Kriege im Namen der Religion: Töten für Gott

Oft sind es bei Konflikten dieser Welt Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen, die aneinandergeraten, sei es in Nigeria, in Ägypten oder in Pakistan

Von David SignerNeue Zürcher Zeitung

Experten versichern in solchen Fällen gerne, bei diesen Konflikten gehe es in Wirklichkeit nicht um religiöse, sondern um politische, wirtschaftliche oder ethnische Auseinandersetzungen. Aber warum wird dann im Namen der Religion getötet? Und warum sind so oft Muslime und Christen involviert und so selten Hindus, Buddhisten oder beispielsweise Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen? Könnte es sein, dass manche Religionen per se aggressiver sind als andere?

Alleinseligmachender Monotheismus

Diese These wurde in der Tat von mehreren Forschern vertreten, am profiliertesten vom deutschen Ägyptologen Jan Assmann. In seinen beiden Büchern «Moses der Ägypter» und «Die Mosaische Unterscheidung» postuliert er, erst mit Moses und dem Monotheismus, also vor etwa 3000 Jahren, sei die Unterscheidung zwischen «wahrem» und «falschem Gott», zwischen «Gläubigen» und «Ungläubigen» in die Welt gekommen.

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Rudolf Steiners Rassentheorien

Bild: nzz.ch
Rudolf Steiner, der geistige Vater der Anthroposophie, macht es seinen Anhängern nicht leicht.

Von Helmut ZanderNeue Zürcher Zeitung

Rassistische Formulierungen, wonach «Neger» einer «degenerierten» «Rasse» zugehörten oder die «weisse» «die zukünftige, die am Geiste schaffende Rasse» sei, durchziehen sein Werk. Das ist ein Problem, aber kein aussergewöhnliches, denn solche Formulierungen finden sich etwa auch in den Œuvres von Kant und Hegel. Das Kernproblem liegt vielmehr im Umgang mit solchen Vorstellungen und Formulierungen. Mit diesem Umgang kämpft die Anthroposophie, seitdem die deutsche Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth 1992 Steiners Weltanschauung als eine Art Ökofaschismus anprangerte.

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18 Minuten für die Religionsfreiheit: TED-Konferenz im Vatikan

TEDEs ist eine der meist besuchten Seiten im Internet: http://www.ted.com. Eineinhalb Millionen Besucher am Tag, übersetzt in 90 Sprachen. Dahinter stehen Kongresse, die ins Internet übertragen werden. Es geht um das Teilen von Ideen, die es wert sind, weitergegeben zu werden, so das Konzept: ‚Ideas worth spreading’ heißt das Motto. Solch eine Konferenz findet an diesem Freitag in Rom statt.

Radio Vatikan

„In unserem universalen Dorf wollen wir die digitale Plattform von TED nutzen, die schon bisher einen so großen Erfolg hatte.“

Giovanna Abbiati ist die Veranstalterin der TED-Konferenz, oder präziser gesagt: der TEDx-Konferenz. Abbiati erklärt uns, was sich genau dahinter verbirgt.

„Es ist gar kein so mysteriöser Name, T steht für technology, E für Entertainment, also Unterhaltung, und D für Design, Gestaltung. Das ganze stammt aus den Denkfabriken von Silicon Valley in den USA und will neue Ideen über das Internet verbreiten. Seit 2003 gibt es nun diese TEDx Kongresse, bei denen unter dem Titel TED andere Veranstalter eine Lizenz von TED erwerben und so zum Ideenaustausch über das Internet durch solche Konferenzen beitragen. Südkorea und Tansania haben zum Beispiel so eine Konferenz veranstaltet. Und über diesen Weg haben wir für den Vatikan auch eine Lizenz erworben und machen so einen TEDx-Kongress.“

Die Liberalen Hochschulgruppen Nordrhein – Westfalens und Dodo-Steffens

steffens Pseudowissenschaften haben keinen Platz an unseren Hochschulen
An deutschen wie europäischen Hochschulen sind Alternativmedizin und Esoterik auf dem Vormarsch. Diesem Trend stellen sich die Liberalen Hochschulgruppen Nordrhein-Westfalens entschieden entgegen.

Liberale Hochschulgruppen NRW

Eine Hinwendung zur alternativen Medizin bedeutet eine Abwendung von den Maßstäben akademischer Arbeit. Alternativmedizin schadet NRW als Forschungsstandort im internationalen Wettbewerb. Homöopathie im Hochschulwesen bedeutet eine Abkehr vom Denkstil der Aufklärung. Das »sapere aude« Kants ist der vorrangige Wahlspruch jedes Wissenschaftlers und darf nicht den Interessen der Landesregierung und privater Verbände geopfert werden. Landesministerin Barbara Steffens plant eine schrittweise Integration von wirkungslosen Therapieformen in der Hochschullandschaft. Den dahinterstehenden Ideologien begegnen die Liberalen Hochschulgruppen Nordrhein-Westfalens mit den Worten Adornos:»Okkultismus ist die Metaphysik der dummen Kerle«.

«Die Liberalen Hochschulgruppen in NRW lehnen die Schaffung von eigens eingerichteten Lehrstühlen und verbindliche Veranstaltungen zur Alternativmedizin an öffentlichen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen ab. Behandlungsmethoden, die den Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin widersprechen, sollen erforscht, aber nicht ohne kritische Auseinandersetzung gelehrt werden. Dabei ist der Freiheit von Forschung und Lehre insofern Rechnung zu tragen, als dass Mindermeinungen im wissenschaftlichen Diskurs eine weitestgehende Freiheitssphäre eröffnet bleibt, solange eine Einschränkung nicht erforderlich ist, um Gefahren im Gesundheitswesen durch zweifelhafte Behandlungsmethoden Rechnung zu tragen.

Begründung

Pseudomedizin auf dem Vormarsch

Die Zahl der nicht staatlichen Hochschulen steigt rapide. Von 2000 bis 2010 stieg die Anzahl privater Hochschulen von 47 auf 108 auf ein Viertel der Hochschulen insgesamt. Wenngleich es im Grundsatz zu begrüßen ist, wenn Staat und Private um die besten Studenten werben, birgt diese Entwicklung die Gefahr der Einflussnahme von Interessengruppen in sich. Gerade die Ausbildung in Heilbehandlungsberufen ist anfällig für den Einfluss der Pharmahersteller, aber auch von Ideologien und bedarf daher externer Qualitätssicherung.

In Taunstein in Oberbayern soll die erste europäische Hochschule für Homöopathie eröffnet werden. Getragen wird sie von dem Lobbyverband »European Union of Homeopathy«. Hier sollen künftig Studenten einen Abschluss in Homöopathischer Medizin mit BA/MA erwerben können.
Die Berliner Steinbeis-Hochschule, die Berliner Hochschule für Gesundheit und Sport und die Idsteiner Fresenius-Hochschule bieten Studiengänge in Komplementärmedizin an. Mit der Alanus-Hochschule in Alfter
entstand in NRW ein Bachelorstudiengang in anthroposophischer Eurhythmie. Einen BA/MA-Abschluss in Waldorfpädagogik können Interessenten an der Anthroposophischen Freien Hochschule in Mannheim erwerben. Die Liste der Beispiele ist nur exemplarisch und könnte fortgesetzt werden.

Doch nicht nur private Hochschulen sind anfällig für die Einflussnahme alternativmedizinischer Interessengruppen. An der Universität Zürich wurde ein Lehrstuhl für Naturheilkunde eingeführt.
An der renommierten Charité-Berlin werden Akupunktur, Mind-Body-Medizin, Neuraltherapie und Pflanzenheilkunde angewendet. Ähnliche Angebote findet man im Klinikum Essen-Mitte.

Im Klinikum München setzt man auf traditionelle chinesische Medizin. An der Universität Bern hingegen wird anthroposophische Medizin erforscht und gelehrt. An der Universität Frankfurt/Oder wurde 2008 der Masterstudiengang Komplementäre Medizin eingeführt. Zu diesem zählt auch eine Ausbildung in Homöopathie als Wahlpflichtfach. Der Studiengangleiter Harald Walach war Berater einer niederländischen Firma, die in Afrika ein homöopathisches Aids-Medikament erproben wollte.

Einflussnahme von Interessengruppen

Forschung, Lehre und Praxis alternativmedizinischer und esoterischer Behandlungsmethoden finden in Herstellern homöopathischer Präparate liquide Sponsoren.
Dazu zählen Hersteller wie die Biologische Heilmittel Heel GmbH, die Deutsche Homöopathie Union GmbH & Co. KG oder die Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG. Aber auch Stiftungen. Wie der Krupp-Stiftung, der Carstens-Stiftung und andere Interessengruppen treten als Sponsoren von Lehrstühlen und Forschungsprojekten auf. Insbesondere die Carstens-Stiftung hat das Ziel, »Naturheilkunde und Homöopathie in Wissenschaft und Forschung zu integrieren« und fördert diese mit knapp 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Barbara Steffens und die Pseudomedizin

Mit der Wahl von Barbara Steffens zur Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen traf die rot-grüne Landesregierung eine Richtungsentscheidung zugunsten der Integration der Alternativmedizin und Esoterik in den Wissenschaftsbetrieb.

Steffens ist bekennende Streiterin für Homöopathie und Esoterik. Ziel Steffens ist es, Einfallstore für Pseudowissenschaften in das Hochschulwesen zu errichten. Nicht nur eröffnete sie den Deutschen Homöopathiekongress und warb für den DZVhÄ für die Homöopathie. Auch argumentierte sie auf der Website des MGEPA für Alternativheilverfahren und deren Aufwertung durch die europaweite Akademisierung des Heilpraktikerberufs.

Die Ministerin wandte sich gegen das »Entweder-oder in Bezug auf konventionelle, integrative oder komplementäre Verfahren« und sprach sich für ein »Sowohl-als-auch« aus. Steffens vertritt die unter Homöopathen verbreitete Ansicht »Wer heilt hat recht« und schließt sich somit gängigen Argumentationsmustern von Heilpraktikern und Alternativmedizinern an. Diesen zufolge sind Vorgänge im menschlichen Körper nicht abschließend wissenschaftlich erklärbar1. Gleichzeitig existiert nach ihrer Auffassung kein Gegensatz zwischen Schul-und Alternativmedizin. Steffens argumentiert mit Studien, z.B. des Charité Berlin, die den Anschein der Wirksamkeit homöopathischer Präparate suggerieren. Tatsächlich konnte niemals in qualitativ hochwertigen Studien und Metaanalysen nachgewiesen werden, dass homöopathische Mittel eine nennenswerte,über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit haben2.
Neben der Werbung für Alternativheilverfahren fordert Steffens3 deren Integration in das Medizinstudium. Dadurch könnten »Medizinstudentinnen und-studenten auch diese Tätigkeitsfelder bei der Ausrichtung ihres weiteren beruflichen Werdegangs angemessen prüfen.« Ziel im Rahmen ihrer Arbeit sei es, »eine bessere Vernetzung Nordrhein-Westfalen auch als Standort für Integrierte Medizin beziehungsweise Komplementärmedizin« herzustellen. Daneben kritisiert sie, dass Alternativheilverfahren noch nicht ausreichend in den Leistungskatalogen der Krankenkassen gewürdigt seien.

Barbara Steffens und die evidenzbasierte Medizin

Der Weg zur Verwirklichung der genannten Vorhaben führt nach Ansicht Steffens über die Diffusion der Maßstäbe wissenschaftlicher Lauterkeit. Da es keinen evidenzbasierten Nachweis der Wirksamkeit Homöopathischer Mittel gibt, soll nach Ansicht Steffens der Maßstab der Beurteilung der Wirksamkeit geändert werden: »Bei der Beurteilung von neuen Untersuchungs-und Behandlungsmethoden hat der Gemeinsame Bundesausschuss neben der Frage der Wirtschaftlichkeit auch den jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse in der jeweiligen Therapierichtung zu beachten. Hieran wird sich in der nächsten Zeit vermutlich nichts ändern. […]Wir brauchen für die Homöopathie ein anderes, akzeptiertes Verfahren zum Wirksamkeitsnachweis, um die Frage der Kostenerstattung zu öffnen. «
Mit anderen Worten: Eine Integration der Alternativmedizin ist nur zu rechtfertigen, wenn ein entsprechender Wirkungsnachweis erbracht wird. Anhand von Forschungsergebnissen müsste nachgewiesen werden, dass alternativmedizinische Verfahren eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Heilwirkung haben. Da dieser Nachweis jedoch voraussichtlich erbracht werden kann, sollen die Voraussetzungen für einen Nachweis gesenkt werden. Eine solche Veränderung der Gütekriterien wissenschaftlicher Arbeitsweise bedeutete jedoch die Abkehr von der evidenzbasierten Wissenschaft. Diese Abkehr betrifft insofern nicht nur den Standpunkt der Schulmedizin, sondern gleichsam jene Maßstäbe, die an die Wissenschaftlichkeit selbst angelegt werden.

1Es besteht ein Unterschied zwischen der zutreffenden Hypothese, die Vorgänge im menschlichen Körper seien wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt einerseits und der Hypothese, die Vorgänge im menschlichen Körper seien wissenschaftlich nicht erklärbar andererseits. Der Unterschied beider Hypothesen wird gerade deshalb schwammig und offen formuliert, weil er von eminenter Bedeutung für die Argumentationsmuster des Obskurantismus ist.

2Vgl. hierzu die ausschlaggebende Metaanalyse von Shang et al. (2005)

3z.B. im Interview mit der DZVhÄ

Beschneidungsgesetz, Staatsschutz und eine jüdische Familie

Bild. picture alliance
David S. soll im Internet den Beschneidungsgegner und Strafrechtler Holm Putzke beleidigt haben. Der zeigt ihn an. Plötzlich steht das Kommissariat für rechtsextreme Delikte bei David S. vor der Tür

Von Jennifer Nathalie PykaCicero

„Wir sind eine kleine jüdische Familie“, betont der Münchner Familienvater Jonathan S.* immer wieder. „Völlig unbescholtene Bürger, keine Drogendealer, keine Menschenhändler“, fügt er energisch hinzu, wenn er über den 16. Januar dieses Jahres spricht. Der Tag, an dem früh morgens nicht der Wecker, sondern die Polizei klingelte. Insgesamt drei Beamte des Münchner Kommissariats 44, zuständig für Delikte mit rechtsextremem Hintergrund, rückten an diesem Januarmorgen um Punkt sechs Uhr bei der fünfköpfigen Familie an.

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Prälat Felmberg unter Verdacht – mach den Seehofer?

http://www.ekd.de
Einer der obersten Würdenträger der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Berliner Pfarrer Bernhard Felmberg, steht wegen seines Privatlebens in der Kritik.

DER TAGESSPIEGEL

Der Rat der EKD, das höchste Führungsgremium der evangelischen Kirche, hat Ende März ein „disziplinarisches Ermittlungsverfahren“ gegen Felmberg eingeleitet, wie ein Sprecher am Dienstag bestätigte. Das Verfahren soll Vorwürfe im Zusammenhang mit der „Lebensführung“ des Prälaten aufklären.

Felmberg ist seit dem Jahr 2009 Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesregierung und der Europäischen Union, also sozusagen der oberste Lobbyist der evangelischen Kirche.

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Mormonen-Porno zum Selberbasteln

Bild:20min.ch
Bild:20min.ch
Das World Wide Web ist nach wie vor ein wahres Füllhorn an kuriosen Fundstücken. Neustes Beispiel: Mormonenkonforme Porno-Bilder – mit Herstellungs-Anleitung!

20 minuten ONLINE

Wer gläubiger Mormone ist, darf keine nackten Frauen begaffen – schon gar nicht in lüsterner Absicht, schreibt der Blog «Slightly Warped». Im Mormonentum ist Pornokonsum verboten. Punkt.

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Rechtsstreit: Schulfrei am Welthumanistentag

welthumanistentagEvangelische, katholische, jüdische und muslimische Schüler können in Berlin an diversen Feiertagen ohne Entschuldigung dem Unterricht fernbleiben. Eine Spandauer Atheistin klagt nun gegen einen Fehltag im Zeugnis ihres Sohnes – aus Prinzip.

Von Annett HeideBerliner Zeitung

Es wird vielen Leuten gar nicht geläufig sein, aber der 21. Juni ist der Welthumanistentag. Für Humanisten ist dieser Tag allerdings ein wichtiger Tag, ihr Feiertag, den sie auch entsprechend gestalten möchten. So wie Andere religiöse Feiertage begehen, verstehen sie den Tag als einen Tag der Besinnung und als Familientag, an dem Kinder auch nicht zur Schule gehen sollten. Dieser Meinung ist jedenfalls Beate T. aus Spandau, die ihre Söhne am 21. Juni 2011 nicht zur Schule geschickt hatte.

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