Staatlich geförderte Atheisten-Diffamierung

Wolfgang Ipolt ist seit 2011 Bischof des Bistums Görlitz, das Teile von Brandenburg und Sachsen umfasst. Mehrere Millionen Euro erhält das Bistum pro Jahr von den Ländern. Foto: © dpa
Wo endet die verfassungsrechtlich geschützte Meinungsfreiheit, wo beginnen Hasskommentar oder Hetzrede? Und was sind hier die Maßstäbe für durch öffentliche Haushalte besoldete Amtsträger? Diese Fragen wirft aktuell ein am vergangenen Wochenende in den Medien verbreitetes Porträt des Görlitzer Bischofs Wolfgang Ipolt auf. Dieser sagte dort, gottlose Gesellschaften seien erbarmungslos.

Von Arik Platzek | Gläserne Wände

Nicht alle der vielfältigen Probleme und Schieflagen, die heute im Verhältnis zwischen Staat und den Religionsgemeinschaften bzw. konfessionsfreien oder auch nichtreligiösen Bürgerinnen und Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland zu erkennen sind, lassen sich adäquat in den Kategorien Benachteiligung/Diskriminierung fassen. Ein aktuelles Beispiel für dieses bisher kaum systematisch erfasste Feld ist nun am vergangenen Wochenende durch ein in Thüringer Medien veröffentlichtes Porträt des katholischen Bischofs Wolfgang Ipolt aufgeworfen worden. In dem u.a. in der Thüringischen Landeszeitung verbreiteten Text wird Ipolt mit den Worten zitiert: „Ohne Gott wird unsere Gesellschaft erbarmungslos. Ohne Gott verliert sie bestimmte Maßstäbe“, so der Bischof des Bistums Görlitz. Im Text hieß es auch, den wenigen Kirchenmitgliedern in der Region käme daher eine besonders wichtige Rolle zu.

Doch wen repräsentiert der katholische Würdenträger überhaupt, für wen spricht er? Im Fall von Wolfgang Ipolt sind es zunächst nicht viele Menschen, denn das durch ihn geleitete Bistum Görlitz ist die zahlenmäßig kleinste Diözese auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Rund 29.000 Kirchenmitglieder zählte Bischof Ipolt Mitte Juni dieses Jahres laut Thüringischer Landeszeitung, einschließlich von Kindern im nicht religionsmündigen Alter unter 14 Jahren. Das entspricht knapp 3,5 Prozent der Gesamtbevölkerung im Zuständigkeitsbereich des Bistums, das sich auf den südlichen Teil Brandenburgs und den sächsischen Teil der Oberlausitz erstreckt. Rund 80 Prozent der dort lebenden Menschen gehören keiner Kirche oder anderen Religionsgemeinschaft an, der ganz überwiegende Teil ist nichtreligiös, viele bezeichnen sich wissenschaftlich fundierten Studien zufolge – sofern befragt – als atheistisch oder agnostisch denkende Menschen, sie sind „ohne Gott“.

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Nicht noch einmal, bitte!

CSU-Chef Horst Seehofer wünscht sich eine Rückkehr des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in die Bundespolitik. Keine gute Idee! Eine Meinung.

Von Michael Schmidt | DER TAGESSPIEGEL

Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Name weckt Erinnerungen. Immer noch haftet ihm so etwas gel-glänzend Smartes an. KT. War das nicht der Baron im Bendlerblock, der Verteidigungsminister mit Glamourfaktor, der es verstand bella figura zu machen, im Wüstensand Afghanistans nicht weniger als auf dem roten Teppich daheim? Eine Ausnahmeerscheinung, zweifellos. Und der kommt jetzt zurück?

Seehofer jedenfalls wünscht es sich. Man staunt. Wurde der Popstar in Merkels Kabinett nicht mit Schimpf und Schande, als Plagiator überführt, vom Ministeriumshof gejagt? Sein Nachfolger sprach von einem Trümmerhaufen, den er in Ministerium und Bundeswehr vorgefunden habe. Selten ist jemand in der deutschen Politik so raketengleich auf-, und so ikarusgleich abgestürzt. Entlarvt als Blender, enttarnt als Möchtegerngroß. Selbst seine neuerdings demonstrativ vorgetragene Bescheidenheit: mehr eitler Schein als wahres Sein.

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Homöopathie: Linke wollen keine „Esoterik-Blase“ außerhalb der Apotheke

Homöopathie gehört in die Apotheke! Linken-Politikerin Kathrin Vogler will vermeiden, dass sich außerhalb der Apotheke eine unkontrollierte Esoterik-Blase rund um die Homöopathie bildet. (Foto: dpa)
In die politische Diskussion um die Zukunft der Homöopathie hat sich die Linksfraktion im Bundestag eingemischt. Aus Sicht der Linken-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler müssen homöopathische Präparate auch künftig in Apotheken verkauft werden. Die Linken-Politikerin will offenbar vermeiden, dass sich die Komplementär- oder Alternativmedizin gänzlich unkontrolliert weiterentwickelt.

Von Benjamin Rohrer | DAZ online

Die Zukunft der Homöopathie beschäftigt weiterhin die Gesundheitspolitik. Nachdem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion sich in einer Pressemitteilung dafür aussprach, homöopathische Präparate aus der Apothekenpflicht zu entlassen und die Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nur noch in deutscher Sprache auf die Packungen zu drucken, mischt sich nun die Gesundheitsexpertin der Linken, Kathrin Vogler, in die Debatte ein. Vogler wurde in dieser Legislaturperiode erstmals gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag und ist auf Arzneimittelthemen spezialisiert.

Aus Sicht der Linken-Politikerin steht fest: „Homöopathika sind klar Arzneimittel und gehören damit in die Apotheke.“ Vogler erklärt, warum: „Die fehlende Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel ist hinreichend belegt. Der Wegfall der Apothekenpflicht löst aber kein Problem, sondern droht nur, neue zu schaffen.“

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Berliner Diakoniewerk Bethel: Geschäftsführer wird persönliche Bereicherung vorgeworfen

Wichtig für Berlins Gesundheit. Das Krankenhaus Bethel in Lichterfelde ist eine von drei Kliniken des gleichnamigen Diakoniewerks.FOTO: PROMO
Der Mann bezog soll nicht nur ein außergewöhnlich hohes Gehalt bezogen, sondern soll sich auch umstrittene Pensionsansprüche in Millionenhöhe gesichert haben.

Von Hannes Heine | DER TAGESSPIEGEL

An diesem Dienstag warten viele Ärzte und Pflegekräfte, Klinikleiter und Heimverwalter in den diakonischen Einrichtungen Berlins vergeblich auf eine Nachricht aus der Paulsenstraße – geht es doch um den Ruf des Sozialwesens. Dort in Steglitz hat das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) seinen Sitz, ein traditionsreicher Verband christlicher Sozialeinrichtungen. Dessen Vorstand hat sich mit einem bekannten Mitglied angelegt: Es geht um das Diakoniewerk Bethel, dessen Geschäftsführer unseriöses Wirtschaften, ja persönliche Bereicherung vorgeworfen wird.

Der Mann sollte sich deshalb seit zwei Wochen beim DWBO-Vorstand melden. Die Frist, die Montagabend endete, hat er verstreichen lassen.

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Islam-Erklärer: Der Märtyrer, dein Role Model

Ein Durchblicker: Kabarettist Kerim Pamuk fragt in seinem Lexikon: Der Islam, das Islam, was Islam? (picture-alliance / dpa / Maurizio Gambarini)
Kerim Pamuk hat ein satirisches Islam-Lexikon geschrieben, von A wie „Abfall vom Glauben“ über „Fatwa“ bis Zuckerfest. Nicht alle Einträge sind witzig gemeint. Beim Thema „liberaler Islam“ wird der Autor ernst.

Von Mechthild Klein | Deutschlandfunk

Auf dem Cover des Islam-Lexikons ist ein im Comic-Stil gezeichneter Frauenkopf zu sehen. Bis auf einen Sehschlitz ist die Frau verschleiert und zwinkert dem Betrachter aufmunternd zu. Keine Frage, hier spielt einer mit den Klischees. Widersprüche gehören zu Religionen dazu, und das, obwohl es die Wahrheit doch nur im Singular gibt. Der Autor Kerim Pamuk breitet die Ungereimtheiten genüsslich aus. Von A wie „Abfall vom Glauben“ über „Döner“ oder „Koran“ bis Z wie Zuckerfest oder M wie Märtyrer. Kerim Pamuk:

„Das arabische Wort hierfür lautet ‚Schahid‘ und hat die gleiche Bedeutung wie das aus dem Griechischen entlehnte ‚Märtyrer‘: Zeuge. Der Märtyrer ist gerade ein schwer angesagtes ‚Role Model‘ für junge muslimische und viele europäische Männer, die auf dem Sexualmarkt zu den Ladenhütern gehören, weil sie keine besonders gute Partie sind oder ihnen die eigene sexuelle Orientierung Schwierigkeiten macht. Am besten lassen sich potentielle Märtyrer von islamistischen Rattenfängern rekrutieren, wenn sie um die Zwanzig sind. Ab Dreißig lässt der Drang, im Dschihad für 72 Jungfrauen zu sterben, spürbar nach. Vermutlich weil mit Dreißig der akute Hormonstau langsam dem Verstand weichen muss – im Idealfall.“

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Sozialethikerin: AfD instrumentalisiert Christentum

Wenn die AfD von „christlicher Leitkultur“ spricht, dann meine sie damit nichts Christliches – sondern deutschnationale Abgrenzung: So kritisiert die Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins die Partei bei den „Salzburger Hochschulwochen“.

katholisch.de

Die Münsteraner Sozialethikerin Marianne Heimbach-Steins hat der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) eine Vereinnahmung der christlichen Kirchen vorgeworfen. Die AfD instrumentalisiere das Christentum „für eine Ideologie der nationalen Abgrenzung gegen das Feindbild Islam“, sagte die Theologin am Montag bei einer Veranstaltung der „Salzburger Hochschulwochen“.

Das Grundsatzprogramm der AfD beziehe sich zwar nur an einer Stelle explizit auf die christlichen Kirchen, die Partei beziehe sich aber häufig auf die Idee einer „christlichen Leitkultur“ und eines „christlichen Abendlandes“, so Heimbach-Steins. Dies diene der „kollektiven Identitätsbehauptung“ mit dem Ziel, „gesellschaftliche Heterogenität“ (Vielfalt) durch „behauptete Homogenität“ (Einheitlichkeit) abzulehnen. Die behauptete Identität sei jedoch „nicht christlich, sondern national konnotiert – deutsch“.

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Frankreichs planloser Kampf gegen Islamisten

© AP Wie will Frankreich seine Hauptstadt künftig vor islamistischen Attentätern schützen?
Islamistische Gefährder zu entradikalisieren ist eine schwierige Aufgabe. Die französische Regierung hat es mit einem Pilotprojekt versucht – und ist nun krachend gescheitert.

Von Michaela Wiegel | Frankfurter Allgemeine

In einem Landschloss im Weinbaugebiet der Touraine sollten bis zu 25 junge radikale Franzosen betreut werden. Ziel war es, sie in einem kollektiven Umerziehungsprogramm zu deradikalisieren. Doch nach nur knapp einem Jahr hat Innenminister Gérald Collomb das Experiment jetzt für gescheitert erklärt. „Das Zentrum von Beaumont-en-Véron wird geschlossen“, sagte er. Bereits seit März haben die zwölf Betreuer des „Zentrum zur Prävention, Eingliederung und Staatsbürgerschaftslehre“ im Schloss von Pontourny nichts mehr zu tun. Der letzte Bewohner, ein junger Mann, musste das Zentrum im Februar verlassen, nachdem er wegen Gewalttaten rechtskräftig verurteilt worden war. Wie die französische Presse berichtete, war seine „Therapie“ anders verlaufen als geplant. „Er hat das Programm wie eine antiislamische Indoktrinierung aufgefasst und sich weiter radikalisiert“, urteilten die Betreuer in einem vertraulichen Bericht. Nach der Schließung des Zentrums steht die Regierung ohne eine klar erkennbare Strategie im Umgang mit radikalen Islamisten da.

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Geschichte der Migration: „Wir sind alle Afrikaner“

Zeichnung Höhlenmalerei – (c) imago/Leemage (imago stock&people)
Archäologen betonen, dass Mobilität und Migration schon seit rund zwei Millionen Jahren ein natürlicher Bestandteil des Menschseins seien.

Die Presse.com

Angesichts der aktuellen Flüchtlingsdebatte weisen Archäologen darauf hin, dass jeder Europäer einen bis in die Urzeit reichenden Migrationshintergrund hat. „Wir sind alle Afrikaner“, sagt die stellvertretende Leiterin des Neanderthal-Museums in Mettmann in Deutschland, Bärbel Auffermann.

Mobilität und Migration seien schon seit rund zwei Millionen Jahren ein natürlicher Bestandteil des Menschseins und kein neues Phänomen. Das zeigt auch die bis November im Museum laufende Ausstellung „Zwei Millionen Jahre Migration„.

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„Ich wünschte, ich hätte die verdammten Fotos nie gemacht“

Tausendfach veröffentlicht, selten bezahlt: Das freundliche Selfie eines indonesischen Schopfmakaken. (Foto: David J. Slater)
Der Fotograf hinter dem berühmten Affen-Selfie bereut das Bild inzwischen und ist offenbar pleite, weil ihn die Tierschutzorganisation Peta verklagt. Der Streit geht längst über den Tierschutz hinaus.

Von Laura Hertreiter | Süddeutsche.de

Manchmal sieht das Verhängnisvolle dem großen Glück zum Verwechseln ähnlich. Und so hielt David Slater das freundliche Affengrinsen, mit dem diese irre Geschichte begann, erst einmal für seinen größten Erfolg.

Jenes Grinsen breitete ein indonesischer Affe über sein haariges Gesicht aus, direkt vor der Kamera des Tierfotografen, dann legte er einen Finger auf den Auslöser, klick, klick, klick, so entstanden die spektakulären Bilder, die später um den Globus gingen. Und David Slater offenbar in den Ruin stürzten.

Die Tierrechtsorganisation Peta hat den 52-jährigen Briten im Namen des abgebildeten Affen verklagt. Weil der den Auslöser gedrückt hat, sollen ihm die Urheber- und Lizenzrechte zustehen, argumentieren die Aktivisten, also letztlich: das Geld. Klingt nach Affentheater, hat aber tragische Konsequenzen.

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Hinweise auf ersten extrasolaren Mond?

Haben Astronomen den ersten extrasolaren Mond entdeckt? Noch fehlt der endgültige Beweis. © NASA/JPL-Caltech
Vielversprechender Kandidat: Astronomen haben erste Hinweise auf einen extrasolaren Mond entdeckt – einen Mond um einen 4.000 Lichtjahre entfernten Exoplaneten. Verräterische „Dellen“ in der Lichtkurve des Planetentransits könnten auf einen solche Trabanten hindeuten. Sollten Beobachtungen mit dem Hubble-Teleskop dies bestätigen, könnte es sich um den ersten Fund eines extrasolaren Mondes handeln. Vorerst aber ist es nur ein Mond-Kandidat, wie die Forscher betonen.

scinexx

In unserem Sonnensystem sind Monde keine Seltenheit: Alle Gasplaneten besitzen gleich mehrere Trabanten aus Gestein oder Eis. Angesichts der großen Menge an Gasriesen auch um andere Sterne liegt es daher nahe, dass es auch extrasolare Monde geben muss. Sie könnten im Gegensatz zu ihren Planeten vielleicht sogar lebensfreundliche Bedingungen bieten – ähnlich wie im Hollywoodfilm „Avatar“ der Mond „Pandora“.

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18,6 Millionen Einwohner mit ausländischen Wurzeln in Deutschland

Männer türkischer Herkunft spielen in einem Café in Berlin. Die Türkei ist immer noch das wichtigste Herkunftsland Quelle: pa/dpa/Tim Brakemeier
In Deutschland leben so viele Menschen mit ausländischen Wurzeln wie noch nie. Ihr Anteil an der Bevölkerung macht 22,5 Prozent aus. Der starke Zuwachs steht in direktem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise.

DIE WELT

Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund erreichte 2016 zum fünften Mal in Folge einen neuen Höchststand. 2016 hatten 18,6 Millionen Männer, Frauen und Kinder einen Migrationshintergrund – 8,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Das ist der stärkste Zuwachs seit Beginn der Messung im Jahr 2005“, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Die Anteil der Bevölkerung mit Wurzeln in anderen Ländern liegt jetzt bei 22,5 Prozent. Der Anstieg sei vor allem auf die hohe Zuwanderung von Ausländern einschließlich der Schutzsuchenden in den Jahren 2015 und 2016 zurückzuführen.

„Europa ist weiterhin die wichtigste Herkunftsregion der Bevölkerung mit Migrationshintergrund“, erklärten die Statistiker. „Die Bedeutung anderer Erdteile ist in den letzten fünf Jahren jedoch gestiegen.“

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Fake News in ARD-Dokus

Am späten Montagabend versteckte die ARD zwei Dokumentationen zu einem in diesem Bundestagswahlkampf besonders heißen Thema: politische Fake News im Internet. Beide Dokus sind durchaus sehenswert, scheitern aber am verfehlten Selbstanspruch gepachteter Wahrheit.

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

lancierten Fake News, wie sich eine eigentlich leicht erkennbare Lügengeschichte im Netz verbreitet, etwa wenn sie das gewünschte Feindbild bedient. Neben den absichtlichen Fake News sind den Autoren allerdings selbst erstaunliche Fehler unterlaufen.

„Denn die Behauptung falscher Tatsachen ist laut Presserecht unzulässig. Dagegen hätte beispielsweise die Polizei juristisch vorgehen können.“ heißt es ab Minute 13:30. Wirklich? Über erfundene Personen kann man bis zur Grenze der Volksverhetzung fabulieren, was man will. Staatsanwaltschaften (oder Medienanwälte) werden erst aktiv, wenn existente Personen in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt werden. Soweit im Pressekodex des Deutschen Presserats etwas vom Wahrheitspflicht zu lesen ist, ist das eine Fake „News“, denn auch dort kümmert man sich vor allem um Persönlichkeitsrechte.

Politische Fake News bekämpfen weder der Presserat noch eine Behörde. Die Autoren dozieren weiter: „Die Meinungsfreiheit endet da wo das Strafrecht beginnt.“ Auch das ist ungenau, denn etliche Äußerungsverbote werden privatrechtlich durchgesetzt, ohne dass es auf eine Strafbarkeit ankäme. Unkritisch präsentieren dann die Autoren als Mittel gegen Fake News ausgerechnet das Recherche-Büro Correctiv, das sich inzwischen mehrfach für seriösen Journalismus disqualifiziert hat.

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„Ich mache euch fertig“

Drohung aus der Zelle: Mohamed A. will in Freiheit Anschläge auf „Ungläubige“ verüben Quelle: Polizei
In Berlin könnte ein inhaftierter Islamist freikommen, der offen mit Anschlägen droht. Weil Mohamed A. offenbar keinen Pass besitzt, kann er nicht abgeschoben werden. In Bayern wäre jahrelanger Präventivgewahrsam möglich.

Von Thomas Schmoll | DIE WELT

Die Botschaften von Mohamed A. aus dem Gefängnis lassen keine Zweifel zu, dass er ein Risiko darstellt. Der Libanese droht in den Kommentaren an seine islamistischen Mitstreiter den „Kuffar“ Strafen an, wo immer er sie treffen werde. Also den „Ungläubigen“, wie radikale Muslime all jene nennen, die der extremen Auslegung ihrer Religion nicht folgen.

Der Berliner Staatsschutz schlussfolgerte, dass der 27-Jährige „nach der Haftentlassung jede Gelegenheit für einen Anschlag/Angriff auf Ungläubige nutzen will“, wie die „Berliner Morgenpost“ aus einem internen Papier der Sicherheitsbehörde zitierte. Der Dschihadist sei „eine Gefahr für die innere Sicherheit in Deutschland und die Personen in seinem Umkreis“.

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Forscher zweifeln am Erreichen des Zwei-Grad-Ziels

apa/dpa/julian stratenschulte Keine strahlenden, dafür umso wärmere Aussichten: Es wird schwieriger als gedacht, die Zwei-Grad-Grenze nicht zu überschreiten
Wahrscheinlichkeit liegt laut neuer Studie bei unter fünf Prozent, prognostiziert wird das Szenario eines Anstiegs um 3,2 Grad

Von Klaus Taschwer | derStandard.at

Rechtzeitig zum Augustbeginn zeigt sich der Sommer von seiner heißesten Seite. Denn der Juli war vergleichsweise wenig rekordhitzeverdächtig. Er lag zwar um ein Grad Celsius über dem vieljährigen Mittel, schaffte es damit aber „nur“ unter die 20 wärmsten der Messgeschichte. Aber der nächste Monat mit Rekordhitze kommt bestimmt – vielleicht wird es der August.

Im Alpenraum sind die Durchschnittstemperaturen seit Beginn der Industrialisierung im weltweiten Vergleich besonders stark gestiegen: Seit 1850 ist es um rund 1,5 Grad Celsius wärmer geworden, rund um den Globus betrug die Erwärmung etwa 1,2 Grad Celsius. Und geht es nach der internationalen Klimapolitik, dann soll es bis zum Ende des 21. Jahrhunderts nur mehr um 0,8 Grad wärmer werden – oder eben um zwei Grad seit 1850.

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Wenn Poldolski Werbung für Erdogans Türkei macht

© DPA Der Kumpel-Superstar: Lukas Podolski – hier mit seinen japanischen Fans
Fußballstars verdienen durch Werbeinnahmen gutes Geld. Lukas Podolski ist da keine Ausnahme und posiert für Girokonten, Kaugummis und Mobilfunkanbieter. Aber warum ausgerechnet auch für die Türkei unter ihrem autoritären Präsidenten?

Von Michael Martens | Frankfurter Allgemeine

Auf der Website von Lukas Podolski waren Profis am Werk. Wer die Internetpräsenz des 130fachen Nationalspielers besucht, wird von einem coolen Werbeclip begrüßt, in dem coole Models zu sehen sind. Eines davon ist Podolski selbst, der bekanntlich auch cool ist. Podolski und die anderen coolen Models tragen zu cooler Musik in anfangs schnell und danach rasend schnell geschnittener Bildfolge coole Kleidung. „Strassenkicker“ heißt das Label, das von ihnen gepriesen wird. Die „Strassenkicker Streetwear Brand“ bietet Mode für Damen, Herren und Kinder, zum Beispiel den Rucksack „Backpack Lady White“ für 89 Euro oder die Baseballmütze „Cap AHA camouflage“ (Limited Edition), dieser Tage von 39,90 auf 29,90 herabgesetzt.

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Bundeswehr-Jets: Von Incirlik erst nach Deutschland zurück

Themenbild. 4ever.eu
Die Bundeswehr-Tornados sind aus dem türkischen Incirlik nach Deutschland zurückgekehrt. Die letzte der fünf Aufklärungsmaschinen landete heute auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz.

Frankfurter Rundschau

Der Bundestag hatte im Juni den Abzug der Bundeswehr vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik in Richtung Jordanien beschlossen. Grund war ein türkisches Besuchsverbot für Bundestagsabgeordnete bei den dort stationierten Soldaten. Die Tornado-Piloten können ihre Aufklärungsflüge im Kampf gegen die Terrormiliz IS voraussichtlich erst im Oktober wieder aufnehmen.

Scientists Found a Way to Stop Aging in Human Cells

Image: Umberto Salvagnin/Flickr/Shutterstock. Collage: Rachel Pick
They targeted telomeres, caps on chromosomes whose length roughly corresponds to age.

By Kate Lunau | MOTHERBOARD

The only sure thing in life is that all of us one day will die. Humans have long been trying to achieve immortality, or at least live for 100 years and beyond. Some people think we’re getting closer, and new research is sure to bolster that belief: Scientists say they’ve managed to reverse aging in human cells.

„We can make aged cells younger,“ said Dr. John Cooke, department chair of cardiovascular sciences at Houston Methodist Research Institute, who is lead author of the paper published Monday in the Journal of the American College of Cardiology. Cooke’s team targeted the telomeres of patients‘ cells—the caps at the ends of chromosomes whose length roughly corresponds to age. Telomeres are a favourite focus of the anti-aging community. But there’s still good reason to be skeptical that we’ve found the fountain of youth.

In the new study, Cooke’s team took cells from children with progeria, a rare genetic condition that causes them to rapidly age. „These children lose their hair, they have osteoporosis. They look drawn and older,“ he told me in a phone call. These kids typically live to their early or mid-teens, when they die of a heart attack or stroke. This patient group is in desperate need of new life-prolonging treatments.

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Vergewaltigung in der Ehe ist in Tunesien nun strafbar

Mit der Verabschiedung des neuen Gesetzes gilt Tunesien als Vorreiter für Frauenrechte in der arabischen Welt. (Foto: dpa)
  • Das tunesische Parlament in der vergangenen Woche ein umfassendes Gesetz verabschiedet, das Frauen vor Gewalt schützen soll.
  • Opfer sollen juristische und psychologische Hilfe bekommen.
  • Tunesien gilt damit als Vorreiter für Frauenrechte in der arabischen Welt – mit möglicher Signalwirkung.

Von Dunja Ramadan | Süddeutsche.de

Hätte es das neue Gesetz gegen sexuelle Gewalt in Tunesien damals schon gegeben, wäre die Geschichte der 27-jährigen Meriem Ben Mohamed wohl anders verlaufen. Die junge Tunesierin wurde im Jahr 2012 von zwei Polizisten vergewaltigt und stand am Ende selbst vor Gericht. Die Polizisten behaupteten, sie hätten die Frau und ihren Verlobten im Auto in einer „unanständigen Position“ vorgefunden. Als ihr Verlobter von einem dritten Beamten abgelenkt wurde, vergriffen sich die Beamten an der Frau. Anschließend warfen sie ihr vor, sie hätte gegen die Sittlichkeitsgesetze des Landes verstoßen. Erst nachdem Hunderte Frauen auf die Straße gingen und der Fall auch international für Aufsehen sorgte, wurden die beiden Polizisten angeklagt und mussten für sieben Jahre ins Gefängnis.

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Wahl Dodo des Monats Juli 2017

Dodo des Monats Juli 2017 ©HFR

Im Monat Juli waren vier wichtige Themen vorherrschend in den Medien. Der G-20-Gipfel, mit seiner Fülle von Fake news, der Untersuchungsbericht zum sexuellen-und gewalttätigen Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen, sowie die erste Zwischeneinschätzung zur Luther-Sause der Hauptabteilung Kirche beim Bundeskanzlerinnenamt(EKD) unter wirtschaftlichen Aspekten und die Ehe für alle.
Mit über 500 Opfern von Gewalt und Missbrauch war die mediale Aufmerksamkeit für die Domspatzen gegeben. Sofort funktionierten auch die Mechanismen der Opfer-Täter-Umkehr, dieses wehleidige, verschnupfte Zurückweisen jeglicher Verantwortung, von Schuld ganz zu schweigen. Ebenso schlimm, die Entscheidung des Bundestages für die Ehe für alle. Immer wieder erstaunlich wie eine Minderheit, mit christlicher Weltsicht, die Ehe von Mann und Frau schönredet. Bigotterie von Männern, die aus beruflichen Gründen heraus gar nicht heiraten dürfen, sich aber anmaßen, inkompetente Diskussionen los zu brechen.
Die Party für den Misanthropen Luther geht in diesem Jahr zu Ende. Dann werden rund 500 Millionen Euro verbraten sein, am wenigsten Kirchengelder, meistens das Geld der Steuerzahler. Verwendet um einen judenhassenden Frauenfeind in alle Himmel zu heben und postfaktisch einen Personenkult vom Zaune zu brechen, der einem Ludwig XIV., Stalin oder Mao zu aller Ehre gereicht hätte.
Die Farce war mittels politischen Willens möglich.

Hier sind die Kandidaten. Die Wahl selbst ist bis zum 07. August 2017, 18:00 Uhr befristet. Der Dodo wird am folgenden Tag hier gewürdigt werden. Viel Spaß!

  1.  Margot Käßmann, „Theologin, inkompetente Politikerin mit Klage-Attitüde.“
  2.  Michael Martin, „die Rechtsauffassung seiner Kirche interessiert überhaupt nicht.
  3.  Annegret Kramp-Karrenbauer, „homophobe Ministerpräsidentin des Mittelalters.“
  4.  Volker Kauder, „kann außer Christenverfolgung kein anderes Thema.“
  5.  Susanne Breit-Keßler, „hat ein Gipfelkreuz im Auge.“
  6.   Christof Vetter, „staatliche Zuschüsse und Gier.“
  7.  Ibrahim Olgun, „Evolutiontheorie ist ihm zu kompliziert, sagt Daddy Erdo.“
  8.  Gloria von Thurn und Taxis, „die Ewiggestrige relativiert Missbrauch.“
  9.  Georg Ratzinger, „Stuhl schmeißender Apostolischer Protonotar.“
  10.  Gerhard L. Müller, „vatikanischer Höfling, sieht sich verunglimpft.“
  11.  Landesamt für Verfassungsschutz Hessen, „mumifiziert eigene Fake news.“
  12.  EKD, „Luthersause für viel Geld in den Sand gesetzt.“
  13.  Roswitha Kaiser, „mag den Klang der Hitler-Glocke.“
  14.  Stadtrat Wittenberg, „die Judensau um jeden Preis.“
  15.  Heiner Koch, „Ehe für alle und die AfD.“

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