Carsten Frerk: Moscheesteuer ist Schnapsidee

Ein Mann betet in einer Moschee. (dpa)
Ist eine Moscheesteuer für Muslime – wie derzeit diskutiert – wirklich eine gute Lösung, um eine Radikalisierung zu verhindern? Der Journalist und Kirchenkritiker Carsten Frerk hält eine solche Steuer für „eine Schnapsidee“.

Carsten Frerk im Gespräch mit Ute Welty | Deutschlandfunk Kultur

Ute Welty: Die Radikalisierung in deutschen Moscheen verhindern – das ist die Idee hinter einer Moscheesteuer. Milliarden sollen in den vergangenen Jahren vor allem von Saudi-Arabien investiert worden sein, um die Verbreitung eines fundamentalistischen Islams zu bewerben. Als Vorbild für die Moscheesteuer wird immer wieder die Kirchensteuer genannt. Aber taugt die tatsächlich als Vorbild? Damit hat sich Carsten Frerk beschäftigt. Er ist Politologe, Journalist, Kirchenkritiker, und seine Erkenntnisse hat er unter anderem zusammengefasst im „Violettbuch Kirchenfinanzen“. Carsten Frerk ist an diesem Samstag zu Gast in „Studio 9“. Guten Morgen!

Carsten Frerk: Guten Morgen!

Welty: Halten Sie es für eine gute Idee, islamische Gemeinden nach dem Vorbild der christlichen Kirchen finanzieren zu wollen?

Frerk: Es ist, auf die deutsche Situation bezogen – ich sag es mal einfach so, es ist ja früher Morgen – eine Schnapsidee. Das ganze deutsche Kirchensteuersystem beruht auf einer jahrhundertelangen Entwicklung von Staat und Kirche in Deutschland, und ich denke, der Islam ist gegen diese Idee einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, was ja Voraussetzung wäre für so eine Art Steuer absolut renitent.

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Mobilität für den Klimaschutz

Grünweg für Fahrräder und Spaziergänger am Kanal. So bringt Fortbewegung Lebensfreude und schützt das Klima. Bild: H. Boes
Klimafreundliche Mobilität ist nur mit kleineren und leichteren Fahrzeugen zu erreichen

Hans Boës | TELEPOLIS

In der Politik wird immer noch händeringend nach Ideen für den Klimaschutz gesucht, aber der Klimaschutz bleibt bisher meist im alltäglichen politischen Stau stecken. Das liegt daran, dass Industrie und Politik immer noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Mir tun die Autofahrer oft leid, wenn sie im Sommer so in ihren Blechkisten im stinkenden Stau schmoren, während ich entlang der Grünwege fahren und frische Luft atmen kann. Schon 1991 wurde mir klar, dass die Straßeninfrastruktur in den Ballungsräumen nicht wirklich in nennenswertem Umfang ausgebaut werden kann, während gleichzeitig die PKW-Dichte kontinuierlich zunimmt, der Stau also schon damals vorprogrammiert war (Dem Auto die Vor-Fahrt nehmen).

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Trendforscher Horx: Soziale Medien machen süchtig

©Lino Mirgeler/Archiv, FR Eine Frau spricht eine Sprachnachricht via WhatsApp in ein Smartphone.
Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx sieht die Social-Media-Kanäle in einer digitalen Krise.

Frankfurter Rundschau

„Die sozialen Medien machen Menschen süchtig nach sozialer Bestätigung. Der „Like“-Button wirkt auf die Seele etwa so wie Zucker auf den Organismus“, sagte der Soziologe und Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Aber das sind leere seelische Kalorien. Sein Leben auf dem Netz auszubreiten, führt irgendwann zu einem Selbstdarstellungs-Narzissmus, der schnell in Depression und Selbstzweifel umkippt.“

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33 Islamisten in Bayerns Gefängnissen

Ein Gefägnisgang liegt hinter einer Tür, deren Schloss betätigt wird. Foto: Marcus Führer/Archiv Quelle: dpa-infocom GmbH
Sie werben in Gefängnissen Mithäftlinge für ihre perfiden Ziele an. Auch der mutmaßliche Attentäter von Straßburg soll sich im Gefängnis islamistisch radikalisiert haben. In Bayerns Haftanstalten spielt der islamistische Terrorismus ebenfalls eine Rolle – Tendenz steigend.

DIE WELT

In Bayerns Gefängnissen sitzen derzeit 33 Inhaftierte mit islamistischen Bezügen, einige davon auch im Zusammenhang mit Terrorismus. Bei exakt noch einmal so vielen Gefangenen besteht der entsprechende Verdacht, wie das bayerische Justizministerium in München auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Die Zahl der 66 Fälle entspricht einem Anteil von 0,6 Prozent der im Freistaat inhaftierten 11 065 Männer und Frauen. Nach Ministeriumsangaben stieg die Zahl der Islamisten in Haft von Ende 2016 bis Ende 2018 um knapp 30 Prozent.

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Die Einbahnstraße des Fortschritts

Grafik: TP
Fortschritt – das war mehr Effizienz beim Töten

Karl Kollmann | TELEPOLIS

Mit dem Anbrechen der Aufklärung ist auch die Idee des Fortschritts in die Welt gekommen. Wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt zivilisatorischer (etwa Kant: Gebrauche Deinen eigenen Verstand, Lasse Dich nicht von anderen missbrauchen, Behandle Andere so, wie Du behandelt werden willst) sowie wissenschaftlicher und technischer Art werden die Welt besser machen. Es geht stetig aufwärts, jedoch vielfach mit Umwegen, wie Hegel meinte, oder eben ziemlich zwangsläufig und geradlinig, wie Karl Marx sich das vorstellte.

Wachstum und Fortschritt sind heute noch, knapp zwei Jahrhunderte später, die zentralen Vorstellungen in unseren Gesellschaften, wobei allerdings kaum jemand mehr weiß, was dabei das Ziel sein soll. Besonders im linken Spektrum, momentan wäre das der multikulturelle Teil der Bevölkerung, aber ebenso bei neoliberalen Marktradikalen, ist man infiltriert von einer Art von kontinuierlichem Fortschrittsdenken, während es bei den Traditionalisten, also dem mittigen und rechten Spektrum, durchaus andere Grundvorstellungen vom Gang der Geschichte gibt.

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Irlands Primas zeigt sich verärgert über die Brexit-Debatte

Irische Flagge © Alejandro Luengo (unsplash)
Der katholische Primas von ganz Irland, Eamon Martin, zeigt sich besorgt über die Folgen eines Brexits. Das irische Volk sei von der Brexit-Debatte „entmündigt“ worden, sagte der Erzbischof von Armagh der Zeitschrift „The Tablet“ an diesem Samstag.

DOMRADIO.DE

Die Brexit-Debatte sei „in den Sitzungssälen von Brüssel oder Straßburg oder London“ entschieden worden. Eamon Martin kritisiert, die Debatte habe genau jene Menschen ausgeschlossen, die am meisten vom Brexit betroffen sein werden. Vor Ort wirke sich der EU-Austritt auf Unternehmen aus, auf Landwirtschaft, Fischerei und auf Menschen, deren Lebensunterhalt in Tourismus, Handel und Verkehr besteht.

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Zeuge: McCarrick wurde bei Beichte übergriffig

Bild: © Bob Roller/CNS photo/KNA
Im laufenden kirchenrechtlichen Verfahren gegen Ex-Kardinal Theodore McCarrick wurden neue Details bekannt: Laut einem Opfer soll der emeritierte Erzbischof von Washington auch im Beichtstuhl Missbrauch begangen haben.

katholisch.de

Neue Zeugenaussage gegen den früheren Washingtoner Kardinal Theodore McCarrick (88): Das Erzbistum New York hat im Auftrag des Vatikan einen Mann angehört, der nach eigener Darstellung als Elfjähriger von McCarrick sexuell missbraucht und dann über Jahre belästigt wurde, wie US-Medien am Wochenende unter Berufung auf den Anwalt des Zeugen berichteten.

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Sinéad O’Connors langer Zickzackweg zum Islam

Sinéad O’Connor 2014. Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0
Die irische Sängerin, bekannt für den Welthit «Nothing Compares 2 U», rieb sich lange am Katholizismus. Nun hat sie die Religion gewechselt und will nicht mehr mit «weissen Menschen» sprechen.

Marion Löhndorf |Neue Zürcher Zeitung

Sinéad O’Connor erfindet sich neu, wieder einmal. Seit die irische Sängerin im Oktober auf ihrem – nicht verifizierten – Twitter-Konto ihre Konversion zum Islam bekanntgab, veröffentlicht sie alle paar Tage zehntausendfach angesehene Videos, die sie mit einem Hijab zeigen. Dazu flüstert sie ein paar Sätze – auf Englisch, dass sie gerade ihren ersten, roten Hijab hergestellt habe, und auf Arabisch, dass sie Allah verehre. Sie schreibt, dass sie einen neuen Namen angenommen habe, Shuhada’ Sadaqat; dass sie «all meinen muslimischen Brüdern und Schwestern», die sie in der Glaubensgemeinschaft willkommen geheissen hätten, danke; und dass sie nie wieder Zeit mit nichtmuslimischen «weissen Menschen» verbringen wolle.

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Experte rät Kirche zu offensivem Umgang mit AfD-Anhängern

Stimmkarten beim AfD-Bundesparteitag © Michael Kappeler (dpa)
Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hat die Kirche zu einem offensiven Umgang mit Rechtspopulisten aufgerufen. Die Grenze der Auseinandersetzung müsse dort gezogen werden, wo Populismus zum Extremismus werde.

DOMRADIO.DE

„Kirche ist Teil unserer Gesellschaft. Je deutlicher sie sich als Volkskirche versteht, desto intensiver ist sie eingebunden in gesellschaftliche Polarisierungsprozesse und Debatten“, sagte der Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Reinhard Hempelmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Aufgabe der christlichen Kirchen sei es, „in einen kritischen und streitbaren Dialog mit Personen zu gehen, die mit der AfD sympathisieren oder ihr angehören“, fügte der Theologe hinzu. Zentrale Orientierungspunkte der Debatte müssten für Christen das universale Gebot der Nächstenliebe und die Orientierung an der Gottebenbildlichkeit eines jeden Menschen sein.

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Lokales Bettelverbot in Schweden ist rechtens

Bettler sind im schwedischen Strassenbild allgegenwärtig. Vor einem Jahr löste eine Gemeinde mit einem Bettelverbot an bestimmten Lokalitäten auf ihrem Gebiet viel Kritik aus. Nun hat sie vor dem höchsten Verwaltungsgericht recht bekommen.

Rudolf Hermann | Neue Zürcher Zeitung

Das höchste Verwaltungsgericht Schwedens hat – im Gegensatz zu mehreren unteren Instanzen – die Einführung eines Bettelverbots in der südschwedischen Gemeinde Vellinge mit abschliessender Gültigkeit als rechtens erklärt. Damit ist ein Präzedenzurteil gefällt worden, das bald weitere Gemeinden dazu veranlassen dürfte, für gewisse Lokalitäten auf ihrem Gebiet solche Verbote zu erlassen. Dabei dürfte es in den meisten Fällen um den Zentrumsbereich gehen. Ein flächendeckendes Verbot wäre indes nicht zulässig.

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Berlin: Theologie wird in „Hauptstadt des Atheismus“ aufgewertet

Katholen-Tempel in Berlin, Bild: bb
Das Thema Religion wird 2019 in Berlin, das wegen des hohen Bevölkerungsanteils von Konfessionslosen als „Hauptstadt des Atheismus“ gilt, einen höheren Stellenwert erhalten als bisher.

kathpress

Mehrere Projekte, die damit zu tun haben, stehen laut der deutschen Katholischen Nachrichtenagentur KNA vor der Verwirklichung oder vor wichtigen Weichenstellungen.

Im Bereich der Hochschulen betreffen dies das Institut für Katholische Theologie und jenes für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität. Nach Zustimmung der Hochschulgremien werden Berufungen von Professoren vorbereitet und Studienordnungen erarbeitet. Beginnen soll der Lehrbetrieb im Wintersemester 2019/20.

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Gefährliches Wissen über Fitness und Fettleibigkeit

Im Zeitalter der Genetik glauben viele, sie sollten mit der Hilfe von DNA-Tests in ihre Zukunft schauen. Sie sollten es besser lassen.

Von Kathrin Zinkant | Süddeutsche Zeitung

Es gab Zeiten, da war Bleigießen an Silvester ein Heidenspaß. Man wollte ein wenig daran glauben, dass die Klumpen in der Wasserschale etwas über das eigene Schicksal verraten. Wie gefährlich das Spiel mit dem Schwermetall ist, war einem da weniger klar. Seit vergangenem Jahr ist es verboten.

Was aber wäre, wenn man es wirklich könnte, einen Blick in die Zukunft werfen? Die Frage stellt sich nicht nur zum Jahresende. Der Mensch lebt schließlich im Zeitalter der Genetik. Er verfügt über einen neuen, einen biologischen Kaffeesatz, der auf Bestellung im Internet gelesen werden kann.

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Der Fall Rushdie: Ein Todesurteil als Wendepunkt

Illegale Ausgabe einer persischen Version der „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie. Quelle: Olaf Simons/Wikimedia Commons.
„Seit der Rushdie-Affäre gibt es einen Riss, der die Linke spaltet. Zwar gehört Religionskritik zu ihrem vornehmsten, heute aber mehr oder weniger vergessenem Erbe. Gleichzeitig begreifen viele Linke auf der Suche nach einem revolutionären Subjekt die Muslime ausschließlich als bedrohte Minderheit beziehungsweise als passives Opfer des Kolonialismus und Imperialismus.

mena-watch

Daraus erklärt sich die bis heute bei vielen Linken festzustellende heimliche Sympathie für den Islamismus. Für linke Intellektuelle wie Salman Rushdie war das nach der Fatwa der nächste Schock: Er selbst wurde für viele britische Linke zum Verräter, der sich gar von Margaret Thatcher beschützen lassen musste.

Während der Rushdie-Affäre stellte sich heraus, dass es nicht viele Menschen gab, die universalistische Positionen nicht nur gegenüber der christlichen Religion oder kommunistischen Unterdrückungsapparaten, sondern auch gegenüber der islamischen Religion hochhielten. Dabei hat Rushdie doch die gleichen Ansprüche wie ein verfolgter Christ. Ein halbes Jahr zuvor hatte man ja kein Problem damit, Martin Scorseses’ Jesus-Film gegen christliche Fundamentalisten zu verteidigen. Bei Rushdie gab es diese Einigkeit nicht.

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