Vatikan Beschwerde: Jesus, Kot, Tränengas, Motoröl und Polizei

Das Jesus-Bildnis wird im Verlauf des Stücks mit Exkrementen beschmiert und Steinen beworfen. Bild: bild.de

Ein Theater-Stück setzt halb Europa in Aufruhr! Bei seiner Aufführung in Paris haben Protestler die Bühne gestürmt, Stinkbomben in den Zuschauerraum geschmissen, die Besucher mit Tränengas attackiert und mit Motoröl begossen. Polizisten mussten die Tumulte schlichten.

Von RONJA BRIER und JÖRG LÖBKERBild.de

Danach konnte „Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn“ unter anderem in Toulouse, Antwerpen und Mailand nur unter Polizeischutz gezeigt werden. Heute wird Europas brisantestes Stück im Kreuzberger Theater Hebbel am Ufer (HAU 1) aufgeführt.

Sogar der Vatikan protestiert gegen das Stück des Italieners Romeo Castellucci (51). Das Staatssekretariat des Heiligen Stuhls erklärte, es beleidige „das religiöse Empfinden der Christen“. Mehrere Bischöfe verurteilten das Stück. Grund:

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Papst Pius XI. Enzyklika »Mit brennender Sorge«

Pius XI., 1930, Foto: wikipedia

Michael Kardinal von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising

Die Kanonen des Krieges sind die Sprachrohre der rufenden Gnade Gottes!

Papst Pius XI. wandte sich ab 1931 erstmals per Radio aus dem Vatikan direkt an die Menschen. Noch herrschte Frieden auf der Welt. Aber es sollte nicht mehr lange dauern bis zur Katastrophe des 2. Weltkrieges. In der Tat: 1933 kam Adolf Hitler zur Macht, im Vatikan sah man mit zunehmender Sorge auf das dumpfe Geschehen in Berlin. Papst Pius XI. und sein Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli – langjähriger Nuntius in Deutschland – trugen immer schwerer die Last einer großen Verantwortung.

münchner kirchenradio.de

„Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Es ist in diesen Tagen 75 Jahre her, dass Papst Pius XI. sich mit diesen Worten an alle deutschen Katholiken wandte. „Mit brennender Sorge“ ist die erste und bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache. Lange hatten fünf deutsche Bischöfe und der Papst darum gerungen, in welcher Form und mit welchen Inhalten es klug und richtig sei, in aller Öffentlichkeit die Rechte der deutschen Katholiken gegenüber dem nationalsozialistischen Staat einzuklagen. Die Enzyklika trug die Handschrift Eugenio Pacellis und Kardinal Michael Faulhabers. Alle diplomatischen Bemühungen hatten nichts erbracht.

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Schweiz: Rock, Wunder und der Heilige Geist

Bild: 3sat

Während sich die Gottesdienste der traditionellen Kirchen leeren, füllen die Evangelikalen in der Schweiz jeden Sonntag ganze Kinosäle oder Konzerthallen. Auf diesen Großevents preisen DJs und Musiker lautstark den Herrn und verkünden eine ultrakonservative Moral.

3sat

Singend bitten sie Gott um ein erfolgreiches Leben, beten für Erfolg im Geschäft. Die Evangelikalen vereinen mittelalterlichen Wunderglauben und Heilsvorstellungen mit modernem Lebensgefühl. Sie stehen für Party-Kultur, versprechen gute Börsen-Geschäfte, optimieren Predigten mit Power-Point-Präsentationen.

Auf der anderen Seite verbinden sie Krankheiten mit Satan und dem bösen Geist, den es durch gemeinschaftliche Séancen auszutreiben gilt. Die Evolutionstheorie lehnen sie ab. Die krude Mischung aus mirakulös und modern hat Erfolg. In der Schweiz zählen sich inzwischen rund 250.000 Menschen zu den Evangelikalen.Worin besteht der Reiz dieser Fundamentalisten unter den Christen, die Homosexualität verdammen, vorehelichem Sex abschwören und an Wunder glauben?

Sendedaten
21. März 2012, um 21.05 Uhr

Facebook: Bigott, prüde und von seltsamer Moral

Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans), Andrea Solario, Bild: wikipedia
Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans), Andrea Solario, Bild: wikipedia

Facebook, sogenannter Social-Network-Gigant, leidet offensichtlich an einer schweren Form der Schizophrenie: Einerseits nicht dafür bekannt, intime Daten seiner Nutzer zu verschmähen, zeigte sich kürzlich die andere Seite: Da wurden Facebook-Fotos von Nutzern gesperrt, weil sie Mütter beim Stillen zeigen.

Von Eo BoruckiMAIN POST

Dies sei „anstößig“, so Facebook. Nun behaupten wir, dass sich ein ebenso gestelztes Prüderie-Getue nicht mal in den allerfundamentalistischsten Kreisen finden ließe. Sogar der Vatikan protzt mit stillenden Madonnen, und zwar gemalt von den größten Meistern der Renaissance. Am Anblick haben weder Rafael, Leonardo, Michelangelo noch das Papsttum Anstoß genommen. Insofern wagen wir die steile These, dass ein Hirn schon sehr vom Gestank puritanischer Verklemmtheit (oder von schweren, pubertären Hormonschüben) umwabert sein muss, um beim Anblick einer nahrhaft sich darbietenden Mutterbrust auch nur entfernt Unschickliches denken zu können. Wenn zudem ein schmatzender Säugling angelegt ist, dürfte das noch dem hartnäckigsten Busenfetischisten die Milch einschießen lassen vor Rührung! Was sagt uns das über den „Social-Network-Giganten“? Er ist offenbar verklemmt, sobald Natürlichstes auf seiner Plattform erscheint; alle sonstige Intimität saugt er gierig ein, um Maximalprofit herauszupeitschen. Mangels sinnvoller Erklärung der Vorgänge vermuten wir hinter dem Vorgehen den Wunsch, lästige Konkurrenz auszuschalten – denn ein intensiveres Social-Networking als der zwischen Mutter und Kind kann auch Facebook nie bieten.

Dekanatsmännertag: Christentum erlebt schmerzliche Prüfung

Beim Dekanatsmännertag in der Schlierbachhalle in Neuler hielt Pater Eberhard von Gemmingen (Zweiter von rechts) einen vielbeachteten Vortrag über die Zukunft des Christentums. Mit dabei waren (von links) Klaus Panni, der zweite Vorsitzende des Dekanats, (Foto: Volckart)

Pater Eberhard von Gemmingen ist ein typischer Vertreter seines Ordens: Offen, direkt und oft auch unkonventionell malt er in seinem vielbeachteten Vortrag beim Dekanatsmännertag in der vollbesetzten Schlierbachhalle „Die Zukunft des Christentums trotz großer Kirchenstürme“ an die Wand und dieses oft auch pessimistische Bild hat ganz einfache Lösungen parat, wenn der ehemalige Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan sagt: „Jesus würde das wahrscheinlich so machen“.

schwäbisch.de

Von Gemmingen beklagt, dass die Weitergabe des Glaubens in Europa nur noch äußerst schleppend funktioniert, führt das auf die zunehmende Säkularisierung zurück, weil das Berufsleben oder die Freizeitgestaltung ihre Funktion übernommen haben. Auch über den Zölibat müsse nachgedacht werden, wenngleich sich damit im Verhältnis zu den Gläubigen wohl wenig ändern würde, Jesus das aber sicherlich so gewollt hätte. Den Politikern und im öffentlichen Leben Stehenden empfiehlt er, das Evangelium nicht zu vergessen, zumal Europa durch Gottes Wort zu dem wurde, was es heute ist.

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