Christentum: Unter falscher Flagge


Bild: brightsblog
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Das Christentum reagiert mit Engstirnigkeit und Konservatismus auf die Moderne – ein Fehler, der auch dem Säkularismus droht.


Von Diana Kinnert|The European

Als Kaiser Konstantin I. im Jahr 312 n. Chr. zu einem Feldzug gegen den eigenen Schwager und Rivalen Maxentius aufbricht, soll sich ihm – alten Erzählungen zufolge – ein göttliches Zeichen offenbart haben. Es sei zur Mittagsstunde erschienen, als Konstantin gen Himmel blickte und zunächst von gleißendem Licht geblendet wird. Dann aber sieht er ein Kreuz, ganz aus Licht und die Sonne überlagernd. Eine Stimme spricht zu ihm: “Durch dieses siege!”

Konstantin, dem es um die Arrondierung seines Machtbereiches im Westen Italiens einschließlich der alten Hauptstadt Rom geht und der einem Heer von 40.000 Mann vorsteht, befehlt seinen Männern daraufhin, das Kreuz als Feldzeichen an die Schilden der Soldaten und die Fahnen seines Heeres anzubringen. In der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke ist Konstantin siegreich. Er wird alleiniger Herrscher im römischen Westreich und läutet ein, was heute als konstantinische Wende bekannt ist: Die Umkehr von der Verfolgung des Christentums zur Reichskirche der Spätantike.

Zur Erinnerung an die als Befreiung gefeierte Eroberung Roms lässt der römische Senat im Jahr 315 n. Chr. den Konstantinsbogen einweihen, in dessen Inschrift der Sieg Konstantins mit seiner Genialität (“mentis magnitudine”) und dem Einfluss göttlicher Macht (“instinctu divinitatis”) begründet wird. Der Bischof Eusebius von Caesarea schreibt ein Loblied auf Konstantin, in dem es heißt, dass dieser einen “Krieg unter dem Kreuz führe, welcher damit heilig sei”. Fortan werden Feldzüge zur Ausdehnung des Christentums theologisch legitimiert und praktiziert.

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2 Gedanken zu “Christentum: Unter falscher Flagge

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