Religionssoziologe: „Nicht einfach weiter machen wie bisher“


Foto:brightsblog
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Eine Studie aus dem Bistum Münster zeigt: Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrer Kirche. Prof. Michael Ebertz, Religionssoziologe der Uni Freiburg, nennt im domradio.de-Interview Möglichkeiten der Kirche, verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.


Von Hilde Regeniter|domradio.de

domradio.de: Dass viele Menschen heute unzufrieden mit der katholischen Kirche sind, das ist wirklich keine Überraschung. Laut aktueller Studie sind quer durch alle Altersstufen 20 Prozent unzufrieden mit der Institution – denken Sie, dass die Münsteraner Ergebnisse in etwa übertragbar ist auf die katholische Kirche in Deutschland insgesamt?

Prof. Michael Ebertz (Religionssoziologe Uni Freiburg): Ich bin nicht ganz sicher. Sie wird zwar als repäsentativ bezeichnet, aber es sind Telefoninterviews, und schon bei Telefoninterviews weiß man, nicht jeder hat ein Telefon, jedenfalls nicht einen Festnetzanschluss. Die meisten jungen Leute haben heute Handys. Darum bin ich mir nicht ganz sicher, ob diese Übertragbarkeit gegeben ist. Das müsste man methodisch nochmal genau klären.

domradio: Hat sie an der Studie etwas besonders überrascht?

Prof. Michael Ebertz: Zum einen muss ich eine kritische Bemerkung machen. Es wird nach der Zufriedenheit gefragt, diese Studie nennt sich auch „Zufriedenheitsstudie“. Sie wird allerdings nur sehr vage abgefragt. Ich hätte schon bei einer Zufriedenheitsstudie erwartet, dass man da genauer hinschaut. Also, dass z.B. gefragt wird, wie erlebe ich die Einflussmöglichkeiten, die Möglichkeit, Anerkennung zu finden, oder wie zufrieden bin ich mit der Freundlichkeit, mit der Hilfbereitschaft, der Empathie. Das alles wird in den verschiedenen Dimensionen, die ganz wichtig sind, bei Zufriedenheitsstudien nicht abgefragt. Es wird sehr allgemein über die Zufriedenheit mit den Pfarrgemeinden und mit der Kirche als Institution gefragt. Von daher halte ich den Erkenntniswert in dieser Hinsicht relativ gering. Was mich aber am meisten überrascht hat, ist die massive Diskrepanz zwischen den Einschätzungen der Mitarbeiter und der befragten Katholikinnen und Katholiken hinsichtlich der karikativen Leistungsfähigkeit der Pfarrgemeinden. Das ist eine unglaubliche Diskrepanz und weist auf ein Krisenproblem hin.

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