Religiotie im 21. Jahrhundert – die Black List zum „Stillen“ Karfreitag

Steht ganz Oben auf der Liste. Jeder ein Kreuz. Screenshot: Youtube
„Das Leben des Brian“? Auf keinen Fall. „Die Feuerzangenbowle“? Definitiv nicht. Selbst „Fröhliche Ostern“ darf an Karfreitag in Deutschland nicht öffentlich aufgeführt werden.

Kölner Stadt-Anzeiger

Diese Filme und über 700 weitere stehen auf der Schwarzen Liste des Insitituts für Freiwillige Selbstkontrolle (FSK). Das FSK regelt nämlich nicht nur die Altersfreigabe von Filmen, sondern auch die Erlaubnis zur Vorführung von Filmen an „stillen Feiertagen“ wie Karfreitag.

Mit Rücksicht auf die Gefühle Gläubiger genießen diese Feiertage einen besonderen Schutz.

Filme entsprechen nicht dem „ernsten Charakter“ der Tage

Seit 1980 gibt es deshalb eine Liste von Filmen, die an stillen Tagen nicht öffentlich gezeigt werden dürfen. Die Begründung: Sie entsprechen nicht dem „ernsten Charakter“ der Tage. Jedes Jahr werden neue Filme geprüft und landen auf der Liste, die mittlerweile 756 Filme umfasst.

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Callboy aus dem Vatikan packt aus: Doppelmoral macht ihn wütend

Headquarter des Konzerns.

In einem Exklusiv-Interview mit dem „stern“ hat Francesco Mangiacapra, ein ehemaliger Prostituierter, über seine häufigen Treffen mit katholischen Priestern aus dem Vatikan ausgepackt. Er will mit seiner Aussage auf die Heuchelei der katholischen Kirche aufmerksam machen.

BR24

Francesco Mangiacapra, der sieben Jahre als Prostituierter in Rom gearbeitet hat, wollte mit seiner spektakulären Outing-Aktion katholischer Priester „keinen Kreuzzug gegen sie als Schwule oder als Priester führen, sondern gegen die Heuchelei“. Das sagt Mangiacapra in der am Mittwoch erscheinenden Ausgabe des stern über seine spektakuläre Outing-Aktion katholischer Priester. In einem 1233 Seiten starken Dossier hat Mangiacapra eindeutige Chatverläufe, Zahlungsbelege und explizite Fotos der betroffenen Prieser gesammelt und diese an Crescenzio Kardinal Sepe, dem Erzbischof von Neapel, weitergereicht. Im stern spricht er nun in einem ausführlichen Interview über seine Beweggründe.

Priester vermittelten sich Callboys untereinander

Mangiacapra, der selbst vor zehn Jahren aus der Kirche ausgetreten ist, sei nach und nach erst bewusst geworden, dass seine geistlichen Kunden eine Art Netzwerk gebildet hätten, in dem sie sich untereinander Callboys vermittelt hätten, berichtet er. „Es sind nicht einzelne verirrte Seelen, die ihre sexuelle Not befriedigen, sondern es hat System.“ Zum Outing der etwa 40 – 50 betroffenen Priester entschloss er sich, nachdem er permanent mit der Doppelmoral seiner Klienten konfrontiert gewesen sei.

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Höchste Geburtenziffer in Deutschland seit 1973

In Deutschland werden mehr Babys geboren: Die Zahl der Geburten stieg 2016 im fünften Jahr in Folge auf 792.131.
  • Frauen im Alter zwischen 30 und 37 bekommen häufiger Kinder, lautet eine Erklärung des Statistischen Bundesamtes.
  • Insgesamt lag die Geburtenziffer im Jahr 2016 bei 1,59 Kindern je Frau.

DIE WELT

Mit der aktuellen Geburtenziffer rückt Deutschland ins europäische Mittelfeld auf. Im EU-Durchschnitt betrug 2016 die zusammengefasste Geburtenziffer 1,60 Kinder je Frau.

Der Geburtenanstieg in Deutschland setzt sich fort. Im Jahr 2016 wurden insgesamt 792.131 Kinder geboren, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Das waren 54.556 Babys oder sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl der in Deutschland geborenen Kinder das fünfte Jahr in Folge und erreichte wieder das Niveau von 1996.

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Amazonas war dichter besiedelt als gedacht

Dieses kreisförmige Erdbild ist das Relikt einer präkolumbianischen Siedlung im Amazonas-Regendwald. © José Iriarte
Von wegen unberührt: Der Amazonas-Regenwald war schon lange vor der Ankunft der ersten Europäer von indigenen Völkern besiedelt. Neue Funde von Siedlungsresten am südlichen Rand des Amazonasbeckens zeigen nun: Das Ausmaß der menschlichen Zivilisation während der präkolumbianischen Zeit war womöglich deutlich größer als gedacht. Demnach könnten damals bis zu einer Million Menschen allein am Südrand der Regenwald-Ebene gelebt haben, wie Forscher berichten.

scinexx

Der Amazonas-Regenwald ist nicht unberührt. Schon lange bevor die ersten Europäer ihren Fuß in diesen Dschungel setzten, lebten dort indigene Völker. Auf eine frühe Besiedlung vor tausenden von Jahren deuten unter anderem Gräben, Wälle und künstliche Hügel hin, die aus der Luft betrachtet geheimnisvolle, geometrische Erdbilder ergeben.

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AfD-Politiker erklärt China zum Vorbild

Der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier (AfD) ist Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Entwicklung Quelle: picture alliance / Marijan Murat
Der AfD-Abgeordnete Markus Frohnmaier fordert die „vollständige Aufgabe der bisherigen Entwicklungspolitik“. Deutschland solle sich in diesem Bereich an China orientieren, das immer im eigenen nationalen Interesse handle.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

Derzeit ist dies die spannendste inhaltliche Frage in der AfD: Wie viel Wirtschaftsliberalismus darf es sein? 2013 gegründet von Staatsskeptikern, nähert sich die Partei seit gut einem Jahr dem Staatsinterventionismus. Sowohl in der Sozialpolitik, wo ostdeutsche AfDler mehr Umverteilung fordern (zugunsten von Deutschen), als auch in der internationalen Wirtschaftspolitik, wo ebenfalls viele nach mehr staatlichen Eingriffen rufen.

Zu ihnen zählt der Bundestagsabgeordnete Markus Frohnmaier, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Entwicklung. Er hat zur Befeuerung der innerparteilichen Debatte ein Thesenpapier verfasst, das WELT vorliegt und auf einen grundlegenden Umbau der deutschen Außenhandelspolitik zielt. Die Grundzüge dafür findet er in China. Ausführlich beschreibt Frohnmaier in dem Text, wie China in Afrika und Lateinamerika oder mit der Seidenstraßen-Strategie in Asien agiere, wo „sich die Volksrepublik politischen Einfluss und Rohstoffe vor Ort sichert“. Peking handle dabei „rational“, während die internationale „Hilfsbereitschaft“ der Deutschen „zum Zerrbild ihrer selbst“ geworden zu sein scheine.

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Osterweiterung: „Fehler von historischem Ausmaß“

Grafik: TP
Wer seiner Regierung und den Medien voll und ganz vertraut hat es leicht, denn dann ist die Geschichte schnell erzählt: Aus heiterem Himmel annektierte Wladimir Putin im März 2014 die Krim – und zerstörte damit die europäische Friedensordnung. So lautet das Narrativ, und offenbar verspüren bis heute weder Presse noch Politik den Ehrgeiz, die Sache zu verkomplizieren.

Christoph Duwe | TELEPOLIS

Der damalige Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart war einer der wenigen, der sich dieser uniformen Berichterstattung nicht anschließen wollte. Er schrieb am 8. August 2014: „Der deutsche Journalismus hat binnen weniger Wochen von besonnen auf erregt umgeschaltet. Das Meinungsspektrum wurde auf Schießschartengröße verengt. … Westliche Politik und deutsche Medien sind eins.“

Dementsprechend reagierten viele Menschen mit Misstrauen: Gibt es für dieses Drama nicht doch eine Mitverantwortung des Westens? Und ist Diplomatie nicht die bessere Strategie als verbale Mobilmachung, Sanktionen, Aufrüstung? Das sind Fragen, die die Bürger seit der Eskalation in der Ukraine beschäftigen, in den Parteien und Redaktionen aber nach wie vor kaum gestellt werden.

Genau vier Jahre nach der Unterschrift Putins unter den Vertrag zur „Wiedervereinigung mit der Krim“ (so die russische Lesart) ist der Konflikt im Osten der Ukraine das, was man einen „frozen conflict“ nennt: Es geht nicht vor und nicht zurück. Und auch in der Debatte darüber verlaufen die Fronten genau dort, wo sie vor vier Jahren verliefen.

Die jüngsten Äußerungen von Wolfgang Kubicki im Deutschlandfunk und die Reaktionen darauf belegen dieses eindrucksvoll. Er sprach davon, dass es vielleicht sinnvoll wäre, bezüglich der Sanktionen einen Schritt auf Russland zuzugehen, nicht zuletzt im Interesse der deutschen Wirtschaft. Bild-Chef Julian Reichelt dagegen nannte Kubickis Ausführungen erwartungsgemäß „schreckliche Propaganda“. Wer also etwas differenzierter an die Sache herangeht, muss bis heute damit rechnen, beschimpft und zur Querfront gezählt zu werden.

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Hannah Arendt über Freiheit: Ein unwahrscheinlicher Bestseller

Die politische Denkerin und Journalistin Hannah Arendt Bild: dpa
Hannah Arendts Essay „Die Freiheit, frei zu sein“ aus den Sechzigern ist seit Wochen in den Bestsellerlisten. Warum eigentlich? Und was sagt das über uns? Ein Gespräch mit dem Philosophen Thomas Meyer.

Von Julia Encke | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Januar ist aus dem Nachlass von Hannah Arendt der Essay „Die Freiheit, frei zu sein“ erschienen. Er steht seit Wochen auf der Bestsellerliste und hat sich bereits 50.000 Mal verkauft – ein unglaublicher und überraschender Erfolg. Worum geht es in diesem Text?

Der Essay hat in allererster Linie eine Selbstklärungsfunktion für Hannah Arendt. Ihr Buch „On Revolution“ kam 1963 heraus, zwei Jahre später in überarbeiteter Fassung dann auf Deutsch. Sie hat gemerkt, dass dieses Thema näher rückt, als sie es beim Schreiben des Revolutionsbuchs selbst geglaubt hat. Die ersten Vorwellen von 1968 sind überall spürbar, sie ist in engem Kontakt mit Daniel Cohn-Bendit, dem Sohn eines engen Freundes aus der Pariser Exilzeit. Sie hält diesen Vortrag an einem extrem konservativem Thinktank. Das „Committee on Social Thought“ ist ein Eliteprojekt der Chicagoer Universität gewesen, das 1941 gegründet wurde. Es existiert bis heute und verstand sich als ein alteuropäisches Modell von Gelehrsamkeit. Dort lehrte man „The great books“, von Platon bis zu Spenglers „Untergang des Abendlandes“. In diesem Thinktank hält also Arendt 1967 einen Vortrag, in dem sie in einem geschichtsphilosophischen Bogen über den Zusammenhang von Freiheit und Revolution spricht.

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Politik von der Kirchenkanzel

Politik von der Kirchenkanzel? Immer wieder sorgt die Frage für Streit, wie politisch Predigten sein dürfen – oder ob sie es sogar sein sollten. Zwei Pfarrer erläutern, was aus ihrer Sicht dafür und was dagegen spricht.

Julia Lauer | evangelisch.de

Zuletzt befeuerte der Journalist Ulf Poschardt diese Debatte. An Heiligabend twitterte der Chefredakteur der „Welt“: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“ Seine Kritik entzündete sich an einer Predigt des protestantischen Pfarrers Steffen Reiche in Berlin, der unter anderem auf die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), auf Donald Trumps Steuerreform und auf russisches Staatsdoping zu sprechen gekommen war.

Auch die CDU-Politikerin Julia Klöckner äußerte sich kritisch, nachdem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in seiner Weihnachtspredigt auf das Motto „America first“ von US-Präsident Trump angespielt hatte. Klöckner bemängelte tagespolitische Stellungnahmen der Kirchen generell. „Es kommt vor, dass aus manchen Kirchenkreisen mehr zum Thema Windenergie und Grüne Gentechnik zu hören ist als über verfolgte Christen, über die Glaubensbotschaft oder gegen aktive Sterbehilfe“, sagte sie der „Bild“.

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Maut-Streit kostet Steuerzahler fast eine Viertelmilliarde Euro

Seit nahezu 14 Jahren streiten der Bund und die Betreiber des Lkw-Maut-Systems. Der Grund: der verspätete Start. (Foto: dpa)
Nach 13 Jahren Rechtsstreit ist noch immer nicht geklärt, ob der Staat dem Maut-Betreiber Toll Collect Milliarden schuldet oder umgekehrt. Jetzt explodieren die Kosten.

Von Markus Balser | Süddeutsche Zeitung

Seit Jahren gilt der Fall als brisantes Staatsgeheimnis. Die Bundesregierung und das Maut-Konsortium Toll Collect streiten sich nun schon seit 2004 vor einem Schiedsgericht um Milliardensummen. Der Grund: Der verpatzte Start der Lkw-Maut vor mehr als einer Dekade. Schließlich sollte die Abgabe eigentlich bereits 2003 erhoben werden. Doch das Konsortium brachte die Maut erst Anfang 2005 auf die Straße. Worüber genau vor Gericht gerungen wird, ist Verschlusssache – die Verhandlungen finden hinter verschlossenen Türen statt. Doch nun sickert durch: Die Kosten des Streits explodieren. Bislang haben die beiden Verfahren für den Bund bereits Kosten von knapp einer viertel Milliarde Euro verursacht.

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Vor 50 Jahren beendete Paul VI. den päpstlichen Hofstaat

Headquarter des Konzerns.

Wozu braucht der Papst einen Hof- und einen Oberstallmeister? Im 20. Jahrhundert hatten diese Ämter ihren Sinn verloren, Papst Paul VI. schaffte sie daher 1968 kurzerhand ab 

Von Johannes Schidelko | kath.net

Vor 50 Jahren endete im Vatikan die Ära des feudalen Hofstaats. Im Zuge der Reformbestrebungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) räumte Papst Paul VI. (1963-1978) im Apostolischen Palast mit Strukturen und Mentalitäten einer höfischen Vergangenheit auf. In seinem Erlass „Pontificalis domus“ vom 28. März 1968 wandelte er den Päpstlichen Hof zum „Päpstlichen Haus“. Sein Haushalt und der Dienst in seiner unmittelbaren Umgebung sollten den „Vorrang des geistlichen Anliegens“ deutlich machen. Es galt „all das hintansetzen, was nur Titel, äußere Aufmachung und Prunk ist“, so das sechsseitige Motu proprio.

Mit „Pontificalis domus“ verschwanden aus dem Papstpalast viele historische Ämter, Uniformen und klangvolle Titel aus einer Zeit, als die Päpste auch weltliche Herrscher waren. Etwa der „Hofmeister seiner Heiligkeit“, der Oberstallmeister, der Meister des Hl. Hospizes, der Garderobenmeister oder der Geheime Speisevorkoster. Andere Namen wurden modernisiert: Der Magister des Apostolischen Palastes hieß nun Theologe des Päpstlichen Hauses, aus dem Präfekten der Apostolischen Sakristei wurde der Generalvikar des Papstes für die Vatikanstadt.

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Mehr türkische Asylwerber in Deutschland

APA
Im Nachbarland haben sich Netzwerke etabliert. In Österreich ist die Anzahl der Anträge aus der Türkei verhältnismäßig geringer.

Die Presse.com

Die Zahl der Asylwerber in Deutschland aus der Türkei wächst weiter. Im Jahr des Putschversuchs 2016 zählte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge 5742 Asylanträge – 2017 waren es bereits 8483 Anträge. Und in den ersten beiden Monaten 2018 stellten mit 1429 türkischen Staatsbürgern rund 300 mehr ein Asylgesuch, als das im Jänner und Februar 2017 der Fall war.

Wie das BAMF auf Anfrage weiter mitteilte, stieg auch die Schutzquote deutlich. In den ersten zwei Monaten 2018 seien 42,3 Prozent der Anträge positiv entschieden worden. In vielen Städten Deutschlands haben sich inzwischen Netzwerke für die neu Ankommenden etabliert. Nach Angaben von Sprachschulen und mehreren Geflüchteten sind viele Vertreter der türkischen Bildungselite unter den Asylwerbern.

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„Schrittmacher“ verbessert Gedächtnis

Bild: BB
Elektronische Gedächtnishilfe: US-Forscher haben eine Technologie entwickelt, die beim Erinnern hilft. Das System identifiziert dafür zuerst die Hirnströme, die beim korrekten Erinnern auftreten. Diese Signale spielt es dann mittels Elektroden ins Gehirn ihres Trägers zurück. Im Experiment verbesserte diese elektronische „Prothese“ das Gedächtnis der Probanden um bis zu 37 Prozent, wie die Forscher berichten. Sie hoffen, dass dies eines Tages Demenz-Patienten helfen könnte.

scinexx

Unser Gehirn ist heute trotz aller Komplexität keine „Black Box“ mehr: Über Schnittstellen zwischen Gehirn und Computer spionieren Forscher die Funktionsweise des Denkorgans aus und können sogar schon Gedanken in Form von Sprache, Bildern und Videos oder Träume auslesen. Die Tiefe Hirnstimulation greift mittels Elektroden sogar aktiv in das Gehirn ein und lindert beispielsweise Symptome bei Depression, Parkinson, Schlaganfällen oder sogar Alzheimer.

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Leben wir in einer postfaktischen Welt?

Foto: pixabay.com / geralt
Ist all der Fortschritt, den wir seit der wissenschaftlichen Revolution im Verstehen der Welt und uns selbst gemacht haben, durch eine Flut Posts und Tweets in den sozialen Medien ausgelöscht worden?

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

Im Jahr 2005 war das Wort des Jahres der amerikanischen Dialekt-Gesellschaft „Wahrheitlichkeit“, das von Stephen Colbert in seiner Satire-Nachrichtensendung The Colbert Report, bekannt gemacht worden war. Es bedeutet so viel wie „die Wahrheit, die von der wir wollen, dass sie existiert“. 2016 nominierten die Oxford Wörterbücher „Post-Truth“ als ihr Wort des Jahres, was sie als „Umstände, in denen objektive Fakten weniger einflussreich sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen als Emotionen und persönliche Überzeugungen“ charakterisierte. Im Jahr 2017 erhöhte sich die Nutzung des Begriffs „Fake News“ um 365 Prozent, womit es den Spitzenplatz der „Wort des Jahres Shortlist“ des Collins English Dictionary einnahmen, das es als „Verbreitung falscher, oft sensationsgierige Informationen, die sich als Nachrichten tarnen“ definiert.

Leben wir in einer postfaktischen Welt der Wahrheitlichkeit, voll von falschen Nachrichten und alternativen Fakten? Ist all der Fortschritt, den wir seit der wissenschaftlichen Revolution im Verstehen der Welt und uns selbst gemacht haben, durch eine Flut Posts und Tweets in den sozialen Medien ausgelöscht worden? Wie der Psychologe Steven Pinker von der Universität Harvard in seinem glänzenden neuen Buch „Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress“ beobachtet, sind „Verlogenheit, Abstufungen der Wahrheit, Verschwörungstheorien, außergewöhnliche populäre Wahnvorstellungen und der Wahnsinn der Massen ist so alt wie unsere Spezies, aber auch die Überzeugung, dass einige Ideen richtig sind und andere falsch sind.“

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Abschiebung trotz drohendem Todesurteil

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Zwei Anhänger der Terrormiliz „IS“ dürfen abgeschoben werden: einer nach Tunesien, einer nach Algerien. Das Bundesverwaltungsgericht sah es als erwiesen an, dass ihre Menschenrechte in ihren Heimatländern nicht verletzt werden – trotz drohendem Todesurteil.

MiGAZIN

Die Abschiebung von zwei sogenannten „islamistischen“ Gefährdern nach Tunesien und Algerien ist nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts rechtmäßig. Den Männern droht dort nach Auffassung des Gerichts keine Folter. Den beiden Sympathisanten der Terrorgruppe „IS“ drohe in ihren Heimatländern keine „menschenrechtswidrige Behandlung“ nach Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention, teilte das Gericht am Dienstag in Leipzig mit. (BVerwG 1 VR 1.18 und BVerwG 1 A 5.17)

Im Fall eines „islamistischen“ Gefährders aus Tunesien gestatteten die Leipziger Richter dessen Abschiebung, obwohl dem Mann in seinem Heimatland womöglich ein Todesurteil droht. Dies könne das Gericht nach Auskünften des Auswärtigen Amtes nicht ausschließen, hieß es. Dass ein mögliches Todesurteil auch vollstreckt werde, drohe dem Mann wegen eines „seit Jahren bestehenden Moratoriums“ allerdings nicht, argumentierte das Gericht.

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Große deutsche Medien an Verbreitung von Falschmeldungen beteiligt

Erika Steinbach verbreitete zehn der zehn untersuchten Falschmeldungen. Hier zum Volksfest in Schorndorf | Screenshot: Motherboard | Twitter
Zum ersten Mal haben Forscher untersucht, wie sich Fake News und ihre Richtigstellungen in Deutschland verbreiten. Die größten Fake-Influencer sind Rechtspopulisten und Rechtsextreme. Aber auch Journalisten sind Teil des Problems.

Karolin Schwarz | MOTHERBOARD

Ein Mob von 1000 Jugendlichen, darunter vor allem Migranten, randaliert auf einem Volksfest im baden-württembergischen Schorndorf, heißt es in verschiedenen Medien im Sommer 2017. Die Nachricht beruht auf einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur dpa. Und die ist schon bei ihrer Veröffentlichung falsch: Die Polizei Aalen hatte zuvor eine missverständliche Pressemitteilung verschickt, die einen Zusammenhang zwischen der Ansammlung von etwa 1000 Jugendlichen, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, und mehreren Straftaten im Umfeld der „Schorndorfer Woche“ nahelegten. Die Causa Schorndorf ist eine von zehn Falschmeldungen, die die Stiftung Neue Verantwortung in ihrer neuen Studie „Fakten statt Fakes“ hinsichtlich ihrer Verbreitung in sozialen Medien näher unter die Lupe genommen hat.

 Die dpa-Meldung wird von regionalen und überregionalen Medien, darunter den Stuttgarter Nachrichten, der Welt und dem SWR, aufgegriffen und zum Teil zugespitzt. Die AfD verbreitet die Meldung auf Facebook und erfindet eine „islamische Grapschparty“ dazu. Und das rechte Blog anonymous-news.ru verbreitete die Meldung ebenfalls unter Bezugnahme auf die sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015.

Eine Million Franken für die Missbrauchsopfer der katholischen Kirche

Mindestens 250 Minderjährige und Erwachsene sind nach heutigem Erkenntnisstand in der Schweiz von katholischen Klerikern missbraucht worden. Ein Genugtuungsfonds soll sie wenigstens finanziell entschädigen.

Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Die Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern, aber auch von Erwachsenen haben die katholische Kirche durchgeschüttelt. Die hiesige Kirche reagierte 2010 und richtete in allen Bistümern Anlaufstellen für die Opfer ein. So lässt sich das Ausmass des sexuellen Missbrauchs durch Kirchenleute immerhin abschätzen – auch wenn die Dunkelziffer hoch sein wird, weil sich lange nicht alle Missbrauchten an die Anlaufstellen wandten und wenden.

Bis 2016 gab es laut Bischofskonferenz 218 Meldungen, wobei gleich nach Einrichtung der Anlaufstelle viele Opfer eine Anzeige gemacht haben. Der Grossteil der Fälle ereignete sich bereits vor Jahrzehnten. Doch 48 Personen beklagten sich auch über Vorfälle, die nach dem Jahr 2000 passiert sind. Darunter sollen aber keine Kinder sein, wie es beim Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» heisst. Insgesamt kam es in der Schweiz zu Übergriffen an mindestens 59 Kindern unter 12 Jahren sowie an 24 Mädchen und 60 Jungen im Teenageralter. 48-mal waren erwachsene Frauen die Opfer, 40-mal erwachsene Männer.

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Puigdemont-Auslieferung: Nicht so einfach, wie die ARD meint

Carles Puigdemont. Foto: Convergència Democràtica de Catalunya. Lizenz: CC BY 2.0
Gestern sprach das Amtsgericht Neumünster eine Festhalteanordnung für den am Sonntag in Schleswig-Holstein festgenommenen katalanischen Ex-Regierungschef Carles Puigdemont aus.

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Diese Anordnung, die Telepolis vorliegt, wurde mit Fluchtgefahr und einer nicht offensichtlichen Rechtswidrigkeit des spanischen Auslieferungsgesuchs begründet. Abseits der Offensichtlichkeit könnte das Gesuch allerdings durchaus rechtswidrig sein, wie das Amtsgericht zu erkennen gibt, wenn es schreibt: „Ohne Frage bietet der Inhalt des europäischen Haftbefehls Anhaltspunkte dafür, dass die Auslieferung des Verfolgten bei umfassender Prüfung unter Abwägung der betroffenen Rechtsfragen im Ergebnis als unzulässig bewertet werden könnte.“

Auch der leitende Oberstaatsanwalt Georg Güntge betonte nach der Bekanntgabe dieser Anordnung, dass damit noch keine Entscheidung über eine Auslieferung oder Nichtauslieferung Puigdemonts nach Spanien gefallen sei. Die Prüfung dieser Frage wird Generalstaatsanwaltschaftssprecherin Wiebke Hoffelner wahrscheinlich erst nach Ostern beendet sein.

Der Jurist und Fachblogger Oliver García, der unter anderem durch den Fall Mollath einer überfachlichen Öffentlichkeit bekannt wurde (vgl. Weitere Merkwürdigkeit in der Wegsperr-Affäre), geht sogar davon aus, dass die Prüfung der durchaus komplexen Fragen des Auslieferungsrechts und des materiellen Strafrechts Monate dauern könnte – und nicht „einen Tag“, wie der inzwischen falsifizierte Qualitätsspekulant der gebührenfinanzierten ARD am Sonntag verlautbart hatte. Die 60-Tages-Frist, von der in Medienberichten die Rede ist, würde eine solch längere Dauer nicht grundsätzlich hindern, da es sich bei ihr nur um eine Soll-Vorschrift handelt.

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US-Journalist: Franziskus’ Pontifikat kann zum ‚Desaster’ werden

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Die Kurienreform lasse auf sich warten, dafür sei der Papst zu Kompromissen mit der modernen Welt bereit, die schlimme Auswirkungen für die Kirche haben könnten, schreibt Ross Douthat.

kath.net

Der US-amerikanische katholische Journalist Ross Douthat hat in einem Kommentar für die New York Times die ersten fünf Jahre des Pontifikates von Papst Franziskus kritisch beurteilt (siehe Link am Ende des Artikels).

Franziskus habe durch große Gesten, welche Demut und christliche Nächstenliebe zum Ausdruck bringen, viele Menschen begeistert, die der katholischen Kirche nicht besonders nahe stünden.

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Was brennt, wenn Moscheen brennen?

Die Fassade der Koca-Sinan-Moschee in Berlin-Reinickendorf nach dem Brand. (dpa / Paul Zinken)
Moscheen seien keine politischen Symbole, sondern Orte der Begegnung und Kathedralen der Hoffnung, meint Ahmad Milad Karimi. Wer Brandanschläge auf Moscheen verübt, zerstöre mehr als nur deren materielle Substanz.

Von Ahmad Milad Karimi | Deutschlandfunk Kultur

Orte brennen nicht – ein Brand geschieht an ihnen. Orte sind Zeugen. Wenn heute eine Moschee in Brand gesetzt wird, können wir vor Ort den Brand riechen, sehen, wie sich über alle Dinge die schwarze Farbe der Unkenntlichkeit gelegt hat. Koranausgaben und andere Bücher liegen am Boden, unlesbar, unberührbar.

Wenn in den letzten zwei Monaten mehr als 26 Moscheen Opfer von Brandanschlägen geworden sind, wenn in den letzten fünf Jahren mehr als 500 Anschläge gegen muslimische Gebetshäuser verübt wurden, so dürfen wir fragen, von was die verkohlt zurückgebliebenen Orte Zeugnis ablegen? Was brennt, wenn Moscheen brennen?

Moscheen sind keine politischen Symbole

Diejenigen, die in Moscheen vor allem ein Symbol sehen – sei es für eine Religion, die sie pauschal ablehnen, sei es für eine bestimmte Politik, die sie kritisieren -, verkennen die Sache. Wie jedes andere Gebetshaus auch ist eine Moschee mehr als ein Symbol. Sie ist nicht eine Flagge, die „den Islam“ oder „die türkische Regierung“ repräsentieren würde. Als Ort gelebter Religiosität stehen Moscheen nicht für politische Programme, die man ablehnen kann, sondern für sich selbst.

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In street protest, UK Jews accuse Labour leader of failing to curb anti-Semitism

Members of the Jewish community hold a protest against Britain’s opposition Labour party leader Jeremy Corbyn and anti-Semitism in the Labour party, outside the British Houses of Parliament in central London on March 26, 2018. (AFP PHOTO / Tolga AKMEN)
Heated exchanges, minor scuffles break out, as Jewish supporters of Corbyn stage counter-protest outside Parliament

THE TIMES OF ISRAEL Staff

Around 1,500 Jewish protesters gathered outside Britain’s Parliament on Monday, accusing opposition Labour leader Jeremy Corbyn of allowing anti-Semitism to spread in his party.

Demonstrators at the Board of Deputies of British Jews (BOD) event were met with counter-protests by Jewish Corbyn supporters, leading to heated exchanges and minor physical confrontations.

Members of the main protest shouted, “Shame on you” and “Scum” at the group of around 50 Corbyn supporters, who claim that the accusations of anti-Semitism against their leader are politically motivated.

BOD President Jonathan Arkush led a chant of “Enough is enough,” as he demanded Corbyn take a firm stance against those accused of anti-Semitism in the party.

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