„Wir sind Kirche“: Frohbotschaft statt Drohbotschaft

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Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ setzt sich für einen Wandel der katholischen Kirche ein. Bis heute erkennt diese aber die Bewegung nicht an. Nun steht die Bundesversammlung in Freiburg an.


Von Gerhard Kiefer|Badische Zeitung

Das Markenzeichen „Wir sind…“ leiht sich „Wir sind Kirche“ von einem erfolgreichen historischen Vorbild. Denn „Wir sind das Volk“, skandierten vor gut einem Vierteljahrhundert immer mehr DDR-Bürger, die auch damit die SED-Diktatur zum Einsturz brachten. Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ pocht zwar nicht auch auf Umsturz, sehr wohl aber auf ebenfalls tiefgreifenden Wandel. Die Pfarrer sollen heiraten, Frauen Priesterinnen werden dürfen. „Wir sind Kirche“ kämpft für echte Ökumene und für Mitsprache bei der Besetzung der Bischofsstühle. Vor allem aber: das Evangelium dürfe nicht länger als Drohbotschaft gepredigt, sondern es müsse als Frohbotschaft vermittelt werden.

„Die haben uns gerade noch gefehlt“, mögen zumindest die Konservativen oder gar Reaktionären unter den 27 deutschen Bischöfen geseufzt haben, als sich die aus Österreich kommende, inzwischen in mehr als 40 Ländern präsente Kirchenvolksbewegung vor 20 Jahren auch in Deutschland etablierte. Denn dieser Teil des Episkopats tut sich schon mit dem „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK) erkennbar schwer. Weil auch dieses sich eine glaubwürdige katholische Kirche der Zukunft vorstellt wie „Wir sind Kirche“. Auch wenn es sich moderater und kompatibler gibt und sich in einer speziellen Kontaktgruppe sogar mit den Bischöfen trifft. Derzeit ist hingegen kaum vorstellbar, dass sich eine Bischöfe-Delegation auch mit Christian Weisner und dessen Vorstandsteam von „Wir sind Kirche“ an einen Tisch setzt.

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Dodo Bonelli: Natürlich kann auch ein religiöser Mensch psychische Probleme haben

Raphael_M_Bonelli

Sie fragen, Psychiater Raphael Bonelli beantwortet auf kath.net Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Religion – Sie schreiben, der Psychiater antwortet. Heute Frage 2 über religiöse Menschen und psychische Probleme


kath.net

Sie suchen Antworten auf Lebensfragen. Seit vielen Jahren berät Psychiater Prof. Dr. Raphael Bonelli Menschen in Grenzfragen zwischen Psychiatrie und Religion. Ab sofort können Sie ihm eine Frage via Email stellen. In regelmäßigen Abständen wird der Wiener Mediziner vielleicht auch Ihre Frage beantworten. Die Fragen werden diskret behandelt und anonymisiert auf http://www.kath.net veröffentlicht. Schreiben Sie noch heute in möglichst kurzer Form Ihre Frage an bonelli@kath.net Schon morgen könnten Sie darauf eine Antwort bekommen.

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Why Should Atheists Have to Show Respect For Religion?

batman_atheistA commitment to ecumenicalism all too often leads to intolerance and hostility toward atheists.


By Greta Christina|Alternet

„Can’t we all just get along?“

Among progressive and moderate religious believers, ecumenicalism is a big deal. For many of these believers, being respectful of religious beliefs that are different from theirs is a central guiding principle. In this view, different religions are seen as a beautifully varied tapestry of faith: each strand with its own truths, each with its own unique perspective on God and its own unique way of worshipping him. Her. It. Them. Whatever. Respecting other people’s religious beliefs is a cornerstone of this worldview… to the point where criticizing or even questioning anyone else’s religious belief is seen as rude and offensive at best, bigoted and intolerant at worst.

And this ecumenical approach to religion drives many atheists up a tree.

Including me.

Why?

Don’t atheists want a world where everyone’s right to their own religious views — including no religious views — is universally acknowledged? Don’t we want a world with no religious wars or hatreds? Don’t we want a world where a diversity of perspectives on religion is accepted and even embraced? Why would atheists have any objections at all to the principles of religious ecumenicalism?

Oh, let’s see. Where shall I begin?

Well, for starters: It’s bullshit.

Progressive and moderate religious believers absolutely have objections to religious beliefs that are different from theirs. Serious, passionate objections. They object to the Religious Right; they object to Al Qaeda. They object to right-wing fundamentalists preaching homophobic hatred, to Muslim extremists executing women for adultery, to the Catholic Church trying to stop condom distribution in AIDS-riddled Africa, to religious extremists all over the Middle East trying to bomb each other back to the Stone Age. Etc., etc., etc. Even when they share the same nominal faith as these believers, they are clearly appalled at the connection: they fervently reject being seen as having anything in common with them, and often go to great lengths to distance themselves from them.

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Dodo Käßmann kritisiert deutsche Flüchtlingspolitik

Margot-KässmannNach einer Reise in den Libanon hat die evangelische Theologin Margot Käßmann gefordert, mehr Flüchtlingen in Deutschland Schutz zu gewähren.


evangelisch.de

Im Vergleich zu den rund 1,3 Millionen Syrern, die vor dem „Islamischen Staat“ im Libanon Zuflucht gefunden haben, sei die Aufnahmepolitik der Bundesregierung „beschämend“, sagte Käßmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte in Beirut an einer internationalen Konferenz zur „Reformation und dem Mittleren Osten“ teilgenommen.

Käßmann begrüßte zugleich die Ankündigung von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), die Hilfsgelder für syrische Flüchtlinge im Libanon um 55 Millionen Euro aufzustocken. Das sei ein gutes Signal, sagte die frühere EKD-Ratsvorsitzende. Dies dürfe aber nicht bedeuten, „dass wir die Last der Flüchtlingszahlen den Libanon tragen lassen“. Der Libanon hat etwa viereinhalb Millionen Einwohner. Die Konflikte in Syrien haben das Land destabilisiert. Die Bundesrepublik nahm bis Dezember 2014 etwa 80.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge auf.

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Auch im Erzbistum Berlin kaum Beteiligung am vatikanischen Fragebogen

REUTERS/Yves Herman
REUTERS/Yves Herman
Es gingen 70 schriftliche Rückmeldungen von Einzelpersonen, Paaren, Familien und geistlichen Gemeinschaften ein, während es im vergangenen Jahr rund 500 waren, wie das Erzbistum mitteilte.


kath.net

Im Erzbistum Berlin haben sich deutlich weniger Katholiken an der zweiten Fragebogen-Aktion des Vatikans zur Familienseelsorge beteiligt. Es gingen 70 schriftliche Rückmeldungen von Einzelpersonen, Paaren, Familien und geistlichen Gemeinschaften ein, während es im vergangenen Jahr rund 500 waren, wie das Erzbistum am Freitag in Berlin mitteilte.

Für den «spärlich ausgefallenen» Rücklauf habe das Ordinariat jedoch reichlich schriftliche und mündliche Begründungen erhalten. Die Teilnehmer an der Umfrage kritisierten demnach eine «verquaste Sprache» und «suggestive Fragen». Die Art der Fragen grenze viele Menschen von vorneherein aus, so der Eindruck einiger Katholiken, die den Inhalt der Fragen zur Synode 2015 als Rückschritt bezeichneten. Ähnliche Kritik war auch in den Bistümern Erfurt und Magdeburg geäußert worden.

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Reportage: Warum die Koexistenz in Jerusalem fragiler denn je ist

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
Jerusalem, Israels „ewig geeinte Hauptstadt“, ist heute geteilter denn je: zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen Christen, Juden und Moslems, zwischen religiösen und säkularen Juden. profil besuchte Bewohner, die unter diesem Zustand leiden und ihn endlich ändern wollen.


Von Tessa Szyszkowitz|profil.at

Von König David, Jesus und Mohammed zu Jassir Arafat und Benjamin Netanjahu wandeln seit drei Jahrtausenden nahöstliche Superstars und ihre Gefolgsleute durch die engen Gassen der Stadt, die allen als heilig gilt, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Ihr Name, auf Hebräisch „Jeruschalaim“, trägt das Wort für Frieden – „Schalom“ – in sich. Doch die fromme Hoffnung will sich nicht erfüllen. Seit jeher bestimmt Gewalt das Geschehen in der Stadt mit der weltweit höchsten Dichte an religiösen Stätten.

Der Hass ist immer politisch oder religiös motiviert, meistens beides. Im vergangenen Juli etwa wurde der 16-jährige Mohammed Abu Khdeir vor seinem Haus in Schuafat in Ostjerusalem von israelischen Rechtsextremisten entführt und bei lebendigem Leib verbrannt. Ende November drangen drei palästinensische Terroristen in eine Synagoge im Westjerusalemer Bezirk Har Nof ein und erschossen vier betende Juden. Auch in ruhigen Wochen kommt es immer wieder zu Messerstechereien in Westjerusalem oder in der Altstadt. Unlängst hat der israelische Bürgermeister der Stadt, Nir Barkat, eigenhändig einen palästinensischen Attentäter vor der Altstadtmauer niedergerungen. Der Mann stand messerschwingend mitten auf der Kreuzung vor dem Bürgermeisterbüro. Die ohnehin fragile Koexistenz in der Stadt, die auf Arabisch „al-Kuds“ (die Heilige), heißt, ist zusammengebrochen.

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„Das sind keine Muslime, das sind Extremisten“

Bild: rbb
Berlin gilt als Hochburg des radikalen Islamismus. Vor allem junge Männer lassen sich hier von Salafisten rekrutieren, um als so genannte Gotteskrieger in den Krieg zu ziehen. Die rbb-Reporter Jo Goll und Torsten Mandalka haben in Zusammenarbeit mit der Berliner Morgenpost für den Film „Dschihad in den Köpfen“ recherchiert, wie junge Menschen in Berlin zum Dschihad verführt werden und wie Sicherheitsbehörden, muslimische Gemeinden und Angehörige gleichermaßen mit der Gefahr umgehen.


rbb online

rbb online: In der neuen rbb-Reportage „Dschihad in den Köpfen“ beleuchten sie die Salafisten- und Dschihadistenszene in Berlin. Darin bezeichnen Sie die Stadt als „Hochburg des radikalen Islamismus“. Was bringt Sie zu diesem klaren Urteil?

Torsten Mandalka: Diese Bezeichnung stammt von den Verfassungsschutzbehörden, die wir nach unseren Recherchen und Dreharbeiten auch bestätigen können. Es gibt mit derzeit rund 600 Anhängern eine große Salafistenszene in Berlin, die rasant wächst. Allein von Berlin aus sind 90 Unterstützer in Krisengebiete wie Syrien und den Irak gereist, zehn von ihnen sind bereits in Kämpfen ums Leben gekommen. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass je erfolgreicher der „Islamische Staat“ in Syrien bekämpft wird, desto mehr Rückkehrer haben wir, auch in Berlin. Einige von denen kommen völlig traumatisiert zurück und wollen mit dem Dschihad absolut nichts mehr zu tun haben. Aber es gibt auch Rückkehrer, die kampferprobt sind und der Ideologie weiter anhängen. Die sind extrem gefährlich.

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Britische Gleichstellungsstudie: Christen fühlen sich diskriminiert

Bild: bb
Bild: bb
Großbritannien: Christen äußern Angst, ihre Arbeitskollegen über ihre religiöse Einstellung zu informieren. Wer sich zu erkennen gibt, werde oft verspottet oder als Frömmler behandelt, sogar seine Kinder werden in der Schule lächerlich gemacht.


kath.net

In Großbritannien haben Christen zunehmend Angst, ihre Arbeitskollegen über ihre religiöse Einstellung zu informieren. Darauf wies der Vorsitzende der britischen Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission hin. Wenn sie sich als Christen zu erkennen geben, werden sie oft verspottet oder als Frömmler behandelt, sogar ihre Kinder werden in der Schule lächerlich gemacht. Das ergab eine große Studie, deren Ergebnisse vor kurzem von der britischen Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission veröffentlicht wurden. Darüber berichtete die „Daily Mail“.

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Sauberer Schnitt in die menschliche Evolution

DNA, image: Mirny et al/MIT
DNA, image: Mirny et al/MIT
Eine neue Genetik erlaubt präzise Eingriffe in das menschliche Erbgut. Befürworter hoffen auf das Ende von Krebs und Diabetes. Kritiker befürchten die Manipulation von Embryonen.


Von Kathrin Zinkant|Süddeutsche.de

Das Napa Valley ist zu Jahresbeginn kein schlechter Ort für eine kleine Reise. Während anderswo noch Tristesse herrscht, explodiert zwischen den Rebstöcken Kaliforniens das Leben. Die strahlend gelbe Senfblüte beginnt, und mit ihr strömen Erholungswillige, Hochzeitspaare, Weinliebhaber ins berühmte Tal. Bisweilen kommen aber auch Forscher hinzu, wie vor wenigen Wochen, als sich eine Gruppe namhafter Wissenschaftler ins idyllische Carneros zurückzog. Unter ihnen: der Nobelpreisträger Paul Berg und einer der Pioniere der Gentechnik, David Baltimore vom California Institute of Technology in Pasadena. Der Anlass des Treffens war ernst. Die Forscher mussten reden. Über ein recht junges, aber schon weit verbreitetes Verfahren, das sogenannte Genome Editing oder Genomic Engineering. Es gestattet mit nie da gewesener Präzision einen Eingriff ins Erbgut aller Lebewesen, auch in das des Menschen. Und – bislang theoretisch – auch in das Erbgut von menschlichen Keimzellen oder Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstehen. Ob das aber wirklich noch Theorie ist?

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Zeitung: Fußball-Star Luca Toni hat Ärger wegen Kirchensteuer

Luca Toni. Bild: itaria.it
Es geht um mehr als eine Million Euro – Der Fußballer Luca Toni hat seinen deutschen Steuerberater verklagt, die angeblich ohne sein Wissen gegenüber den Steuerbehörden unterschiedliche Angaben zu seiner Religionszugehörigkeit gemacht hätten.


kath.net

Der Fußballer Luca Toni hat nach Angaben der «Bild am Sonntag» seinen deutschen Steuerberater verklagt. Wie die Zeitung berichtet, hat der Ex-Bayern-Star Ärger wegen nicht gezahlter Kirchensteuern in Bayern. Während seiner Zeit beim FC Bayern München habe er diese Steuer nicht entrichtet.

Es geht nach Angaben der Zeitung um mehr als eine Million Euro. Die Summe aus den Jahren 2007 bis 2009 hat der Profi-Fußballer bereits nachgezahlt. Jetzt wolle er sich das Geld von seinen Steuerberatern zurückholen, die ohne sein Wissen gegenüber den Steuerbehörden unterschiedliche Angaben zu seiner Religionszugehörigkeit gemacht hätten.

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Seelsorger ermutigt zu Abschiedsritualen auch für Menschen ohne Konfession

Bild. wikimedia.org/CC-BY- 2.5 Generic
Der Potsdamer Krankenhausseelsorger Johannes Albrecht ermutigt zu Abschiedsritualen auch für konfessionslose Menschen.


evangelisch.de

Dies betreffe Sterbende, Angehörige sowie Beschäftigte etwa in Krankenhäusern und in Hospizen gleichermaßen, sagte der evangelische Theologe am Samstagabend bei einem Fachkongress in Bremen. Das Bedürfnis, Abschied zu nehmen, sei nicht an eine Konfession gebunden, sondern sei ein spirituelles Grundbedürfnis des Menschen. „Rituale geben Halt und Orientierung, sie wirken emotional und geben so Geborgenheit“, erläuterte Albrecht.

Abschiedsrituale seien Teil des Trauerweges, fügte der Seelsorger hinzu. In einem Workshop im Rahmen des 9. Bremer Kongresses für Palliativmedizin schlug er vor, beispielsweise statt einer kirchlichen Aussegnung eine Abschiedsfeier zu organisieren. Statt Psalmen könnten spirituelle Gedichte, statt einem Gebet ein „Wort an das Leben“ gesprochen werden.

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Gehört das Christentum noch zu Deutschland?

DerverzweifelteJesusHartmut Steeb, Generalsekretär der Evangelischen Allianz, kritisiert politische Entwicklungen – Hält das Bundesverfassungsgericht einen Verzicht auf die Darstellung christlicher Werte für richtig?


kath.net

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), sieht mehrere gesellschaftliche und politische Entwicklungen mit großer Sorge. In seinem Bericht vor dem Hauptvorstand dieser Dachorganisation von Evangelikalen aus Landes- und Freikirchen, der vom 17. bis 18. März im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen bei Walsrode tagte, ging er unter anderem auf die jüngsten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zum Kopftuchstreit und zu Schulgesetzen ein. Nach Steebs Überzeugung stellt sich „nicht mehr so sehr die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, sondern ob das Christentum zu Deutschland gehört“. Ferner beunruhigt ihn die Durchsetzung der „sexuellen Vielfalt“ durch die grün-rote Regierung Baden-Württembergs sowie entsprechende Pläne anderer Bundesländer.

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Islamfeindlichkeit? Die Bundesregierung hat keinen blassen Schimmer

Die drei Affen – nichts gesagt, nichts gehört, nichts gesehen © Creative Tools @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die Bundesregierung kann nicht sagen, wie viele islamfeindlich motivierte Straftaten es im Jahr 2014 gab. Sie kann auch nicht sagen, wie viele Tatverdächtige oder Opfer es gab. Kurz: sie hat keine Ahnung.


Von Birol Kocaman|MiGAZIN

Die Bundesregierung hat keinen blassen Schimmer. So lässt sich eine aktuelle Antwort des Bundesinnenministeriums (Drs. 18/4269) wohl zusammenfassen. Die Linke im Bundestag wollten wissen, welche Erkenntnisse der Regierung über Islamfeindlichkeit und antimuslimische Straftaten für das Jahr 2014 vorliegen. Bis auf eine offensichtlich unvollständige Auflistung mit 45 registrierten Übergriffen auf Moscheen – meist rechtsmotiviert – kann das Ministerium so gut wie keine Auskunft erteilten.

Sie kann weder sagen, wie viele islamfeindlich motivierte Straftaten verübt wurden noch kann sie sagen, wie viele Personen verletzt oder getötet wurden; sie weiß auch nicht, welcher materielle Schaden entstanden ist oder wie viele Personen festgenommen bzw. verurteilt wurden, wie viele Ermittlungsverfahren eingeleitet und wieder eingestellt wurden. Ja, das Ministerium kann nicht einmal sagen, ob es gezielte Polizeioperationen wegen islamfeindlicher Straftaten gegeben hat.

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Neandertaler: Vulkanausbruch als Todesstoß?

Noch heute gibt es zahlreiche Gasaustritte in den Phlegräischen Feldern © Mentnafunangann / CC-by-sa 4.0
Beschleunigte eine Katastrophe das Ende? Der Ausbruch eines Supervulkans in Italien könnte den letzten Neandertalern den Todesstoß versetzt haben. Denn die Eruption vor 40.000 Jahren verteilte nicht nur Asche über weite Teile Europas, sie führte auch zu einer Klimaabkühlung um mehrere Grad, wie Forscher herausfanden. Dieser vulkanische Winter könnte das Aussterben der Neandertaler beschleunigt haben, wie Forscher im Fachmagazin „Geology“ berichten.


scinexx

Mindestens 250.000 Jahre lang trotzten die Neandertaler erfolgreich allen Unbilden seiner Umwelt. Doch vor rund 35.000 Jahren war ihre Ära in Europa endgültig vorbei – die Neandertaler waren ausgestorben. Warum dies geschah und warum stattdessen unser Vorfahre, der Homo sapiens, überlebte, bleibt bis heute unklar. Eine Rolle gespielt haben könnten Klimawechsel, soziale Faktoren oder auch ein größerer Fortpflanzungserfolg des Homo sapiens.

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Gröhe: ‚Man kann sich nicht raushalten als Christ!‘

Hermann Gröhe (2010), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de
Bundesgesundheitsminister: „Einen gläubigen Muslim in Köln stört nicht der Kölner Dom, sondern der Sexshop daneben.“ – Kein Muslim erwarte, dass Christen ihren Glauben verschweigen.


kath.net

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto) hat Christen aufgerufen, ihren Glauben öffentlich zu bekennen und sich gesellschaftlich zu engagieren. Er sprach beim 38. „Missionale“-Treffen am 21. März in Köln in einem Seminar zum Thema „Gelassen das uns Mögliche tun“. Der biblische Vers „Suchet der Stadt Bestes“ (Jeremia 29,7) sei eine klare Aufforderung, sich für das „Wohl unseres Gemeinwesens“ einzusetzen. Mit einer frommen Weltflucht passe es nicht zusammen. Gröhe: „Man kann sich nicht raushalten als Christ.“ Es freue ihn, dass dies beispielsweise beim Kongress christlicher Führungskräfte Ende Februar in Hamburg zum Ausdruck gebracht worden sei. Dort hätten Unternehmer bekannt, ihre Firmen in christlicher Verantwortung zu leiten. Gröhe warnte ferner davor, politische Kompromisse als etwas grundsätzlich Schlechtes zu betrachten. Manche Christen hätten ihm berichtet, dass sie deswegen nicht in die Politik gingen. Unterschiedliche Meinungen gelte es auszuhalten. So habe es auch unter engagierten Christen unterschiedliche Überzeugungen gegeben, ob die Bundeswehr zu Recht in Afghanistan gewesen sei.

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„Menschenbild nicht immer neu diskutieren“

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Lehrerinnen sind Vorbilder für ihre Schüler. Aber was vermitteln sie, wenn sie ein Kopftuch im Unterricht tragen? Darüber gehen die Meinungen nach dem Kopftuch-Urteil auseinander.


pro Medienmagazin

Muslimische Lehrerinnen dürfen im Unterricht Kopftuch tragen. Das hat das Bundesverfassungsgericht kürzlich entschieden. Die Reaktionen darauf sind zwiespältig. Lehrerinnen sind Vorbilder, darüber herrscht Konsens. Doch welche Botschaft vermitteln sie, wenn sie aus religiösen Gründen mit einem Kopftuch in die Schule kommen? Wie die Wochenzeitung Welt am Sonntag (WamS) schreibt, sieht die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) darin ein Zeichen von Selbstbewusstsein und „eigenen Überzeugungen“. Eine ähnliche Auffassung vertritt Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats: „Eine Kopftuch tragende Lehrerin ist ein positives Rollenmodell für muslimische Mädchen. Sie verdeutlicht, dass in unserem Land auch im Staatsdienst Platz ist für Muslime“, zitiert ihn die Zeitung. Bisher habe das Kopftuch seiner Einschätzung nach wohl hunderte muslimische Frauen von einem Lehramtsstudium abgehalten.

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Nährstoffmythos: Über die Sinnlosigkeit von Vitamintabletten

Foto: Getty Images Vitaminpillen muss fast niemand für seine Gesundheit schlucken. Der Körper kann sich aus der Nahrung versorgen – und viele Vitamine selbst recyceln
Eine rote Pille für den Muskelaufbau, eine blaue mit Antioxidantien. Nicht nur unter Sportlern sind Vitaminpräparate beliebt. Dabei sind die meisten sinnlos – und einige können sogar schaden.


Von Jörg Zittlau|DIE WELT

„Fit in den Frühling“, „Mit Vitaminen gegen die Frühjahrsmüdigkeit“ – wenn der Winter sich verabschiedet, hört man, dass die Zeit für eine Extraportion Vitamine gekommen ist. Um die im Winter geleerten Speicher wieder aufzufüllen, um sich vor der intensiveren Sonnenstrahlung zu schützen, um in Sport und Beruf belastbarer zu sein.

In Deutschland geben die Menschen in einem Jahr 1,2 Milliarden Euro für Vitaminpräparate aus. Doch wissenschaftliche Daten sprechen gegen den Sinn dieser Investition – und mitunter ist sie sogar gefährlich.

Eine rote Pille für den Muskelaufbau, eine blaue für die Regeneration. Gerade unter Sportlern sind Vitaminpräparate beliebt. Sie erhoffen sich von den antioxidativen Vitaminen C und E, dass sie als sogenannte Radikalfänger die Muskeln vor Sauerstoffradikalen schützen und so die Trainingsergebnisse verbessern. Doch eine Studie der Sporthochschule Oslo zeigt, dass die Einahme dieser Vitamine auch zum Gegenteil führen kann.

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Theologe Nötzel: Bibel „abstauben“ und ins Leben bringen – Altpapier

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Der Theologe Christoph Nötzel hat die Kirche aufgefordert, mit wandelnden Kommunikationsformen Schritt zu halten.


evangelisch.de

Die Bibel müsse „abgestaubt“ und ins Leben gebracht werden, sagte der Vorsitzende des Gemeindekongresses Missionale am Samstag in Köln. „Es ist hochinteressant, aus alten Texten herauszuklopfen, wie Gottes Wort für uns heute laut wird“, erklärte Nötzel, der das Amt für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste der Evangelischen Kirche im Rheinland leitet.

Zum Missionale-Treffen in den Kölner Messehallen kamen am Samstag nach Angaben der Veranstalter rund 4.500 Christen aus Landeskirchen, Freikirchen und Werken. Der Gemeindekongress stand unter dem Motto „Abstauben – Die Bibel“. In Bibelarbeiten, Seminaren und Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie „Bibel übersetzen – Brücken bauen für das Wort“ und „Gott spricht zu uns – aber wie?“. Am begleitenden Jugendfestival und Kinderprogramm nahmen 1.500 Jugendliche und 500 Kinder teil.

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Apple und die Datenmedizin: Zahlen sind alles

Bild: clericalwhispers.blogspot.com
Bild: clericalwhispers.blogspot.com
Beim jüngsten „Spring Forward“-Ereignis hatte Apple zwischen all dem faszinierenden und dem weniger faszinierenden Spielzeug überraschenderweise der evidenzbasierten Medizin ein Angebot zu machen: ResearchKit, ein Entwicklungstool, mit dem man ernstzunehmende Apps für klinische Studien entwickeln kann.


Von Marcus Hammerschmitt|TELEPOLIS

Klinische Studien: Seit den Skorbut-Versuchen von James Lind sind sie das wichtigste Mittel des medizinischen Fortschritts. Natürlich können sie frisiert und für alles Mögliche missbraucht werden, so zum Beispiel für die Simulation wissenschaftlicher Respektabilität, die gar nicht vorhanden ist (Das Netz als Sieb).

Aber gut geplante und ehrliche Studien sind bei der Prüfung der Qualität von medizinischen Verfahren und von Medikamenten unverzichtbar. Das gilt natürlich auch für die Behandlung und Überwachung chronischer resp. degenerativer Krankheiten, bei denen es nicht so sehr auf die kurzfristige Wirksamkeit von Therapien ankommt, als auf die Sicherung der Lebensqualität Betroffener über eine lange Zeit, manchmal über Jahrzehnte hinweg. Bei manchen lang anhaltenden Problemlagen geht es auch um Vorsorge, die das Eintreten einer bestimmten Krankheit verhindern oder verzögern soll, oder die Nachsorge, die Rückfälle ausschließen oder abschwächen soll.

Apps für Asthma, Parkinson, Brustkrebs, Diabetes und Herzkreislaufkrankheiten

Ob die Reaktionen auf all diese medizinischen Grundkonstellationen sinnvoll sind, erfährt man durch Studien. Und der Wert dieser Studien steht und fällt wiederum mit der Quantität und der Qualität der Daten, die sie generieren. Eine chronische Klage von Medizinern in diesem Zusammenhang ist, dass Studien mit zu wenigen Teilnehmern arbeiten, und dass diese Teilnehmer zudem aus viel zu homogenen gesellschaftlichen Gruppen stammen.

Eine Studie ist aber umso relevanter, je enger die Teilnehmer einen repräsentativen Querschnitt der Gesamtbevölkerung darstellen. De facto sieht es leider bis heute oft so aus, dass Wissenschaftler per Anzeigen, Aushangzetteln oder mit anderen antiquierten Methoden nach Teilnehmern suchen, und was sie auf diese Weise erhalten, ist nur allzu oft ein Müsli mit viel zu vielen Rosinen, Haselnüssen oder Haferflocken.

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Pascal Voggenhubers Quanten-Spinnerein

Bild: youtube, brightsblog
Bild: youtube, brightsblog
Pascal Voggenhuber spricht mit Toten. Mit bluewin.ch redet das Basler Medium über unseriöse Kollegen, wissenschaftliche Beweise und warum er seine Gabe einst loswerden wollte.


Von Corina Hany|Bluewin.ch

Bluewin: Pascal Voggenhuber, wie erklären Sie jemandem, der Sie nicht kennt, was Sie tun?

Pascal Voggenhuber: Ich begleite trauernde Menschen, indem ich Botschaften von Verstorbenen übermittle. Das hat aber nichts mit Wahrsagen und Karten legen zu tun. Ich liess mich in der Tradition des englischen Spiritismus ausbilden. Dabei übernimmt ein Medium neben der Trauerbegleitung die gleichen Aufgaben wie ein Priester: Es führt Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen durch.

Ihnen liegt viel daran zu beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Woher kommt dieser Drang?

Früher war mir das tatsächlich ein grosses Anliegen, Jenseitskontakte zu beweisen. Weil die grundlegendste Angst der Menschen ist jene vor dem Tod. Wenn wir jedoch erkennen, dass es danach weiter geht, werden fast alle Sorgen und Ängste überflüssig. Inzwischen habe ich aber realisiert, dass es sinnvoller ist, mich auf jene Menschen zu konzentrieren, die bereits offen sind für meine Arbeit. Skeptiker überzeugen zu wollen, ist verlorene Zeit.

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