Das Recht auf Vergessenwerden: Was bei Google so leicht nicht mehr zu finden ist

Das „Recht auf Vergessenwerden“ ermöglicht es Europäern, einen Antrag auf die Entfernung bestimmter Links auf Google zu stellen. Bild: dpa
Mit dem „Recht auf Vergessenwerden“ haben Europäer in den letzten vier Jahren die Entfernung von mehr als 2,4 Millionen Links bei Google beantragt. Jetzt hat der Konzern dazu einen Bericht veröffentlicht, der Fragen zur Informationsfreiheit aufwirft.

Von Laura Henkel | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nacktfotos im Netz, Nachrichtenartikel über Banküberfälle oder online verfügbare Dokumente über Vorfälle sexueller Belästigung sind nur einige Beispiele von Fällen, in denen Menschen Teile ihrer Vergangenheit digital unsichtbar machen wollen. Da Suchmaschinen die erste Anlaufstelle sind, um online Informationen über eine Person abzurufen, richtet sich das Verlangen, Links auf Websites mit bestimmten Inhalten verschwinden zu lassen, vor allem an Google. Die Betroffenen pochen auf das in der Europäischen Union einklagbare „Recht auf Vergessenwerden“. Das ist zwar nicht eigens kodifiziert, die EU-Kommission hat es aber in ihren Plan zur Reform des Datenschutzes aufgenommen. Und der Europäische Gerichtshof hat das „Recht auf Vergessenwerden“ im Mai 2014 in einem Urteilsspruch formuliert. Seither wird unter bestimmten Umständen gelöscht. Seither hat Google damit zu tun. Was seither geschehen ist, hat der Konzern in einem Transparenzbericht vor ein paar Tagen beziffert.

Dem „Recht auf Vergessenwerden“ zufolge dürfen Einzelpersonen bei Suchmaschinen wie Google beantragen, dass personenbezogene Daten unter bestimmten Umständen aus der Ergebnisliste gelöscht werden, die erscheint, wenn man den Namen der betreffenden Person als Suchbegriff eingibt. Google prüft die Anträge und legt fest, welche Links zu bestimmten Websites gelöscht werden und welche erhalten bleiben. Gelöscht werden müssen Links, wenn die Inhalte, auf die sie verweisen, „unangemessen, irrelevant, nicht mehr relevant oder übertrieben“ sind.

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Über die Neubesetzung des deutschen Forschungsministeriums

Grafik: TP
Wissenschaftspolitik als Spielball der Parteipolitik.
Nun wird sie also kommen, die große Koalition in Deutschland, die Neuauflage einer Regierung, die gute Chancen hat, erfolgreicher zu sein, als ihr Ruf glauben lässt.

Von Lars Jäger | TELEPOLIS

Damit findet auch das übliche Postengeschacher sein Ende, das einer neuen Regierungsbildung immer vorangeht. Die Vergabe von Ministerien ist nur allzu oft das Ergebnis politischer Ränkespiele, in denen die Wichtigkeit der verschiedenen Ämter für die politische Gestaltung der nächsten vier Jahre gegenüber ihrer Funktion als politische Verfügungsmasse für die innerparteiliche Personalplanung in den Hintergrund tritt.

Besonders deutlich trifft diese Aussage dieses Mal für die Besetzung der Führungsposition des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zu. Hier könnte der Kontrast zur bisherigen Amtsinhaberin größer nicht sein.

Johanna Wanka war Professorin für Ingenieurmathematik, ehemalige Hochschulrektorin und bekleidete vor ihrer Nominierung als Bundeswissenschaftsministerin die gleiche Funktion in der brandenburgischen sowie niedersächsischen Landesregierung. Dazu war sie Präsidentin der Kultusministerkonferenz, also ein echter Profi sowohl im wissenschaftlichen als auch im politischen Betreib.

Und nun geht der höchste Posten der Wissenschaftspolitik an Anja Karliczek, eine ausgebildete Hotelkauffrau ist, die mit dem Thema Wissenschaft und Bildung bisher aber auch rein gar nichts zu tun hatte (außer dass sie drei Kinder großzog). Forscher und Bildungspolitiker reiben sich verwundert die Augen. Den Hochschulbetrieb kennt Frau Karliczek im wörtlichen Sinne nur aus der Ferne: Sie absolvierte ein berufsbegleitendes Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Universität in Hagen.

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Erika Steinbach neue Vorsitzende AfD-naher Stiftung

Erika Steinbach hat eine neue Aufgabe in einer AfD-nahen Stiftung. Foto: afp
Erika Steinbach (74) ist zur neuen Vorsitzenden der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung gewählt worden.

Frankfurter Rundschau

Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach (74) ist zur neuen Vorsitzenden der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung gewählt worden. „Wir sind glücklich, mit Erika Steinbach eine überaus profilierte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens als Vorsitzende unserer Stiftung gewonnen zu haben“, erklärte der Vorstand der Stiftung am Sonntag. Steinbach erklärte: „In Deutschland erleben wir seit Jahren zunehmend einen beunruhigenden Druck nicht nur im Bereich des Meinungsdiskurses, sondern sogar für die Freiheit der Wissenschaften.“ Dieser Entwicklung wolle sich die Stiftung entgegenstellen.

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Reformation des Islam?

Foto: pixabay.com / efzareklam
Immer wieder wird in gesellschaftspolitischen Diskussionen gefordert, dass der Islam sich einem Reformationsprozess unterziehen müsse.

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Damit könne auch der Islam – so wie das beim Christentum und beim Judentum geschehen sei – in der Neuzeit ankommen. Eine Reformation im Islam im Sinne davon, wie dies bei dieser Forderung wohl gemeint ist, hat es allerdings bereits gegeben, was vielen Europäern leider unbekannt ist. Modernisierungsprozesse, die Säkularisierung der Gesellschaft, die Dominanz des Staates gegenüber der Religion, Rechte für Frauen und weitere solche Postulate hat es auch in der islamischen Welt gegeben. Bei dieser Entwicklung steht ganz zuoberst der Name der Gründer der modernen Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk.

Bereits die Staatsform der Republik, ein Staats- und Verwaltungsrecht nach dem Vorbild Frankreichs und die Einrichtung einer parlamentarischen Demokratie zeigen, dass Atatürk trotz seiner antiimperialistischer Grundeinstellung ein zutiefst westlich geprägter Staatsmann war, was auf seine Erziehung und Ausbildung zum Offizier zurückzuführen ist. Zum Zeitpunkt der Geschichte, als Mustafa Kemal die Offiziersschule besuchte, gehörten Offiziere zur geistigen Elite im Osmanischen Reich, weil ihre Ausbildung westlichen Standards entsprechen musste. Gerade solche Leute waren überhaupt in der Lage, die Rückständigkeit der Scharia-Gesellschaft zu erkennen. Mustafa Kemal, der später Atatürk werden sollte, war ein Mann, der die Gesetze der Logik, westliche Philosophie, westliche Literatur, westlichen Durst nach Wissen und Erkenntnis und die Liebe zum Fortschritt schon als junger Offizier kennengelernt hatte.

Atatürk gab dem Scharia-Islam einen Beinahe-Todesstoß, indem er nach der Staatsgründung das Kalifat abschaffte, wovon sich die orthodox-islamische Welt nie wieder erholt hat. Anschließend kamen weitere Reformen wie die Abschaffung des arabischen Alphabets und des islamischen Kalenders, eine Kleiderreform, eine Zivilgesetzgebung nach dem Vorbild der Schweiz, eine Handelsgesetzgebung nach dem Vorbild Deutschlands, eine Strafgesetzgebung nach dem Vorbild Italiens, das Wahlrecht für Frauen, die Abschaffung der Scharia und vieles mehr. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass im Zuge dieser Reformen auch der Koran nicht mehr auf Arabisch sondern auf Türkisch rezitiert werden musste. Der Ruf des Muezzins war für eine Zeit lang Türkisch. Gerade diese Tatsache erinnert wohl unweigerlich an die Reformation Luthers! Die Beseitigung dieser Reform Atatürks war im Übrigen die erste Amtshandlung der Regierung Menderes (großes Vorbild des Islamisten Erdoğan) im Jahr 1950. Wesentlich später wurde Adnan Menderes gehängt, weil er unter anderem auch für das Pogrom von Istanbul verantwortlich gemacht wurde.

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#120db: Identitäre Frauen hetzen mit rechter #MeToo-Kampagne

Die Rechten haben die Frauen für sich entdeckt. Foto: Michael Debets (imago stock&people)
Abends joggen zu gehen sei für Europäerinnen ein gefährlicher Sport, behauptet eine Gruppe junger Frauen. Mit ihrer Kampagne “#120db“ wollen sie Frauenrechte schützen, hetzen aber vor allem gegen Zuwanderer.

Frankfurter Rundschau

Ernst blicken die jungen Frauen in ihre Webcams. „Ich wurde in Kandel erstochen, ich wurde in Malmö vergewaltigt, ich wurde in Rotherham missbraucht“, sagen sie in dem Video. Melancholische Musik unterlegt ihre Worte. Auf dem Bett oder am Schreibtisch sitzend sagen sie: „Mein Name ist Mia, mein Name ist Maria, mein Name ist Ebba.“ Die Mädchen beziehen sich auf Opfer von Gewaltverbrechen, die eines gemeinsam haben: Die Täter haben offenbar einen Migrationshintergrund.

In dem Video, das allein auf Youtube mehr als 90 000 Aufrufe hat, klagen die Frauen die deutsche Regierung an. „Die Täter lauern überall“, behaupten sie. „Wir sind nicht sicher, weil ihr euch weigert, unsere Grenzen zu sichern.“ Die Mädchen fürchten, bald einer „Mehrheit von jungen Männern aus archaischen, frauenfeindlichen Gesellschaften“ gegenüber zu stehen.

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Deutschland SPD-Mitglieder stimmen für Große Koalition

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler-Kandidat Scholz (SPD) – REUTERS
Angela Merkels vierte Kanzlerschaft ist in trockenen Tüchern. Eine deutliche Mehrheit der SPD-Mitglieder, 66 Prozent, votierte für die Große Koalition.

Die Presse.com

Die schwerste Regierungsbildungskrise in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist zu Ende. Deutschland bekommt eine Große Koalition (GroKo). Die rund 460.000 Mitglieder der SPD stimmten mit deutlicher Mehrheit für eine Große Koalition mit CDU/CSU. 66,02 Prozent der gültigen Stimmen entfielen auf die GroKo. 34 Prozent lehnten Schwarz-Rot ab. Das gab die SPD am Sonntag im Willy-Brandt-Haus bekannt. Der CSU-Vorstand und ein CDU-Parteitag hatte schon davor grünes Licht für das Bündnis gegeben.

Die SPD hatte schon 2013 ihre Mitglieder über eine Große Koalition abstimmen lassen. Damals votierten 76 Prozent für Schwarz-Rot. Die Wahlbeteiligung war mit 78,39 Prozent in etwa gleich hoch wie vor fünf Jahren.

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„Terre des Femmes“: Frauenthemen nicht der AfD überlassen

Die etablierten Parteien dürfen der AfD nach Ansicht von „Terre des Femmes“ nicht frauenpolitische Themen wie etwa das Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit überlassen. „Sobald die AfD einen Antrag zu Frauenrechten im Bundestag einbringt, reagieren die anderen Parteien wie ein pawlowscher Hund“, sagte die Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Patricia Averesch | evangelisch.de

Die reflexartige Abwehr-Reaktion der Abgeordneten verhindere, dass sie sich inhaltlich mit den Themen auseinandersetzten. „Auch wenn die falsche Seite die Themen vorschlägt, müssen sie angesprochen werden“, mahnte die langjährige Bundesgeschäftsführerin.

Wenn die Abgeordneten versuchten, die AfD-Vorstöße zu ignorieren, profitiere die rechte Partei letztlich nur. Frauenrechte erschienen so fälschlicherweise als das Kernthema der rechtspopulistischen Partei. Das bringe der AfD Wählerstimmen ein.

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Missbrauchsvorwurf in der katholischen Kirche Australiens

Der australische Kardinal George Pell und heutige Finanzchef des Vatikans bestreitet die Vorwürfe (AFP / Alberto Pizzoli)
Dem heutigen Finanzchef des Vatikans George Kardinal Pell wird vorgeworfen, mehrere Jungen während seiner Amtszeit in Australien sexuell belästigt zu haben. Diesen Vorwürfen hat er sich lange nicht gestellt. Nun muss er sich in Melbourn persönlich vor Gericht verantworten.

Von Andreas Stummer | Deutschlandfunk

Ein nasskalter Abend in Ballarat, eineinhalb Autostunden westlich von Melbourne. Der Spätgottesdienst in der St. Alipius-Kirche ist zu Ende, die Mantelkrägen hochgeschlagen kommen die Gläubigen in kleinen Gruppen aus der Messe. Der unscheinbare Ziegelbau ist Lichtjahre vom Prunk des Vatikans entfernt, hier hat Kurienkardinal Georg Pell, Australiens ranghöchster Geistlicher, seine ersten Predigten gehalten.

Heute ist der 76-Jährige als Finanzchef des Vatikans die rechte Hand des Papstes, doch kommenden Montag muss er sich persönlich in Melbourne vor Gericht wegen angeblicher Sexualstraftaten verantworten. Pell wird vorgeworfen in den 1970er- und 1980er-Jahren in Ballarat Kinder missbraucht und sich vor ihnen entblößt zu haben.

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Nächstgelegener erdähnlicher Exoplanet wird von Flares „gegrillt“

illustr.: meredith macgregor Durch den stellaren Ausbruch (hier eine Illustration) dürfte Proxima Centauri b rund 4.000 Mal mehr Strahlung abbekommen haben als die Erde bei einer durchschnittlichen Sonneneruption.
US-Astronomen beobachten gewaltigen Ausbruch auf Proxima Centauri, der den nahen Felsplaneten mit hochenergetischer Strahlung bombardiert

derStandard.at

Im August 2016 verkündeten Astronomen von der Queen Mary University in London eine Entdeckung, die die Phantasie von Laien und Experten gleichermaßen beflügelte: Der unserer Sonne nächstgelegene Stern Proxima Centauri wird von einem Exoplaneten umkreist, der der Erde in einigen Punkten gleicht und damit ein möglicher Kandidat für außerirdisches Leben sein könnte. Spannend an dem Fund ist nicht allein die potenzielle Erdähnlichkeit dieser Welt und ihr Orbit in der habitablen Zone seines Muttergestirns – vergleichbare Entdeckungen wurden bereits davor gemacht –, sondern vor allem die geringe Distanz von nur 4,25 Lichtjahren.

Sie gewährleistet nämlich, dass vermutlich schon mit der nächsten Generation von terrestrischen und im Weltraum stationierten Teleskopen Hinweise auf das Vorhandensein einer Biosphäre auf Proxima Centauri b erspäht werden können. Die Aussichten, dass künftige Astrobiologen dort tatsächlich fündig werden, sind nach bisherigen Untersuchungen des Systems allerdings eher gering: Vor allem die starke ultraviolette Strahlung des Zwergsterns Proxima Centauri könnte den Exoplaneten mit mindestens 1,3-facher Masse der Erde dauerhaft sterilisieren, wie Simulationen nahelegen.

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„Combat 18“ wieder in Hessen aktiv

Neonazis aus Nordhessen nehmen an einer konspirativer Schießübung in Tschechien teil. Außerdem ist die Gruppe „Combat 18“ wieder in Hessen aktiv.

Von Hanning Voigts | Frankfurter Rundschau

An einer Schießübung militanter deutscher Neonazis im vergangenen Herbst in Tschechien haben auch hessische Rechtsextreme teilgenommen. Außerdem ist die Gruppe „Combat 18“, die als bewaffneter Arm des verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“ gilt, momentan auch in Hessen aktiv. Das geht aus der Antwort des hessischen Innenministeriums auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Wolfgang Greilich (FDP) hervor.

Ende September waren im bayerischen Schirnding nahe der tschechischen Grenze zwölf deutsche Neonazis kontrolliert worden, die für das Wochenende nach Tschechien gefahren waren, um den Umgang mit Schusswaffen zu trainieren. Damals hatten die Ermittler Munition sichergestellt und Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Waffengesetz eingeleitet. Die zwölf kontrollierten Rechtsextremen sollen Bezüge zu „Combat 18“ haben.

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Åsne Seierstad: „Rechtsterror und Islamismus machen sich gegenseitig stark“

Åsne Seierstad: „Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders“, Übers. v. Frank Zuber und Nora Pröfrock, €26,80 / 544 Seiten, Zürich: Kein & Aber 2016.

Die Norwegerin wird am 12. März mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet

Interview Ingo Pätz | derStandard.de

STANDARD: Sie werden am 12. März mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet – für Ihr Buch über Anders Breivik, der 2011 die furchtbaren Anschläge in Norwegen zu verantworten hatte, bei denen 77 Menschen ums Leben kamen.

Seierstad: Mein Buch handelt nicht nur von Breivik, dem rechtsradikalen Massenmörder, der sich mit seiner Tat gegen europäische Werte gestellt hat, sondern vor allem von den jungen Menschen der Arbeiterpartei, die auf der Insel Utøya umgebracht wurden, weil sie für Werte wie Toleranz, Gleichheit, Gerechtigkeit und Vielfalt einstanden. Es handelt auch von Norwegen und der Art und Weise, wie es versucht, mit dem Trauma dieses Ereignisses umzugehen, wie es versucht, sich zu heilen, aus der Schockstarre zu finden und nach dieser Attacke eine Zukunft zu schaffen, die nicht verbittert ist oder als Reaktion demokratische Freiheiten einschränkt. Breivik und die Geschichte seiner Radikalisierung sind also nur ein Teil des Buches. Das ist mir wichtig zu betonen.

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Mit versteckter Kamera unter Muslimbrüdern

(Bild Imago)
Ein israelischer Journalist hat sich mit falscher Identität unter Muslimbrüder gemischt. Er will in seiner Reportagereihe zeigen, wie der Westen islamisiert wird.

Joseph Croitoru | Neue Zürcher Zeitung

Der israelische Privatsender Kanal 10 strahlt seit einigen Wochen eine Reportageserie aus, die den angeblich wachsenden Einfluss der Muslimbrüder im Westen aufzeigen soll. Zu diesem Zweck gibt sich der fliessend Arabisch sprechende israelische Reporter Zvi Yehezkeli bei seinen Recherchen in Frankreich, in der Türkei und in Deutschland als frommer Muslim aus. Er sucht islamische Organisationen auf, wo er sich, von seinem «Neffen» begleitet, als palästinensischer Geschäftsmann vorstellt und vorgibt, Geld spenden zu wollen. So öffnen sich den beiden, die mit versteckter Mikrokamera filmen, relativ einfach die Türen zu Vereinen und Einrichtungen, die den Muslimbrüdern nahestehen sollen.

Geheimdienstbericht als Anlass

In den ersten beiden Folgen ging es hauptsächlich um Frankreich. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Anregung für die Reportagereihe, wie Yehezkeli selbst sagt, ein interner Bericht des französischen Geheimdienstes über die Organisationsstrukturen der Muslimbrüder in Frankreich gewesen ist. An dessen Erstellung seien auch Israeli aus Sicherheitskreisen beteiligt gewesen, und solche assistieren denn auch Yehezkeli und seinem Begleiter bei den Dreharbeiten.

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Dorfbewohner in Schleswig-Holstein schalten Straßenlaternen nachts per App ein

Irgendwann nachts gehen die Straßenlaternen aus – in Löwenstadt in Schleswig-Holstein können die Bewohner sie für jeweils zwölf Minuten wieder anknipsen. © iStockphoto/Getty Images
Nachts durchs Dorf nach Hause gehen – und überall ist es dunkel? Nicht in Löwenstedt. In der kleinen Gemeinde in Schleswig-Holstein können die Dorfbewohner jederzeit die Straßenlaternen anknipsen – per App.

Von Annette Berger | stern.de

Über das kleine Dorf in Schleswig-Holstein berichten dieser Tage etliche Medien. Die Lokalzeitung war hier, der NDR und sogar der Bayerische Rundfunk. Was die Medienvertreter so interessiert, lässt sich auf der Website der 650-Seelen-Gemeinde nachlesen. „Löwenstadt aktuell“ ist stolz auf „seine“ App. Und sie wurde entwickelt  – von einem Löwenstedter.

Dank dieser Software können die Bewohner hier in dem Ort  zwischen Flensburg und Husum etwas, das in anderen Gemeinden nicht möglich ist. Sie knipsen nachts selbst die Straßenbeleuchtung an – über eine App auf ihrem Smartphone, den „Knoop“. Das ist Plattdeutsch und heißt „Knopf“.

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Jedwabne, 1941: Das Pogrom, zu dem Polen alle Fragen verbietet

Bilder, die eindeutig das Massaker vom 10. Juli 1941 zeigen, sind bislang nicht aufgetaucht. Dafür gibt es andere grausame Fotos, die ähnliche Pogrome aus Lemberg in der Ukraine und Kaunas in Litauen zeigen Quelle: National Archives / Public Domain
Im Juli 1941 attackierten Einwohner der polnischen Kleinstadt Jedwabne ihre jüdischen Mitbürger. Doch was führte zum Ausbruch antisemitischer Gewalt? Genau diese Frage darf nach Polens Holocaust-Gesetz nicht mehr gestellt werden.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Eigentlich war der 10. Juli 1941 ein ganz normaler Donnerstag. In dem polnischen Städtchen Jedwabne, 160 Kilometer nordöstlich von Warschau, begann der Sommertag ruhig. Doch dabei blieb es nicht.

Am frühen Vormittag nämlich begannen einige Dutzend Einwohner des Kleinstädtchens, die jüdischen Bewohner des Ortes zu attackieren. Sie wurden auf dem Marktplatz zusammengetrieben und hier stundenlang gequält. Mit Holzlatten und Rohren droschen rasende Antisemiten auf sie ein. Systematisch demütigten die Täter ihre Opfer; unter anderem mussten die unglücklichen Menschen unter dem Gejohle ihrer Peiniger Unkraut auf dem Platz jäten, singen und tanzen.

Am Nachmittag trieb der bewaffnete Mob die meisten der Juden in eine Scheune etwas außerhalb des Ortes. Sie wurde angesteckt; Hunderte Menschen verbrannten bei lebendigem Leib. Die katholischen Täter plünderten derweil die Häuser ihrer Opfer. Abends waren mindestens 340 Menschen tot: erschlagen, erstochen, einige Frauen zu Tode vergewaltigt, die meisten verbrannt.

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„Judenschlampe“ – Unbekannte bedrohen Familie von Satiriker Shahak Shapira

Der Satiriker Shahak Shapira ist ein engagierter Kämpfer gegen Rechts © Gregor Fischer/DPA
Shahak Shapira macht im Internet gern Witze über Rechte und Rassisten. Dafür wird er angefeindet. Nachdem er Inhalte aus AfD-Facebook-Gruppen veröffentlicht hatte, wurde sogar seine Mutter unter Polizeischutz gestellt.

stern.de

Der Satiriker Shahak Shapira ist kein Leisetreter. In den sozialen Medien prangert er immer wieder die AfD und Pegida an und entlarvt rechte Hetze und Rassismus. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er zusammen mit der Satire-Partei „Die Partei“ sogar Inhalte aus geschlossenen AfD-Gruppen auf Facebook.

Diese Aktion führte allerdings dazu, dass sich der Hass aus rechten Kreisen auf den Satiriker noch einmal steigerte. Ernsthafte Drohungen habe er erhalten, sagte der 29-Jährige der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Dabei sei auch seine Familie bedroht worden: „Da stand meine Mutter zwei Wochen unter Polizeischutz.“

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Nackter Luther: War der Protest gerechtfertigt?

Bild: Föderation des Determinismus
Aktivisten haben gegen den Reformationstag als gesetzlichen Feiertag protestiert. Die Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter findet die Aktion legitim.

Milan Jaeger | buten un binnen

Die Empörung bei einigen Bremern war groß, als am Donnerstag plötzlich eine nackte Luther-Figur auf dem Marktplatz stand. Die Giordano-Bruno-Stiftung hatte die Figur aus Protest gegen die Pläne, den Reformationstag in Bremen als gesetzlichen Feiertag einzuführen, aufgestellt.

Auch auf Facebook wurde die Aktion kontrovers diskutiert. Ein Post von buten un binnen erreichte bis Freitagnachmittag mehr als 400.000 Nutzer. Wir haben mit der Religionswissenschaftlerin Gabriele Richter von der Universität Bremen über die Positionen von Martin Luther gesprochen.

Frau Richter, war Martin Luther ein Antisemit?
Er war ein Antijudaist. Er war sehr davon überzeugt, dass alle Juden, sobald er seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche abgeschlossen hat, sich zum Christentum bekennen würden. Als das nicht eintrat, war er bitter enttäuscht und hat gegen Juden gehetzt. Aber nicht in der Art und Weise, wie es Antisemiten in späteren Zeiten taten, sondern auf Grundlage der Religion. Das soll Luthers Positionen aber nicht relativieren. Die waren trotzdem sehr problematisch.

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Austria: Rechter Kongress versetzt Aistersheim in Ausnahmezustand

Proteste in Aistersheim – APA/FOTOKERSCHI
Die „Verteidiger Europas“ tagten in einem oberösterrichischen Wasserschloss. Mit dabei Politiker von FPÖ und AfD. Die SPÖ spricht von einer „Schande“ für das Bundesland.

Die Presse.com

Von rund 600 Teilnehmer sprachen die Organisatoren, von etwa 200 die 150 im Einsatz befindlichen Polizisten: Gemeint waren die Demonstranten, die am Samstag im öberosterreichischen Aistersheim gegen den rechten Kongress der „Verteidiger Europas“ protestierten. An letzterem nahmen auch Politiker von FPÖ und AfD teil. SPÖ-Landeschefin Birgit Gerstorfer sprach von einer „Schande für Oberösterreich“.

Noch bevor die Kongressteilnehmer im Wasserschloss Aistersheim eintrafen, startete die erste Gegendemonstration mit dem Titel „Politischer Frühschoppen für eine schönere Welt“. Laut Polizeisprecher David Furtner waren seit der Früh etwa 30 schwarz vermummte Personen im Ort unterwegs. Vor der Kundgebung des Bündnisses „Linz gegen rechts“ am Nachmittag hatten sich etliche Demonstranten Zugang zum Parkplatz gegenüber des Schlosses verschafft und dort Knallkörper gezündet, beschädigt wurde aber nichts, hieß es.

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Kirchengemeinde boykottiert Montagsspiele der Fußball-Bundesliga

Den Protesten gegen die Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga schließt sich jetzt auch die evangelische Kirche in Bremen an. Aus Protest gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Fußball-Kultur werde das Montagsspiel zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1. FC Köln am 12. März erstmals nicht in der evangelischen Friedensgemeinde öffentlich übertragen, teilte Pastor Bernd Klingbeil-Jahr am Samstag mit.

evangelisch.de

Der Beschluss gehe zurück auf ein Meinungsbild unter Hunderten von Besuchern. Dabei habe sich eine Mehrheit für einen gezielten Boykott ausgesprochen.

Die Friedensgemeinde überträgt seit mehr als zwölf Jahren alle Bundesliga-Spiele von Werder Bremen live auf Großbildleinwänden. Dazu finden sich nach Angaben des Pastors jeweils mehrere Hundert Fußballfreunde aus allen Generationen im Gemeindehaus ein. Gäste sprechen inzwischen bereits von der „Kirchlichen Ost-Kurve“.

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Europa wappnet sich für einen Handelskrieg

Nicht nur in Europa provoziert Trumps Ankündigung, die heimische Stahl- und Aluminium-Industrie mit Strafzöllen auf Importe zu schützen, heftige Gegenwehr – Gelände der Salzgitter AG in Niedersachsen. (Foto: dpa)
  • EU-Kommissionschef Juncker teilt mit, man bereite Strafzölle auf US-Produkte vor.
  • Nicht nur in Europa provoziert Trumps Ankündigung, die heimische Stahl- und Aluminium-Industrie mit Strafzöllen auf Importe zu schützen, heftige Gegenwehr.
  • Kanada und Brasilien sind entschlossen, „entsprechende Maßnahmen“ zu ergreifen und China warnt vor „schwerwiegenden Auswirkungen auf den internationalen Handel“.

Von Christoph Giesen, Alexander Mühlauer | Süddeutsche Zeitung

Jean-Claude Juncker wusste, dass der Tag kommen wird. Seitdem Donald Trump im Weißen Haus regiert, hat der EU-Kommissionschef damit gerechnet, dass der US-Präsident seine Drohungen wahr macht. Schon im Sommer erklärte Juncker, dass Europa „sofort und adäquat“ reagieren würde, sollten die Vereinigten Staaten Zölle auf europäische Stahlimporte einführen. Diesen Satz hat er nun wiederholt. Und noch deutlich verschärft: „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden.“ Da spricht nicht nur der Präsident jener Behörde, die für Europas Handelspolitik verantwortlich ist. Da spricht auch der Sohn eines Luxemburger Stahlarbeiters.

Nicht nur in Europa provoziert Trumps Ankündigung, die heimische Stahl- und Aluminium-Industrie mit Strafzöllen auf Importe zu schützen, heftige Gegenwehr. Die USA schüren weltweit die Angst vor einem globalen Handelskrieg. Kanada und Brasilien, die beiden wichtigsten Stahllieferanten der Vereinigten Staaten, sind entschlossen, „entsprechende Maßnahmen“ zu ergreifen. Und auch der weltweit größte Stahlproduzent China warnt vor „schwerwiegenden Auswirkungen auf den internationalen Handel“.

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How to Ditch the News Feed Algorithm and Take Back Facebook

Image: Jason Koebler
Facebook is better if you completely ignore the News Feed.

Jason Koebler | MOTHERBOARD

As Facebook’s role in the downfall of American democracy, media, and discourse is fiercely debated, many people have suggested: Why not just delete Facebook?

The truth is that there are many reasons why someone might want to keep their Facebook: A decade of photos and memories, research for work, blog post promotion (hello), getting invited to parties, and, presumably, keeping up with friends who have not deleted their Facebooks. It is totally FINE to keep your Facebook, and there are ways to use the service without being dragged into “conversations” about gun control with your elementary school bully or confronted with constant targeted advertising.

The solution is to simply ignore the News Feed entirely.

Earlier this year, Mark Zuckerberg said that he worries that “passively” using Facebook is bad. It’s unclear whether Facebook has any idea about what uses of the platform are GOOD or BAD, but in my experience, it’s much better to use Facebook with intent rather than as a time killer or a way to see what’s “goin’ on.”

For the last month or so, I have continued to use Facebook, but have generally stopped looking at my News Feed. My experience has generally been better for it. Here’s how I made the switch.

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