gottesdienst gefeiert werden. Am 21. Oktober folgen dann bundesweit die Feiern in vielen evangelischen Kirchengemeinden.

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