Berlin-Wedding: Salafisten-Moschee attackiert

Hass auf Moscheen könnte das Motiv des Mannes sein.Foto: Tim Brakemeier/dpa
Erst fuhr er mit dem Auto gegen den Eingang einer Moschee, später warf er Flaschen. Das Gebetshaus gilt als Treffpunkt der Salafisten.

Von Thomas Loy | DER TAGESSPIEGEL

Ein 29-Jähriger hat am frühen Samstagmorgen den Eingang der As-Sahaba-Moschee in der Weddinger Torfstraße mit einem Auto beschädigt. Das teilte ein Polizeisprecher mit. Den Leihwagen ließ der Mann stehen, das Fahrzeug wurde gegen 4.25 Uhr von der Polizei sichergestellt. Später, gegen 10 Uhr, kam der Mann nach Angaben der Polizei erneut zu der Moschee, warf eine Flasche gegen die Hausfassade und flüchtete. Als der 29-Jährige gegen 14 Uhr ein drittes Mal auftauchte und wieder eine Flasche gegen die Hauswand warf, hielten ihn Passanten fest und übergaben ihn den alarmierten Polizeibeamten.

Der Mann wurde festgenommen. Sein Motiv sei bislang unklar, hieß es. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Die As-Sahaba-Moschee wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Hier sollen sich radikale Salafisten treffen.

Die UV-Strahlung in Echtzeit beobachten

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Biomedizin.Entgegen der landläufigen Wahrnehmung ist die Sonne in den letzten Jahren nicht aggressiver geworden. Das haben Forscher eines einzigartigen Labors an der Medizin-Universität Innsbruck in langen Messreihen nachgewiesen.

Von Uwe Schwinghammer | Die Presse

In den letzten Jahren fiel oft und gern der Satz: „Die Sonne wird auch immer aggressiver.“ Doch Mario Blumthaler, Leiter des UV-Labors an der Medizin-Universität Innsbruck (MUI), möchte diesen nicht unwidersprochen lassen. In seinem Labor kommen die Daten von UV-Messstellen in ganz Österreich, aber auch aus Teilen der Schweiz und Deutschlands zusammen. Seit beinah 20 Jahren werden die medizinisch relevanten Anteile der UV-Strahlung in verschiedenen Lagen von 16 Stationen tagtäglich so erfasst. „Wir haben eines der dichtesten Netze weltweit. Begründet ist dies durch die topografischen Unterschiede in Österreich. Es hat sich gezeigt, dass es diese Dichte braucht, um die UV-Strahlung ordentlich darstellen zu können“, sagt der Biomedizinphysiker. Initiiert und finanziert wurden die Messstellen vom Umweltministerium.

Doch zurück zur angeblichen Aggressivität der heimischen Sonne. Hier haben die Forscher der Sektion für biomedizinische Physik an der MUI nämlich festgestellt, dass die UV-Strahlung in den 20 Jahren kontinuierlicher Messung nicht zugenommen hat. Blumthaler: „Wir konnten zeigen, dass es auf die ganze Periode gesehen keine Änderung gibt. Wohl aber gibt es von Jahr zu Jahr große Schwankungen. Ein statistischer Trend ist daraus aber nicht zu erkennen.“

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Ultraorthodoxe Juden und der Sex: Durch Lust zum Glück

Rabbi Natan Alexander mit einem Objekt aus seinem Online-Shop für Sexspielzeug. (Bild: Jonas Opperskalski)
Streng orthodoxe Frauen geben einem fremden Mann nicht die Hand, Rabbi Natan verkauft Sex-Toys. Willkommen in der vielfältigen Welt des jüdischen Sex.

Von Ulrich Schmid | Neue Zürcher Zeitung

Wegsehen oder hinschauen? Nach einer sündigen Millisekunde senkt der Ultraorthodoxe in Jerusalem den Blick, wenn ihm eine fremde Frau entgegenkommt – um nicht in Versuchung zu geraten. Sex und Juden, das ist schwierig. Man bringt die bärtigen Männer in Schwarz nur schwer in Zusammenhang mit leiblicher Lust. Und dann kommt der junge Rabbi Natan Alexander daher, hält einen rosaroten Vibrator in die Höhe, schaut ihn genau an und erklärt freudig, wo es der Klitoris und wo dem G-Punkt gut tut.

Der koschere Dildo

Widersprüche sind nicht Unvereinbarkeiten. Hier feiern die hochgradig Säkularen von Tel Aviv ihre rauschenden Feste, da beten sich die bärtigen Haredi vor der Klagemauer mit Pendelbewegungen in Trance. Scheu zieht die ultraorthodoxe Frau die Hand zurück, wenn der ungeschlachte Schweizer die seine ausstreckt, barsch wird der Tourist in Mea Shearim, der Hochburg der Orthodoxen in Jerusalem, aufgefordert, sich angemessen «bescheiden» zu kleiden – nicht so, wie es ihm, dem Besucher, passt, sondern so, wie es den Orthodoxen passt, weil sie nun einmal so sind. Und hier oben in Elazar, einer kleinen jüdischen Siedlung im Westjordanland südlich von Bethlehem, betreibt der knabenhafte, aber durch und durch orthodoxe Rabbi seine Website «Bebetter2gether», die koschere Sex-Spielzeuge anbietet, und kümmert sich um die Ratsuchenden, die er durch seine zweite Website – «Inspiring Self Improvement and Relationship Empowerment» – auf sich aufmerksam macht.

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Zweifel an Uni-Diplom des türkischen Präsidenten

erdoganOhne Diplom einer Universität darf in der Türkei niemand das Präsidentenamt bekleiden. Erdogan-Kritiker werfen dem Staatsoberhaupt jetzt vor, einen solchen Studienabschluss nicht vorweisen zu können.

DIE WELT

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat inzwischen 44 Ehrendoktortitel eingeheimst – die Frage ist nur, ob er selbst überhaupt ein Uni-Diplom hat. Die türkische Verfassung verlangt, dass das Staatsoberhaupt vier Jahre weiterführende Uni-Studien nachweisen muss.

Kritiker setzen Erdogan nun unter Druck, denn sein Studienabschluss aus dem Jahr 1981 soll diesen Kriterien nicht genügen. Manche gehen sogar so weit, eine Fälschung seines Uni-Diploms zu vermuten.

Die Debatte über die Hochschulkarriere des heutigen Staatschefs geht Präsidentensprecher Ibrahim Kalin sichtlich auf die Nerven. Als die Frage dieser Tage wieder aufgeworfen wurde, lautete Kalins Replik: „Wollen Sie, dass wir von diesem Diplom zehn Millionen Kopien anfertigen, um es allen zu schicken?“

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Israel zerbricht an seinem Hass

So sollte es sein.
So sollte es sein.
Nach dem Anschlag von Tel Aviv rückt das Volk nicht mehr solidarisch zusammen. Polit-Geschacher und Hetze im Netz.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Das liberale Tel Aviv war schon immer das Gegenstück zum religiös konservativen Jerusalem. Wie sehr die politischen Überzeugungen auseinanderdriften, zeigt gerade eine Äußerung des Tel Aviver Bürgermeisters Ron Huldai einen Tag nach dem Attentat im Sarona-Viertel, bei dem Mittwochabend vier Israelis im Kugelhagel zweier Palästinenser starben. „Es ist doch unmöglich, Menschen unter Besatzung zu halten und zu glauben, dass sie sich damit abfinden, so weiter zu leben.“

Solchen Klartext sind die Israelis nicht gewöhnt, erst recht nicht von einem Politiker, der als langjähriges Mitglied der Arbeitspartei zum Establishment zählt. Umso mehr horchten viele auf, als der 71-jährige Huldai am Donnerstag in einem Interview mit dem Armeesender der Regierung die Leviten las. Statt über palästinensische Hassausbrüche zu jammern, solle man besser mal nach dem Warum fragen.

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Kirche und Politik: Der Glaube handelt, indem er glaubt

Äthiopische christliche Pilger verrichten am Ostersonntag in der Grabeskirche in Jerusalem ihr Gebet. (Bild: Sebastian Scheiner/Reuters)
Ob katholisch oder protestantisch, oft und gern bringt sich die Kirche ein, wenn es um politische und ethische Fragen der Gegenwart geht. Über diesem Aktivismus droht sie die eigene Glaubensbasis zu vergessen.

Von Adrian M. Berger | Neue Zürcher Zeitung

Der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äusserte kürzlich in einer kirchlichen Zeitschrift sein Unbehagen: Er beobachte eine einseitige Politisierung der evangelischen Kirche, «als gehe es in der evangelischen Kirche primär um Politik, als seien politische Überzeugungen ein festeres Band als der gemeinsame Glaube». Religion müsse, so Schäuble, «um politisch zu sein, erst einmal Religion sein».

Auch in der Schweiz meldet sich die Kirche öffentlich dann zu Wort, wenn es um politische oder ethische Themen geht. Wie soll den Migrationsströmen begegnet werden? Wie steht die Kirche zum Fortpflanzungsmedizingesetz? Was hält die Kirche von Reformen des Eherechts? Von der Kirche und von Kanzeln werden Richtlinien fürs menschliche Zusammenleben oder auch politische Stellungnahmen und Handlungsanweisungen verlautbart.

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Burkini-Verbot: „Bei uns darf man nur gründlich geduscht ins Wasser“

Foto: picture-alliance/ dpa Zwei muslimische Schülerinnen in Burkinis mit ihrer Schwimmlehrerin am Beckenrand: „Wie kann man sich mit sowas vorher überhaupt duschen?“
Muslimischen Frauen ist im Hallenbad von Neutraubling (Bayern) der Burkini verboten. Badegäste hatten sich über eine Muslimin mit Schwimmanzug beschwert. Bürgermeister Kiechle erklärt das Verbot.

Von Christian Eckl | DIE WELT

Die Welt: Herr Bürgermeister, Ihre Entscheidung, dass muslimische Frauen nicht mehr im Burkini im Hallenbad von Neutraubling baden dürfen, sorgte für Aufsehen in ganz Deutschland. Wundert Sie das?

Heinz Kiechle: Also zunächst sind die Reaktionen, die ich aus ganz Deutschland bekomme und die mich persönlich erreichen, weit überwiegend positiv. Auf offener Straße, beim Einkauf oder beim Friseur höre ich, die Kunden fänden die Entscheidung richtig.

Meine Mitarbeiterinnen sagen mir, dass sogar Leute aus ganz Deutschland schreiben oder anrufen. Geschätzt gut 75 Prozent der Reaktionen sind positiv. Aber im Internet habe ich das kennengelernt, was man wohl einen Shitstorm nennt. Da wurde ich sogar als Rassist bezeichnet, das ist absurd.

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Religion im Gerichtssaal: Richter fordern Klarheit

foto: heribert corn Mona S., Angeklagte im „Terrorprozess“, weigerte sich vor Gericht, den Schleier von ihrem Gesicht zu nehmen. Sie wurde daraufhin von der Verhandlung ausgeschlossen – und ihr Fall zum Präzedenzfall. S. erhielt eine 22-monatige Haftstrafe wegen terroristischer Propaganda
In Verhandlungsräumen stehen Kreuze, doch ob Vorsitzende ein Kopftuch oder eine Kippa tragen dürften, ist derzeit unklar

Von Katharina Mittelstaedt | derStandard.at

Es war im Jahr 2008, als Staat und Religion in einem österreichischen Gerichtssaal zum ersten Mal medienwirksam kollidierten: Mona S., Angeklagte im sogenannten Terrorprozess, der gegen sie und ihren Mann geführt wurde, weigerte sich, ohne Gesichtsschleier einvernommen zu werden.

Im Wiener Straflandesgericht seien Männer anwesend, argumentierte die damals 22-Jährige. Ihr Glaube gebiete deshalb, sich zu verhüllen. Den Vorschlag der vorsitzenden Richterin, ihren Niqab gegen ein Kopftuch zu ersetzen, das ihr Gesicht freilegt, schlug die junge Frau aus: „Im Koran steht kein einziges Mal Kopftuch! Mein Glauben besagt Schleier“, gab sie zu Protokoll.

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Religiotie: Fußballstar Alaba eröffnet EM mit Bibeltweet

David Alaba (2016) Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0/steindy

Spielführer des Nationalteams: „Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge“.

 

kath.net

Österreichs Superstar in der Fußball-Nationalelf, David Alaba, hat die Europameisterschaft in Frankreich in den Sozialen Medien mit einem Bibelvers „eröffnet“. „Denkt nicht an euren eigenen Vorteil, sondern habt das Wohl der anderen im Auge“, hieß es am Freitag auf dem Twitter-Profil @David_Alaba, mit einem Verweis auf den Philipperbrief von Paulus (Phil 2,4). Österreich startet in der EURO-Gruppenphase am Dienstag mit dem Spiel gegen Ungarn.
Bereits am Freitag der Vorwoche hatte sich Alaba mit einem Bibelvers an seine Twitter-Gemeinde gewandt. „Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft“, so das als Bildtext eingefügte Zitat aus dem Buch Jesaja (Jes 40, 31).

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Personenkult: Wittenberg feiert Luthers Hochzeit

Lutherjahr

Mit einer Eröffnungszeremonie in historischen Kostümen hat am Freitag das 22. Wittenberger Fest „Luthers Hochzeit“ begonnen. Dabei wurde auf dem Marktplatz der Lutherstadt die Begrüßung der entflohenen Nonnen, darunter Luthers spätere Ehefrau Katharina von Bora, dargestellt.

evangelisch.de

Zu dem dreitägigen Stadtfest werden bis Sonntag bis zu 100.000 Besucher erwartet. Auf dem Programm stehen 70 Stunden Unterhaltung auf neun Bühnen und öffentlichen Plätzen sowie in Kirchen und Kultureinrichtungen. Unter anderem gibt es historische Märkte mit Gauklern. Höhepunkt ist am Samstag ein Hochzeitsumzug wie vor 491 Jahren.

In die Rolle der Katharina von Bora schlüpft in diesem Jahr Anja Glöckner aus Wittenberg, die als Teammanagerin in einem Call-Center tätig ist. Der Reformator wird erneut von dem Diplom-Sozialpädagogen Fred Göde verkörpert.

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Deutsche Dschihadisten: Sicherheitsbehörden liegen geheime IS-Personalakten vor

Bild: nationalreview.com
Bild: nationalreview.com
„Morde“ als Fähigkeit, eine „geheime Mission“ als Ausreisegrund: Hunderte Personalbögen des IS enthalten nach Informationen des SPIEGEL detaillierte Angaben über deutsche Dschihadisten.

SpON

Deutschen Sicherheitsbehörden liegen Hunderte Personalakten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) vor. Die Extremisten sollen sie zwischen 2013 und 2015 über Kämpfer angelegt haben, die aus dem Kriegsgebiet ausgereist sind. Darunter befinden sich nach Informationen des SPIEGEL offenbar auch etwa 20 Deutsche, die den IS verlassen haben und zum Teil in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Die deutschen Behörden erhielten die Unterlagen aus dem Ausland. Die Inhalte der Personalbögen geben Aufschluss darüber, warum die Dschihadisten das IS-Gebiet verließen. „Er wird nicht wieder aufgenommen, falls er zurückkehrt, weil er Sicherheitsoperationen ohne Wissen des Emirs durchgeführt hat“, notierten die IS-Bürokraten zum Beispiel über einen Islamisten aus Süddeutschland in einer der Listen. Bei einem anderen Deutschen hieß es zum Grund seiner Ausreise: „geheime Mission“. Als Fähigkeit trugen die IS-Mitglieder „Morde“ ein. Es ist unklar, wer sich hinter diesem Eintrag verbirgt.

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Bundeswehr: Deutsche Munitionskiste auf Linienflug verloren gegangen

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Die deutsche Bundeswehr vermisst eine Kiste mit scharfer Munition. Die Hartplastik-Box mit 880 Schuss Pistolen-Munition sei bei einem Flug von Bundeswehrsoldaten in das Einsatzgebiet im westafrikanischen Mali verschwunden, berichtete die «Welt am Sonntag».

Neue Zürcher Zeitung

Demnach sollen die Soldaten bei einem Linienflug der Air France von Berlin-Tegel über Paris nach Bamako am 28. Mai ihre Dienstwaffen samt Munition als Sperrgepäck eingecheckt haben. Bei der Ankunft in Bamako sei die Munitionskiste verschwunden gewesen. Zum Zeitpunkt des Verschwindens der Munition habe die Fluggesellschaft die Verantwortung getragen. «Die Untersuchungen zu diesem Vorfall sowie die Suche nach der verschwundenen Munition sind noch nicht abgeschlossen», sagte ein Sprecher der Streitkräfte dem Blatt. Die Bundeswehr ist im Rahmen einer Uno-Friedensmission mit derzeit etwa 300 Soldaten im Norden von Mali im Einsatz.

Glyphosat und andere Gifte

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)

Schon wieder gab es keine benötige Mehrheit für die Neuzulassung des vielfach angewendeten Herbizides. Dabei gibt es noch viele andere Substanzen im Ackerbau, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit untersucht werden müssten. Überhaupt stellt sich die Frage, was Ertragssteigerungen mittels Pestizide nützen, wenn rund die Hälfte der Nahrungsmittel vom Acker schließlich in die Mülltonne wandern?

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Bei der zweiten Abstimmung über Glyphosat am 6. Juni enthielten sich sieben von 28 Mitgliedstaaten. Allein Malta stimmte dagegen. Nun läuft die Glyphosat-Zulassung am 30. Juni 2016 aus. Bis dahin kann die EU-Kommission immer noch den Berufungsausschuss beanspruchen. Bringt dieser nicht das gewünschte Ergebnis, kann sie schließlich im Alleingang entscheiden.

Dabei steckt sie in folgender Zwickmühle: Befürwortet sie Glyphosat um weitere 18 Monate, muss sich die Kommission den Vorwurf gefallen lassen, Erfüllungsgehilfe von Monsanto und anderer Saatgutkonzerne zu sein. Lässt sie die Zulassung auslaufen, muss sie mit Klagen der Hersteller rechnen – glaubt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Zur Giftigkeit von Glyphosat liefern diverse Studien widersprüchliche Ergebnisse. Der Aussage der Internationalen Krebsforschungsagentur der WHO (IARC) vom März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“ sei, stehen die Erkenntnisse des Sachverständigenausschusses für Pestizidrückstände (JMPR) der WHO gegenüber. Dieser hält es für „unwahrscheinlich“, dass Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln Krebs verursachten.

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Depressiver Narzissmus

In seinem neuen Buch „Negative Moderne – Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts“ erkundet Sven Hillenkamp die dunkle Seite der Freiheit – und schreibt versehentlich ein Manifest für die Generation Millennial.

Von Jens-Christian Rabe | Süddeutsche.de

Wir leben in wilden Zeiten: all die nicht enden wollenden Finanz- und Wirtschaftskrisen, die Kriege in der Ukraine und dem Nahen Osten, der islamistische Terrorismus, der Aufstieg nationalistischer Parteien und Bewegungen, die allgegenwärtige Überwachung, der Neoliberalismus, der Kapitalismus, die Technologisierung des Alltags – kein Wunder, dass längst fast jeder deutsche Buchverlag einen hauseigenen Kulturkritiker beschäftigt, den weniger die penible Erforschung der komplizierten Details unserer grässlichen Gegenwart quälen, als die Frage, was daran eigentlich die Qual für jeden Einzelnen ist. Und unter deren Augen noch die letzte Errungenschaft der Moderne zu einem pathologischen Problem wird. Also etwa die Beschleunigung (Hartmut Rosa, Suhrkamp), die Zivilisierung der Instinkte (Robert Pfaller, S. Fischer) oder auch einfach nur das Transparenzgebot (Byung-Chul Han, ebenfalls bei Fischer).

Beim Stuttgarter Klett-Cotta Verlag hat die Populäre-Kulturkritik-Planstelle seit einer Weile der in Stockholm lebende Essayist und Schriftsteller Sven Hillenkamp inne, der nach „Das Ende der Liebe“ (2012) nun mit „Negative Moderne – Strukturen der Freiheit und der Sturz ins Nichts“ den zweiten Band seiner auf vier Bände angelegten Untersuchung über die „Zwänge der Freiheit“ vorlegt.

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Osmanische Clownerie: Türkischer Ort entzieht Özdemirs Vater die „Mitbürgerschaft“

Ein Bild von Protesten vor der deutschen Botschaft in Ankara – Cem Özdemir unterstützt die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestag, dessen Familie wird in der Türkei deswegen angefeindet. / Bild: APA/AFP/ADEM ALTAN
Während der Vater des Grünen-Chefs für die Armenien-Resolution bestraft wird, erhält eine CDU-Abgeordnete die „Ehren-Mitbürgerschaft“.

Die Presse.com

Nach der Völkermordresolution des Deutschen Bundestages hat die türkische Heimatgemeinde des Vaters des Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir symbolisch die „Mitbürgerschaft“ abgesprochen. Die Entscheidung sei bei einer Sitzung des Gemeinderates in Pazar in der nordtürkischen Provinz Tokat gefällt worden, sagte Pazars Bürgermeister Serafettin Pervanlar am Freitag der Deutschen Presse-Agentur.

Gleichzeitig habe der Rat beschlossen, der Leipziger CDU-Abgeordneten Bettina Kudla – die als einzige gegen die Resolution gestimmt hatte – eine „Ehren-Mitbürgerschaft“ zu verleihen.

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Kirchenrecht: Ex-Priester oder nicht?

© Bild: KNA
„Die einmal gültig empfangene heilige Weihe wird niemals ungültig“, heißt es im Kirchenrecht. Was bedeutet es dann, wenn von der Suspendierung eines Priesters die Rede ist? Oder wenn er gar „laisiert“ wird? Katholisch.de erklärt die Begriffe.
 

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Suspendierung

Bei einer Suspendierung wird dem Diakon oder Priester die Ausübung von Amtshandlungen untersagt. Sie wird vom Ortsbischof verhängt und ist als vorübergehende Maßnahme gedacht. Als sogenannte Beugestrafe soll sie bezwecken, dass der Betroffene die Verhaltensweisen oder Auffassungen, die mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar sind und zu der Suspendierung geführt haben, aufgibt. Dazu gehört etwa die Einladung evangelischer Christen zur Kommunion. Zudem werden Priester und Diakone von ihrem Dienst suspendiert, wenn Verdacht auf sexuellen Missbrauch besteht. Auch Kleriker, die ihrem Bischof gegenüber oder öffentlich bekunden, dass sie entgegen ihrem Enthaltsamkeitsversprechen in einer Partnerschaft leben wollen, werden suspendiert. Suspendierte Kleriker sind weiter an ihre Weiheversprechen wie etwa den Zölibat und das Stundengebet gebunden. Der Ortsbischof hingegen muss in der Regel weiterhin für den Unterhalt des Suspendierten sorgen.

Verlust des klerikalen Standes

Auch wenn die Weihe niemals ungültig wird, hält der Codex des kanonischen Rechts (CIC) in den Canones 290 bis 293 drei Möglichkeiten zum Verlust des klerikalen Standes fest (siehe Grafik). Bei der sogenannten Laisierung handelt es sich um eine Entlassung aus dem Klerikerstand. Sie wird auf Antrag gewährt (etwa bei Liebesbeziehungen) oder als höchste Kirchenstrafe verhängt (etwa bei Missbrauch). Bei der Entlassung aus dem Klerikerstand werden im Normalfall alle mit der Weihe empfangenen Rechte und Pflichten eines Diakons oder Priesters auf null gesetzt.

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Kann Sakro-Pop die Kirche retten?

Das kirchliche Pop-Oratorium Luther feiert am Reformationstag, Samstag (31.10.2015), in Dortmund mit mehr als 3.000 Sängern Premiere. (imago stock&people)
Das Erzbistum Paderborn will christliche Popmusik fördern. In Paderborn ist die katholische Kirche gut aufgehoben: Hier gibt es das Universitätsfach „Populäre Musik und Medien“. Wir sprechen mit dem Gründer des Studiengangs Thomas Krettenauer über die Pläne der katholischen Kirche.

Christine Watty im Gespräch mit Thomas Krettenauer | Deutschlandradio Kultur

Die katholische Kirche krankt am Schäfchen-Exodus. Sexualmoral und zahllose Missbrauchsfälle haben die Glaubensgemeinschaft in Misskredit gebracht. Ruf und Attraktivität sind beschädigt.

Was tun? Das Erzbistum Paderborn hat erkannt, dass sich christliche Popmusik immer größerer Beliebtheit erfreut und hat jetzt einen Förderfonds und eine Website aufgesetzt, um christlich gestimmte Nachwuchskünstler zu fördern und die Öffentlichkeit über Sakral-Pop zu informieren.

Paderborn ist auch eine Hochburg der universitären Beschäftigung mit Pop. Gründer des Studiengangs „Populäre Musik und Medien“ ist Thomas Krettenauer. Mit ihm sprechen wir über die Aussichten für die katholische Kirche, das Ruder mittels Sakral-Pop herumzureißen.

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Vorsicht vor dem genetischen Turbo

Wunderwaffe gegen Malaria? Die neue Methode könnte zur Ausrottung der Anopheles-Mücke benutzt werden. Foto: Sumuay-Fotolia
US-Forscher haben einen Bericht über die Technik des Gene Drive verfasst – eine gentechnologische Methode, die alle bisherigen Verfahren in den Schatten stellt.

Von Nik Walter | Tages Anzeiger

«Gene Drive». Diese Bezeichnung für eine neue Methode der Gentechnologie sollte man sich unbedingt merken. Denn Gene Drive, auf Deutsch etwa «genetischer Antrieb», ist mit nichts zu vergleichen, was die Gentechnik bislang zustande gebracht hat. Die Technologie birgt das Potenzial, dass der Mensch gezielt in Ökosysteme eingreifen, ganze Arten (und nicht nur Individuen) genetisch verändern und Schädlinge flächendeckend ausrotten kann.

Die Aussichten sind einerseits verlockend. Denn mit Gene Drive könnten dereinst Populationen von Anopheles-Mücken dazu gebracht werden, keine Malaria-Parasiten mehr zu übertragen, oder man könnte die Mücken, die jährlich für den Tod von 500 000 Menschen verantwortlich sind, sogar ganz ausrotten. Auch den Zika und Dengue übertragenden Tigermücken oder schädlichen invasiven Arten wie etwa der Aga-Kröte in Australien könnte die Technologie den Garaus machen. Die Gene-Drive-Technik könnte aber auch beim Artenschutz zum Einsatz kommen, etwa indem sie hilft, bedrohte Arten von potenziell tödlichen Erregern oder Parasiten zu befreien.

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Kant-Tagung in Berlin: Ein europäisches Angebot an die Welt

Kant 1791 nach dem Berliner Maler Gottlieb Doebler ursprünglich in der Freimaurerloge Zum Todtenkopf und Phoenix in Königsberg, hier die zweite Ausführung für Johann Gottfried Kiesewetter. Bild: wikimedia.org/PD
Kant 1791 nach dem Berliner Maler Gottlieb Doebler ursprünglich in der Freimaurerloge Zum Todtenkopf und Phoenix in Königsberg, hier die zweite Ausführung für Johann Gottfried Kiesewetter. Bild: wikimedia.org/PD

Um Aufklärung, Freiheit und Gastrechte ging es in einem Symposium zu Immanuel Kant. Eine Frage bleibt: die Vermittlung seiner Werke an Jüngere.

Von Micha Brumlik | taz.de

Große Ereignisse werfen, so heißt es, ihre Schatten voraus. Umgekehrt gilt aber auch, dass Schatten geworfen werden, wo sich etwas Großes ereignen soll.

Der Philosoph und Aufklärer Immanuel Kant wurde im Jahr 1724 geboren, aber eine erste Auftaktveranstaltung zu seinem dreihundertsten Geburtstag fand bereits jetzt, acht Jahre vorher, in Berlin statt. Unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa lud die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften in und mit dem Deutschen Historischen Museum zu der Tagung „300 Jahre Immanuel Kant. Der Weg zum Jubiläum“ ein.

Dazu begrüßte Monika Grütters auch Angehörige des di­plo­matischen Korps aus Russland und Polen. Umrahmt von den wenig bekannten „Claviersonaten“ von Kants Zeitgenossen Christian Wilhelm Podbielski, virtuos von der jungen Pia­nis­tin Mira Lange auf einem historischen Hammerflügel gespielt, nahm das Auftaktsymposium seinen Lauf.

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Think Through Christopher Hitchens’ ‘Deathbed Conversion’

Christopher HitchensLarry Taunton’s recollections of Christopher Hitchens’ struggles with Christianity are not the unprovable fancies of a manipulative evangelist making up a story to appease insecure evangelicals.

By Jake Meador | the FEDERALIST

In a recent essay for the New Yorker, Lawrence Krauss bemoaned the common habit among some conservative Christians of conjuring up fanciful deathbed conversion narratives about prominent non-Christians. He specifically mentions the well-known tale of evangelist Elizabeth Cotton, who made up such a story about Charles Darwin. She claimed that he told her from his deathbed that he wished to “recant the doctrine of evolution in exchange for Christian salvation.”

Krauss’s odd phrasing aside, he points to a problem that really does exist in pockets of conservative Christianity. In addition to the stories of Darwin, other conservative Christians have made up similar tales about other prominent enemies of the faith—Voltaire and Thomas Paine, most notably. Making up a conversion story about a famous person is obviously a horrible thing to do. At its root it is lying about a person’s views of God, which is horrifying enough, but it also implies a certain distressing insecurity in the believer. Krauss is right to condemn this sort of thing.

What is curious about Krauss’s piece, however, is how he framed the criticism: He begins the essay by referencing a recent book by prominent evangelical apologist Larry Taunton called “The Faith of Christopher Hitchens,” in which the author describes his relationship with Hitchens and the famous atheist’s odd relationship to faith in his final years. Unfortunately, it seems Krauss did not read beyond the title page of Taunton’s book. Indeed, if he had he would’ve found the following excerpt written by Taunton in the book’s final chapter:

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