Angst vor wachsendem Antisemitismus in Polen

Großrabbiner in Polen: Michael Schudrich.
Der Streit um das polnische „Holocaust-Gesetz“ fällt zusammen mit der Erinnerung an die Ausreisewelle 1968. Unter Juden in Polen wächst die Sorge vor antisemitischer Hetze und Übergriffen. Frank Hofmann aus Warschau.

Frank Hofmann | Deutsche Welle

Großrabbiner Michael Schudrich sitzt in seinem Büro in der orthodoxen Synagoge in Warschau. Bücher quellen aus allen Regalen. Es ist gemütlich und doch geschäftig: Schudrich tippt vor dem Gespräch noch eine E-Mail in den Computer. Seit 28 Jahren lebt der in New York geborene Sohn eines US-Rabbiners im Land seiner Großeltern. Diese waren vor dem Zweiten Weltkrieg in die USA ausgewandert. Er hatte das sozialistische Polen bereits als Student besucht wie viele: um die deutschen Konzentrationslager zu besuchen, Auschwitz vorneweg. Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, zog Schudrich dann nach Warschau.

Vor dem Zweiten Weltkrieg und der Vernichtung der europäischen Juden durch Nazi-Deutschland lebten dort mehr als 3,3 Millionen Juden.

Ohne Schudrichs unermüdliche Arbeit wäre das jüdische Leben im demokratischen Polen wahrscheinlich nicht wieder gewachsen: Immerhin 12.000 gläubige Juden gibt es wieder im Land und damit auch ein aktives Gemeindeleben in Warschau, in Lodz, in Krakau und anderen Städten. Im Schaukasten vor seinem Büro hängen zahlreiche Auszeichnungen für den 62-Jährigen.

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Warum Frauen in Leitungspositionen die Kirche stören

© Bild: Fotolia.com/FotolEdhar
Frauen in kirchlichen Führungspositionen? Die Theologin Andrea Qualbrink hat diese Entwicklung wissenschaftlich untersucht. Dabei fand sie nicht nur Männer, die Karrieren im Weg standen.

Von Gabriele Höfling | katholisch.de

Zu einer Zeit, als Kardinal Reinhard Marx sich das nach eigenen Angaben noch nicht einmal vorstellen konnte, wagte Bischof Franz-Josef Bode in Osnabrück eine kleine Revolution: 2002 machte er die Pastoralreferentin Daniela Engelhard zu Chefin des diözesanen Seelsorgeamts. Sie war damit die erste Frau in Deutschland in einer solchen Führungsposition. Gut 15 Jahre später ist Engelhard immer noch im Amt, ihren Exotenstatus hat sie aber verloren: Inzwischen bekleiden Frauen in zehn Diözesen die gleiche Position. Im Erzbistum München-Freising, dem Dienstsitz des DBK-Vorsitzenden Marx, leitet die Abteilung „Seelsorge und kirchliches Leben“ zwar ein Mann. Insgesamt werden dort aber vier der sieben inhaltlichen Ordinariats-„Ressorts“ von Frauen verantwortet – mehr als die Hälfte also.

„Seit 2010 haben die kirchlichen Bemühungen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, richtig an Fahrt aufgenommen“, hat die Theologin Andrea Qualbrink beobachtet. Für ihre Dissertation über die Möglichkeiten und Bedingungen für Frauen in kirchlichen Leitungspositionen ist die Referentin für Personalentwicklung und Gesundheit im Generalvikariat des Bistums Essen Anfang 2018 mit dem Elisabeth-Gössmann-Preis der Universität Graz ausgezeichnet worden. Die Namensgeberin passt zum Thema: Der feministischen Theologin Gössmann war es 1963 von der Deutschen Bischofskonferenz noch untersagt worden, sich zu habilitieren, bevor es ihr 1978 doch gelang – im Fach Philosophie.

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Multikulti per Gesetz

Vielfalt für Deutschland: Im November 2017 versammelten sich Demonstranten in Berlin, um ein Zeichen „gegen Hass und Rassismus im Bundestag“ zu setzen. Bild: dpa
Am Beispiel der kulturellen Diversität zeigt ein Soziologe, wie sich viele Entwicklungen ganz ohne politisches Zutun einstellen – nicht selten sogar gegen den ausdrücklichen Willen der regierenden Mehrheit.

Von Boris Holzer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

In Wahlkampfzeiten oder wenn Koalitionen festgezurrt werden, erweckt die Politik gerne den Eindruck, mit ihren Entscheidungen den gesellschaftlichen Wandel beeinflussen zu können. Dabei übersieht sie gerne, dass sich viele Entwicklungen ganz ohne politisches Zutun einstellen – und einige sogar gegen den Willen der regierenden Mehrheit. Am Beispiel des politisch eher in Misskredit geratenen „Multikulturalismus“ zeigt der in Bern lehrende Soziologie Christian Joppke, wie die liberalen Verfassungen Deutschlands und der Vereinigten Staaten ohne oder sogar gegen politische Pläne die kulturelle Diversität gefördert haben. Eine wichtige Rolle spielten dabei zwei Gruppen, die sich Freiräume oder sogar Anerkennung für abweichende Werte und Lebensstile erstreiten konnten und dabei nicht unterschiedlicher sein könnten: Homosexuelle und Muslime.

In christlich geprägten Ländern stehen beide Gruppen einer skeptischen bis ablehnenden Mehrheitskultur gegenüber. Doch in liberalen Demokratien kann auch eine Mehrheit ihre Wert- und Moralvorstellungen nicht für alle verbindlich machen. Verfassungen schränken Mehrheitsrechte ein und schützen auf diese Weise Minderheiten, die sich im politischen Prozess nicht durchsetzen können. Das Majoritätsprinzip der Demokratie findet seine Grenzen in den individuellen Freiheitsrechten. Die Demokratie wird durch den Liberalismus nicht einfach ergänzt, sondern insofern beschränkt, als dieser Fragen des richtigen Lebens zur Privatsache erklärt und damit dem politischen Zugriff entzieht.

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Frankreich: Gericht verbietet Kreuz auf Denkmal für Johannes Paul II.

Nach dem Urteil entschied der Bürgermeister, das Denkmal an das Bistum zu verkaufen. Das Standbild soll auf dem Grundstück einer katholischen Schule nahe dem derzeitigen Standort aufgestellt werden.

kath.net

Nachdem ein Gericht die Entfernung des Kreuzes von einem Denkmal für Johannes Paul II. angeordnet hat, hat der Bürgermeister von Ploermel/Bretagne die Statue an die katholische Kirche verkauft, die sie auf einem Grundstück einer katholischen Schule aufstellen wird, berichtet die Nachrichtenseite Breitbart.

Das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs hat im Oktober 2017 aufgrund eines Gesetzes aus dem Jahr 1905 entschieden, dass das Kreuz zu entfernen sei. Es sei ein religiöses Zeichen, keine der Ausnahmen des Gesetzes treffe zu, weshalb es keinen Platz auf einem öffentlichen Grundstück habe, urteilte der Gerichtshof.

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Kramp-Karrenbauer betont Nein zu Änderung im Abtreibungsrecht

Die neue CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer hat das Nein ihrer Partei zur Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche unterstrichen. In einem Schreiben an alle Funktions- und Mandatsträger der CDU, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, wirbt sie für ein offensives Eintreten für die Beibehaltung der bisherigen Regel, die Werbung für Abtreibungen verbietet.

evangelisch.de

Linke, Grüne und der Koalitionspartner SPD wollen das Werbeverbot abschaffen. „Aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird es keine Unterstützung geben“, betont Kramp-Karrenbauer in dem parteiinternen Schreiben.

Der Prozess gegen die Gießener Ärztin Kristina Hänel vor knapp vier Monaten hatte eine Debatte über das Werbeverbot ausgelöst. Hänel hatte auf der Internetseite ihrer Praxis über Abtreibungen informiert und war dafür zu einer Geldstrafe verurteilt worden. SPD, Linke und Grüne sind der Überzeugung, dass das Werbeverbot auch Informationen für schwangere Frauen verhindert. Sie wollen den Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch daher streichen. Union und AfD sind dagegen. Die FDP wirbt für einen Kompromiss.

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Arktis: Meereis auf Rekord-Niedrigstand

Abendlichtstimmung über dem arktischen Meereis. Dessen Fläche war im Februar 2018 so klein wie nie zuvor in diesem Monat. © Stefan Hendricks
Eisiges Rekordtief: Die Meereisfläche der Arktis war im Februar 2018 kleiner als jemals zuvor um diese Zeit. Mit nur knapp 14 Millionen Quadratkilometern lag der Monatsmittelwert niedriger als jemals seit Beginn der Satellitenmessungen, wie Forscher berichten. Der Grund dafür: Weil der Klimawandel eine polare Luftströmung abschwächt, kann Warmluft häufiger und weiter in die Arktis vordringen als zuvor. Im Gegenzug kommt dafür kalte Polarluft zu uns.

scinexx

Schon seit Jahren schrumpft die Eisdecke des Nordpolarmeeres. Weil sich die Arktis schneller erwärmt als jede andere Region der Erde, taut das Meereis immer stärker ab. Als Folge schrumpft die sommerliche Eisfläche seit Jahren, im Herbst 2016 gab es sogar so viel offenes Wasser am Nordpol wie noch nie. Zudem beobachten Eisforscher, dass das arktische Meereis immer saisonaler wird.

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Mit der 5-Sterne-Bewegung in einer Regierung könnte sich die Verteidigungspolitik radikal ändern

F-35 JSF. Bild: Leonardo
M5S will aus dem F-35-Programm aus- und auf Cyberabwehr umsteigen, da die neue deutsche Regierung an der Nuklearen Teilhabe festhält, wird Deutschland die Tornado-Oldtimer vermutlich durch die US-Tarnkappen-Kampfflugzeuge ersetzen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Italien ist einer von 9 Staaten, die an der Entwicklung des Lockheed Martin F-35 Tarnkappen-Mehrzweckkampfflugzeug des US-Rüstungskonzerns beteiligt sind. Zunächst plante Italien die Beschaffung von 131 Flugzeugen, 69 F-35A und 62 der senkrecht startenden und landenden F-35B, um die Tornados und AMX abzulösen. Wegen der Schuldenkrise wurde die Zahl auf 90 reduziert. In Italien werden F-35-Flugzeuge in dem FACO-Werk (Final Assembly and Check Out) in Cameri, Piemont, das dem Verteidigungsministerium gehört, vom Lockheed Martin und dem italienischen Konzern Leonardo (ehemals Finmeccanica) montiert.

Auf dem Militärflugplatz Cameri startete 2015 die erste in Italien montierte F-35A, 2017 die erste F-35B, im Januar 2018 die erste F-35B STOVL (Short Take-Off/Vertical Landing). 2016 wurden die ersten F-35A an die italienische Luftwaffe übergeben. Cameri ist die einzige Produktionsanlage für die Herstellung von F-35-Kampfflugzeugen außerhalb der USA. Dort sollen die neunzig Maschinen für die italienische Luftwaffe und 29 für die niederländische montiert werden. Insgesamt sind hier bereits 10 F-35s fertiggestellt und ausgeliefert worden. Überdies gebe es die Kapazität, auch F-35 Maschinen für andere Länder herzustellen.

Allerdings herrscht nun in den USA Unsicherheit, ob eine neue Regierung, sofern die „5 Sterne-Bewegung“ (Movimento 5 Stelle – M5S), die als stärkste Partei aus den Wahlen hervorgegangen ist, in eine Regierungskoalition eintreten sollte. Im Gespräch ist, ob möglicherweise die abgewählt PD und die M5S zusammengehen könnten. Die M5S will das F-35-Programm nicht fortsetzen. Es sei „unnütz und zu teuer.

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„Kirche“ stoppt Show einer umstrittenen ‚Künstlerin‘

Das Bistum Regensburg untersagt der KEB (Katholischen Erwachsenenbildung) mit sofortiger Wirkung jegliche Zusammenarbeit mit der umstrittenen Regensburger „Künstlerin“ Anna Valeska Pohl

kath.net

Das Bistum Regensburg hat mit sofortiger Wirkung jegliche Zusammenarbeit mit der umstrittenen Regensburger „Künstlerin“ Anna Valeska Pohl untersagt und die Zusammenarbeit beendet. Dies berichtet die „Mittelbayerische Zeitung. Pohl wurde von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Bistum eingeladen, um Bibelstellen modern zu inszenieren. Gleichzeitig wurden auf Instagram Fotos der Frau bekannt, bei der sie mit weißen, halbdurchsichtigen Brautkleid zu sehen ist.

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Studie: Verkauf von Gottesdienstgebäuden für Kirchen heikel

Ein Kirchenkreuz. Foto: Jan Woitas/Archiv
Viele Kirchenverwaltungen in Deutschland suchen nach neuen Nutzungen für leere Gebäude oder verkaufen sie. Laut einer am Freitag veröffentlichten Studie der Evangelischen Bank in Kassel haben 90 Prozent der befragten Verwaltungen in den vergangenen fünf Jahren Gebäude veräußert.

Frankfurter Rundschau

69 Prozent gehen davon aus, dass es künftig mehr Verkäufe geben wird. „Die Zahlen verdeutlichen, dass die Kirche sich mit dem Thema Immobilien bereits auseinandergesetzt hat, aber noch vor großen Herausforderungen steht“, sagte Christian Ferchland, Vorstand der Evangelischen Bank.

Der Studie zufolge belasten Instandhaltung und laufende Kosten der Gebäude die Haushalte der Gemeinden. Besonders betroffen seien Gemeindehäuser und Kirchen, die im Gegensatz zu Kindergärten, Pfarrhäusern und Pastoraten deutlich schwächer genutzt würden. Doch gerade der Verkauf von Gottesdienstgebäuden ist heikel: „Die Vor- und Nachteile oder auch die Reputationsschäden, die durch den Verkauf der Immobilien aus dem Bestand der Kirche entstehen würden, müssen immer in Betracht gezogen werden“, sagte Ferchland.

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Muslime kritisieren Kopftuchverbot für Rechtsreferendarin

Kopftuchverbot @ MiG
Die Entscheidung für das bayerische Kopftuchverbot im Fall einer muslimischen Rechtsreferendarin erntet bei Muslimen Kritik. Die Richter hätten das Selbstbestimmungsrecht der Frau mit Füßen getreten. So werde muslimisches Leben in Deutschland unmöglich gemacht.

MiGAZIN

Der Zentralrat der Muslime hat zum Internationalen Frauentag das Recht für muslimische Frauen gefordert, ihr Kopftuch auch in jedem Beruf zu tragen. Es sei ein falsches Zeichen, dass einer muslimischen Rechtsreferendarin aus Augsburg das Tragen ihres Kopftuchs im Gerichtssaal verboten wurde, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Islamverbands, Nurhan Soykan, am Donnerstag in Köln. „So wird ein normales Glaubensmerkmal unter dem Vorwand der Neutralitätsachtung erst zum Politikum und zur Voreingenommenheit gemacht.“

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte am Mittwoch die Klage einer muslimischen Rechtsreferendarin abgewiesen, die gegen das Verbot vorgegangen war, im Rahmen der juristischen Ausbildung ihr Kopftuch zu tragen. Das bayerische Justizministerium hatte die Vorgabe damit begründet, dass das äußere Erscheinungsbild „keinerlei Zweifel an der Unabhängigkeit, Neutralität und ausschließlicher Gesetzesorientierung“ aufkommen lassen dürfe.

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Twitter: Fake-News haben die Nase vorn

Auf Twitter verbreiten sich Falschmeldungen weiter und schneller als wahre. Den Grund dafür haben Forscher nun herausgefunden. © bigtunaonline/ iStock
Der Überraschungsfaktor zählt: Fake-News verbreiten sich auf Twitter schneller und weiter als wahre Meldungen – und das auch ohne die Hilfe von Bots, wie die bisher größte Studie dazu enthüllt. Überraschend auch: Entscheidend für den Erfolg der Fake-News sind weder Bots noch die Popularität der Aussender. Stattdessen punkten die Fake-News durch ihren Neuigkeitswert und die Überraschung, die sie auslösen, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.

scinexx

Fake-News sind zwar kein neues Phänomen, durch Internet und soziale Medien haben sie aber rasant zugenommen. Sie können sich wie eine Lawine innerhalb von Freundeskreisen ausbreiten, zusätzlich sorgen die Algorithmen von Facebook und Co für einen Echokammer-Effekt. Hinzu kommt, dass inzwischen viele Tweets von Bots stammen – im letzten US-Wahlkampf waren sogar knapp 20 Prozent.

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Australien entschädigt Opfer sexuellen Missbrauchs

Opfer sexuellen Missbrauchs sollen vom Staat etwa 94.000 Euro erhalten. New South Wales und Victoria wollen ab Juli Geld an Frauen und Männer auszahlen.

Die Presse.com

In Australien sind über einen Zeitraum von Jahrzehnten hinweg mehrere zehntausend Kinder in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen sexuell missbraucht worden. Dies geht aus dem Abschlussbericht einer offiziellen Ermittlungskommission hervor. Die genaue Zahl von Opfern ist nicht bekannt. Geschätzt wird, dass etwa 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können. Und zwar bis zu 150.000 australische Dollar (etwa 94.000 Euro).

Die beiden größten Teilstaaten New South Wales und Victoria kündigten am Freitag an, von Juli an Geld an Frauen und Männer auszuzahlen, die als Kinder durch Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen missbraucht wurden. Dort sind etwa 14.000 Menschen betroffen.

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Rechtsradikalismus in Griechenland

Polizei beim Protest der Goldenen Morgenröte. Foto: Wassilis Aswestopoulos
In den vergangenen Wochen traten Rechtsradikale in Griechenland bei vielen Gelegenheiten an das Licht der Öffentlichkeit

Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Die Beteiligung von Rechtsextremen an den Demonstrationen im Namensstreit mit der Nachbarrepublik EJR-Mazedonien ist lediglich eine kleinere Nachricht. Rechtsradikale Auswüchse beschränken sich nicht nur auf den „üblichen Verdächtigen“, die Goldene Morgenröte.

In Griechenland wurden nach einer Razzia am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Mitglieder der rechtsradikalen Gruppe Combat 18 Hellas und der mit ihr kooperierenden Gruppe „Autonome Mäander Nationalisten“ nach Hausdurchsuchungen vorläufig festgenommen. Gegen sieben der Festgenommenen wurde Haftbefehl erlassen. Sie befinden sich mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung und weiterer Vergehen in Untersuchungshaft. Gegen vier weitere wurden Anklagen wegen geringerer Vergehen erhoben.

Die Festnahmen erfolgten durch die Anti-Terror-Einheit der griechischen Polizei, die zu diesem Zweck in Athen zehn und in der Provinz zwei Hausdurchsuchungen durchführte. Den Gruppen werden mehr als dreißig Brandanschläge, Vandalismus und Körperverletzungen vorgeworfen. Die Hausdurchsuchungen brachten Waffenlager und fünfzig Kilogramm Sprengstoff zum Vorschein. Die Polizei geht davon aus, dass ein größerer Sprengstoffanschlag geplant wurde.

Während einer der Hausdurchsuchungen versuchte einer der Verdächtigen, seinen Computer durch Zerstörung vor dem Zugriff zu schützen. Bei ihm fand die Polizei das meiste belastende Material. Die Mitglieder der Gruppe hatten soziale Netzwerke wie Facebook für ihre interne Kommunikation eingesetzt. Sie wurden mindestens seit Herbst 2017 abgehört und überwacht.

Anders bei Fällen, bei denen die Anti-Terror-Polizei Linksautonome oder Anarchisten festnimmt, wurden die Namen der mutmaßlichen Rechtsterroristen auch nach der Verhaftung durch die Justiz noch nicht an die Öffentlichkeit gegeben. Bekannt ist jedoch, dass einer der Verhafteten Rechtsanwalt in Piräus ist. Der Fünfunddreißigjährige soll zu den führenden Köpfen der Organisationen gehören.

Seine Festnahme führte zu einem Paradoxon in den Arrestzellen der Anti-Terror-Polizei. Einer der übrigen Festgenommenen verlangte nach einem Telefon, um seinen Anwalt zu sprechen. Die Polizisten baten ihn um den Namen des Anwalts und beschieden ihm dann, dass er sich den Anruf sparen könne. Der Anwalt sei bereits in der Zelle, meinten sie.

Die Gruppe Combat 18 Hellas ist Teil eines internationalen Verbunds Gleichgesinnter. Die Zahl 18 steht als Symbol für die Initialen des Idols der Mitglieder, Adolf Hitler. Die Festgenommenen werden mit einem vor wenigen Tagen, am 25. Februar erfolgten Anschlag auf das linke Kulturzentrum „Favela“ in Piräus in Verbindung gebracht. Dabei wurden fünf von sechs dort befindlichen Personen teilweise schwer verletzt.

Interessant ist, dass die Verletzten angaben, die Gruppe hätte „Blut, Ehre, Goldene Morgenröte“ skandiert. Die ebenfalls dem rechtsradikalen Lager zugeordnete, im Parlament vertretene Goldene Morgenröte dementierte jedoch noch am Abend des Überfalls der „Favela“ über ihren Vorsitzenden, den Generalsekretär und Gründer Nikolaos Michaloliakos jegliche Beteiligung.

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Zentralrat der Muslime: „AfD hat es verstanden, antimuslimische Stimmung zu nutzen“

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
2017 gab es in Deutschland 950 Angriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen. Aiman Mazyek sieht einen islamfeindlichen Trend. „Egal, wo das Feuer brennt, es brennt unser Land“.

DIE WELT

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wirft der AfD vor, sich „verfassungsfeindlich“ zu verhalten. Mazyek sagte der „Frankfurter Allgemeinen Woche“: „Mit ihrer antimuslimischen Politik, dass sie Muslime nicht genauso behandeln möchte wie Christen oder Juden, hat sie gegen das Verfassungsrecht verstoßen.“

Die AfD wende sich „gegen unser Land und gegen unsere großartige Demokratie und unsere Werte“, fügte Mazyek hinzu. Die AfD habe es am geschicktesten verstanden, eine „vorhandene antimuslimische Stimmung“ parteipolitisch zu nutzen: „Das ist ihre Einflugschneise gewesen, und sie hat damit ein ganzes Sammelbecken von Neonazis und anderen Rechtsextremen aufgesogen.“

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Für Extremisten sind gebildete Frauen gefährlich

Afghanische Mädchen in einer Schulklasse (Foto: Getty Images)
Sogar gefährlicher als jede Militäroperation. Es ist eine Schande, dass weltweit noch immer so viele Mädchen keinen Zugang zu Bildung haben.

Von Carolin Kebekus | Süddeutsche Zeitung

Frauen tragen die Hauptlast der Armut. Das hat ganz konkrete und messbare Folgen für das Leben von Mädchen, die von großem Elend betroffen sind. Welche? Hier sind ein paar erschütternde Statistiken aus dem Bereich Bildung: Mädchen, die keine Schule besuchen, haben ein viel größeres Risiko, sich mit dem HI-Virus anzustecken und früher zu sterben. Das Risiko, als Minderjährige verheiratet zu werden, ist bei ihnen sechsmal höher, wenn sie keine weiterführende Schule abschließen. Der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) zufolge gibt es derzeit rund 700 Millionen Frauen, die als Kinder verheiratet wurden. Jeden Tag kommen 39 000 dazu. Sie bleiben meist zu Hause, bekommen oft sehr früh viele Kinder und geben damit auch ein bestimmtes Rollenbild weiter an die nächste Generation. Setzt sich der gegenwärtige Trend fort, wird ihre Zahl in etwa 15 Jahren auf knapp eine Milliarde steigen.

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Iran – „Sittliche Verdorbenheit“: Frau erhält zwei Jahre Haft wegen Kopftuch-Protest

Das weiße Kopftuch, das geschwenkt statt getragen wird, ist das Symbol des Protestes gegen den Kopftuch-Zwang im Iran © SalamPix/ABACA/Oicture Alliance
In Iran wird der Kopftuch-Zwang rigoros durchgesetzt. Eine Frau, die öffentlich ihr Haar zeigte, ist jetzt zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dennoch tragen viele Frauen den Schleier nur noch sehr locker.

stern.de

Wegen eines Protests gegen das Kopftuchgebot im Iran ist eine Frau zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Frau habe durch die Entblößung ihres Haares „sittliche Verdorbenheit“ in der Öffentlichkeit befördert, sagte Teherans Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Mizan Online vom Mittwoch. Sie habe Berufung gegen das Urteil eingelegt, doch werde er darauf dringen, dass sie die vollen zwei Jahre absitze.

Seit Ende Dezember wurden im Iran mehr als 30 Frauen festgenommen, die aus Protest gegen die geltende Kleiderordnung öffentlich ihr Kopftuch abgenommen hatten. Zwar wurden die meisten wieder freigelassen, doch laufen zahlreiche Prozesse. Im Iran gilt für alle Frauen das Gebot, in der Öffentlichkeit Hals und Haar zu verdecken. Allerdings ist der Schleierzwang umstritten und wird zunehmend weniger strikt durchgesetzt.

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EKD-Institutsleiter gegen bedingungsloses Grundeinkommen

Der Theologe und Sozialwissenschaftler Gerhard Wegner lehnt ein bedingungsloses Grundeinkommen aus grundsätzlichen Erwägungen ab.

evangelisch.de

In der aktuellen Ausgabe der evangelischen Wochenzeitschrift „Die Kirche“ (Ausgabe vom 11. März) nennt es der Pastor und Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) naiv, an die Lösung aller Probleme durch ein solches Instrument zu glauben. Nach seiner Überzeugung wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen vielmehr verantwortungslos.

„Tatsächlich wäre es für viele Menschen eine Herdprämie: etwas Geld, um sich mit ihrer ohnehin schwierigen Situation endgültig abzufinden“, schreibt Wegner. Hinter einem bedingungslosen Grundeinkommen stünde ein völlig anderes Sozialsystem als der bisherige Sozialstaat, argumentierte der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Institutes der EKD.

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Umweltbehörde weist Kritik an Stickstoffdioxid-Messungen zurück

  • Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes bestätigt, dass Stickstoffdioxid unter anderem Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Asthma auslösen kann.
  • Die Belastung in München ist besonders hoch; 2017 erreichte sie fast das Doppelte des Grenzwertes.
  • Vorwürfe, die Werte seien wegen unsauberer Messungen zu hoch, wies das zuständige Landesamt für Umwelt jetzt zurück.

Von Andreas Schubert | Süddeutsche Zeitung

Stickstoffdioxid (NO₂) macht krank. Am Donnerstag hat das Umweltbundesamt (UBA) eine Studie vorgestellt, die bestätigt, dass NO₂ unter anderem Diabetes mellitus auslösen kann, Bluthochdruck oder Asthma. In München ist die Belastung durch NO₂, das vor allem in den Abgasen von Dieselautos vorkommt, besonders hoch: Der Grenzwert im Jahresmittel liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft; München erreichte 2017 mit 78 Mikrogramm fast den doppelten Wert. Tagesaktuelle Werte sind auf der Homepage des Landesamts für Umwelt unter lfu.bayern.de abrufbar. Etwa am Mittwochnachmittag, 15 Uhr, lag die NO₂-Belastung an der Landshuter Allee bei 91 Mikrogramm, am Stachus bei 54. Die Werte an den anderen Stationen in Allach, Johanneskirchen und an der Lothstraße lagen weit darunter.

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Frauen-Kongress in Rom enttäuscht von Papst Franz

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
An dem Kongress zum Weltfrauentag (8. März) in der römischen Zentrale des Jesuitenordens nehmen katholische Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft und Medien teil

kath.net

Die frühere irische Präsidentin Mary McAleese hat sich frustriert über den Umgang der katholischen Hierarchie mit Frauen in der Kirche geäußert. Während sie zu Beginn der Amtszeit von Papst Franziskus noch Hoffnungszeichen gesehen habe, sei sie inzwischen sehr enttäuscht. Zwar würden der „Genius“ und das „Mysterium“ der Frau beschworen, es fehle aber an konkreten Schritten zu einer stärkeren Beteiligung von Frauen an der Kirchenleitung, sagte McAleese am Mittwoch zum Auftakt eines Kongresses in Rom im Blick auf den Weltfrauentag (8. März). Der Fokus der Tagung liegt auf der Präsenz von Frauen in der katholischen Kirche. Veranstaltet wird das Treffen von der Plattform „Voices of Faith“.

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Researchers Can ‘See’ Your Memories While You Sleep

Image: Shutterstock
Researchers found that cueing new information during sleep improves memory of that information.

Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

Everybody needs to sleep, even if researchers aren’t entirely sure why.

One of the leading theories suggests sleep plays a critical role in the consolidation of memory, but characterizing this process has been difficult. The basic idea is that a sleeping brain reactivates the same neural pathways that were activated when the memory was first formed. This reactivation strengthens synaptic connections between neurons, which results in stronger memories. Indeed, a growing body of research has shown that people are able to remember information better after ‘sleeping on it.’

“We are quite certain that memories are reactivated in the brain during sleep, but we don’t know the neural processes that underpin this phenomenon,” Scott Cairney, a professor of psychology at the University of York, said in a statement.

New research published today by Cairney and his colleagues in Current Biology has made significant headway on this issue by linking sleep spindles—spontaneous bursts of brain activity—to memory processing in a sleeping brain. Incredibly, the researchers claim it is possible to determine the content of the memory being processed by analyzing this brain activity.

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