Vom Bordell zur Frauenbadi – die Ängste der Wüstenreligionen

Ein Mann lehrt eine Frau Schwimmen: Gravierte Postkarte Foto: Archive Photos, Getty Images
Schwimmen ist nicht nur ein Sport. Es ist nicht nur ein Freizeitspass und nicht nur eine Überlebenstechnik. Das spüren wir, wenn wieder mal ein Fundamentalist seiner Tochter den Schwimmunterricht verbieten will. Der Sprung ins Wasser wirkt da offenbar moralisch zweifelhaft und kulturell getränkt.

Von Ralph Pöhner | Tages Anzeiger Blogs

Aber auch unsere lockere «Pack die Badehose ein»-Einstellung ist, historisch gesehen, eine sehr junge Sache. Dies können wir jetzt in einem neuen Buch über die Weltgeschichte des Schwimmens nachverfolgen, verfasst von Eric Chaline. Der englische Kulturhistoriker bemerkt dabei eine eigenartige Spannung: Der Mensch wird enorm stark angezogen vom Wasser, er springt fast natürlich hinein; kein anderes Landtier neigt so stark zum Schwumm, wenige sind sogar körperlich so gut angepasst dafür. Doch gleichzeitig hat sich der Mensch immer wieder vom Wasser abgewendet, hat es gefürchtet, verflucht und verteufelt.

Die Ängste der Wüstenreligionen

Sein Verhältnis zum Schwimmen spiegelt sein Verhältnis zum Körper. Die alten Griechen und Römer lebten zum Meer hin, sie bauten ihre Reiche über das Wasser, sie entwickelten auch eine prachtvolle Bade- und Thermenkultur. Und gleichzeitig stellten die antiken Mittelmeerreiche ganz selbstverständlich nackte Menschen aus, auf ihren Vasen, Mosaiken oder Statuen, ob Mann oder Frau.

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Der Gottesanbeter als Gottesmörder?

©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Ilona Jerger hat mit „Und Marx stand still in Darwins Garten“ einen fulminanten dokumentarischen Roman veröffentlicht.

Von Rainer Grießhammer | Badische Zeitung

Aus der Biologie weiß man, dass die Gottesanbeterin, ein seltsam schönes Insekt, bei der Fortpflanzung gern mal das begattende Männchen auffrisst, sozusagen als Kollateralschaden. Der Biologe Charles Darwin betete zu Gott, stellte aber mit seinem wissenschaftlichen Werk „Die Entstehung der Arten“ und der Evolutionstheorie ohne Absicht die kirchliche Schöpfungslehre in Frage. Wurde er deshalb vom Gottesanbeter zum Gottesmörder? So sahen es jedenfalls im 19. Jahrhundert die meisten Zeitgenossen und vor allem die Kirchenoberen. Die wissenschaftlich-theologischen und auch noch familiären Verstrickungen Darwins inspirierten Ilona Jerger zu einem fulminanten dokumentarischen Roman.

Bekannt ist Jerger als Sachbuchautorin, ehemalige Leiterin des Freiburger Ökomedia-Filmfestivals und bis 2011 Chefredakteurin der Zeitschrift natur. In ihrem Roman fließen Fiktion und Fakten, historische Begebenheiten und Passagen aus Originalbriefen unmerklich zusammen. Als Leser ist man immer wieder verblüfft – war das wirklich so? Oder nur toll erfunden? Wer mag, kann das am Schluss in dem kurzen Anhang zum Roman überprüfen. Es stimmt mehr, als man denkt.

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Jan Böhmermann droht mit Klage gegen Angela Merkel

Bild: FB
  • Laut einem Schreiben seines Anwalts erwägt Jan Böhmermann eine Klage gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
  • Mit ihrem Kommentar, Böhmermanns „Schmähgedicht“ gegen den türkischen Präsidenten Erdogan sei „bewusst verletzend“ gewesen, habe sie in die Gewaltenteilung eingegriffen.

Süddeutsche.de

Die Auseinandersetzung um das „Schmähgedicht“ von Jan Böhmermann geht weiter: Der ZDF-Satiriker will Bundeskanzlerin Angela Merkel laut einem Bericht des Berliner Tagesspiegels verklagen, sollte sie ihre öffentliche Bewertung seines umstrittenen Werkes nicht zurücknehmen.

In einem Schreiben seines Rechtsanwaltes Christian Schertz werfe Böhmermann Merkel vor, sie habe mit ihrer Kritik an seinem Auftritt eine juristische Bewertung des Werkes vorgenommen, „die einer Vorverurteilung gleichkommt“, schreibt der Tagesspiegel.

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„Spaghettimonster-Kirche“ zieht vor Bundesverfassungsgericht

Mit Schildern will der Verein für „Nudelmessen“ werben. FOTO: dpa, ppl vfd
Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ wendet sich nun ans Bundesverfassungsgericht. Wie Kirchen will der Verein mit Schildern am Straßenrand für seine „Nudelmessen“ werben dürfen.

RP ONLINE

Das Brandenburgische Oberlandesgericht hatte das entsprechende Gesuch Anfang August abgelehnt. Nun ging die Verfassungsbeschwerde ein, wie ein Sprecher des Verfassungsgerichts am Montag bestätigte.

Der „Spaghettimonster“-Verein fordert eine Gleichbehandlung mit den Kirchen, die Gottesdienstzeiten nach einer staatlichen Richtlinie auf Schildern an Ortseingängen bekanntmachen dürfen. Der Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen hatte dies dem Verein am Ortseingang von Templin untersagt. Das Landgericht Frankfurt/Oder beurteilte dies im April 2016 ebenso wie später das Oberlandesgericht als rechtmäßig.

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Ostdeutsche Theologen üben scharfe Kritik an Reformationsjubiläum

Bild: mdr.de

Knapp zwei Monate vor Abschluss der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum ziehen die ostdeutschen Theologen Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff eine negative Bilanz des Gedenkjahres.

evangelisch.de

Vor allem die „Kirchentage auf dem Weg“ seien „zum Fanal einer grandiosen Selbsttäuschung“ geworden, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Memorandum „Reformation in der Krise – Wider die Selbsttäuschung“, über das zuerst die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet hatte. Es sei versäumt worden, im Reformationsjahr die „Krise der Kirche in der säkularen Gesellschaft offen anzusprechen“ und neue Visionen zu entwickeln.

Sechs regionale „Kirchentage auf dem Weg“ hatte Ende Mai aus Anlass des Jubiläums den zentralen Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin begleitet. Der Kirchentagsapparat habe den acht mitteldeutschen Austragungsstädten ein „Mammutprogramm übergestülpt“, kritisierten der langjährige Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Wolff und Schorlemmer, der als ehemaliger Leiter der Evangelischen Akademie in Wittenberg und Ex-DDR-Bürgerrechtler in das Jubiläumsprogramm in der Lutherstadt eingebunden war. Insgesamt kamen zu den dreitägigen Regional-Kirchentagen etwa 50.000 Besucher. Insbesondere die Besucherzahl von 15.000 in Leipzig blieb hinter den Erwartungen zurück.

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Theologe kritisiert behördliche Einmischung bei Flüchtlingstaufen

Ein Kirchenturm © H. Füller @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Theologen werfen Behörden Gesinnungsprüfungen bei Anhörungen vor. Bei Abfragen werde Wissen als Fleißleistung abgetan, Wissenslücken als Täuschungsversuch gewertet. Derweil meldet die Evangelische Kirche mehr Taufen von Flüchtlingen.

MiGAZIN

Der evangelische Theologe und Migrationsexperte Thorsten Leißner hat behördliche Einmischungen bei Erwachsenentaufen von Flüchtlingen kritisiert. Bei staatlichen Anhörungen habe er wiederholt regelrechte „Gesinnungsprüfungen“ erlebt, sagte Leißner am Montag bei einem Fachtag der hannoverschen Landeskirche in Hannover. Er mahnte: „Der christliche Glaube ist grundsätzlich nicht überprüfbar.“ Allerdings müsse der Staat selbstverständlich prüfen, welche Gefahren sich ergäben, sollte ein getaufter Flüchtling abgeschoben werden.

Leißner war bis 2016 theologischer Referent für Menschenrechte und Migration der Evangelische Kirchen in Deutschland (EKD). Unter anderem habe er bei seiner Arbeit beobachtet, wie Flüchtlinge zu ihrem Glauben ausgefragt worden und dabei in Zwickmühlen gerieten seien. So seien etwa Gebete oder Glaubensbekenntnisse abgefragt worden. „Wenn dann jemand etwas richtig aufsagte, wurde das als bloße Fleißleistung abgetan. Antwortete jemand zögerlich oder gar nicht, hieß es, derjenige könne es nicht sonderlich ernst meinen mit dem Christentum.“

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Höhenrekord für unmotorisiertes Segelflugzeug

Segelflugzeug Perlan 2 bei seinem Rekordflug in gut 15.000 Metern Höhe © Airbus
Neuer Rekord: Das Segelflugzeug Perlan 2 ist so hoch aufgestiegen wie noch kein unmotorisiertes Flugzeug vor ihm. Im argentinischen Patagonien stellte die Maschine mit einer Flughöhe von über 15.900 Metern einen neuen Weltrekord für Segelflugzeuge auf. Dies gelang, weil im August und September den Hängen der südlichen Anden besondere Aufwinde herrschen. Noch in diesem Jahr soll das Flugzeug auf diese Weise bis in 27.000 Meter aufsteigen – bis an die Grenze des Alls.

scinexx

Wenn es um neue Antriebe geht, suchen Ingenieure nicht nur im Straßenverkehr und auf dem Wasser nach alternativen Möglichkeiten – auch in der Luftfahrt tut sich einiges. So vollendete im Sommer 2016 das Solarflugzeug Solar Impulse 2 erfolgreich seine erste Weltumrundung, ein viersitziges Flugzeug hob mithilfe von Brennstoffzellen ab und ein Elektroflugzeug erreichte Anfang dieses Jahres einen neuen Höhenrekord im Steigflug.

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Luther-Kitsch: Money talks, bullshit walks

Socken, Kuchen, Bier: Der Markt an Luther-Souvenirs scheint unerschöpflich. Zum 500. Reformationsjubiläum haben viele Unternehmen auch viele neue Produkte und Souvenirs im Angebot. Kassenschlager des Jahres ist wohl die kleine Martin-Luther-Playmobil-Figur in Mönchskutte, mit Bibel und Feder. Mehr als eine Million Exemplare wurden von dieser Figur verkauft, und sie wird nicht nur in Spielkisten in Kinderzimmern einsortiert, sondern schmückt auch viele Schreibtische von Erwachsenen, Christen und Nicht-Christen.

Von Romy Richter | evangelisch.de

Die Playmobil-Figur avancierte zum Werbebotschafter für das Reformationsjubiläum und wurde zum Hit in den Souvenirläden an den historischen Stätten, auch im Ursprungsland der Reformation. In Sachsen-Anhalt gibt es aber noch viele weitere Luther-Verkaufsideen.

Allein die Tourist-Information in der Lutherstadt Wittenberg hat mehr als 300 verschiedene Souvenirs im Programm. Sie liegt am wohl wichtigsten Ort der Reformationsgeschichte, direkt gegenüber der Schlosskirche, an deren Tür der Reformator Martin Luther (1483-1546) vor 500 Jahren seine 95 kirchenkritischen Thesen angeschlagen haben soll. Ein Besuch der Schlosskirche und ein Erinnerungsfoto vor der berühmten Thesentür gehören schon fast zum Pflichtprogramm eines Wittenberg-Touristen.

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Eine Sprache, die Forschern Kopfzerbrechen bereitet

Solche Tontafeln werden an der University of Oxford untersucht. (Foto: Jacob L. Dahl)
Bereits vor 5000 Jahren entwickelten die Menschen im heutigen Iran ein Schriftsystem. Was sie notierten, ist noch immer unbekannt. Doch nun will ein Archäologe zwei Wörter entziffert haben.

Von Esther Widmann | Süddeutsche.de

Vor mehr als 5000 Jahren in Elam, in der Gegend, die heute Iran heißt, begannen die Menschen, sich zu spezialisieren. Manche wurden Töpfer, andere Siegelschneider. Dabei hatte die zentralisierte Verwaltung der Königshäuser ein Auge auf die Produktion der Handwerker und ebenso auf die Ernte und den Tierbestand der Bauern. Und für diese Aufgabe brauchte es eine ordentliche Dokumentation. Deshalb hatte man sie sich ein Schriftsystem ausgedacht, nach dem die Schreiber Zeichen in Tontafeln ritzten, mit langen Listen von Gütern und Waren, Menschen und Zahlen, in einem aus heutiger Sicht kompliziert scheinenden Zählsystem.

Ende des 19. Jahrhunderts tauchten die ersten Täfelchen mit dieser sogenannten protoelamischen Schrift bei Ausgrabungen vor allem in der antiken Stadt Susa auf. Weil es Listen von Zahlen und Waren sind, konnten Schriftexperten zwar erahnen, worum es geht, etwa um Getreide für den Tempel, Bier für den Arbeiter. Aber niemand weiß, wie man die Wörter ausspricht. Die Sprache der Elamer ist bis heute unbekannt.

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IS-Terrormiliz schickt verstärkt Frauen in die Kampf

AFP (FADEL SENNA)
Die IS-Terrormiliz setzt einer Studie zufolge verstärkt auf weibliche Kämpfer, um ihren zunehmenden Mangel an Anhängern auszugleichen.

Die Presse.com

Der IS dränge Frauen dazu, sich aktiv an Kämpfen zu beteiligten, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Analyse des britischen Forschungsinstituts IHT Markit.

Als Folge einer schwindenden Zahl an männlichen Anhängern wolle die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine unerschlossene Reserve mobilisieren.

So zählte IHT Markit im Kampf um die nordirakische Stadt Mosul mehr als 40 Selbstmordattentäterinnen – so viele wie nie zuvor. Es sei unklar, ob es sich dabei um letzte Widerstandsnester oder um den Beginn eines breiteren Trends gehandelt habe, heißt es weiter.

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Asteroid Florence hat zwei Monde

Asteroid 3122 Florence und seine beiden neu entdeckten Monde in einer Radaraufnahme vom 1. September 2017. © NASA/JPL CNEOS
Riesenbrocken mit Begleitern: Der erdnahe Asteroid 3122 Florence besitzt offenbar gleich zwei Monde – eine echte Rarität. Sie machen den Riesenbrocken zum erst dritten bekannten Dreifachsystem im erdnahen Raum, wie die NASA berichtet. Die Radarbeobachtungen während seines nahen Vorbeiflugs vor wenigen Tagen enthüllten zudem, dass Florence einen großen Krater aufweist und einen Grat längs seines Äquators.

scinexx

Am 1. September bot der Riesen-Asteroid 3122 Florence den Astronomen eine einmalige Chance: Weil er so nah an der Erde vorbeiflog wie selten zuvor, konnten Forscher ihn und sein Verhalten erstmals im Detail untersuchen. Gleich mehrere Radaranlagen und Radioteleskope nahmen den viereinhalb Kilometer großen Brocken dafür in den letzten Tagen intensiv ins Visier.

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Türkischer Geheimdienst MIT steht nun unter Erdogans Kontrolle

Nur noch eine Frage der Zeit, dann wird Atatürk durch Erdogan ersetzt.

Der türkische Präsident baut seine Macht weiter aus. Der Geheimdienst ist künftig direkt dem Präsidialamt unterstellt. In Deutschland setzt der MIT (Milli Istihbarat Teskilati) auf seine Maulwürfe in deutschen Institutionen – vorrangig in der deutschen Polizei. Auch unter den türkischen Asylsuchenden befinden sich ranghohe Polizeifunktionäre und entlassene Mitarbeiter des MIT.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Erdogans Furcht, vom Sultansthron gestoßen zu werden, muss gewaltig sein. Immer mehr Institutionen unterstellt er direkt seinem Präsidialamt, immer mehr Staatsbedienstete werden entlassen und durch getreue Vasallen ersetzt. Es gibt Berichte aus regierungsnahen Medien, dass auch die staatliche Religionsbehörde Diyanet und die Pressearbeit direkt an den Staatspräsidenten übergeben werden soll.

Von den neuesten 900 Entlassungen per Dekret 928 sind das Militär, das Justizministerium, das Innenministerium, die Polizei, das Patentamt und weitere Institutionen betroffen. Damit sie sich nicht ins Ausland absetzen können, wurden die Reisepässe der Entlassenen für ungültig erklärt.

Die Säuberungswelle an den Universitäten hält ebenfalls an. 120 weitere Akademiker verloren in den letzten Tagen ihren Job. Bislang wurden nach Angaben der Tagesschau 150.000 Menschen entlassen, 50.000 Menschen sitzen im Gefängnis, darunter 150 Journalisten. 130 Presseeinrichtungen wurden geschlossen, zuletzt drei kurdische Medienorganisationen.

Bislang unterstand der Geheimdienst dem Ministerpräsidenten. Nun steht Erdogan dem neu gebildeten „Kontrollrat für den Nationalen Nachrichtendienst“ (MIKK) vor. Das bedeutet, dass er persönlich dem MIT Vorgaben machen kann, umgekehrt aber staatsanwaltliche Ermittlung gegen die Machenschaften des MIT nur noch mit Erdogans Genehmigung möglich sind. Zeitgleich wurden die Kompetenzen des Geheimdienstes erweitert: Künftig darf der MIT auch gegen Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte ermitteln.

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Festgenommene Deutsche in der Türkei: Anonymer Tippgeber informierte Behörden

Badeort Antalya: Bei der Einreise am Flughafen waren am Donnerstag zwei Deutsche festgenommen worden. (Foto: Getty Images)
  • Nachdem Ende vergangener Woche ein deutsches Ehepaar im türkischen Badeort Antalya festgenommen worden war, ist die Frau inzwischen wieder nach Deutschland zurückgekehrt.
  • Auslöser für die Festnahme war offenbar ein anonymer Tippgeber, der behauptet, der Ehemann sei Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen.
  • Die Inhaftierung des Ehepaars hatten die Spannungen zwischen der türkischen und der deutschen Regierung weiter verschärft.

Von Lena Kampf, Andreas Spinrath | Süddeutsche.de

Die am Donnerstag in der Türkei festgenommene Deutsche ist wieder in Deutschland eingetroffen. Die Frau aus Rheinland-Pfalz war gemeinsam mit ihrem Ehemann am Flughafen des Badeortes Antalya verhaftet worden. Offenbar war der Auslöser eine anonyme Mail an die türkischen Behörden. Darin behauptet ein nicht bekannter Tippgeber, dass der Ehemann seit vielen Jahren Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen sei. Auch der genaue Zeitpunkt der Einreise soll in der Mail angekündigt worden sein. Das ergeben Recherchen von Süddeutscher ZeitungWDR und NDR.

Bei den beiden Deutschen handelt es sich um ein Ehepaar mit türkischen Wurzeln. Sie besitzen nach eigenen Angaben jedoch nur die deutsche Staatsangehörigkeit. Damit widersprechen sie dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu – dieser hatte am Samstag in einer polemischen Rede erklärt, dass der Mann auch türkischer Staatsbürger sei. Er sitzt derzeit immer noch in Haft.

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AfD will Klimaschutz beenden

Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland.FOTO: DPA
Entgegen der Ansichten führender Forscher glaubt die AfD nicht an einen vom Menschen gemachten Klimawandel – und will sämtliche Klimaschutzmaßnahmen sofort stoppen.

Von Maria Fiedler | DER TAGESSPSPIEGEL

Die AfD hält es mit ihren Ansichten zur Erderwärmung wie US-Präsident Donald Trump: Die Partei glaubt nicht an die von führenden Forschern vertretene Auffassung von dem vom Menschen verursachten Klimawandel. Das machte Spitzenkandidat Alexander Gauland am Montag in Berlin auf einer Pressekonferenz deutlich. „Auch vor der Industrialisierung gab es Warm- und Kaltzeiten“, sagte er. Es sei eine Erfindung, dass der durch die Industrialisierung erhöhte CO2-Gehalt in der Luft für den Temperaturanstieg auf der Erde verantwortlich ist, heißt es außerdem in einem AfD-Konzeptpapier zum Thema.

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Uralte Spuren auf Kreta geben Rätsel auf

foto: gerard gierliński et al., proceedings of the geologists‘ association Diese Fußabdrücke sind fast sechs Millionen Jahre alt.
5,7 Millionen Jahre alte Fußabdrücke könnten von frühen Vormenschen stammen, was Evolution der Homininen umschreiben würde

Von Klaus Taschwer | derStandard.at

Laut der griechischen Mythologie ging die Königstochter Europa, die unserem Kontinent den Namen gab, auf der Insel Kreta an Land – am Rücken eines Stiers, der in Wahrheit kein Geringerer als Zeus war. Heute ist Kreta nicht nur die größte Insel Griechenlands, sondern auch die südlichste Europas.

Die auch wegen dieser besonderen Lage beliebte Urlauberdestination gibt aber auch paläontologisch einiges her und wartet nun mit einem Überraschungsfund auf, der für einige Diskussionen in Fachkreisen sorgen wird: In Trachilos, ganz im Nordwesten der Insel, entdeckten Per Ahlberg (Uni Uppsala) und sein internationales Team gut 50 urzeitliche Fußabdrücke, die sich in einer 5,7 Millionen Jahre alten Gesteinsschicht befinden.

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Das „Kalifat“ des IS zerfällt

Das Rückzugsgefecht der Jihadisten. Rauch steigt nach den letzten Kämpfen rund um die ehemalige IS-Bastion Tal Afar im Nordirak auf. – (c) APA/AFP/AHMAD AL-RUBAYE
Nach den Niederlagen im Irak verlieren die Extremisten des Islamischen Staates auch in Syrien weiter an Boden. Die IS-Kader versuchen abzutauchen.

Von Wieland Schneider | Die Presse.com

Das syrische Regime feierte am Montag die Siegesmeldung aus dem Osten des Landes: Syrische Truppen stießen demnach auf Deir ez-Zor vor, um die Belagerung der Stadt durch die Extremisten des sogenannten Islamischen Staates (IS) zu beenden. Drei Jahre lang hielten die Jihadisten das gesamte Umland und auch einige Bezirke der Stadt besetzt. Der Flughafen von Deir ez-Zor, die Kaserne der 137. Brigade der syrischen Armee und der Großteil der Stadt stehen unter der Kontrolle des Regimes. In dieser vom IS bedrohten Enklave leben nach UN-Angaben 93.000 Menschen. Sie wurden bisher über eine Luftbrücke versorgt. Das UN-Welternährungsprogramm begann im Februar 2016 damit, Nahrungsmittel über der umzingelten Stadt abzuwerfen. Zudem brachten vor allem Flugzeuge der mit Syriens Regierung verbündeten russischen Streitkräfte Nachschub nach Deir ez-Zor.

Mit dem jetzigen Vorstoß der Regimetruppen auf die Stadt erleidet der IS einen weiteren Rückschlag in einer ganzen Serie militärischer Niederlagen. Ende 2014 herrschten die Extremisten noch über große Teile Nord- und Ostsyriens und weite Gebiete des Irak. Nun ist dieses eigenmächtig ausgerufene „Kalifat“ weitgehend zerfallen.

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Turban statt Motorradhelm: Klage teilweise erfolgreich

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Die Stadt Konstanz muss erneut über den Antrag eines turbantragenden Sikh entscheiden, der aus religiösen Gründen beim Motorradfahren keinen Helm tragen will.

evangelisch.de

Wie der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg am Montag in Mannheim mitteilte, hat die Stadt einen Ermessensspielraum darüber, ob sie Stadt eine Ausnahmegenehmigung aus religiösen Gründen erteilt oder nicht. Im Berufungsverfahren erteilten die Richter dem Sikh die Genehmigung nicht.

Der Gerichtshof erklärte die Ablehnung einer Ausnahmegenehmigung durch die Stadt Konstanz für rechtswidrig, weil diese nicht deutlich gemacht habe, dass eine Befreiung von der Helmpflicht nicht nur aus gesundheitlichen, sondern auch aus religiösen Gründen in Betracht kommen könne.

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Warum Europa den endgültigen Bruch mit der Türkei scheut

Quelle: n-tv, Screengrab: bb
Angela Merkel plädiert nun auch für ein Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Doch ganz so einfach ist das nicht. Das bisherige Zögern vor dem endgültigen Schnitt hat mehrere Gründe.

Von Hannelore Crolly | DIE WELT

Einen radikalen Schlussstrich unter eine Beziehung zu setzen fällt häufig schwer, selbst wenn das Verhältnis längst derart zerrüttet ist, dass eine gemeinsame Zukunft unmöglich erscheint. So ist es auch in Sachen EU und Türkei: Noch scheuen die Beteiligten davor zurück, die Verhandlungen über eine Mitgliedschaft der Türkei in der EU ein für allemal abzubrechen.

Doch nun könnte das komplette Aus der auf Jahrzehnte angelegten Aufnahmeprüfungen, das zu Beginn der Verhandlungen im Jahr 2005 eigentlich gar nicht vorgesehen war, tatsächlich kommen. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert will Bundeskanzlerin Angela Merkel beim nächsten EU-Gipfel am 19. und 20. Oktober mit den 27 anderen Staats- und Regierungschefs über einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen beraten. Allerdings hat Merkel bis dahin noch eine Bundestags- und Wiederwahl zu überstehen.

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Nürnberg: Redeverbot für AfD-Politiker

Nach seinen umstrittenen Äußerungen über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), droht AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland ein Redeverbot bei einem Wahlkampfauftritt in Nürnberg.

Süddeutsche.de

Der Ortsverband der AfD sei per Brief aufgefordert worden, bis Dienstag (12 Uhr) zu versichern, dass Gauland bei einer Parteiveranstaltung in der Meistersingerhalle am Samstag nicht reden werde, sagte der Zweite Bürgermeister Christian Vogel (SPD) am Montag.

Sollte er dennoch das Wort ergreifen, werde die Stadt von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen. Dies sei gemäß der Mietsatzung möglich, wenn Nürnberg als Stadt des Friedens und der Menschenrechte Schaden nehmen könnte. Gauland hatte bei einer Wahlkampfveranstaltung im thüringischen Eichsfeld kürzlich davon gesprochen, Özoguz in der Türkei zu „entsorgen“.

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Ortsbürgermeister gerät in Debatte um „Hitler-Glocke“ unter Druck

In der Debatte um die sogenannte „Hitler-Glocke“ im pfälzischen Herxheim am Berg gerät Ortsbürgermeister Ronald Becker (Freie Wähler) wegen verharmlosender Aussagen zu Adolf Hitler zunehmend unter Druck.

evangelisch.de

In einer Stellungnahme des Gemeinderats wird Becker aufgefordert, sein Amt vor allem wegen seiner Äußerungen in der ARD-Sendung „Kontraste“ niederzulegen. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) sprach Becker von einem großen Missverständnis und kündigte eine Stellungnahme an.

Dem ARD-Magazin „Kontraste“ hatte Becker gesagt, er sei stolz auf die Glocke in der evangelischen Jakobskirche mit der Inschrift „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“. Außerdem sagte der Bürgermeister, dass Hitler immer nur mit den Greueltaten in Verbindung gebracht werde, nicht jedoch mit den Sachen, die in dieser Zeit auf den Weg gebracht worden seien und bis heute genutzt würden. Der Landesverband der Freien Wähler in Rheinland-Pfalz kündigte unmittelbar nach diesen Äußerungen an, über Maßnahmen gegen Becker zu beraten.

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