Südafrika: Wer Geld hat, darf weiterleben

Verlor den Kampf gegen den Krebs: Thobeka Daki hätte mit besseren Medikamenten eine größere Chance auf Genesung gehabt.Foto: Promo/Ärzte ohne Grenzen
Südafrika ist weltweit für medizinische Spitzenforschung bekannt – arme Menschen haben wenig davon, denn der Markt bestimmt die Medizin.

Von Markus Schönherr | DER TAGESSPIEGEL

Kurz vor dem Weltkrebstag am Sonntag hätte die Nachricht für Betroffene im südlichen Afrika nicht passender kommen können: Ein Pharmakonzern kooperiert mit Südafrikas Regierung und der Universität Kapstadt, um ein neues Krebsmedikament auf den Markt zu bringen. „Dass wir hier eine lokale Technik in Studien testen, ist eine großartige Entwicklung und zeugt von dem Fortschritt in diesem medizinischen Bereich, der so viele Menschen weltweit bedroht“, so der Präsident von BGM Pharma, Martin Magwaza. Auch Patienten mit Knochenkrebs äußerten zuletzt wieder Hoffnung angesichts verbesserter Verfahren der Knochenspende.

Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist saftgrün und trägt Blätter wie Federn: Der Kraalbos (Weidenbusch) wächst ausschließlich in Südafrika und Namibia. Während Schafe und Kühe an seinem Giftsaft sterben, könnte der Strauch das Geheimnis für ein neues Krebsmittel bergen: „Im Labor stellten wir fest, dass er sehr effektiv Brust- und Hautkrebs-Zellen bekämpft“, sagt Burtram Fielding, Professor für Molekularbiologie an der Universität Westkap.

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Erzapostel Woelki bedauert Vertrauensverlust in katholische Kirche

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bedauert einen Vertrauensverlust in die Kirche. Nicht zu entschuldigende Missbrauchsfälle und Millionenausgaben auf dem Limburger Domberg hätten ihre Spuren hinterlassen, sagte der Erzbischof am Sonntag im Kölner »domradio«.

Kirche+Leben

Mangelndes Zutrauen in die Kirche hänge in erster Linie aber damit zusammen, dass viele Menschen den Kontakt zur Kirche verloren hätten. »Wenn man den Priester gar nicht mehr kennt und im Alltag kaum mehr auf Menschen trifft, die ihren Glauben leben, dann schwindet natürlich automatisch das Vertrauen.«

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Die Sonne aus dem Untergrund

Noch werden die meisten Häuser aus fossilen Quellen beheizt, zum Beispiel durch Kohlekraftwerke. (Foto: dpa)
  • Geowissenschaftler arbeiten daran, Wärmeenergie im Untergrund zu speichern, beispielsweise in alten Bergwerken.
  • Die Idee: Die Wärme soll im Sommer in die Speicher fließen, und im Winter Haushalte beheizen. So soll der Bedarf an fossilen Brennstoffen gesenkt werden.
  • Nun gibt es erste Pilotprojekte, etwa in Hamburg und Bochum.

Von Christopher Schrader | Süddeutsche Zeitung

Wenn es nach Sebastian Bauer geht, scheint in Kiel die Sommersonne bald auch in den Winternächten. Der Physiker und Geowissenschaftler kann zwar nicht in die Himmelsmechanik eingreifen. Aber er kann die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Hitze des August auf den Dächern der Stadt eingefangen und in ihrem Untergrund gespeichert wird, um damit im Januar die Häuser zu heizen.

Solche Ideen dienen dem Kampf gegen den Klimawandel. „Die deutsche Energiewende konzentriert sich bislang auf Strom, dabei wird hierzulande etwa die Hälfte der Energie für Wärme aufgewandt“, sagt Bauer, „und hier sind die Erneuerbaren mit einem Anteil von 13 Prozent noch nicht sehr weit gekommen.“

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Antisemitismus: Lisa Fitz und die „Drachenreiter“ der Rothschilds

Lisa Fitz singt gerne. Foto: Imago
Die Kabarettistin Lisa Fitz gibt die Alles-Checkerin. Leider spielt sie mit ihrem neuesten Stück auf der Klaviatur der Rechten und setzt auf Provokation durch Verschwörungstheorien. Die Kolumne.

Von Katja Thorwarth | Frankfurter Rundschau

Nein, in die rechte Ecke will die Kabarettistin Lisa Fitz nicht gestellt werden. „Ich würde mich sehr freuen über aufrechte SPD-ler, Linke und Grüne, denen mein Song ‚Ich sehe was‘ auch gefällt“, fordert sie auf Facebook angesichts jener Zustimmung, mit der sie sich angeblich nicht gemein machen will. Und das in Großbuchstaben.

Dass sie in der Vergangenheit schon auf jener Klaviatur spielte, der die Rechte besonders gerne lauscht, weiß man seit 2016. Damals hatte Fitz dem Kremlsender RT ein Interview gegeben, ihre Kabarett-Kollegen als „systemimmanente Hofnarren“ abgewatscht und von der „Weglasspresse“ fabuliert, wie es AfD-Frau Alice Weidel auch nicht besser hinbekommt.

Im Musik-Video „Ich seh was“ offenbart Fitz ihren Anhängern eine weitere Facette ihres kulturpolitischen Schaffens: Ein Standbild zeigt die schwarz gekleidete Kabarettistin vor schwarzem Hintergrund mit einem Blick, der alle physikalischen Grenzen zu durchdringen vorgibt. Beschwörend legt sie ihren Zeigefinger an den Mund, ganz so, als dürfe nicht ausgesprochen werden, was nur die mutige Fitz in Form eines einprägsamen Sprechgesangs sich unter die Menschheit zu predigen traut.

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Kreidezeit-Fund bei der NASA

Entdeckung im Raumfahrtzentrum: Diese Steinplatte trägt 70 verschiedene Fußabdrücke von Sauriern und Säugetieren der Kreidezeit © NASA/GSFC, Rebecca Roth
Spektakulärer Fund: Auf dem Gelände eines NASA-Zentrums haben Forscher eine einzigartige Ansammlung von Spuren aus der Kreidezeit entdeckt. Auf einer rund 100 Millionen Jahre alten Steinplatte sind mindestens 70 Fußabdrücke von Dinosauriern und Säugetieren konserviert. Diese Kombination ist eine echte Rarität und gibt einzigartige Einblicke in die Interaktion von Urzeitechsen und Säugern, wie die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Fossile Fußabdrücke sind besonders spannende Fenster in die Lebenswelt der Vergangenheit. Denn sie liefern wertvolle Informationen darüber, wie ausgestorbene Tiere sich bewegten, wie sie miteinander interagierten und auch, wie schwer sie waren. In Gegenden, wo vor Jahrmillionen flache, feuchte Strände oder Sümpfe lagen, sind teilweise tausende solcher Spuren erhalten, darunter in Australien, Schottland und sogar in Alaska.

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Die akademische Sackgasse der Krebsforschung

Es ist ein langer Weg, bis neue erfolgversprechende Therapieansätze die Heilungschancen der Menschen verbessern. Foto: rtr
Es gibt viele gute Ideen zur Bekämpfung von Krebs – aber nur wenige werden Realität. Die neuen Erkenntnisse der Forschung kommen nicht beim Patienten an.

Von Pamela Dörhöfer | Frankfurter Rundschau

Das Problem: Neue Erkenntnisse kommen nie bei Patienten an
Nahezu jede Woche vermelden wissenschaftliche Informationsdienste neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs, dazu, wie Tumore wachsen, mit welchen raffinierten Mechanismen entartete Zellen das Immunsystem täuschen oder wie sie es schaffen, Gefäßwände zu durchdringen und sich im Körper auszubreiten. Oft denkt man beim Lesen dann: „Wow, das klingt ja bahnbrechend, ein Schlüsselvorgang, der da aufgedeckt wurde, das müsste sich doch als Grundlage für neue Therapien nutzen lassen.“ Doch dann hört man nie wieder etwas von diesen Forschungsergebnissen. Keine neue Behandlung, die darauf basieren würde, nicht einmal eine Studie, um die Chancen für die Entwicklung neuer Methoden auf dieser Basis überhaupt erst einmal auszuloten.

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Die ersten Störche kommen zurück

Manche Störche bleiben im Winter gleich ganz hier. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert © dpa-infocom GmbH
Die ersten Weißstörche kehren aus ihren Winterquartieren im Süden zurück. «Das ist ungewöhnlich früh in diesem Jahr», sagt Michael Kaatz, Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt.

stern.de

Die ersten Weißstörche kehren aus ihren Winterquartieren im Süden zurück. «Das ist ungewöhnlich früh in diesem Jahr», sagt Michael Kaatz, Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg in Sachsen-Anhalt.

«Normalerweise kommen die ersten Rückkehrer Ende Februar an.» Vermutlich zögen die Tiere aufgrund des milden Winters bereits jetzt gen Norden. «Das sind aber keine Störche aus Afrika, sondern Tiere, die in Südwestdeutschland oder allenfalls in Spanien überwintert haben», sagt Kaatz.

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Präsidialamt: Immer mehr Iraner gegen Kopftuchzwang für Frauen

Reuters
Der wachsende Widerstand gegen das Gesetz sei für das islamische Land besorgniserregend, so der Bericht des strategischen Zentrums im iranischen Präsidialamt. Im Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen.

Die Presse.com

Immer mehr Iraner sind einem Bericht des Präsidialamts zufolge gegen die Kopftuchpflicht für Frauen im Land. Der wachsende Widerstand gegen das Gesetz sei für das islamische Land besorgniserregend, so der Bericht des strategischen Zentrums im iranischen Präsidialamt. Im Iran müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren in der Öffentlichkeit ein Kopftuch sowie einen langen, weiten Mantel tragen.

Die Mehrheit glaube, dass die Frauen – und nicht der islamische Staat – entscheiden sollten, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht, so der von der Nachrichtenagentur Isna am Samstagabend veröffentlichte Bericht. Laut Präsidialamt hätten auch drastische Maßnahmen der Sittenpolizei, wie etwa Festnahmen von „unislamisch gekleideten Frauen“ und Geldstrafen keine Wirkung gezeigt.

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Jährlich 100.000 Schlangenbisstote – Gefahr oft vernachlässigt

foto: siegfried modola/msf Jährlich werden rund 5,4 Millionen Menschen von Schlangen gebissen
Schwellungen, starke Schmerzen und innere oder äußere Blutungen, die zum Tod führen können: Der Biss einer Viper soll als Notfall behandelt werden, sagt Julien Potet, Experte für Schlangenbisse bei Ärzte ohne Grenzen (MSF). Ebenso die Angriffe anderer Schlangenarten wie Kobras oder Mambas, die die Atemmuskeln lähmen können und zu neurologischen Schäden führen.

Von Bianca Blei | derStandard.at

Etwa 5,4 Millionen Menschen werden jährlich von Schlangen gebissen. Dabei vergiften sich bis zu 2,7 Millionen Personen, rund 100.000 von ihnen sterben. Dreimal so viele Menschen erleiden Behinderungen durch die Attacke. Und das, obwohl Gegenmittel verfügbar sind, die medizinischen Angebote die Betroffenen aber nicht erreichen: Die Patienten befinden sich nämlich in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen – vor allem in den ländlichen Gebieten Süd- und Südostasiens sowie in Subsahara-Afrika und auch Lateinamerika.

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Ist das Atomkraftwerk Tihange noch gefährlicher als angenommen?

AKW Tihange. Bild: Michielverbeek/CC BY-SA-3.0
Die Reaktoren in Belgien sind Zeitbomben und dürften schon längst nicht mehr am Netz sein

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Diese Tage gab es etwas Wirbel um Berichte über das belgische Atomkraftwerk Tihange. Der WDR-Hörfunk und das ARD-Magazins MONITOR haben behauptet, das AKW sei „deutlich gefährlicher als bislang bekannt“. In einer Pressemitteilung wurde von einem Schreiben der belgischen Atomaufsicht (FANC) berichtet, „das eine deutliche Häufung von so genannten „Precursor“-Fällen im Atomreaktor Tihange-1 belegt“. Es habe zwischen 2013 und 2015 insgesamt acht solcher Ereignisse in Tihange-1 gegeben. Das seien „mehr als die Hälfte aller „Precursor“-Fälle in ganz Belgien.“ Nach ihren Angaben sollen bisher angeblich „insbesondere die Reaktoren Tihange-2 und Doel-3 als besonders riskant“ gegolten haben.

„Bei einem ‚Precursor‘ (deutsch: Vorbote) handelt es sich um einen Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, der unter bestimmten Voraussetzungen zu schweren Schäden am Reaktorkern, bis hin zur Kernschmelze führen kann.“ Experten für Reaktorsicherheit halten diese Vorboten für aussagekräftig. „Ich erinnere daran, dass Tschernobyl einen Vorläufer hatte, dieser Vorläufer wurde nur nicht beachtet“, erklärte ein langjähriger Mitarbeiter der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) im Interview. „Tschernobyl hätte nicht stattfinden können und nicht stattfinden dürfen, wenn man sachgerecht untersucht hätte, also eine Precursor Analyse durchgeführt hätte“, fügte der Experte Manfred Mertins an. Für ihn zeige die Häufung der Precursor, „dass die Sicherheit der Anlage hier Probleme aufweist“.

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Gesundheitsminister blockiert Urteil: Darf der Staat beim Sterben helfen?

Eine Schwester hält die Hand einer todkranken Bewohnerin eines Hospizes.Foto: Norbert Försterling/dpa
Für Gesundheitsminister Hermann Gröhe gilt: „Eine staatliche Behörde darf niemals Helfershelfer einer Selbsttötung werden.“ Das Bundesverwaltungsgericht sieht das anders.

Von Jost Müller-Neuhof, Rainer Woratschka | DER TAGESSPIEGEL

Das Schicksal von Bettina Koch hat die Debatte um Sterbehilfe neu entfacht. 2002 stürzte die damals 51-Jährige, als sie Einkäufe aus ihrem Auto lud, und brach sich den Nacken an einem Blumenkübel. Gelähmt vom Hals an abwärts, litt sie dennoch unter Krämpfen und Schmerzen. Nach zwei Jahren Pein beantragte Koch beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital – ein Medikament und zugleich Mittel der Wahl für Sterbewillige. Der Patient wird ohnmächtig, dann setzt sein Atem aus.

Das BfArM lehnte ab. Koch nahm sich in der Schweiz das Leben, unterstützt von der Organisation Dignitas. Ihr Ehemann klagte im Namen der Toten weiter. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das am Ende des Rechtsstreits stand, schockierte manchen. Allen voran Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Im März vergangenen Jahres entschieden die Leipziger Richter, dass das Gröhe unterstellte BfArM in Ausnahmefällen zur Abgabe tödlicher Medikamente verpflichtet sein kann.

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Jagdszenen in der polnischen Provinz

„Ein schönes Bild“ nannte Polens Innenminister den Aufmarsch rechter Nationalisten im November in Warschau. (Foto: REUTERS)
Wie oft er angegriffen wurde, zählt ein Tunesier nicht mehr: In Polen häufen sich Attacken auf Ausländer. Regierung und Medienhetze haben Rassismus und Rechtsextremismus hoffähig gemacht.

Von Florian Hassel | Süddeutsche Zeitung

Wenn der Winter Polens Nordosten fest im Griff hat, ist die Kleinstadt Lubawa kein Ort, der Neubürger aus dem Süden warm aufnimmt. Auf dem Marktplatz mit der Anna-Kirche aus dem 14. Jahrhundert bläst bei acht Grad unter null eisiger Wind. „Als ich hier ankam, war es wie jetzt: kalt und eisig – während in meiner Heimat die Sonne schien“, sagt Salah Slama beim Gang durch die verschneiten Straßen und zieht die Wollmütze tiefer über die schwarzen Locken.

Salah Slama floh nicht vor Krieg, Verfolgung oder Armut, als er vor fünf Jahren aus Tunesien nach Lubawa zog. Der hochgewachsene 30-Jährige kam der Liebe wegen. Zwei Jahre zuvor war Magdalena Slama, damals Ewertowska, im Urlaub in Tunesien. Sie sprach weder Arabisch noch Englisch, als sie in der Küstenstadt Sousse Slama traf, der als Kellner arbeitete. Eine Freundin übersetzte die ersten Flirts. Die Polin mit den lebhaften grünen Augen und dem blonden Haar und der Tunesier verliebten sich Hals über Kopf.

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Richard Feynman: Genialer Physiker und Bongotrommler

Jörg Resag
Feynman und die Physik
Verlag: Springer, Berlin und Heidelberg 2018
ISBN: 9783662547960| Preis: 19,99 €

Nachdem zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Umbruch der Physik durch die Quantentheorie vollzogen war, standen die Theoretiker vor der Aufgabe, sie mit der Relativitätstheorie zu vereinen.

Von Michael Springer | Spektrum.de

Wie Einsteins berühmte Formel E=mc2 besagt, sind Masse und Energie austauschbar. Somit können Teilchenstöße mit ihrer Wucht neue Partikel erzeugen oder vorhandene vernichten, das heißt in pure Strahlungsquanten verwandeln. Zur Beschreibung solcher Vorgänge braucht man eine relativistische Theorie gequantelter Felder.

Bei der Lösung dieser Aufgabe spielte der US-Amerikaner Richard Feynman (1918-1988) eine zentrale Rolle. Teilchenphysiker hantieren heute gewohnheitsmäßig mit Feynman-Diagrammen, um Näherungslösungen für komplexe Wechselwirkungen zu berechnen. Vor allem für die Quantenfeldtheorie des Elektromagnetismus leistete Feynman Pionierarbeit, die 1965 mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Außerdem trug er zur Theorie der starken Wechselwirkung bei: Aus Feynmans hypothetischen „Partonen“ wurden kurz darauf die Quarks seines jüngeren Kollegen Murray Gell-Mann (geb. 1929). Und die Theorie der schwachen Kraft faszinierte Feynman so sehr, dass er unabhängig von anderen die Paritätsverletzung – die Brechung der Spiegelsymmetrie – bei schwachen Zerfällen beschrieb. Obwohl er dabei nicht der Erste war, hielt er diese Entdeckung eines neuen Naturgesetzes für seine größte Leistung.

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Die multiple Sklerose und die Milliarden

Der Film „Endlich wieder ich“ erzählt aus dem Leben mit Multipler Sklerose. Bild: obs/Merck Healthcare/Filip Piskorzynski
Roche hat ein neues Medikament gegen MS entwickelt. Andere Pharmakonzerne wittern ebenfalls große Chancen – der Wettlauf ist in vollem Gange.

Von Ilka Kopplin, Johannes Ritter | Frankfurter Allgemeine

„Nach der Diagnose stand ich erst mal völlig unter Schock und fühlte mich plötzlich wahnsinnig allein. Was würde nun passieren? Wie würde sich mein Leben verändern? Ich war doch erst 30!“, notiert eine junge Frau in einem Blog von Patienten, die an multipler Sklerose (MS) erkrankt sind. Mit 30 Jahren, so schreibt sie, solle man feiern, einen Bungee-Sprung machen oder mit dem Rucksack durch Australien wandern, „kurzum einfach das Leben genießen“. Durch die Diagnose MS fühle sie sich darum betrogen. Mit multipler Sklerose, einer Entzündung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft, gehen im schlimmsten Fall Lähmungen und Spastiken einher. Es gibt Medikamente, die Symptome lindern oder den Verlauf der Krankheit abschwächen. Doch heilbar ist sie nach wie vor nicht.

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Türkei: Vorsichtige Wiederannäherung an Europa

Mittelsmann der EU: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron spricht mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan.Foto: Jack Chan/imago/Xinhua
Die türkische Führung will auf einmal wieder gute Beziehungen zu Europa. Doch die Zweifel am Rechtsstaat machen das schwierig. Neues altes Ziel ist eine Zollunion.

Von Markus Bernath | DER TAGESSPIEGEL

Im Koalitionsvertrag steht es schwarz auf weiß: „Keine Zustimmung zu einem EU-Beitritt der Türkei. Verbündete zur Erreichung des endgültigen Abbruchs der EU-Beitrittsverhandlungen zu Gunsten eines Europäisch-Türkischen Nachbarschaftskonzeptes werden gesucht.“ Und dennoch läuft der Antrittsbesuch der österreichischen Außenministerin in Istanbul Ende Januar ausgezeichnet. „Wir haben aufrichtig miteinander gesprochen“, sagt ihr Amtskollege Mevlüt Çavusoglu und grinst. „Zentrum des Rassismus und der Islamophobie in Europa“ hatte er Österreich noch vor kurzem genannt. Jetzt ist Europa wieder prima für die Türkei.

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Missbrauchsfall von Staufen: Viele wussten Bescheid – keiner tat etwas

Staufen im Breisgau, 8000 Einwohner, Fachwerk, Kopfsteinpflaster und über allem die Ruine der Burg Staufen. Bis aus Spanien kamen kriminelle Pädophile, um ein Kind aus dem Ort zu missbrauchen © Patrick Junker/stern
Ein Kind wird zum Missbrauch Pädophilen ausgeliefert, wieder und wieder. Haupttäter und „Kunden“ sind den Behörden seit Jahren bekannt.

Von Frauke Hunfeld | stern.de

Der Junge wohnt hier nicht mehr. Sein Spielzeug liegt draußen vor dem weißen Haus am Hang, seine Puzzles, sein gelber Plastikbagger und die Kuscheltiere. Der Vermieter hat auch die ganze Kleidung in alte Tragetaschen und Säcke gepackt und vor die Tür gestellt, und dazu das kleine rot-blau lackierte Fahrrad. Im Regen gammeln die Sachen vor sich hin.

Ein netter kleiner Junge war er, sagen die Nachbarn, ein bisschen einsam vielleicht, denn es kamen niemals Freunde, und er sei zurückhaltend und zierlich gewesen für seine sieben, acht Jahre. Aber doch liebevoll umsorgt von seiner Mutter Berrin T. Jedenfalls sah es so aus. Jedenfalls ließ man es so aussehen. Tatsächlich war er eine Ware, missbraucht, gequält, vergewaltigt, gegen Geld.

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AfD-Bundestagskandidatin postet Hitler-Video auf Facebook

Ein Screenshot von der Facebook-Seite des AFD-Kreisverbands Ebersberg mit dem Video-Posting der Bundestagskandidatin Brigitte Fischbacher. (Foto: sz/privat)
„Ich möchte euch eindringlich bitten, dieses Video anzuschauen.“ Der Clip ist auf der öffentlichen Seite des AFD-Kreisverband Ebersberg zu sehen.

Von Wieland Bögel | Süddeutsche Zeitung

Zu Zeiten, als die Radios noch Volksempfänger hießen, war es der Höhepunkt des Programms: Wenn der Führer spricht. Doch auch in Zeiten, in denen der Volksempfänger Facebook heißt, darf Adolf Hitler gelegentlich zu Wort kommen: Zum Beispiel auf der Seite des AfD-Kreisverbandes Ebersberg. Dort ist seit Dienstagnachmittag ein längliches Video zu sehen, das über „die wahren Hintergründe“ des Zweiten Weltkrieges aufklären will. An dem eben nicht der Führer, sondern eine jüdisch-kapitalistische Weltverschwörung schuld sei.

Dieser Revisionismus ist in rechtsradikalen Kreisen nicht neu, dort gehört es seit jeher zum Selbstverständnis, dass beide Weltkriege Folge internationaler Verschwörung waren, um Deutschland zu vernichten. Als Belege dienen wild zusammengewürfelte Zitate historischer Persönlichkeiten oder von Historikern, meist aus dem rechten bis sehr rechten Spektrum. Dieser Les- und Machart folgt auch das auf der AfD-Seite eingestellte Video.

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Weltallianz über „Rom-Freundlichkeit“: Es gibt Meinungsverschiedenheiten

Headquarter des Konzerns.

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA/New York) hat in einem offiziellen Stellungnahme Vorwürfe zurückgewiesen, zu unkritisch gegenüber der römisch-katholischen Kirche aufzutreten und die bestehenden Unterschiede nicht mehr wahrzunehmen.

idea.de

Gleichzeitig gesteht die Weltallianz Mängel in der Kommunikation mit den nationalen Allianzen ein. Zum Hintergrund: Ende des vergangenen Jahres hatten die Italienische, Spanische und die Maltesische Evangelische Allianz der Weltallianz in einem Offenen Brief mitgeteilt, dass sie erhebliche Änderungen in der „theologischen DNA“ der WEA wahrnähmen. Der Dachverband sei de facto Teil der ökumenischen „Mainstream-Bewegung“. Dessen Haltung ähnele der des Weltkirchenrates. Die Allianzen kritisierten zudem ein Treffen von Vertretern der Weltchristenheit im Rahmen des „Global Christian Forum“ (Globales Christliches Forum/Straßburg) im Mai in Bossey bei Genf. Dem Forum gehören die vier Zusammenschlüsse Weltweite Evangelische Allianz, Weltkirchenrat, Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen und die Weltpfingstbewegung an. Bei dem Treffen sei es um die Frage der „größeren Einheit“ der Kirchen gegangen. Sollte sich die WEA künftig dafür einsetzen, könnte das zu einer Zerstörung der Vereinigung führen, warnten die drei Allianzen.

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Was in der #MeToo-Debatte bisher ausgeblendet wird

Das „strukturelle“ Problem, das zum sexuellen Fehlverhalten von Männern und letztlich zum Patriarchat führt, hat noch tiefere Ursachen als die gesellschaftlichen Verhältnisse selbst, in denen Menschen heranwachsen. (Foto: Illustration Jessy Asmus)
Männern, die Frauen bedrängen oder sogar vergewaltigen, geht es nicht um Macht, sondern um Sex. Es ist töricht, die Rolle der Biologie für das Sexualverhalten völlig zu leugnen – gerade dann, wenn wir eine Gesellschaft ohne sexuelle Gewalt anstreben.

Essay von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche Zeitung

Was hat das, was Harvey Weinstein in den USA und Dieter Wedel in Deutschland vorgeworfen wird, gemein mit dem Alltagssexismus, dem sich Frauen permanent konfrontiert sehen, an der Bushaltestelle, im Ausbildungsbetrieb, in der Cocktail-Bar? Haben die Hand auf dem Knie, der Blick ins Dekolleté, die übergriffig-anzügliche Bemerkung sowie Missbrauch und Vergewaltigung eine gemeinsame Ursache?

Nein, sagen die 100 Frauen um die Schauspielerin Catherine Deneuve und die Publizistin Catherine Millet. In einem offenen Brief, der in der französischen Zeitung Le Monde abgedruckt wurde, verteidigen sie „die Freiheit, jemanden zu belästigen“. Man müsse klar unterscheiden zwischen einer Vergewaltigung, die stets als Verbrechen gewertet werde und – selbst aufdringlichen – männlichen Annäherungsversuchen, die „für die sexuelle Freiheit unerlässlich“ seien.

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Wolffsohn: Antisemitismus-Beauftragter ist „Alibi-Veranstaltung“

Der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn hält die Forderung des Deutschen Bundestages nach einem Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung für lächerlich. Das wäre eine „reine Alibi-Veranstaltung“, sagte Wolffsohn, der bis 2012 Professor an der Münchner Bundeswehr-Universität war, der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag).

evangelisch.de

„Bildung ist gut und wichtig, aber kein Allheilmittel“, betonte der 70-Jährige. Die ersten, die einst in großer Zahl zu den Nazis übergelaufen seien, seien die deutschen Hochschullehrer gewesen. „Wir brauchen Prävention und die konsequente Anwendung des Rechts“, sagte er. Doch genau dies geschehe in Deutschland oft nicht.

Er nannte „das staatliche Versagen zu Beginn der Flüchtlingskrise 2015“ als Beispiel. Die Juden wüssten zwar, dass Menschen in Not geholfen werden müsse. Während des Holocausts sei es überlebenswichtig für die Juden gewesen, dass einige Staaten ihre Tore geöffnet haben. Ihn mache aber sprachlos, dass man nicht versucht habe, in ordentlichen Auffanglagern herauszufinden, wer ins Land komme.

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