Oberstes US-Gericht lässt Trumps Einreiseverbote teilweise zu

Das Oberste Gericht lässt Trump Einreiseverbot vorerst zu. – APA/AFP/BRENDAN SMIALOWSKI
Wer familiäre oder wirtschaftliche Bande in die USA hat, wird weiterhin in die USA einreisen können. Doch die Entscheidung ist dennoch ein Sieg für US-Präsident Trump.

Die Presse.com

US-Präsident Donald Trump hat im Streit über vorübergehende Einreiseverbote gegen sechs muslimische Staaten vor dem Obersten Gericht der USA einen Sieg errungen. Der Supreme Court gab am Montag dem Antrag der Regierung in Teilen statt, die einstweiligen Verfügungen untergeordneter Instanzen gegen Trumps Erlass vom 6. März aufzuheben.

Zudem soll ein 120-tägiges Verbot einer Einreise von allen Flüchtlingen in die USA zum Teil genehmigt werden. Das Gericht kündigte zudem an, sich in seiner nächsten Sitzungsperiode ab Oktober mit dem Fall zu befassen.

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Türkei enteignet massenhaft Kirchen und Klöster

Angesichts eines türkischen Erlasses zur Konfiszierung kirchlicher Besitztümer im Südosten des Landes haben die Aramäer in Deutschland die Bundesregierung um Unterstützung gebeten.

evangelisch.de

Die Türkei beschlagnahme „massenhaft aramäisches Eigentum“, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbands der christlichen Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir, am Montag in Heidelberg. Die Aramäer in der türkischen Stadt Mardin und Umgebung verlören mehr als 50 Kirchen, Klöster und Grabanlagen an die türkische Religionsbehörde Diyanet.

Nach Rücksprache mit der Leitung des türkischen Klosters Mor Gabriel, eines der ältesten christlichen Klöster, scheine die Übertragung von bis dato 50 kirchlichen Immobilien „nur die Spitze des Eisberg“ zu sein.

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Seine Vorhaut gehört ihm

Die Beschneidung von Jungen ist ein zentrales jüdisches Ritual. (Bea Kallo / dpa)
In Israel gibt es nichts, was es nicht gibt: Auch jüdische Eltern, die auf eine Beschneidung ihrer Söhne verzichten. Sie finden: Das soll unser Sohn später selbst entscheiden. Das wiederum irritiert die Mehrheit jüdischer Israelis. Denn die meisten sind überzeugt: Beschneidung macht den Juden.

Von Lisa Weiß | Deutschlandfunk

Es ist Nachmittag, auf dem Spielplatz im Osten Tel Avivs wimmelt es von Kindern. Der zweieinhalbjährige Nohav zupft seine Mutter am Ärmel – er will gerade unbedingt aufs Karussell.

Nohav, blonde Locken, grüne Augen, unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von vielen anderen israelischen Jungen, die hier zusammen spielen. Bis sie alle durch den Rasensprenkler laufen und die Mamas ihnen die nassen Hosen ausziehen. Dann fällt auf: Nohav ist der einzige Junge hier, der nicht beschnitten ist. Dabei sind auch seine Eltern jüdische Israelis. Für seine Mutter Mor Cohen war schon in der Schwangerschaft klar: Sie wird ihren Sohn nicht beschneiden lassen.

„Ich hatte Glück, dass mein Partner sofort verstanden hat, was ich meinte, als wir darüber gesprochen haben. Er hatte davor nie darüber nachgedacht, aber sobald wir wussten, dass es ein Junge wird, habe ich ihm gesagt, dass wir das nicht tun sollten. Und im Gegensatz zu meinen Freunden habe ich nicht lang gebraucht, um ihn davon zu überzeugen.“

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Umweltgifte schon bei den Indianern

Durch mit Bitumen abgedichtete Gefäße könnten die Chumash-Indianer schon vor Jahrtausenden giftige Kohlenwasserstoffe aufgenommen haben. © Jllm06/ CC-by-sa 3.0
Schleichende Vergiftung: Schon vor tausenden von Jahren waren Indianer an der US-Westküste schädlichen Kohlenwasserstoffen ausgesetzt. Denn sie nutzten für die Abdichtung von Gefäßen und Kanus häufig Bitumen – einen dem Erdöl ähnlichen Naturasphalt. Wie hoch die Belastung von Luft und Nahrung dadurch war, haben Forscher nun durch experimentelle Archäologie ermittelt: Sie produzierten und nutzten die Bitumengefäße genauso wie die Indianer.

scinexx

In unserer modernen Umwelt kommen wir nahezu überall mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in Kontakt. Sie stecken in Erdölprodukten wie Benzin, Diesel oder Asphalt, aber auch in vielen Plastikprodukten und sogar in Kleidung. PAKs werden zudem beim Verbrennen von Müll und Plastik frei, sowie beim Tabakrauchen. Das Problem: Viele PAKs sind giftig und stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu stören, Organe und das Gehirn zu schädigen und Krebs auszulösen.

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Patrick Sensburg wird Landesverräter wider Willen

NSA headquarters in Fort Meade (credit: Trevor Paglen)The//INTERCEPT
NSA-Untersuchungsausschussvorsitzender versagt beim Schwärzen von PDF

Von Markus Kompa | TELEPOLIS

„Hochmut kommt vor dem Fall“ – und der gerät für den arroganten Vorsitzenden des NSA-Untersuchungsausschuss denkbar tief. Hatte Patrick Sensburg (CDU) sich letzte Woche noch mit erheblichen Geheimhaltungswünschen durchgesetzt und auch das Sondervotum der Oppositionsmitglieder schwärzen lassen, ist es ausgerechnet Sensburg zu verdanken, dass nun nahezu der gesamte Abschlussbericht mit etlichen Staatsgeheimnissen öffentlich ist – unfreiwillig.

Geheimdienstuntersucher Sensburg hatte zum Schwärzen unerwünschter Zeilen im entsprechenden PFD ein unsicheres Verfahren verwenden lassen, das von den Hackern von netzpolitik.org offenbar ohne größere Mühen rückgängig gemacht werden konnte. Die Binsenweisheit, dass schwarze Balken in PDFs keineswegs die Löschung der verdeckten Information garantieren, hatte einst das Pentagon 2005 auf die harte Tour lernen müssen – und sollte einem „Geheimdienstexperten“ wie Sensburg eigentlich bekannt sein.

Inkompetent bis lächerlich wirkt auch die Chiffrierung der Operationen GLOXXXXund MXXXXXSXXXXXXX, denn die Klarnamen GLOTAIC und MONKEYSHOULDER waren sogar in der Tagespresse. Der unprofessionelle Umgang mit Staatsgeheimnissen, die immerhin auch Partnerländer betreffen, erinnert an eine Agentenklamotte.

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EU zahlt Millionen an Flüchtlingshilfe an den türkischen Staat

© REUTERS Syrische Flüchtlinge in der türkischen Provinz Hatay
Rund 3 Milliarden Euro zahlt Brüssel an die Türkei. Die sind eigentlich für Hilfsorganisationen gedacht. Doch ein beträchtlicher Teil fließt an den Staat selbst. Und auch für einen möglichen EU-Beitritt bekommt die Türkei immer noch Geld.

Von Christian Geinitz | Frankfurter Allgemeine

Anders als geplant, kommt die Europäische Union bei der Flüchtlingsbetreuung in der Türkei um die Regierung in Ankara nicht herum. Für die Versorgung der mehr als 2,8 Millionen Syrer im Land stellt die Gemeinschaft 2016 und 2017 rund 3 Milliarden Euro bereit. Eigentlich sollte das Geld nicht an die türkische Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan gehen, die zunehmend autoritäre Züge zeigt. Sondern nur an internationale Hilfseinrichtungen wie Unicef oder das Rote Kreuz oder an die Entwicklungsorganisationen der EU-Staaten.

Jetzt stellt sich heraus, dass von den bisher eingesetzten 811 Millionen Euro mehr als ein Viertel doch dem türkischen Staat zukommt. Das Büro von Erweiterungskommissar Johannes Hahn bestätigte der F.A.Z., dass 120 Millionen Euro an das Gesundheits- und 90 Millionen Euro an das Erziehungsministerium in Ankara gegangen seien. Das sind die mit Abstand größten Posten nach dem Welternährungsprogramm. Weitere 12 Millionen Euro kamen der türkischen Generaldirektion für Migrations-Management zugute, die zum Innenministerium gehört. Zum Vergleich: Unicef hat 34 Millionen Euro erhalten, das Rote Kreuz 6,4 Millionen. „Bild“ hatte zuerst darauf aufmerksam gemacht, dass die Mittel anders eingesetzt werden als beabsichtigt.

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Schattenbann-Welle im deutschen Twitter

Bild: CC0 Public Domain
CDU blamiert sich mit „Staatstrojaner zum Download“

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Nachdem die Große Koalition letzte Woche die Ausweitung des Staatstrojanereinsatzes auf Allerweltsdelikte beschloss (vgl. Staatstrojaner im doppelten Sinne), twitterte die CDU dazu: „Der #Bundestag hat den Staatstrojaner beschlossen – und natürlich kann man ihn bei uns herunterladen – Nicht. ;“ Das sollte in Sozialen Medien womöglich „locker“ wirken, kam dort aber eher als Bürgerverhöhnung an, worauf hin die Partei den (bis dahin schon massenhaft gespeicherten und parodierten) Tweet kommentarlos löschte. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer nahm diese Steilvorlage auf und twitterte: „Hat ihn Heiko Maas wegzensiert?“

Das ist zwar beim nach hinten losgegangenen Staatstrojanertweet der CDU eher abwegig – bei zahlreichen anderen Tweets jedoch nicht. Zumindest dann nicht, wenn man die indirekte Drohwirkung von Maas‘ „NetzDG“ mit einbezieht, über dessen Details sich die Koalitionsparteien übereinstimmenden Medienberichten nach inzwischen einig sind. Sogar die New York Times sieht den SPD-Politiker als wichtige Ursache für die Massenzensur von deutschen Nutzern des Kurznachrichtendienstes und fragt: „So what is Twitter supposed to do when caught between its users’ interests in a broad debate and an ambitious leftist minister with ideological guidelines that, if in doubt, rule against free speech?“

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Abschiebung über Umwege

Ein Flugzeug mit Flüchtlingen aus Afghanistan rollt auf dem Flughafen München zur Startbahn. (Foto: dpa)
  • Die Bundesregierung hat einen geplanten Abschiebeflug abgesagt – dennoch schickt sie indirekt weiter Flüchtlinge nach Afghanistan.
  • Am 13. Juni hatte Deutschland Asylbewerber nach Oslo ausgeflogen. Dort gilt kein Afghanistan-Moratorium, und die norwegischen Behörden schieben auch Familien mit Kindern nach Kabul ab.

Von Moritz Geier, Bernd Kastner | Süddeutsche.de

Der für Mittwoch geplante Abschiebeflug abgelehnter Flüchtlinge nach Afghanistan ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung abgesagt worden. Vorgesehen war, dass vom Flughafen Leipzig aus unter anderem Straftäter nach Kabul geflogen werden. Der Flug soll aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Bundesregierung habe den Transport nicht aus Sicherheitsbedenken verschoben; vielmehr sei die Arbeitsfähigkeit der deutschen Botschaft in Kabul nach dem schweren Anschlag Ende Mai noch nicht hergestellt, die Mitarbeiter dort könnten die Abschiebung nicht logistisch begleiten, berichtet der Spiegel. Innenministerium und Auswärtiges Amt wollten die Absage nicht bestätigen oder kommentieren.

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Tote Galaxie verblüfft Astronomen

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Diese Illustration zeigt die neuentdeckte tote Uralt-Galaxie MACS2129-1 (rechts) im Vergleich zur Milchstraße. © NASA, ESA, and Z. Levy (STScI)
Eigentlich dürfte es sie nicht geben: Die zehn Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxie MACS2129-1 widerspricht allen Theorien. Denn obwohl sie keine Sterne mehr produziert, rotiert sie ungewöhnlich geordnet. Darin ähnelt sie eher der Milchstraße als einem chaotischen, von Kollisionen geprägten Haufen – doch genau so stellten sich Astronomen solche toten, uralten Galaxien bisher vor. Warum diese Galaxie so anders ist und ob dies vielleicht noch für weitere gilt, ist bislang unklar.

scinexx

Nach gängiger Theorie sind die meisten heutigen Galaxien durch Verschmelzung mit nahen Nachbarn geformt worden. Diese Kollisionen führten zu Turbulenzen im interstellaren Gas und lösten neue Schübe der Sternenbildung aus und ließen die Galaxien zu großen Spiralen und Ellipsen heranwachsen. Doch einige der frühen Galaxien im Kosmos schafften diese Erneuerung nicht: Sie stoppten stattdessen die Sternproduktion und blieben massereich, aber „tot“.

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Steinmeier: Ramadan ein selbstverständlichen Teil unseres gemeinsamen Lebens

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Bild. ZDF heute-Show/Twitter
„Es ist schön, zu sehen, dass der Ramadan in Deutschland inzwischen zu einem selbstverständlichen Teil unseres gemeinsamen Lebens geworden ist“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan.

MiGAZIN

Zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu einem friedlichen Miteinander der Religionen aufgerufen. Die Freude über das Teilen eines Festmahls sollte über die Grenzen der Religionen hinweg noch stärker verbinden, erklärte Steinmeier am Freitag in einer Grußbotschaft an die Muslime zum Iftar-Fest des Fastenbrechens.

Muslime, Juden und Christen teilten nicht nur die Freude an der Gemeinschaft, „sie teilen auch den Glauben an einen barmherzigen Gott“, betonte das Staatsoberhaupt. „Wir können uns zusammen freuen, miteinander leben und uns mit Respekt und Fürsorge begegnen“, erklärte Steinmeier. Es sei schön, zu sehen, dass der Ramadan in Deutschland „inzwischen zu einem selbstverständlichen Teil unseres gemeinsamen Lebens geworden ist“, so der Bundespräsident.

Der Bundespräsident nahm Anfang Juni selbst an einem Iftar-Essen teil. Joachim Gauck war im vergangenen Jahr der erste, der als Bundespräsident Gast bei dem traditionellen Fastenbrechen der Muslime war.

Schiff für ersten Atommüll-Transport auf deutschem Fluss unterwegs

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Bild: GNS Gorleben
Auf dem Neckar ist ein Transportschiff für den ersten Castor-Transport auf einem deutschen Fluss gestartet.

Frankfurter Rundschau

Der Schubverband legte am Morgen in Neckarwestheim im Kreis Heilbronn in Richtung Atomkraftwerk Obrigheim ab. Laut Polizei ist ein Hubschrauber im Einsatz, es gebe keine Einsatzkräfte auf dem Schiff – und keine Kenntnisse über mögliche Störungen. Die Beförderung von zunächst drei Castor-Behältern per Schiff auf dem unteren Neckar ist heftig umstritten. Atomkraftgegner kündigten eine Mahnwache an.

Berlins Erzapostel Koch erneuert DBK-Nein zur ‚Ehe für alle‘

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Heiner Koch. Bild: wikimedia.org. CC-BY-SA 4.0 – Martin Rulsch

Für die Deutsche Bischofkonferenz (DBK) bestätigt Koch, dass die deutschen Bischöfe Ehe als lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau mit prinzipieller Offenheit für die Weitergabe von Leben betrachten.

kath.net

Berlins Erzbischof und DBK-Familienbischof Heiner Koch weist darauf hin, dass die deutschen Bischöfe die Ehe als lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau mit prinzipieller Offenheit für die Weitergabe von Leben betrachten. Dies sei ganz die Sicht der Väter und Mütter des Grundgesetzes. Das berichtete der RBB. Koch hatte weiter vertreten, dass die auf Treue beruhende, dauerhafte Verbundenheit von Mann und Frau einen „höchst wertvollen Raum für die Erziehung ihrer Kinder“ darstelle und auch durch das Grundgesetz geschützt sei.

Außerdem erinnerte Koch nach Angaben des RBB daran, dass es keine Diskriminierung sei, wenn zwischen den Ehen heterosexueller Paare und den Lebensgemeinschaften gleichgeschlechtlicher Paare unterschieden werde. Dies sei nicht etwa „homophob motiviert“, sondern trage nur „der Unterschiedlichkeit der Lebensformen adäquat Rechnung“.

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NSAUA-Abschlussbericht teilweise entschwärzt

Der NSAUA-Abschlussbericht vor und nach der Entschwärzung. (Bild: netzpolitik.org)
Die Blogger für Freiheitsrechte von netzpolitik.org konnten einige Schwärzungen im Abschlussbericht des NSA-Untersuchungsausschusses entfernen.

Von Oliver Lau | heise online

Der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags hat nach dreijähriger Arbeit den als geheim eingestuften, aber mittlerweile geleakten Abschlussbericht veröffentlicht (PDF) – mit zahlreichen Schwärzungen. Netzpolitik.org konnte etliche davon entfernen.

Die Schwärzungen auf einigen der 1822 Seiten fanden größtenteils nachlässig statt, indem ein schwarzer Balken über den Originaltext gelegt wurde. An anderen Stellen wurde der Originaltext gegen XXXX XXXXX XX ausgetauscht und ist somit nicht wiederherstellbar. Die Blogger für digitale Freiheitsrechte stellen PDFs des Originals und der (teil-)entschwärzten Fassungen auf ihrer Website netzpolitik.org zum Download bereit. (ola)

Frau mit Kopftuch als Mehrfach-Diskriminierte

Bild: Santeri Viinamäki/CC BY-SA-4.0
Zum neuen Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus der Bundesregierung

Von Elke Halefeldt | TELEPOLIS

Er ist eine akribische Fleißarbeit: der „Aktionsplan gegen Rassismus“ (NAP). Ihn hat die Bundesregierung am 14. Juni beschlossen, als Aktualisierung eines Textes von 2008. Auf über 270 Seiten resümiert das „politische Projekt“ „Positionen und Maßnahmen zum Umgang mit Ideologien der Ungleichwertigkeit und den darauf bezogenen Diskriminierungen“.

Im ersten Teil des NAP skizziert die Bundesregierung „ausgewählte Phänomene Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. Dies sind: Antisemitismus, Antiziganismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit, Rassismus gegen Schwarze Menschen, Homosexuellen- und Transfeindlichkeit sowie die Ausgrenzung von Flüchtlingen.

Des Weiteren werden die „normativen Grundlagen und der rechtliche Rahmen“ aufgeführt und Aktivitäten sowie Handlungsschwerpunkte der Bundesregierung aufgelistet. Hier geht es um die Felder: Menschenrechtspolitik; Schutz vor Diskriminierung und Ahndung von Straftaten; Bildung und politische Bildung; Gesellschaftliches und politisches Engagement für Demokratie und Gleichwertigkeit; Diversität im Arbeitsleben, Aus- und Fortbildung sowie Stärkung interkultureller und sozialer Kompetenz im Beruf; Rassismus und Hass im Internet sowie Forschung. Es folgen „Planungen, Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung“.

Ergänzend enthält der Bericht drei Anlagen: Anlage 1 trägt Maßnahmen und Positionen der Bundesländer in den einzelnen Handlungsfeldern zusammen. Anlage 2 („Zivilgesellschaftliche Anforderungen“) enthält eine Art Kommentar zum NAP. Hinter ihm stehen das Netz gegen Rassismus – ein Zusammenschluss von knapp 100 Organisationen und Initiativen -, ein „Netzwerk von LSBTIQ[Lesbisch Schwul Bi Trans Inter Queer]-Organisationen“ und das Berliner Forum Menschenrechte. In der dritten Anlage bilanziert das Institut für Interdiziplinäre Konflikt und Gewaltforschung (Andreas Zick u.a.) Forschungsbefunde zu „Abwertenden Einstellungen und diskriminierenden Vorurteilen in der deutschen Gesellschaft“.

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Neubrandenburger Auschwitzprozess macht Rechtsgeschichte

Die Richter hielten ihn für zu alt: Hubert Zafke, einstiger SS-Mann in Auschwitz Quelle: picture alliance/AP Photo/BWU CUL MB**BRL**
Im Verfahren gegen den früheren SS-Mann Hubert Zafke hat das Landgericht die Mitglieder der Kammer für befangen erklärt. Gegen den Richter wurde zudem Strafanzeige gestellt – wegen Rechtsbeugung.

Von Per Hinrichs | DIE WELT

Der Richter Klaus Kabisch aus Neubrandenburg hätte Rechtsgeschichte schreiben können: Auf seinem Tisch lag der womöglich letzte Prozess, der sich mit Auschwitz beschäftigt hätte. Er sollte das Verfahren gegen den 96-jährigen einstigen SS-Mann Hubert Zafke leiten, ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen.

Geschichte hat er nun tatsächlich geschrieben, aber anders, als man erwarten konnte. Am Freitag gab ein Kollege von Kabisch, Richter Henning Kolf, einem Befangenheitsantrag der Nebenklage statt und warf den Vorsitzenden samt seiner beiden Kammerbeisitzer aus dem Prozess am Landgericht.

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Geistliche Ohrfeige für Mays Brexit-Kurs

foto: ap photo/alastair grant Justin Welby, das Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche, hatte für Mays Brexit-Kurs erstaunlich kritische Worte übrig.
Der anglikanische Erzbischof Justin Welby mahnt Theresa May in der Brexit-Debatte zu konsensualem Vorgehen

Von Sebastian Borger | derStandard.at

Mit einer ungewöhnlich regierungskritischen Äußerung hat sich das Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche in die britische Diskussion über den EU-Austritt eingemischt. Premierministerin Theresa May müsse „das Gift aus der Debatte nehmen“, glaubt der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, und redet einer parteiübergreifenden Brexit-Kommission das Wort. Diese solle Parlament und Regierung beraten, aber nicht binden, und auf diese Weise das Land zusammenführen. Großbritannien müsse seinen „Ort in der Welt neu bestimmen“.

Der Wortbeitrag des höchsten Geistlichen der Kirche von England für die Mail on Sunday stellt eine Ohrfeige für die treue Anglikanerin May dar und offenbart die zunehmende Alarmiertheit des gesellschaftlichen Zentrums über die anhaltende Brexit-Spaltung im Land. Politische Meinungsäußerungen des obersten Anglikaners, dessen weltliches Oberhaupt die Königin selbst ist, sind sehr ungewöhnlich.

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G20-Protestcamp ruft Bundesverfassungsgericht an

Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgericht vom Freitag ist das geplante G20-Protestcamp keine grundrechtlich geschützte Versammlung.

evangelisch.de

Die Veranstalter des G20-Protestcamps im Hamburger Stadtpark ziehen nach dem Verbot durch das Hamburgische Oberverwaltungsgericht (OVG) vor das Bundesverfassungsgericht. Sie haben am Samstag Beschwerde in Karlsruhe einlegt und hoffen auf eine baldige Entscheidung, wie eine Sprecherin der Vorbereitungsgruppe dem epd am Sonntag bestätigte.

Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgericht vom Freitag ist das geplante G20-Protestcamp keine grundrechtlich geschützte Versammlung. Es gehe hier vorwiegend um eine Übernachtungsmöglichkeit, hieß es in der Begründung (Az. 4 Bs 125/17). Für die politischen Kundgebungen im Stadtpark sei es nicht notwendig, dort auch zu übernachten. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht in zwei Entscheidungen das G20-Protestcamp genehmigt.

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Die sieben Söhne der Terror-Matriarchin

Die Planung des Überfalls: Abdullah Maute steht am Kartentisch der Terroristen, im Hintergrund sitzt Isnilon Hapilon (Zweiter von links). Foto. apa/afp
Nach einem Monat Kriegsrecht steht die besetzte Stadt Marawi kurz vor der Befreiung – Die Familie Maute will im Süden der Philippinen eine IS-Provinz errichten

Von Michael Vosatka | derStandard.at

Einen Monat nach Verhängung des Kriegsrechts auf der südphilippinischen Insel Mindanao sind die islamistischen Rebellen in der besetzten Stadt Marawi offenbar in erheblicher Bedrängnis. Am 23. Mai hatten rund fünfhundert Islamisten der mit der IS-Miliz verbündeten Maute-Brüder und Abu Sayyaf die Stadt gestürmt. Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte verhängte umgehend das Kriegsrecht für sechzig Tage in der gesamten Region.

Mindestens 280 Terroristen sollen seit Ausbruch der Kämpfe getötet worden sein. Darunter sind auch Islamisten aus Malaysia und Indonesien, aber auch Kämpfer aus Tschetschenien und Jemen. Die Verluste der Regierungstruppen umfassen 69 Mann. Die Zahl der getöteten Zivilisten wird mit 26 angegeben, wobei noch hunderte Menschen in der umkämpften Zone im Zentrum Marawis als Geiseln festgehalten werden. Bei der Besetzung der Stadt brannten die Angreifer Kirchen und Schulen nieder und befreiten Anhänger aus einem Gefängnis.

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Der Jude, der früher ein Nazi war

Yonatan Langer, 33, betrachtet sich in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg im Spiegel. (Foto: Lene Muench/Agentur Focus)
Er hat jahrelang gegen Ausländer gehetzt, in SS-Männern sah er Helden. Dann stieg Yonatan Langer aus der Neonazi-Szene aus – und wurde Jude. Was trieb ihn an?

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Es ist ein Freitagabend in Berlin-Schöneberg, Yonatan Langer sitzt zum Schabbatessen im Kabbalazentrum. Es gibt koschere Reisgerichte, Salate, Hühnchencurry, der Rotwein kommt aus Israel. Am Tisch sitzen Kabbalalehrer und Schüler und Besucher aus anderen Ecken Deutschlands, manche begegnen sich zum ersten Mal. Sie reden über Trump, über das Wetter in Miami, und jeder möchte vom anderen wissen, wie er Kabbala entdeckt hat. Eine Siemensmanagerin aus München sitzt Yonatan Langer gegenüber. Sie schaut ihn an, sagt: „Und Du, was hast Du gemacht, bevor Du Kabbala für dich entdeckt hast?“

Er hält kurz inne, wägt ab, dann sagt er die Wahrheit. „Ich war die meiste Zeit in meinem Leben Nazi.“ Stille am Tisch, alle Blicke sind auf Yonatan Langer gerichtet. Die Managerin gewinnt als erste ihre Fassung wieder: „Wie kommt man denn dazu – Nazi zu sein und dann Jude zu werden?“

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Human Echolocation Isn’t Just For the Blind

Image: Simon James/Flickr
Bats and marine mammals have acoustic navigation down, but humans are learning quickly too.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Bats and dolphins are famous for their ability to orient themselves by bouncing sound waves off of objects in their environment, an adaptation called echolocation. But some visually impaired people have also learned to navigate the world this way. One notable example is Daniel Kish, who lost his eyes to cancer as an infant and has since become the world’s most visible advocate of human echolocation.

Kish, who has embraced his reputation as „a real-life Batman“ has trained hundreds of students to use clicks or other noises to develop a sonar-like acoustic sight.

Meanwhile, neuroscientists have amassed a fascinating body of work indicating that these sound-based snapshots are processed within the visual cortex. When one sensory organ closes, it seems, other pathways open to compensate.

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