Italien: Auf Kollisionskurs mit der Kirche

Auf einer Versammlung der Lega Nord Patania spricht Parteichef Matteo Salvini. (picture alliance / dpa / Pierre Teyssot)
Die neue italienische Regierung wirft der katholischen Kirche vor, sich als moralische Instanz in der Flüchtlingspolitik aufzuspielen, aber die Probleme der Einheimischen zu ignorieren. Papst Franziskus solidarisiert sich mit verzweifelten Migranten, Bischöfe und Priester sind unentschieden.

Von Thomas Migge | Deutschlandfunk

„Das Problem ist nicht der Papst“, sagt Matteo Salvini. „Die Kirche tut so viel Gutes. Das Problem ist aber, dass sie anscheinend nicht richtig unterscheiden kann zwischen illegalen Flüchtlingen und Flüchtlingen, die ein Recht auf Aufnahme bei uns haben. Ich finde es nicht gut, dass es da Leute gibt, die sich als moralische Instanzen auf Kosten anderer aufspielen“.

Matteo Salvini liebt die Konfrontation, das bekommt auch die katholische Kirche zu spüren. Salvini ist Chef der Partei Lega und seit kurzem auch italienischer Innenminister und Vizeregierungschef. Als solcher hat er jetzt die Möglichkeit, die von ihm seit Jahren propagierten Parolen in Sachen Einwanderungsbegrenzung in die Tat umzusetzen: Weniger Einwanderer und raus mit jenen, die keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Das ist sein erklärtes Ziel. Rund 60 Prozent aller Italiener, das bestätigen Umfragen, denken in Sachen Einwanderer wie er. Und so nimmt er es selbstbewusst auch mit der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt auf. Seit er Innenminister ist, hat sich sein Ton verschärft:

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Wo die Nächstenliebe endet

Viele Christen mit Rechtsdrall verdrehten das Christentum in ein antimuslimisches Abwehrbollwerk, kommentiert die Juristin Liane Bednarz in der „TAZ“. (picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa)
Die „TAZ“ fragt, wie das Christentum für die Politik instrumentalisiert wird – und findet Berührungspunkte zwischen Christen und Rechten. Ebenfalls in Berührung mit rechten Positionen wurde Rüdiger Safranski gebracht, zu Unrecht meint die „FAZ“.

Von Adelheid Wedel | Deutschlandfunk Kultur

„Die Abwehr der Migration macht zivilisatorische Fortschritte zunichte.“ Mit dieser genauen Beobachtung lässt sich ein Artikel in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zusammenfassen. Gustav Seibt klingt desillusioniert, wenn er zu dem Schluss kommt: „Wieder einmal wirken ein paar Jahrhunderte wie ausgelöscht. Offenbar kann man alles zurückdrehen.“

Grausamkeit an der mexikanischen Grenze

Es geht ihm um das Maß an Grausamkeit, aufgerührt durch eine Meldung, dass amerikanische Behörden an der mexikanischen Grenze Kinder von ihren Eltern trennen lassen, wenn diese die Grenze illegal überschritten haben. „Zwischen Mitte April und Ende Mai wurden rund 2000 Kinder von ihren Familien getrennt.“ Solches Verhalten mobilisiere „ein Maximum an Ängsten. Die Grausamkeit soll hier einen unmittelbaren Zweck erfüllen, die Abschreckung“, meint der Autor.

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Religiöse kapern Berliner Humboldt-Uni

Bild: bb

Die katholische Theologie bekommt ein eigenes Zentralinstitut an der Berliner Humboldt-Universität. Neben der bereits bestehenden Guardini-Stiftungsprofessur für Religionsphilosophie und theologische Ideengeschichte werden fünf weitere Professuren angesiedelt (zwei W3-Stellen, 3 W1-Juniorprofessuren).

hpd.de

Der Berliner Tagesspiegel berichtete unlängst von einer Abnickstimmung im Akademischen Senat der Universität. Bei der vorherigen Sitzung sei die dort erfolgte Präsentation des Instituts-Konzepts auch gar nicht erst auf der Tagesordnung erschienen, ganz so, als ob die Angelegenheit möglichst im Verborgenen erledigt werden sollte. Verwundern kann das nicht, denn angesichts der großen Mehrheit kirchen- und religionsferner Menschen in Berlin ist die demokratische Legitimität theologischer Institute mindestens fragwürdig.

Zum Wintersemester 2019/20 startet wahrscheinlich auch die Islam-Theologie an der Humboldt-Universität. Neben den 4 geplanten W3-Professuren hat die Universität zwei weitere Forschungsprofessuren beim Bundesministerium für Bildung und Forschung beantragt. Anfangs hatte sich offensichtlich keine Berliner Universität für ein solches Institut bewerben wollen. Immer wieder ist zu hören oder zu lesen, dass die Humboldt-Universität sich schließlich vom Senat überreden ließ. So machtlos sich Berliner Politikerinnen mit Hinweis auf die Hochschulautonomie gerne geben, wenn es um die Einrichtung eines Instituts für Humanistik geht, sind sie dann anscheinend doch nicht. Dass die Gründung des Instituts als „Islamischer Friedensschluss“ bezeichnet wurde, mag Demokratinnen und Demokraten zusätzlich irritieren. Im Beirat des Instituts sind nur konservative Muslim-Verbände vertreten, die auch nur einen minimalen Teil der Muslime repräsentieren.

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Maschinenhirn diskutiert mit Mensch

Mensch versus Maschine: „Project Debater“ in der Diskussion mit Debatten-Profi Dan Zafir © IBM Research
Frei argumentiert: Erstmals hat sich eine künstliche Intelligenz in einer Debatte mit menschlichen Diskussionspartnern gemessen. Bei einer öffentlichen Diskussion tauschte das IBM-System „Project Debater“ zu zwei Themen Argumente und Gegenargumente aus – ohne diese Inhalte vorher trainiert zu haben. Das Schwierige daran: Die KI musste dafür selbstständig geeignete Argumente entwickeln und sie überzeugend vortragen – was ihr durchaus gelang, wie eine Befragung des Publikums hinterher ergab.

scinexx

Künstliche Intelligenz macht immer mehr Fortschritte: Schon jetzt helfen die lernfähigen Algorithmen bei medizinischen Diagnosen, erkennen Fake-News oder fahnden nach Schäden in Atomkraftwerken. Sogar in der Justiz, als Chemiker oder als Planer von Physik-Experimenten können sie hilfreich sein. Einige dieser Systeme schaffen es dabei bereits, selbständig die nötigen Fähigkeiten zu trainieren – ohne menschliche Lehrer.

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Kretschmann mit deutlichen Worten zu Kreuzerlass und AfD: „Es besteht keine Staatskirche“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sich skeptisch zum Kreuzerlass in Bayern geäußert. „So etwas würde ich nicht machen“, sagte Kretschmann dem Magazin „zeitzeichen“.

DOMRADIO.DE

„Wir werden dadurch nicht christlicher, indem wir dies wie in Bayern machen.“ Nur die Christen und nicht der Staat könnten den christlichen Glauben bewahren und lebendig halten. „Der Staat kann ihnen nur den Raum dafür geben, das ist der Kern der Religionsfreiheit. Und das geht nur, wenn der Staat neutral ist», fügte der katholische Grünen-Politiker hinzu.

„Es besteht keine Staatskirche“, unterstrich Kretschmann: „Wir machen gegenüber Muslimen ja immer die Ansage, die Religionsfreiheit gibt es nur innerhalb der Verfassungsordnung. Nicht auf, neben oder hinter ihr. Das gilt auch für uns.“

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Neutrino-Signal gibt Rätsel auf

Spuren eines energiereichen Neutrinos im IceCube-Detektors. © IceCube Collaboration
Mysteriöse Teilchenspur: Der Neutrino-Detektor IceCube hat ein Signal eingefangen, das Physikern Rätsel aufgibt. Denn diese Teilchenspur ist viel energiereicher als alle bisher registrierten. Eine mögliche Erklärung dafür liefern nun zwei US-Physiker. Sie vermuten, dass das Signal von einem Tau-Lepton verursacht wurde – dem Kollisionsprodukt eines Tau-Neutrinos mit einem Atom. Das aber könnte bedeuten, dass kosmische Neutrinos noch viel energiereicher sind als bisher angenommen.

scinexx

In jeder Sekunde rasen Milliarden von Neutrinos durch unseren Körper, ohne dass wir es merken. Denn diese fast masselosen „Geisterteilchen“ gehen nur selten eine Wechselwirkung mit anderer Materie ein – entsprechend schwer ist es, sie aufzuspüren. Zudem können sich die drei Neutrino-Sorten – Elektron-, Myon- und Tau-Neutrino – im Flug in eine andere Sorte umwandeln.

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Groteske Attacken

Erhält am Dienstag den von Helmut Schmidt initiierten Deutschen Nationalpreis: der Schriftsteller und Philosoph Rüdiger Safranski Bild: Matthias Lüdecke
Er ist gefangen in diesem Kulturkampf: Wie Kritiker den Schriftsteller und Philosophen Rüdiger Safranski zum Totengräber machen

Von Christian Geyer | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gefängnisse haben eine kahle und brutale Akustik. Arthur Koestler hat in seinem „Spanischen Testament“ davon geschrieben: „Die Zellentür hat weder außen noch innen eine Klinke; man kann sie nicht anders schließen, als sie mit einem Schwung zuzuschmettern. Sie ist aus massivem Eisenbeton, an die zehn Zentimeter dick, und jedes Mal, wenn sie ins Schloss fliegt, gibt es einen schussartigen Krach.“ Danach ist man wieder allein mit sich selbst, und das heißt auch: allein mit seinen Projektionen, die sich am kargen Gestell des Lebensbereichs entzünden – an der Eisenpritsche, am Waschbecken, am Abort, am Gitterfenster.

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Erdogan organisiert sich Zehntausende Syrer als Erstwähler

Bild: Magazin „The Economist“
In den Monaten vor der Wahl hat die türkische Regierung Zehntausende syrische Flüchtlinge einbürgern lassen. Die Erstwähler dürften sich am Sonntag dankbar zeigen. Und genau dort abstimmen, wo Erdogan sie besonders gut gebrauchen kann.

Von Murat Bay | DIE WELT

Huzeyfe kann seine Freude kaum verstecken, als er seinen türkischen Ausweis aus der Hosentasche holt. Vor einem Jahr hat er die türkische Staatsangehörigkeit beantragt und vor sechs Monaten die Papiere erhalten. „Als ich die Staatsbürgerschaft annahm, empfahl mir der Beamte, meinen Namen zu ändern – um Probleme zu vermeiden. Ich habe ihm gesagt, dass ich meinen Namen eigentlich ganz gerne mag“, erzählt der 28-Jährige.

Vor vier Jahren flüchtete er mit seinen fünf Geschwistern aus der syrischen Stadt Rakka, die damals von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliert wurde, ins 150 Kilometer entfernte Urfa auf der türkischen Seite der Grenze. In seiner Heimat war Huzeyfe Mathematiklehrer. Auch in Urfa unterrichtet er syrische Kinder.

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Fasten und Kopftuch verbieten? Lehrervertreter setzt auf Reden

foto: apa/pfarrhofer Pflichtschullehrergewerkschaftschef Paul Kimberger hält Verbote für pädagogisch zweifelhaft.
Paul Kimberger möchte Kindern diese religiösen „Zumutungen“ zwar ersparen, notfalls müssten eben Lehrer Maßnahmen setzen

Lisa Nimmervoll | derStandard.at

Als ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer am vergangenen Donnerstag seine Forderung nach einem Fastenverbot für schulpflichtige Kinder deponierte, dauerte der Ramadan noch knapp neun Stunden. Mit Sonnenuntergang gegen 21 Uhr endete der muslimische Fastenmonat im heurigen Jahr am 14. Juni.

Nehammer begründete seinen Vorstoß mit „unzähligen“ Berichten von Lehrern über geschwächte Kinder: „Wenn religiöse Rituale – egal welcher Religion – die Gesundheit von Kindern gefährden, geht das eindeutig zu weit.“ Religionsfreiheit sei selbstverständlich ein hohes Gut, aber: „Wenn die Religion über dem Kindeswohl steht, ist Schluss.“

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Nürnberg: Staatsanwaltschaft fordert Haft für LKA-Beamte

Der Prozess gegen sechs Spitzenbeamte des Landeskriminalamtes läuft seit November 2017. (Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Im Prozess gegen sechs LKA-Beamte in Nürnberg hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten.
  • Die Beamten müssen sich wegen Diebstahls in mittelbarer Täterschaft, Strafvereitelung im Amt, versuchter Freiheitsberaubung und Falschaussagen vor Gericht verantworten.
  • Die Staatsanwaltschaft fordert für den Hauptangeklagten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und für die anderen Beamten Bewährungsstrafen sowie in einem Fall eine Geldstrafe.

Von Olaf Przybilla | Süddeutsche Zeitung

Es sind nur vier Zuhörer im Sitzungssaal, als Staatsanwalt Stefan Rackelmann zum Plädoyer im Prozess gegen sechs Beamte des Landeskriminalamts (LKA) ansetzt. Das ist das Schicksal vieler Großprozesse, sie können noch so spektakulär sein – je länger das Verfahren andauert, desto weniger Menschen bringen noch Interesse dafür auf. In diesem Fall ist das besonders schade.

Denn für alle, die immer posaunen, in diesem Land lasse man „die Großen laufen“, Spitzenbeamte schon gar und erst recht Spitzenermittler, für alle jene hätte das Plädoyer von Rackelmann womöglich heilsame Wirkung haben können. In lokalen Medien war zuvor darüber spekuliert worden, die Anklage gegen die LKA-Beamten würde angeblich „wackeln“. Aber davon kann beim Vortrag von Rackelmann nun wirklich keine Rede sein.

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Keine Haie mehr

Ein Grauer Riffhai – eigentlich ein typischer Bewohner von tropischen Korallenriffen. Doch diese großen Raubfische werden immer seltener. © Nick Graham
Verschwundene Räuber: Biologen stellen einen alarmierenden Schwund großer Raubfische in Korallenriffen weltweit fest. Nur in einem Viertel der Riffe gibt es überhaupt noch Haie und andere Top-Prädatoren – und diese wenigen Refugien liegen meist in abgelegenen Meeresschutzgebieten, wie ihre Studie enthüllt. Geschützte Gebiete vor dicht besiedelten Küsten dagegen sind trotz Fischereiverbots oft stark verarmt – keine gute Nachricht für die Meeresumwelt.

scinexx

Korallenriffe sind Hotspots der Artenvielfalt sowie Refugium und Kinderstube für unzählige Arten von Fischen. Sie bieten den Meerestieren reiche Nahrung, aber auch schützende Deckung. Doch diese so wertvollen Oasen des Meeres geraten immer mehr unter Druck: Fischerei, Wasserverschmutzung und die vom Klimawandel begünstigte Korallenbleiche setzen den Korallenriffen und ihren Bewohnern zu.

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Deutsche Bundespolizei weist ab sofort bestimmte Flüchtlinge zurück

Deutscher Innenminister Horst Seehofer wartet nicht mehr auf Merkel-Zustimmung und lässt ab sofort Personen, gegen die ein „Einreise- und Aufenthaltsverbot“ besteht, zurückzuweisen

kath.net

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer macht Ernst und lässt ab sofort Personen, gegen die ein „Einreise- und Aufenthaltsverbot“ besteht, zurückzuweisen. Dies berichten „Focus“ und die „Kronen“-Zeitung am Dienstagnachmittag. Demnach ist die Bundespolizei an der deutsch-österreichischen Grenze angewiesen, ab sofort alle Personen zurückzuweisen, und zwar „unabhängig davon, ob ein Schutzersuchen vorliegt“.

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Was aus „Mordversuch“ während G-20-Gipfels wurde

Richterin Nina-Alexandra Seidler muss die Aussagen und Beweise in dem Prozess gewichten Quelle: picture alliance/ Markus Scholz
Mittwoch soll das Urteil gegen einen Mann fallen, der an den G-20-Tagen mit einem Laser auf einen Hubschrauber zielte. Es geht auch um die Frage, wie glaubwürdig sich Polizisten als Zeugen verhalten.

Von Philipp Woldin, Denis Fengler | DIE WELT

Es war wohl die schwerste Anschuldigung im Zusammenhang mit den G-20-Ereignissen: Nico B. soll mit einem Laserpointer die Besatzung eines Polizeihubschraubers geblendet haben, der am Vorabend des Gipfels über Altona kreiste. Die Anklage spricht davon, dass die Polizisten im Cockpit von einem Laserstrahl am rechten Auge getroffen wurden und bis zu zehn Sekunden nichts sehen konnten, der Hubschrauber sei 300 Fuß abgesackt. Eine lebensgefährliche Aktion, der Boulevard titelt „Mordversuch“. Ein Haftbefehl ergeht, Nico B., 27 Jahre, Familienvater, kommt in Untersuchungshaft – auch weil er zu der Zeit keine eigene Wohnung hat. Fünf Monate bleibt B. hinter Gittern.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auf die Aussagen der Polizisten im Hubschrauber und auf ein Interview der Lebensgefährtin des Mannes mit der „Mopo“. Darin sagt diese, die gemeinsame vierjährige Tochter hätte durch den Hubschrauberlärm Angst gehabt und nicht einschlafen können. B. habe den Hubschrauber „verjagen“ wollen. Doch nach einem halben Jahr Prozess und einem Gutachten sind die Vorwürfe in sich zusammengebrochen. Kurz vor dem Urteil, das heute fallen soll, schreibt die Vorsitzende Richterin in einem „rechtlichen Vermerk“: „Das Gericht ist derzeit nicht mit der erforderlichen Sicherheit davon überzeugt, dass der Pilot Herr M. und der Co-Pilot Herr H. von einem Laserstrahl getroffen worden sind, so wie es in der Anklage beschrieben wird. Zum jetzigen Zeitpunkt würde das Gericht eine etwaige Verurteilung des Angeklagten darauf nicht stützen.“ Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Frage, wie glaubwürdig Polizeibeamte sich als Zeugen in Prozessen verhalten.

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Kanada legalisiert Cannabis

Bild: Wikimedia commons/Bogdan (CC BY-SA 3.0)
Schon im Wahlkampf hatte Justin Trudeau die Legalisierung von Cannabis in Kanada versprochen. Dann dauerte es doch länger als geplant – aber jetzt ist die letzte parlamentarische Hürde überwunden.

SpON

Als erstes führendes Industrieland der Welt hat Kanada den Anbau und Verkauf von Cannabis legalisiert. Der Senat des flächenmäßig zweitgrößten Landes der Erde stimmte am Dienstagabend in letzter Lesung dem Gesetz zu. 52 Senatoren stimmten dafür, 29 dagegen. „Es war zu einfach für unsere Kinder, Marihuana zu bekommen – und für Kriminelle, die Profite davon einzusacken. Heute ändern wir das“, schrieb Kanadas liberaler Premierminister Justin Trudeau beim Kurznachrichtendienst Twitter.

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Dwarf Planet Ceres Has Way More Organic Molecules Than Originally Suspected

This rendering visualizes signatures on Ceres that indicate the presence of organic material. Credit: NASA/Rendering by Hannah Kaplan
On the dwarf planet Ceres, organic molecules are more abundant than scientists originally suspected.

By Chelsea Gohd | SPACE.com

Last year, NASA’s Dawn spacecraft detected organics, or carbon-based compounds, on the surface of Ceres. The exciting discovery raised the possibility that Ceres might be habitable and even that life could have once existed on the rocky world. And now, a new analysis of the mission data suggests that the patches on the surface of Ceres shown to contain organic material likely harbor even more of those molecules than researchers first thought.

This new analysis not only details the organic abundance; it also raises additional questions, like where the organic molecules came from, according to a statement. And the finding could serve as a valuable template and resource for future missions to study organics on the surface of Ceres, the statement said. [Photos: Dwarf Planet Ceres: The Largest Asteroid in Photos]

It is important to note that the presence of organic molecules doesn’t mean that life exists or ever existed on a world. Geological process on the surface, or even meteorite impacts, could create or deposit organics on a dwarf planet like Ceres. But scientists are still working to find the origins of these organics.

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EDIS: EZB plant Albtraum deutscher Sparer

Grafik: TP
Jetzt geht es ans Eingemachte – die Vergemeinschaftung der Einlagensicherung in Europa. Die Eurozone verwandelt sich immer mehr zur Transferunion. Die Umverteilung innerhalb Europas nimmt tagtäglich zu und – sollte EDIS (European Deposit Insurance System) Realität werden, wovon wir stark ausgehen – wird sie massiv zunehmen.

Matthias Weik, Marc Friedrich | TELEPOLIS

Die Target2-Verbindlichkeiten gegenüber der Bundesbank haben die 900-Milliarden-Euro-Grenze bereits gerissen. Die Staaten Südeuropas finanzieren über Target2 ihre Leistungsbilanzdefizite, ohne dass sich die Länder Nordeuropas – allen voran Deutschland – dagegen wehren können. Die 900 Milliarden werden wir nie wieder sehen und können sie der deutschen Staatsverschuldung in Höhe von 2 Billionen hinzuaddieren.

Jetzt sollen deutsche Banken und schlussendlich der deutsche Sparer für die maroden Banken in der Eurozone haften. Volks- und Raiffeisenbanken und Sparkassen laufen berechtigterweise Sturm, denn sie wissen was ihnen und uns blühen wird.

Jetzt soll es an das Geld der Deutschen Sparer gehen. EZB-Chef Mario Draghi plant, den größten Jackpot in der Eurozone anzubohren – den deutschen Sparer und die deutschen Geldinstitute – allen voran Volksbanken und Sparkassen. EDIS heißt das Zauberwort. Dahinter verbirgt sich ein Einlagensicherungssystem für die gesamte Eurozone, das die nationalen Einlagensicherungssysteme ablösen soll.

Einlagensicherungssysteme werden mit den Beiträgen von Banken finanziert. Sie garantieren im Fall einer Insolvenz einer Bank die Einlagen der Kunden und sollen einen Bankrun (Schaltersturm) verhindern. Draghi plant also ein System einzurichten, das EU-weit bei einer Bankenkrise – welche in Anbetracht der maroden Banken Südeuropas mit Sicherheit kommen wird – das Geld der Sparer zu schützen. Was geschieht jedoch, wenn die Mittel erschöpft sind?

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Reformationstag neuer Feiertag in Niedersachsen

Die katholische Kirche in Niedersachsen hätte einen anderen Feiertag bevorzugt. Doch nun ist klar: Es wird der Reformationstag. Damit hat sich der Landtag auch gegen einen Vorschlag der Grünen entschieden.

katholisch.de

Der Reformationstag am 31. Oktober ist neuer gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Mit einer deutlichen Mehrheit vor allem aus der Regierungskoalition von SPD und CDU verabschiedete der Landtag am Dienstag in Hannover ein entsprechendes Gesetz. Bei der Abstimmung waren alle 137 Abgeordneten des Parlaments anwesend. Sie fand namentlich statt. Für den Vorschlag der Regierung stimmten 100 Abgeordnete, 20 stimmten dagegen, 17 enthielten sich. Die Fraktionen von SPD und CDU hatten angekündigt, für die Abstimmung die Fraktionsdisziplin aufzuheben.

Abgelehnt wurden alle weiteren Alternativen: Die Grünen-Fraktion hatte sich für die Einführung des Frauentags am 8. März und des Europatags am 9. Mai ausgesprochen. Auch für den von einer Gruppe von 13 CDU- und einem SPD-Abgeordneten vorgeschlagenen Buß- und Bettag fand sich keine Mehrheit. Auch der Vorstoß von elf Abgeordneten von SPD und Grünen, den Tag des Grundgesetzes am 23. Mai zum Feiertag zu machen, lief ins Leere.

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Kirche: „Ohne den Stachel der Kritik geht es nicht“

„Es zählt nicht, ob man ein rotes oder weißes Käppchen trägt“ Foto: AFP
Der Theologe Michael Seewald über den Streit um die Kommunion, die fatalen Auswirkungen des Zölibats und warum die Kirche unbedingt mehr Freiheit nach innen braucht.

Von Joachim Frank | Frankfurter Rundschau

Michael Seewald, geboren 1987 in Saarbrücken, ist einer der jüngsten Professoren Deutschlands und jüngster Inhaber eines theologischen Lehrstuhls. 2016 wurde er im Alter von 29 Jahren als Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an die Westfälische Wilhelms-Universität Münster berufen. Er ist dort Nachfolger unter anderem von Joseph Ratzinger und Karl Rahner.

Seine Studienfächer waren katholische Theologie, Politikwissenschaften und Philosophie. 2013 wurde er zum Priester geweiht. In seinem aktuellen Buch „Dogma im Wandel“ (Herder, 336 S., 25 Euro) befasst er sich mit Möglichkeiten der Lehrentwicklung in der katholischen Kirche.

Herr Professor Seewald, in der Lebensgeschichte von Menschen gibt es den Altersstarrsinn. Ist die katholische Kirche als Institution in der gleichen Phase angekommen?
Neben Altersstarrsinn gibt es ja auch Altersmilde, die einen Menschen Dinge umso lockerer sehen lässt, je älter er wird. In der katholischen Kirche haben wir beides: oft genug einen ausgeprägten Starrsinn, aber auch eine über die Jahrhunderte entwickelte Großzügigkeit.

So? Wo denn?
Die Entwicklung vieler Dinge, die uns heute eng vorkommen, verdankt sich historisch einem Bemühen um Großzügigkeit. Die Möglichkeit, nach der Taufe Buße zu tun und Vergebung zu finden, musste in den ersten Jahrhunderten des Christentums hart erkämpft werden. Zunächst hatte man als Chance zum Heil nur die einmalige Taufe. Wer danach verschoss, war verloren. Auch Fegefeuer und Ablässe hatten im Mittelalter die Funktion, den Menschen doch noch in den Himmel zu verhelfen. Das Ganze ist irgendwann gekippt und hat mehr Angst als Hoffnung gebracht. Das war nicht im Sinne der Erfinder. Aber wenn es hart auf hart kommt oder wenn es ans Sterben geht, ist die Kirche auch heute noch freigiebig.

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Leptoquark – Cern-Forscher hoffen auf ein spektakuläres Teilchen

Simulation eines Teilchenschauers inklusive Higgs-Teilchen (Quelle: CERN). Eine Methode mit Bums
Am Forschungszentrum Cern deutet sich die Entdeckung eines neuen Teilchens an, das spannender als das „Higgs-Boson“ wäre. Higgs passt ins etablierte Theoriengebäude – das neue Leptoquark aber nicht.

Von Norbert Lossau | DIE WELT

In der Teilchenphysik deuten sich neue Entdeckungen stets ganz langsam an – durch erste, schwache Trends in den gemessenen Daten. Diese Hinweise können durch weitere Messungen entweder bestätigt werden oder auch wieder verschwinden.

Das ist eine Frage der Statistik. Erst wenn die statistische Wahrscheinlichkeit dafür, dass Messdaten auf ein neues Teilchen hindeuten, mindestens 99,9999 Prozent beträgt, sprechen die Physiker von einer „Entdeckung“.

Banges Warten

So zeichnete sich zum Beispiel am Forschungszentrum Cern bei Genf die im Juli 2012 verkündete Entdeckung des Higgs-Teilchen bereits viele Monate im Voraus ab. Doch erst nachdem genug Messdaten vorlagen und die Statistik entsprechen gut genug war, galt das Higgs-Teilchen als nachgewiesen.

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Irenäus Eibl-Eibesfeldt hielt uns den evolutionären Spiegel vor . . .

Irenäus Eibl-Eibesfeldt (2005). Bild: wikipedia.org/CC BY-SA 3.0 – Peter Korneffel
. . . und war als einer von wenigen Biologen bereit, den Mund aufzumachen und sich mit der Politik der 68er anzulegen.

Kurt Kotrschal | Die Presse.com

Die Liebe kam mit der Mutter-Kind-Bindung in die Welt. Als dies Irenäus Eibl-Eibesfeldt (IEE) 1970 in seinem Buch „Liebe und Hass“ darlegte, konnte er noch nicht wissen, dass ihn die moderne Biopsychologie spektakulär bestätigen würde: ein Beispiel dafür, dass IEE ein Mann der großen Würfe war, weitsichtig und sicherlich kein Elfenbeintürmler. Ihm in einer Würdigung gerecht zu werden, ist ob der Fülle seiner Verdienste einfach; oder schwierig, wenn dazu nämlich der Platz fehlt.

Sein Lebenswerk wurde in einer Reihe von Nachrufen eingehend gewürdigt, darum konzentriere ich mich hier auf ein paar mir wichtige Punkte. Einer der größten bleibenden Verdienste von IEE ist es sicherlich, dass er den oft krausen Vorstellungen mancher Sozial- und Humanwissenschaftler vom Wesen des Menschen empirische Ergebnisse entgegenstellte. Dass er davon bereitwillig und nahezu missionarisch politisch-gesellschaftliche Schlussfolgerungen ableitete, brachte ihm viel Zustimmung – auch von „falscher“ Seite – und einiges an Kritik ein, nicht immer ganz zu Unrecht.

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