Frauen schlagen: Kritik an Empfehlung von Islam-Gemeinde

Bild: BR24

Frauen schlagen – aber nur symbolisch. Das steht mit Berufung auf den Koran auf der Homepage einer der prominentesten muslimischen Gemeinden Münchens. Stadträte sind entsetzt. Die Gemeinde will die Internetseite spätestens in zwei Wochen ändern. Sabina Wolf

Sabina Wolf, Joseph Röhmel | BR24

Im Falle einer in größeren Schwierigkeiten steckenden Ehe oder wenn die Partnerin „widerspenstig“ sei, beruft sich das Islamische Zentrum München (IZM) auf den Koran. Demnach sollte der Ehemann drei Schritte einhalten: Erstens: Ermahnung. Zweitens: Trennung im Ehebett. Und drittens: Schlagen. So wird es den Besuchern der Website der Münchner Gemeinde seit 15 Jahren vermittelt unter Punkt 10 „Frau und Familie im Islam“. Zur Einordnung heißt es, dass das Schlagen „eher einen symbolischen Charakter“ habe.

Pädagogin sieht katastrophale Auswirkungen 

Die Mitarbeiterin einer Anlaufstelle für misshandelte Frauen, die namentlich nicht genannt werden will, berichtet im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk von einer misshandelten muslimischen Frau, deren Ehemann häusliche Gewalt als legitim ansehe, weil seine Gemeinde diese für rechtens halte.

Solche Veröffentlichungen wie die der IZM hätten katastrophale Auswirkung auf die Vorstellung von Rechten für Männer und Frauen, so die Pädagogin. Das habe auch gleich noch für die nächste Generation gravierende Folgen: Manche Mädchen, traumatisiert von Gewalterfahrungen ihrer Mütter, fügten sich oft in Unterwürfigkeit und Opferrolle. Jungs würden durch solche gemeindlich legitimierten Regeln zu Gewalttätern erzogen.

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USA dürfen mehr Rindfleisch nach Europa exportieren

Die USA und EU haben sich den Anstieg amerikanischer Rindfleischexporte geeinigt.Foto: Joe Marquette/epa/dpa

Die USA haben ein Abkommen mit der EU über mehr Rindfleischexporte unterzeichnet. Es gilt als ein Grund, warum Trump den Streit mit der EU vorerst ruhen lässt.

DER TAGESSPIEGEL

Rindfleischproduzenten aus den Vereinigten Staaten bekommen künftig besseren Zugang zum Markt der Europäischen Union. Dies sei ein „bedeutender Erfolg“ für amerikanische Landwirte und europäische Verbraucher, sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag im Weißen Haus. „Amerikanisches Rindfleisch wird als das beste der Welt angesehen“, sagte er bei der Unterzeichnung eines entsprechenden Handelsabkommens mit der EU.

Die EU-Kommission hatte bereits Mitte Juni angekündigt, dass künftig Teile des globalen Einfuhrkontingentes von jährlich 45 000 Tonnen fest für US-Anbieter reserviert werden sollen. Innerhalb von sieben Jahren könnte der US-Lieferanteil so auf 35 000 Tonnen pro Jahr steigen. Nur noch 10 000 Tonnen würden dann aus anderen Hauptlieferländern wie Argentinien und Uruguay kommen. Das Abkommen muss auf EU-Seite noch final bestätigt werden.

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Das Ende des INF-Vertrag und das neue Wettrüsten

9M728-Marschflugkörper. Symbolbild: Mil.ru/CC BY 4.0

Am 2. Februar 2019 kündigten die USA den INF-Vertrag zum Verbot landgestützter Mittelstreckenraketen (Reichweite 500 bis 5500km) auf. Nach einer sechsmonatigen Übergangsphase ist der Vertrag seit gestern Geschichte und damit zerbröselt auch eine der beiden zentralen Säulen der atomaren Rüstungskontrolle.

Jürgen Wagner | TELEPOLIS

Mit einer Selbstverständlichkeit wird dabei aktuell Russland in den Medien die Schuld hierfür in die Schuhe geschoben: Das Land habe den Vertrag durch die Stationierung des Marschflugkörpers 9M729 (NATO-Codename SSC-8) verletzt. Obwohl hier zumindest Zweifel angebracht sind, werden nun – nicht zuletzt auch in Deutschland – auf Grundlage dieser „Gewissheit“ umfassende Rüstungsmaßnahmen gefordert, während gleichzeitig das russische Angebot für ein Stationierungsmoratorium in den Wind geschlagen wird.

Neue Raketen – Neue Aufrüstung

Wie üblich hat die westliche Version einige Schönheitsfehler: Erstens argumentiert Russland, die Reichweite des 9M729-Systems liege unter 500 km und nicht wie von den USA behauptet bei 2.000 km, weshalb keine Vertragsverletzung vorgelegen hätte; zweitens bot es Vor-Ort-Inspektionen an, um etwaige Bedenken auszuräumen, was allerdings von US-Seite ignoriert wurde; und drittens beschuldigt Russland seinerseits die USA, Teile des in Osteuropa stationierten Raketenabwehrsystems würden gegen den INF-Vertrag verstoßen.

Überraschenderweise stützte ausgerechnet der alles andere als russlandfreundliche Chef der „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ (BAKS), Karl-Heinz Kamp, Anfang Juli 2019 die Sichtweise Moskaus, als er bei „Streitkräfte & Strategien“ (NDR) mit den Worten zitiert wurde:

Es gibt ja Vorwürfe Russlands, dass die USA in ihren Starterhüllen für das Raketenabwehrsystem ebenfalls Marschflugkörper verbotener Reichweite verschicken könnten. Da sagen die Amerikaner: das geht nicht. Da geht die Software nicht. Das erklärt sich selbst einem Laien, dass man eine Software relativ einfach auswechseln kann.

Karl-Heinz Kamp, BAKS

Das Verhalten der US-Regierung untermauerte wiederum Russlands Verdacht, die USA seien primär darauf erpicht, den Vertrag zu versenken. Im Deutschlandfunk etwa wurde der Verifikationsexperte Wolfgang Richter zitiert, der angab, über die angebotenen Inspektionen hätten sich die Zweifel aus dem Weg räumen lassen:

Das würde zumindest einmal erlauben, das System zu überprüfen, die äußeren Dimensionen zu sehen, und von daher abzuschätzen, handelt es sich um eine Langstreckenwaffe oder nicht. Das Detail, also, wird die Rakete nur eine Reichweise von 480 Kilometern haben oder 520, dazu müsste man dann mehr wissen, beispielsweise das Masseverhältnis zwischen Gefechtskopf und Tank. Aber die unterstellte Abweichung ist eine sehr große, das könnte man alles vor Ort feststellen.

Wolfgang Richter, Verifikationsexperte

Vor diesem Hintergrund äußerte sich der stellvertretende Außenminister Sergej Ryabkow, Russland wolle den Vertrag retten, aber „kürzliche Ereignisse zeigen deutlich, dass gewisse Kräfte in den Vereinigten Staaten nicht daran interessiert sind, uns die Möglichkeit zu geben, ihre fehlerhaften oder gefälschten Informationen zu widerlegen“.

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Verbeulte Milchstraße in 3D

This diagram shows a warped shape of a galaxy like our Milky Way as suggested by observations of young variable stars, called Cepheids, our own galaxy.
(Image credit: J. Skowron/OGLE/Astronomical Observatory, University of Warsaw)

Ziemlich verbeult: Eine neue Kartierung bestätigt, dass unsere Heimatgalaxie deutlich verformt ist – anders als viele andere Spiralgalaxien. Ihre Hauptebene ist keine ebene Scheibe, sondern ähnelt eher einem gewellten „S“ – eine Seite ist leicht nach oben gebogen, die andere dagegen nach unten. Mithilfe von veränderlichen Sternen haben Astronomen diese Verformung jetzt weiter präzisiert und erstmals dreidimensional vermessen, wie sie im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Die meisten andere Spiralgalaxien im Kosmos sind ziemlich eben: Ihre flache Sternenscheibe liegt auf einer geraden Achse und bildet auf dieser Ebene die charakteristischen Spiralen. Ein Beispiel dafür ist unter anderem unsere Nachbargalaxie Andromeda. Lange nahmen die Astronomen deshalb an, dass dies auch für unser Milchstraße gilt. Doch Anfang 2019 belehrte sie eine Vermessung von gut tausend veränderlichen Sternen (Cepheiden) eines Besseren: Sie ergab, dass ihre Hauptebene nicht gerade, sondern s-förmig gewölbt sein muss.

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Dodo Käßmann gegen pauschale Verdächtigungen von neugetauften Flüchtlingen

Flüchtlinge aus Afrika in Europa © Cristian Gennari (KNA)

Flüchtlinge, die zum Christentum konvertiert sind, würden von Behörden immer wieder mit absurden Fragen konfrontiert, sagt Margot Käßmann. Eine staatliche Stelle könne aber nicht den „Glauben von Menschen testen“, meint die frühere Landesbischöfin.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Was wissen Sie über die Praxis, zum Christentum konvertierte Personen Behörden-Befragungen zu unterziehen? 

Margot Käßmann (Theologin und ehemalige evangelische Landesbischöfin): Meine Schwester beispielsweise begleitet immer wieder Flüchtlinge, die konvertiert sind, zu Prozessen. Sie kommen vor allen Dingen aus dem Iran. Dann sind da Menschen, die sie befragen, ob sie erklären können, was beispielsweise der Unterschied ist, in den vier Evangelien. Oder sie müssen erklären können, wie der Unterschied im Gottesbild des Judentums und des Christentums ist.

Das sind Fragen, die manchmal lange getaufte, hier lebende geborene Christen und Christinnen auch nicht beantworten könnten. Ich denke keine Pfarrerin und kein Pfarrer, kein Priester tauft aus einer Laune heraus, sondern Taufbegehren werden immer geklärt.

DOMMRADIO.DE: Warum ist denn diese Praxis in ihren Augen unzulässig?

Käßmann: Weil ich denke, dass Kirchengemeinden sehr wohl prüfen, ob Menschen Christ werden. Aber der Staat kann nicht prüfen, wie christlich der Glaube eines Menschen ist. Wir wissen, dass Menschen, die zum Christentum konvertiert sind in unserem Land, an Leib und Leben sehr wohl gefährdet sind, wenn sie in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden.

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Freifunk: Das größte Bürgernetz Deutschlands

Bild: c’t

Per Freifunk können Privatmenschen ebenso wie große Unternehmen ihre Internetverbindung rechtssicher per WLAN teilen. Die Initiative ist aber weit mehr als nur freies WLAN ohne Haftung.

Adrijan Möcker | c’t

Deutschland steht im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern schlecht da, wenn es um offene WLANs mit unkompliziertem Internetzugang geht. Die mittlerweile abgeschaffte Störerhaftung erzeugte bleibende Angst vor den juristischen Konsequenzen, wenn Unbekannte am heimischen Internetanschluss Unfug treiben.

Kommerzielle rechtssichere Hotspots kosten den Betreiber monatlich oft noch einmal so viel wie ein DSL-Anschluss. Hinzu kommt, dass Nutzer mit Registrierungen, Filtern, Bezahlaufforderungen und anderen Einschränkungen genervt werden. Das macht solche Angebote uninteressant für kleine Gewerbe und Privatnutzer. Doch es existiert bereits seit Jahren eine alternative Lösung, um WLANs mit rechtssicherem Internetzugang kostengünstig und ohne nervige Registrierungen aufzubauen: Freifunk.

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Keiner werde abgewiesen: Ein US-Hilfswerk für beschuldigte Priester

Sie wollen Geistliche „aus der Schusslinie“ holen: Das „Opus Bono Sacerdotii“ setzt sich seit zwei Jahrzehnten im Verborgenen für Priester ein, denen Missbrauch zur Last gelegt wird. Ausgerechnet die Tochter des Gründers erhebt nun schwere Vorwürfe.

Von Thomas Spang | katholisch.de

Das ganz in Weiß gekleidete Kommunionmädchen lächelt schüchtern in die Kamera, während Komlan Dem Houndjame seine Arme um sie ausgebreitet hat. Der Priester der Assumption Grotto in Detroit ist kein Unbekannter für die zehnjährige Mary Rose. Er ging im Haus der Eltern ein und aus. Ihr Vater Joe Maher hatte den Westafrikaner in seine Obhut genommen, als die Polizei 2002 Anklage wegen Vergewaltigung erhob. Die Vorwürfe stammten von einer 48-jährigen Frau, die im Chor der Gemeinde sang.

Während das zuständige Erzbistum Detroit Houndjame aufforderte, in seine Heimat zurückzukehren, engagierte sich Maher als dessen Sprecher. Er fand einen Rechtsbeistand, der dem Priester half, aus Mangel an Beweisen freigesprochen zu werden. Vor Gericht stand Wort gegen Wort. Die Indizien hatten Houndjame freilich schwer belastet. Wegen sexueller Übergriffe musste der Priester schon zuvor einen Posten in Florida räumen.

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Planet schleudert Metalle ins All – und sieht aus wie ein Football

Die obere Atmosphäre des Planeten wird auf bis zu 2500 Grad aufgeheizt Quelle: pa/dpa/J. Olmsted

Der Exoplanet WASP-121b beschäftigt Weltraumforscher: Er weist eine höchst ungewöhnliche Form auf, ist mehrere Tausend Grad heiß – und schleudert Metallteile ins All. Es ist der erste Nachweis eines solchen Vorgangs.

DIE WELT

Er ist superheiß und geformt wie ein American Football – Astronomen haben einen Planeten beobachtet, der Metalle ins All schleudert. Der Exoplanet mit der Katalognummer WASP-121b umkreist eine Sonne im Sternbild Achterdeck (Puppis) am Südhimmel. Mit dem „Hubble“-Weltraumteleskop konnten Forscher um David Sing von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore Wolken von Magnesium- und Eisengas um den Planeten nachweisen, wie sie nun im Fachblatt „Astronomical Journal“ berichten.

Der bereits 2015 entdeckte Planet ist rund 900 Lichtjahre von der Erde entfernt und hat etwa ein Drittel mehr Masse als der Jupiter, der größte Planet in unserem System. Der Exoplanet umkreist seinen Heimatstern so eng, dass dessen Schwerkraft ihn fast zerreißt. Der Planet ist dadurch in die Länge gezogen, sodass seine Form an einen American Football erinnert.

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Der Rückzug der arabischen Götter – wie ist der Islam entstanden?

Auf dieser Miniatur des Topkapi Museums in Istanbul schmücken Engel die Kaaba anlässlich der Geburt Mohammeds. In vorislamischer Zeit war sie ein wichtiger polytheistischer Pilgerort. (Bild: GraphicaArtis / Getty)

Lange verehrte die Bevölkerung auf der Arabischen Halbinsel mehr als einen Gott. Der Historiker Glen W. Bowersock untersucht, wie sich dort der Monotheismus durchsetzen konnte – und warum sich ausgerechnet Mohammeds Glaubenslehre verbreitete.

Philipp Hufschmid | Neue Zürcher Zeitung

Die Muslime bezeichnen den Zustand vor der Verbreitung des Islam als Jahiliya – die Zeit der Unwissenheit. Und auch aus Sicht von Archäologen und Historikern hat diese Bezeichnung einiges für sich, ist doch über die Spätantike auf der Arabischen Halbinsel vergleichsweise wenig bekannt. Zwar konnten seit der Jahrtausendwende dank Ausgrabungen und neu entdeckten schriftlichen Zeugnissen einige Wissenslücken geschlossen werden. Doch sind viele Fragen zur Zeit vor der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahr 622 unserer Zeitrechnung offen.

In seinem Buch «Die Wiege des Islam» sucht der renommierte Historiker Glen W. Bowersock nach Antworten. Der emeritierte Professor für Alte Geschichte am Institute for Advanced Study in Princeton will «einen Einblick in das chaotische Umfeld» geben, das den Islam möglich machte, und zu «einem besseren Verständnis seiner Entstehung beitragen».

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Übergewicht: Diese fünf Sportarten bringen am meisten

Joggen ist die Sportart, die der genetischen Veranlagung zum Dicksein offenbar am besten entgegenwirkt. © Bill McConkey/ Wellcome Collection

Sport gegen Gene: Wenn Menschen aufgrund genetischer Veranlagung übergewichtig sind, hilft nicht jede Sportart gleich gut beim Abnehmen. Forscher haben nun fünf Sportarten identifiziert, die besonders effektiv gegen die genbedingten Fettpolster wirken. Mit Abstand am besten ist demnach das Joggen, gefolgt von Bergsteigen, Walking, Standardtanz und Yoga. Weniger gut schnitten überraschenderweise Schwimmen, Fahrradfahren oder Badminton ab.

scinexx

Übergewicht ist nicht nur eine Frage der Ernährung und der Lebensweise – auch die Gene spielen mit. Forscher kennen inzwischen mehr als 90 Genvarianten, die den Fett- und Zuckerstoffwechsel so beeinflussen, dass die Träger leichter zu dick werden. Zudem ist bekannt, dass überschüssiges Fett das Epigenom verändert und so zusätzlich in die Genaktivität eingreift. Das Abnehmen ist ohnedies ein schwieriges Unterfangen, durch diese Faktoren scheint es jedoch noch stärker erschwert.

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Türkei: Neue Regelung ermöglicht Zensur von Onlineinhalten

Bild: Magazin „The Economist“

Onlinemedien können durch die Regelung künftig zensuriert werden. Besonders kritische Medien, die im Internet eine Plattform gefunden haben, sind betroffen

DERSTANDARD

In der Türkei könnten nationale und internationale digitale Medien, aber auch Inhalte auf Netflix oder einigen sozialen Medien bald zensuriert werden. Die Regierung hat eine weitreichende Regelung zur Kontrolle von Internetplattformen eingeführt, die Filme, Videos oder Radioinhalte verbreiten.

Die Vorgaben, die von der staatlichen Radio- und TV-Aufsichtsbehörde RTÜK überwacht werden, betreffen damit auch viele alternative oder oppositionelle Medien, die seit dem Putschversuch von 2016 Druck oder Verboten vonseiten der Regierung ausgesetzt waren und nur noch im Internet zu finden sind.

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Schulstreik: Drohungen von Politikern, die ihre Pflichten nicht erfüllen

Fridays for Future-Kundgebung in München, 21. Juli 2019. Bild: Henning Schlottmann /

Preußelnde Schwaben drohen den Schülern, doch die erinnern die alternden Politiker an ihre Unterlassungen

Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Mancherorts, wie in Berlin, gehen inzwischen die Ferien zu Ende. Für manchen Politiker ist das offensichtlich Grund, mehr Druck auf die dauerprotestierenden Schüler auszuüben. Baden-Württembergs christdemokratische Kultusministerin Susann Eisenmann warnt zum Beispiel, dass die Schüler lernen müssten, mit den Folgen ihres Streiks zu leben. Wenn Arbeiten nicht nachgeschrieben würden, könne es schon mal Sechsen geben.

Und natürlich durfte auch der urdeutscheste aller Untertanensprüche nicht fehlen: Die Schüler sollten lernen, dass sie Rechte haben. Aber eben nicht nur diese, sondern auch Pflichten. Für CDU-Politiker scheint es eben einfach nicht möglich, von demokratischen Rechten zu reden, ohne im gleichen Atemzug Pflichten zu beschwören. Vielleicht sollten Sie einfach mal einen Blick in das Grundgesetz werfen?

Wie dem auch sei, von den Schülern kam die richtige Antwort. Die Nachrichtenagentur dpa zitiert auch Sofie Rehberg, eine Fridays-for-Future-Sprecherin aus Stuttgart, mit den Worten: „Politiker sollten nicht so viel über Pflicht sprechen, wenn sie ihre eigene Pflicht nicht erfüllen.“

Übrigens: In Sibirien brennen gerade die Wälder im nie zuvor gesehenem Ausmaß, das arktische Meereis hat sich derzeit soweit wie nie zuvor zurückgezogen und Grönland erlebt eine Rekorde brechende Tau-Saison. Doch im Ländle mit seinem Grünen Ministerpräsidenten herrscht – alle radikal demokratischen Traditionen langst vergessend – preußische Zucht. Ach, was waren das noch Zeiten, als man den Kindern vom Kampf gegen die Preußen sang.

Derweil hält die junge Schülerbewegung noch bis Sonntag in Dortmund einen Sommerkongress ab. Zu dessen Auftakt waren am Mittwoch 1.600 Teilnehmer gekommen, die sich in zahlreichen Workshops und Podiumsdiskussionen austauschen und weiterbilden wollen. Am Sonntag geht es dann für einige von ihnen weiter ins schweizerische Lausanne, wo man sich für ein paar Tage zum europaweiten Austausch trifft. Vom 5. bis zum 9. August tagt dort in der Universität Lausanne SMILE, das „Summer Meeting in Lausanne Europe“.

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Die jüngsten Strafzölle der USA zielen direkt auf das Portemonnaie amerikanischer Konsumenten

Donald Trump erklärt China im Handelsstreit gewissermassen den Krieg. Die von ihm angekündigte Verhängung weiterer Strafzölle dürfte zahlreiche Konsumgüter in den USA empfindlich verteuern. An den Aktienmärkten fallen die Notierungen auf breiter Front.

Dominik Feldges | Neue Zürcher Zeitung

«Wir werden China gnadenlos besteuern» («We will be taxing the hell out of China»), hat Präsident Donald Trump am Donnerstagabend (US-Ortszeit) an einer Veranstaltung in Cincinnati erklärt. Zuvor hatte er schon per Twitter verlauten lassen, dass nun weitere Importe mit einem Gesamtwert von 300 Mrd. $ aus China mit einem Strafzoll von 10% belegt würden. Trump will die Regierung in Peking im Handelsstreit damit zu Konzessionen zwingen, doch ob ihm dies gelingt, ist völlig offen.

Auch Arbeitsplatzverluste drohen

Sofern die zusätzlichen Zölle wie erwartet Anfang September 2019 in Kraft treten, werden in erster Linie die amerikanischen Privathaushalte leiden. Und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht: Die Anbieter von Elektronikgeräten wie Apple oder Schuh- und Bekleidungshersteller wie Nike, die ihre Produkte zu einem grossen Teil im Reich der Mitte fertigen lassen, werden versuchen, die Abgaben in Form von höheren Preisen an die Konsumenten weiterzugeben. Allerdings dürfte dies angesichts hart umkämpfter Absatzmärkte nicht in vollem Umfang möglich sein. Um die Mehrkosten wegen der Strafzölle gleichwohl kompensieren zu können, werden betroffene Firmen wohl auch Sparmassnahmen ergreifen.

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Libyen plant Schließung von drei Internierungslagern

Die international anerkannte Regierung von Libyen plant die Schließung von drei der umstrittenen Internierungslager für Flüchtlinge und Migranten. Das bestätigte ein Sprecher des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) am Freitag in Rom dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Das Innenministerium will demnach die Menschen aus den Haftzentren in Tadschura, Misrata und Homs in andere Gefangenenlager verlegen.

Die Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen fordern seit langem die Schließung der Camps und verurteilen die Inhaftierung von Migranten, die über Libyen nach Europa gelangen wollen. Bootsflüchtlinge, die von der libyschen Küstenwache abgefangen werden, werden zumeist in die Lager gebracht. Die Verhältnisse in den Camps werden als unmenschlich kritisiert. Festgehaltene würden gefoltert, sexuell missbraucht oder als Arbeitssklaven verkauft, beklagt das UNHCR. Sie litten unter Durst, Hunger und Krankheiten.

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FBI warnt vor Verschwörungstheorien

Bild: TP

Das FBI hat erstmals im Mai in einem Dokument, das über Yahoo News bekannt wurde, Verschwörungstheorien als „heimische Terrorbedrohung“ bezeichnet. Heimische Terroristen, die von Verschwörungstheorien motiviert sind, seien eine wachsende Gefahr. Sie sei nicht neu, habe sich aber durch das Internet verstärkt.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Hingewiesen wird etwas auf QAnon, das Verschwörungstheorien über den tiefen Staat gegen Präsident Trump verbreite. Aus dem Kontext kam auch das im Präsidentschaftswahlkampf hochgekochte Pizzagate-Gerücht, dass ein Pädophilenring, dem Hillary Clinton und andere demokratische Politiker angehören sollen, von einer Pizzeria in Washington betrieben werden. Verwiesen wird auch auf den Attentäter, der im Oktober 2018 aufgrund einer Migrationsverschwörungstheorie einen Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh begangen und 11 Menschen getötet hat.

Während der Präsidentschaftswahlen 2020 würden solche Verschwörungstheorien oder Gerüchte noch stärker werden, so das FBI, das sagt, „dass diese Verschwörungstheorien sehr wahrscheinlich im modernen Informationsmarkt entstehen, sich verbreiten und weiterentwickeln und manchmal Gruppen oder einzelne Extremisten dazu bringen, kriminelle oder gewalttätige Taten zu begehen“. Das könne sich gegen bestimmte Personen, Orte oder Organisationen richten. Die Warnung basiere auf Aussagen von Extremisten, die Straftaten oder Gewalt begangen oder geplant hatten.

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Klimawandel hat extreme Hitzewelle im Juli begünstigt

Themenbild. Bild von Hermann Traub auf Pixabay

Die rekordverdächtige Hitzewelle in Westeuropa ist laut einem internationalen Forscherteam der vom Menschen verursachten Erderwärmung geschuldet. Ohne Klimawandel wäre der Juli eineinhalb bis drei Grad kühler gewesen.

Neue Zürcher Zeitung

Die Wissenschafter benützten für ihre Berechnungen jeweils die drei wärmsten aufeinanderfolgenden Tage in mehreren europäischen Ländern. An allen untersuchten Orten wären die Temperaturen bei unverändertem Klima niedriger gewesen, teilte das Team vom «World Weather Attribution Project» am Freitag mit.

Auch habe der Klimawandel das Auftreten der Juli-Hitzewelle deutlich wahrscheinlicher gemacht. Ohne die Luftverschmutzung seit Beginn der industriellen Revolution würden Hitzerekorde wie im vergangenen Monat nur alle tausend Jahre in Europa vorkommen.

Es sei so gut wie sicher, dass es die Hitzewelle im Sommer in Europa ohne den Klimawandel nicht gegeben hätte, sagte die an der Studie beteiligte Wissenschafterin Martha Vogel von der ETH Zürich.

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Berliner Erzapostel will Gründe für Kirchenaustritt wissen

Über 7.000 Katholiken sind letztes Jahr in Berlin aus der Kirche ausgetreten. Als Berlins Erzbischof nehme er diese Zahl „sehr persönlich“, sagt Heiner Koch. Und möchte deshalb von den Ausgetretenen erfahren, was sie zu ihrem Schritt bewogen hat.

katholisch.de

Der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch will auch mit den Menschen in Verbindung bleiben, die aus der Kirche ausgetreten sind. „Bitte kommen auch Sie auf mich zu“, sagte er in einem am Freitag veröffentlichten „Wort des Bischofs“ für den rbb-Rundfunk. „Lassen Sie uns wissen, was Sie bewogen hat, aus der Kirche auszutreten“, fügte Koch hinzu. „Keine Sorge: Natürlich nehmen wir Ihre Entscheidung ernst, dass Sie nicht mehr dazugehören wollen“, betonte er. „Aber nur wenn wir wissen, warum Sie ausgetreten sind, können wir versuchen, aus unseren Fehlern zu lernen.“

Den Austritt von mehr als 7.000 Katholiken im vergangenen Jahr in Berlin nehme er als verantwortlicher Bischof „sehr persönlich“, erklärte Koch: „Die Zahl schmerzt mich auch, weil ich oft nicht weiß, warum sie ausgetreten sind.“

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