Vatikan warnt vor Diktatur eines moralischen Relativismus

Dominique Mamberti (2010), Bild: wikipedia/ Gugganij

Kurienerzbischof Mamberti: Es drohe die Gefahr eines moralistischen Relativismus, der sich selbst als neue soziale Norm aufdränge und die Grundlagen der Religions- und Gewissensfreiheit unterminiere

kath.net

Der Vatikan hat angesichts der jüngsten Entscheidungen des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs zur Religionsfreiheit vor einer «Diktatur des Relativismus» gewarnt. Es drohe die Gefahr eines moralistischen Relativismus, der sich selbst als neue soziale Norm aufdränge und die Grundlagen der Religions- und Gewissensfreiheit unterminiere, sagte der vatikanische Außenminister Dominique Mamberti (Foto)laut Radio Vatikan. Die Kirche versuche demgegenüber die Gewissens- und Religionsfreiheit des Einzelnen unter allen Umständen zu verteidigen, auch gegen vorherrschende gesellschaftliche Trends.

Die Straßburger Richter hatten am Dienstag einer British-Airways-Angestellten Recht gegeben, die bei der Arbeit ein Schmuckkreuz tragen wollte.

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Missbrauch in katholischer Kirche: „Erschütternde Ergebnisse“

Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann (M.): „Keine zufalls- oder überfallartige Taten“ ©DAPD

Priester haben ihre sexuellen Übergriffe auf Minderjährige zumeist vorsätzlich geplant – und sich Opfer sogar gegenseitig zugeschoben. Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche, Bischof Ackermann, zeigt sich „entsetzt und beschämt“.

Von Daniel DeckersFrankfurter Allgemeine

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche in Deutschland, der Trierer Bischof Stefan Ackermann, hat den Willen bekräftigt, die wissenschaftlichen Bemühungen um Aufarbeitung der sexuellen Gewalt im Raum der Kirche „zeitnah und solide“ fortzusetzen. „Wir werden das Versprechen einlösen, das wir den Opfern gegeben haben“, sagte Ackermann am Donnerstag aus Anlass der Vorstellung des Abschlussberichts der Telefonhotline für Betroffene sexuellen Missbrauchs.

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Missbrauch in Köln: „Kirche ist Mittelalter“

Von dieser katholischen Klinik in Köln soll eine junge Frau, die vermutlich vergewaltigt wurde, abgewiesen worden sein Foto: dpa

Eine junge Kölnerin soll betäubt und vergewaltigt worden sein. Zwei katholische Kliniken haben sie offenbar abgewiesen. Jetzt spricht die Notärztin, die das Opfer zuerst versorgt hatte.

Von Elke SilbererDIE WELT

Kirche und Moral. Für die Ärztin Irmgard Maiworm hat das einen ganz bitteren Beigeschmack. „Mit dem Hinweis auf Moral wird einer Frau, die wahrscheinlich mehrfach traumatisiert ist, Hilfe verweigert. Welche Moral ist das?“

Die erfahrene Notärztin erinnert sich sehr genau an die dramatischen Ereignisse vom 15. Dezember, als die junge Frau zu ihr in die Kölner Notarztpraxis kam: seelisch verletzt, erschüttert, weinend – vermutlich betäubt und vergewaltigt. Sie musste untersucht werden, brauchte Hilfe. Zwei katholische Krankenhäuser lehnten das ab.

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Glaube verdirbt die Gesellschaft

Die Menschen glauben nicht nur an das Gute, sondern auch, dass man Ungerechtigkeit hinnehmen muss. (flickr/ambimb/CC BY-NC-SA 2.0)

Der Wissenschaftsjournalist Rüdiger Vaas vergleicht religionskritische Statistiken

DRadio Wissen

Religiöse Menschen glauben nicht nur, sie glauben vor allem auch an die Vorteile ihres Glaubens: Er mache sie gesünder, friedlicher und gerechter. Studien widerlegen diesen Glauben.

Sie kommen zum Ergebnis, dass es eine auffallende Korrelation gibt: In Gesellschaften mit mehr Gläubigen scheint es mehr Ungleichheit beim Einkommen zu geben. Auch scheint sich erhöhtes Beten in einer Gesellschaft eher negativ auf eine Reihe von Faktoren auszuwirken, darunter Arbeitslosigkeit, Armut, Übergewicht, Alkoholismus, Abtreibungen, Teenager-Schwangerschaften und Suizide.

Nicht nur Korrelation, auch Kausalität

Dabei stellt sich die Frage, ob hier lediglich eine Korrelation vorliegt, oder ein kausaler Zusammenhang. Auf letzteres deuten Studien hin. Sie rechnen statistische Verzerrungen heraus, die bislang nicht berücksichtigt wurden. Offensichtlich sei die Datenlage heute besser als noch vor einigen Jahren, befindet Rüdiger Vaas nach Sichtung der Forschung.

Glaube an naturgegebene Ungerechtigkeit

Hauptgrund für die schlechten Auswirkungen von Glauben sind die Einkommensunterschiede: Religiöse Menschen nehmen sie eher in Kauf und sprechen sich eher für eine geringere Besteuerung aus. Dann jedoch steht dem Staat weniger Geld zur Verfügung, um Ungleichheit abzufedern. Die Gesellschaft driftet dann auseinander, mit allen schlimmen Konsequenzen. Nur eine gute Nachricht gibt es für Religiöse: Tiefer Glauben wirkt sich offenbar wirklich förderlich auf die Gesundheit aus. Der ab und an Zweifelnde allerdings sollte vielleicht besser joggen gehen.

Podcast

Knapp 500 neue „Senckenberger“

Eine der knapp 500 neuentdeckten Arten: der abfärbende Gelbfärber-Regenfrosch Diasporus citrinobapheus © Senckenberg

In den zurückliegenden zwei Jahren haben Wissenschaftler der Senckenberg-Forschungsinstitute knapp 500 neue Arten entdeckt und beschrieben. Taxonomie und wissenschaftliche Sammlungen gehören zu den wichtigsten Schwerpunkten der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Ob in der antarktischen Tiefsee, in den Regenwäldern von Laos oder in heimischen Auenlandschaften – überall entdecken Wissenschaftler der zehn Senckenberg-Standorte neue Tier- und Pflanzenarten. Selbst in vermeintlich bekannten Sammlungsschränken machen sie immer wieder Neuentdeckungen – sei es wegen bisher fehlender Klassifizierung oder dem Einsatz von neuen Bestimmungsmethoden. „Ziel ist dabei immer, die Vielfalt des Lebens auf der Erde, die Biodiversität, zu erfassen und zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Farbenfroh ist auch die auf der Insel Palawan neu entdeckte Krabbe Insulamon palawanense © Senckenberg

489 neue Arten wurden in den letzten beiden Jahren von Senckenberg-Wissenschaftlern weltweit beschrieben. Die Palette der Neuentdeckungen reichte dabei von farbenfrohen Inselkrabben über abfärbende Frösche und fossile Spechte bis hin zur ersten augenlosen Riesenkrabbenspinne. Manche der Tiere sind kaum entdeckt und schon wieder vom Aussterben bedroht. „Taxonomie dient auch dazu, Tierarten schützen zu können“, erklärt Dr. Peter Jäger, Arachnologe bei Senckenberg und selbst Entdecker von 46 neuen Spinnenarten in den Jahren 2011 und 2012. „Nur wer die Artenvielfalt kennt, kann entsprechende Schutzprogramme entwickeln.“ Denn täglich sterben immer noch über 100 Tierarten aus – aller Neuentdeckungen zum Trotz.

Allein in der Grube Messel wurden 65
bisher unbekannte Pflanzengattungen
gefunden. © Senckenberg

In den Jahren 2011 und 2012 entdeckten Senckenberger Forscher 402 heute lebende und 87 fossile Arten, 414 davon leben an Land und 75 in den Weltmeeren. Das Gros der neuen Arten (324) stammt aus Asien, immerhin 96 Arten aus Europa. Die Gliederfüßer, zu denen die Insekten, Spinnentiere, Krebstiere und Tausendfüßer gehören, waren aufgrund ihrer schon bekannten Artenvielfalt erwartungsgemäß mit über 300 Arten auch bei den Neubeschreibungen führend, danach folgten Schnecken und Muscheln (64) und Pflanzen (30). Es wurden sowohl molekulare als auch traditionelle Methoden, wie morphologische Untersuchungen, eingesetzt. „Das Jahr 2012 war mit 329 neuentdeckten Arten der bisherige Senckenberg-Spitzenreiter“, ergänzt Mosbrugger und fährt fort: „Demnach haben wir etwa zwei Prozent der weltweit neu entdeckten Arten beschrieben.“
In den letzten 5 Jahren kommen die Senckenberger Wissenschaftler auf über 1.100 Artneubeschreibungen. Doch auf ihrem Erfolg ausruhen wollen sich die Biologen und Paläontologen nicht. „Bisherige Schätzungen zur globalen Artenvielfalt gehen weit auseinander: Experten sehen die Zahl zwischen drei und 100 Millionen Arten“, erläutert Jäger. Sicher ist, dass der Mensch einen Großteil davon noch nie zu Gesicht bekommen hat.
Es bleibt demnach viel zu tun und es gibt weiterhin Spannendes zu entdecken für die Taxonomen im Hause Senckenberg.

Kontakt
Dr. Peter Jäger
Senckenberg Forschungsinstitut
Sektion Arachnologie
Tel. 069 7542 1340
peter.jaeger@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
judith.joerdens@senckenberg.de