Bundesregierung hat keinerlei Beweise für Skripal-Fall

Grafik: TP
Im parlamentarischen Kontrollausschuss musste die Bundesregierung nach rbb Inforadio einräumen, ohne Beweise bei der antirussischen Kampagne mitgemacht zu haben, entlarvend auch Äußerungen des Regierungssprechers noch am 4. Juni

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie rbb Inforadio erfahren haben will, wartet die Bundesregierung weiter auf Beweise seitens der britischen Regierung, dass und in welcher Form „Russland“, was auch immer darunter gemeint sein mag, für den Giftanschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter verantwortlich ist. Das war allerdings nicht für die Öffentlichkeit gedacht, sondern wurde nur im Geheimen dem parlamentarischen Kontrollgremium gesagt. Man wisse nur, dass Nowitschok eingesetzt worden war, ein binäres Nervengift, das zuerst in der Sowjetunion hergestellt wurde.

Die britische Regierung habe keine weiteren Beweise geliefert. Sie könne nicht beweisen, dass das Gift tatsächlich aus Russland kommt, und schon gar nicht, dass der Kreml verantwortlich sei. Die deutschen Geheimdienste wüssten auch nicht mehr. Das belegt, was auch wir immer vermutet hatten, dass die britische Regierung an „Beweisen“ an die antirussisch Verbündeten nicht mehr an Informationen weitergegeben hat, als etwa in dem Handout der britischen Regierung zu lesen war, das an die Öffentlichkeit durchgesickert war. Letztlich waren es nur Vermutungen in einer Richtung, die mit angeblicher Alternativenlosigkeit begründet wurden („Eine neue Phase der russischen Aggression“).

Schon das britische Militärlabor in Porton Down machte dann klar, dass der Ursprung nicht herausgefunden werden konnte, was schon einen wesentlichen Beweis für die russische Herkunft zerstörte. Dann wurde klar, was eigentlich schon bekannt war, dass Proben von Nowitschok bereits in den 1990er Jahren in die Hände westlicher Geheimdienste und Militärs gelangt waren und dass ebenfalls in den 1990ern in Russland Kriminelle damit einen Mordanschlag ausgeübt hatten, dass das Nervengift als tödlich bekannt war und bereits in kriminellen Kreisen zirkulierte.

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Abschlussbericht dokumentiert Gewalt in Korntaler Kinderheimen

Brutale Schläge, Psychoterror, sexuelle Übergriffe – Straftaten dieser Art kamen in den drei Kinderheimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal bei Stuttgart und Wilhelmsdorf bei Ravensburg bis in die 1980er Jahre offenbar häufig vor.

evangelisch.de

Das zeigt der am Donnerstag in Stuttgart vorgelegte, mehr als 400 Seiten starke Abschlussbericht, den die Aufklärer Brigitte Baums-Stammberger und Benno Hafeneger vorgelegt haben. So habe ein langjähriger Hausmeister in Korntal mindestens 30 Kinder zu sexuellen Handlungen gezwungen. Die Brüdergemeinde bat die Opfer um Vergebung.

Die pensionierte Frankfurter Richterin Baums-Stammberger führte in den vergangenen 15 Monaten 115 Interviews mit ehemaligen Heimkindern über die Zeit zwischen 1949 bis in die 1980er Jahre. Davon sind 105 in den Abschlussbericht eingeflossen. 56 Befragte berichteten von sexualisierter Gewalt. Am schlimmsten hätten sich neben dem Hausmeister ein Stallmitarbeiter, ein Bäcker und ein Kinderarzt an den Schutzbefohlenen vergangen.

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Immunzellen eliminieren Metastasen

Mammografie: Meist die erste Untersuchungsmethode, um einen Brustkrebs zu entdecken. (Bild: Gaetan Bally / Keystone)
Ärzten gelingt das bisher Undenkbare: Sie kurieren eine Frau mit fortgeschrittenem Brustkrebs. Es bleiben aber noch offene Fragen.

Alan Niederer | Neue Zürcher Zeitung

Früher hätte man von Wunderheilung gesprochen. Heute sieht man den medizinischen Fortschritt am Werk, wenn amerikanische Ärzte des National Cancer Institute in Bethesda, Maryland, bei einer 49-jährigen Frau mit metastasierendem Brustkrebs mit einer experimentellen Therapie alle Krebszellen aus dem Körper eliminieren. Darüber haben die Wissenschafter jüngst in der Fachzeitschrift «Nature Medicine» berichtet.

Offenbar ist es das erste Mal, dass eine Brustkrebspatientin in einem derart fortgeschrittenen Stadium so erfolgreich behandelt werden konnte. Bei Judy Perkins, einer Ingenieurin aus Florida, hatten die zuvor verabreichten Standard-Chemotherapien keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Der Tumor in ihrer rechten Brust war weiter gewachsen und in die Leber und andere Organe metastasiert.

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Europäischer Drogenbericht: Mehr Produktion in Europa

foto: ap/eric engman Bei Cannabis hat die europäische Produktion die Einfuhr teilweise verdrängt und scheint sich auf die Geschäftsmodelle externer Produzenten ausgewirkt zu haben, ist dem Drogenbericht zu entnehmen.
Vor allem Cannabis wird vermehrt in Europa angebaut. Ein Viertel der 15- bis 64-Jährigen in der EU hat bereits einmal illegale Drogen konsumiert

derStandard.at

Die Produktion von illegalen Drogen nimmt in Europa zu, ebenso jene von Kokain in Südamerika. Das hat die Verfügbarkeit dieser Substanzen erhöht. Das sind zwei Hauptaussagen aus dem Europäischen Drogenbericht 2018, der am Donnerstag von der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) veröffentlicht wurde.

„In diesem Jahr gibt es bei einer Vielzahl von Substanzen besorgniserregende Anzeichen dafür, dass die Herstellung von Drogen in Europa – und damit näher an den Absatzmärkten – zunimmt. Der technologische Fortschritt begünstigt diese Entwicklung und ermöglicht es Herstellern und Konsumenten von Drogen zudem, über das Internet und das Darknet Zugang zu globalen Märkten zu erhalten. Wir stellen ebenfalls fest, dass die vermehrte Herstellung von Kokain in Südamerika jetzt Auswirkungen auf den europäischen Markt hat“, berichteten die Experten.

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Jupiters Blitze pfeifen anders

Fast 40 Jahre fahndeten Forscher vergeblich nach hochfrequenten Radiosignale jovianischer Blitze – jetzt haben sie sie gefunden. © NASA/JPL-Caltech/ SwRI/ JunoCam
Nach fast 40 Jahren geklärt: Die Blitze des Planeten Jupiter sind doch erdähnlicher als gedacht – zumindest in einer Hinsicht. Die NASA-Raumsonde Juno hat nun endlich die blitzbedingten Radiosignale eingefangen, nach denen Planetenforscher fast 40 Jahre vergeblich gesucht hatten. Ungewöhnlich jedoch: Diese hochfrequenten Radio-„Pfiffe“ häufen sich beim Jupiter an den Polen, während am Äquator Stille herrscht – genau umgekehrt wie bei der Erde, so die Forscher im Fachmagazin „Nature“.

scinexx

Als die Raumsonde Voyager 1 im Jahr 1979 erstmals am Jupiter vorbeiflog, registrierte sie ein seltsames Pfeifen: kurze, unregelmäßig auftretende Radiosignale im Kilohertzbereich. Das in seiner Tonhöhe abfallende Radio-„Pfeifen“ hielt jeweils nur wenige Sekunden an und unterschied sich deutlich von allen Radiosignalen, die man von der Erde kannte.

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Tropische Wirbelstürme trödeln mehr – und können so Überschwemmungen verstärken

Der Hurrikan «Harvey», hier eine Aufnahme des Goes-16-Satelliten, brachte Texas im vergangenen Jahr gewaltige Niederschläge. (Bild: Noaa)
Die Zuggeschwindigkeit von Hurrikanen und Taifunen hat sich in vielen Regionen verringert. Was diesen Wandel hervorgerufen hat, ist noch unbekannt.

Sven Titz | Neue Zürcher Zeitung

Jahr für Jahr kann man miterleben, welche Verwüstungen tropische Wirbelstürme anrichten können. Die stärksten Hurrikane und Taifune erreichen Windgeschwindigkeiten von mehr als 250 Kilometern pro Stunde und überfluten nicht selten ganze Landstriche. Gemessen an der Windgeschwindigkeit ziehen Wirbelstürme relativ gemächlich über Meer oder Land. Pro Stunde legen sie typischerweise zwischen 5 und 30 Kilometern zurück. Zwischen 1949 und 2016 hat diese Geschwindigkeit in vielen Regionen abgenommen. Das berichtet James Kossin, ein Wissenschafter an der University of Wisconsin in Madison, jetzt in der Fachzeitschrift «Nature». Möglicherweise hat die Verlangsamung der Wirbelstürme zu tropische Wirbelstürme im Gebiet der Zugbahnen geführt.

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Gibt es prinzipielle Grenzen in den Naturwissenschaften?

Warum verhalten sich die Dinge gesetzmäßig, woher kommt die „Ordnung“ in der Natur? Warum gibt es überhaupt etwas und nicht nichts? Was ist das „innere Wesen“ der Dinge? Woher stammen Bewusstsein und Geist? In dem Buch Welt ohne Gott? Eine kritische Analyse des Naturalismus (2014) setzt sich der evangelikale Christ Markus WIDENMEYER mit solchen Fragen auseinander.

Martin Neukamm | AG Evolutionsbiologie

Er behauptet, aus Sicht des Naturalismus der Naturwissenschaften seien all diese Fragen nicht nur „radikal unerklärt“, sondern prinzipiell unerklärbar. Er entwickelt daraus Argumente gegen den Naturalismus und behauptet, die einzig rationale Antwort auf diese Fragen sei „Gott“ (bzw. der Supranaturalismus). In diesem Buch bündeln sich die Argumente religiös motivierter Naturalismuskritik; wir wollen es daher in 10 Teilen besprechen. Teil 1 widmet sich der Frage, ob es prinzipielle Grenzen der Naturwissenschaften gibt und ob der Supranaturalismus eine (plausible) Erklärung für sie liefern kann.

Metaphysische Fragen zur Existenz der Welt und Ordnung der Natur

Bei WIDENMEYER lesen wir:

„Die Naturwissenschaft kann die grundlegende Regelmäßigkeit und damit einen wesentlichen Aspekt der Ordnung, die wir in der Natur wahrnehmen, aus prinzipiellen Gründen nicht erklären. Vielmehr ist diese Regelmäßigkeit eine theoretisch-methodische und eine metaphysische Grundvoraussetzung, um überhaupt Naturwissenschaft betreiben zu können.“ (ebd., 103)

„Naturwissenschaft kann … nur dort funktionieren, wo die Natur sich durchgängig hochgeordnet verhält und Gesetzmäßigkeiten folgt. Für das Betreiben von Naturwissenschaft muss also notwendig eine umfassende natürliche Ordnung vorausgesetzt werden, weil nur unter dieser Voraussetzung ihre Gegenstände systematisch beschreibbar sind und nur dann Gegenstände überhaupt denkbar sind. Und was für eine Erklärung vorausgesetzt werden muss, kann im Rahmen dieser Erklärung natürlich nicht selber erklärt werden.“ (ebd., 106)

In der Tat, nur wenige Wissenschaftsphilosophen dürften bestreiten, dass es prinzipielle Erklärungsgrenzen gibt: Das zufällige Zusammentreffen zweier Ereignisse beispielsweise, die auf voneinander unabhängigen Kausalketten beruhen, kann nicht nur nicht erklärt werden, es wäre auch unvernünftig, nach Erklärungen zu suchen. Der Umstand etwa, dass Sonne und Mond dieselbe scheinbare Größe am Himmel haben, ist eine Koinzidenz, für die es keinen Kausalzusammenhang und keine Erklärung gibt (VOLLMER 1986, 66f). Die Existenz jener Strukturen des Kosmos, die einen Urknall erzeugt haben, ist ebenfalls keiner Erklärung zugänglich. Man versucht zwar, mit der Erklärung so weit wie möglich an den Anfang zurück zu gehen, aber irgendwo muss die Ursachenkette beginnen, sonst landet man in einem unendlichen Regress.

Zu der metaphysischen Frage, warum überhaupt etwas existiert und nicht nichts, bemerkt der Wissenschaftsphilosoph Bernulf KANITSCHEIDER (1999):

„Diese berühmte und geheimnisvolle Frage, die schon Martin Heidegger aufgeworfen hat … das ist sicher die letzte Frage der Kontingenz. Sie ist aber aufgrund der logischen Struktur einer Erklärung gar nicht lösbar – aber nicht, weil da ein letztes Mysterium dahintersteckt. Eine Erklärung kann immer nur etwas mit etwas anderem verknüpfen, aber niemals etwas mit nichts. Also gibt es auf diese Frage keine Antwort.“

Das gleiche gilt für die Frage, warum die Dinge konstant miteinander verbundene Eigenschaften haben, die man mithilfe von Naturgesetzen beschreiben kann: Warum verhalten sich die Naturgegenstände gesetzmäßig? Antworten auf diese Fragen kann man nicht geben, weil die Sachverhalte, auf die sich diese Fragen beziehen, zu den metaphysischen Voraussetzungen wissenschaftlichen Erklärens gehören – und als solche können sie nicht Gegenstand des Erklärens selbst sein. Es handelt sich um eine Grundeigenschaft der Welt, die sich nicht weiter hinterfragen lässt, denn der Erklärungsregress muss irgendwo ein Ende haben (MAHNER, pers. comm.).

Kurzum, es gibt Tatsachen, die keine Erklärung zulassen, so genannte facta bruta. Fraglich ist nur, ob man darin einen Mangel des Naturalismus zu sehen hat, wie WIDENMEYER zu glauben scheint, oder ob dies in der Natur der Dinge und in der logischen Struktur des Erklärens selbst liegt. Der Autor fordert von der naturalistischen Wissenschaftsphilosophie etwas ein, was diese explizit als unmöglich erachtet, nämlich die Auflösung von facta bruta. Daher ist seine Kritik am Naturalismus gegenstandslos, weil sie seinem Selbstverständnis widerspricht.

Warum „Gott“ keine vernünftige Antwort auf metaphysische Fragen ist

Noch fraglicher ist, ob der von WIDENMEYER konstatierte Erklärungsmangel durch den Supranaturalismus behoben werden kann: Wenn facta bruta wie die Tatsache, dass es einen gesetzmäßig beschreibbaren Kosmos gibt, schon aufgrund des endlichen Erklärungsregresses nicht auflösbar sind, warum sollte dann ausgerechnet Gott eine befriedigende Erklärung dafür sein? WIDENMEYER:

„Die einzige funktionierende Erklärung für die unvorstellbare Ordnung einer Welt, die ganz exakt so eingerichtet ist, dass es eine hochkomplexe Chemie, mathematisch formulierbare Strukturen und schließlich Lebewesen geben kann, ist … die kreative Konzeption und Erschaffung durch (mindestens) ein äußerst intelligentes Wesen, das auch die Macht besitzt, derartige Pläne zu realisieren.“ (ebd., 198)
Ein omnipotenter Schöpfer löst das Erklärungsproblem auch nicht, sondern verlagert die Erklärung nur einen Schritt weiter nach hinten. Die Theologie kann ja ihrerseits Gott nicht erklären, sieht sich also ebenfalls mit einem factum brutum konfrontiert. Dies scheint auch WIDENMEYER zu realisieren, denn er stellt fest:

„Dass Gott existiert, ist zwar nicht ‚erklärbar‘ im Sinne von ‚aus etwas noch Grundlegenderem ableitbar‘. Das kann auch gar nicht der Fall sein und es wurde von Theisten nie akzeptiert oder gar behauptet.“ (ebd., 203)
„‚Wer schuf Gott?‘ Diese Frage ist zumindest formal gegenstandslos, weil durch die Jahrtausende hindurch Theisten niemals von einem geschaffenen oder entstandenen Gott ausgingen. Dies wäre für ihr Konzept ein Widerspruch in sich. Stattdessen gibt es vielfältige theologische Konzepte eines ewigen, unerschaffenen Gottes, die uns nicht nur aus der Bibel, sondern auch zum Beispiel von den beiden bedeutendsten griechischen Philosophen, Platon und Aristoteles, überliefert sind. Aristoteles formulierte zum Beispiel im 12. Kapitel seiner Metaphysik das Konzept des ‚unbewegten Bewegers‘, also einer unverursachten Ursache. Der Theist antwortet auf diese Frage also einfach so, dass Gott, wie er für ihn relevant ist, sowieso unerschaffen und ewig existent sei, womit die Attacke des Atheisten ins Leere geht.“ (ebd., 200)
Leider scheint er nicht zu erkennen, dass damit auch seine „Attacke“ gegen den Naturalismus scheitert: Warum dürfen die Naturwissenschaftler nicht einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Grundzustand der Welt als metaphysische Anfangsbedingung voraussetzen, wenn die Theologen einen nicht mehr hinterfragbaren, unerschaffenen Gott als Erklärungsgrund voraussetzen dürfen? Das Voraussetzen eines materiellen Anfangszustandes, dessen Eigenschaften sich hypothetisieren, überprüfen, rekonstruieren, nötigenfalls revidieren (mit einem Wort: erforschen lassen), ist doch allemal erklärungsmächtiger und intellektuell befriedigender als eine fiktive Gott-Entität, die sich nicht zeigt, über die wir nichts wissen und für deren Materie-Interaktion wir keine Mechanismen kennen.

Es kommt hinzu, dass die thomistischen „Vernunftgründe“ für die Existenz Gottes, etwa das Argument vom „unbewegten Beweger“ und „unverursachten Verursacher“ (argumentum ex ratione causae efficientis) [2]
nicht stringent sind: Wenn wir mit der modernen Kosmologie davon ausgehen, dass der ursprünglichste Zustand der Welt eine Art Quantennatur besaß, in der es weder einen Zeitpfeil noch ein Kausalprinzip noch „versteckte Parameter“ zu geben scheint, gibt es auch keine Ursache (Gott), die in einer Zeit davor hätte wirken können. Das Kausalprinzip beschreibt lediglich den Ablauf der klassischen Welt, so dass fraglich ist, ob es im Anfang von Raum und Zeit Gültigkeit besaß (MORRISTON 2000). Die Frage, was „vor“ dem Urknall gewesen sein mag, lässt sich nicht mehr sinnvoll im Rahmen der normalen Raum-Zeit-Kategorien stellen. Lediglich die metaphysische Behauptung, dass ein Gott per Definition weder an raumzeitliche noch an materielle Strukturen gebunden sei, dass er weder räumlich, noch zeitlich, noch endlich, noch materiell, noch gesetzmäßig, noch begrifflich oder methodologisch fassbar sei, könnte WIDENMEYER aus dem Dilemma befreien. Damit aber fielen erst Recht alle rationalen Begründungsstrukturen, alle Vernunftgründe weg, die Gottexistenz für wahr zu halten. Denn die Annahme der Existenz von etwas, das sich weder semantisch einkreisen noch logisch fassen lässt und für dessen Wirken keine objektive Grenze angegeben werden kann, kann schlechterdings nicht für „wahr“ oder „falsch“ gehalten werden. Es gibt einfach keine Evidenz.

Die Schwäche in WIDENMEYERs Argumentation ist also, dass sie nirgendwo zeigen kann, wie der Supranaturalismus zu konkreteren Erkenntnissen oder gar Erklärungen gelangen könnte. Den an sich gestellten Anspruch, einen intelligibleren Lösungsansatz zu präsentieren als den Naturalismus, kann er nicht einlösen. Implizit kann sich der Supranaturalist, um es mit MACKIE (1985, 230) auszudrücken, lediglich auf den Glaubensgrundsatz berufen,

„… dass sich eine geistige Ordnung (wenigstens bei Gott) aus sich selbst erklärt, wohingegen alle materielle Ordnung nicht nur nicht sich selbst erklärt, sondern auch positiv unbegründet ist und einer weiteren Erklärung bedarf.“

Damit aber setzt WIDENMEYER etwas als gegeben voraus, was er nicht belegen kann, sondern einfach nur behauptet. In seiner Diktion liest sich dies so:

„In der relevanten Hinsicht ist aber die Existenz Gottes in sich verständlich, was insbesondere heißt, dass dieser Sachverhalt nicht mit einer sehr geringen a priori-Wahrscheinlichkeit oder gar einer Unmöglichkeit verbunden ist. Damit bleibt die anfangs gemachte Schlussfolgerung bestehen: Die Annahme der Existenz Gottes scheint für ein rationales Konzept der Wirklichkeit alternativlos zu sein.“ (S. 203)
Warum soll ausgerechnet die Existenz Gottes in sich verständlich sein? Wo ist der Beweis dafür? Dem Philosophen Hans ALBERT zufolge scheint ein solcher Nachweis gar nicht geführt werden zu können, weil jeder Versuch einer Letztbegründung in ein unauflösbares Trilemma führt (Abb. 1). Der Versuch, die Selbstverständlichkeit der Gottexistenz zu begründen, führt entweder in einen unendlichen Regress (jede Aussage muss durch weitere Aussagen begründet werden, was praktisch nicht durchführbar ist), zu einem Zirkelschluss (wonach das zu Beweisende bereits vorausgesetzt wird) oder zu einem willkürlichen Abbruch des Regresses (ALBERT 1991, 15). Die Behauptung, Gott sei in sich verständlich (oder a priori wahrscheinlich), kann nur dogmatisch (bzw. definitorisch) vorausgesetzt werden.
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Mit Geld des EU-Steuerzahlers gegen Israel

Bild: mena-watch

Das israelische Ministerium für öffentliche Sicherheit führt in einem Bericht 17 europäische und palästinensische NGOs auf, die von der EU finanziell kräftig gefördert werden, obwohl sie an einer Vielzahl von Aktivitäten für einen Boykott und die Delegitimierung Israels beteiligt sind und teilweise sogar terroristische Organisationen unterstützen. Das Dokument sollte der Europäischen Union peinlich sein, doch ob es Konsequenzen gibt, ist einmal mehr höchst fraglich.

Von Alex Feuerherdt | mena-watch

Anfang April veröffentlichte das amerikanische Justizministerium eine Mitteilung, die aufhorchen ließ. Darin wurde bekanntgegeben, dass die zuständige Staatsanwaltschaft in New York die norwegische Nichtregierungsorganisation Norwegian People’s Aid (NPA) wegen Verstößen gegen den False Claims Act zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von mehr als zwei Millionen US-Dollar verurteilt hat. Der False Claims Act ist ein amerikanisches Bundesgesetz, nach dem Personen und Organisationen haftbar gemacht werden können, wenn sie etwa durch Betrug unberechtigte Ansprüche zulasten der US-Regierung geltend gemacht haben. Die NGO, die finanzielle Zuwendungen von der Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung (USAID) erhalten hatte, hat dem Beschluss zufolge zwischen 2001 und 2008 den Iran sowie zwischen 2012 und 2016 die palästinensischen Terrororganisationen Hamas und PFLP materiell unterstützt.

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Die Mordinszenierung an Babchenko wird für die Regierung zum Rohrkrepierer

SBU-Chef, Generalstaatsanwalt und Babchenko – Regisseure und Ausführende der Mordinszenierung. Bild: SBU
Viele Journalisten, die auf der angeblichen Mordliste stehen, bezweifeln deren Echtheit, der Geheimdienst SBU ermittelt nun gegen eine Online-Plattform, die sie veröffentlicht hat

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die ukrainische Regierung hat sich mit dem vom Geheimdienst SBU und der Generalstaatsanwaltschaft vorgetäuschten Mordanschlag auf den russischen und kremlkritischen Journalisten Babchenko am 29. Mai in Kiew in die Nesseln gesetzt und ihre Glaubwürdigkeit weiter beschädigt. Der ukrainische Präsident hatte die Inszenierung am Tag darauf im Beisein des wiederauferstandenen Babchenko, des Geheimdienstchefs und des Generalstaatsanwalts gefeiert. Die Ukraine habe sich erstmals als wehrhaft erwiesen.

Auch in einem Interview mit El Pais, wo Poroschenko auffällig von kritischen Nachfragen verschont blieb, lobte er erneut diese „Technik“, bei der die Geheimdienste gezeigt hätten, dass sie „effektiv diesen Killer bekämpft“ haben. Der Mord habe die Ukraine destabilisieren sollen, indem die Sicherheitsbehörden vorgeführt werden sollten, weil sie die Lage im Inneren nicht kontrollieren können. Er wolle aus dem Prozess aber keine „politische Show“ machen, was er und die Sicherheitsbehörden allerdings im großen Stil gemacht hatten. Fake News kommen für ihn alleine aus Russland. Und nach ihm zahlen die Ukraine mit ihm an der Spitze mit dem Krieg im Donbass einen „hohen Preis“ nicht nur „für den Schutz unserer Souveränität, unserer territorialen Integrität, unserer Unabhängigkeit, sondern für den Schutz der Freiheit und Demokratie in der Welt“.

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Vitamin B3 gegen Parkinson?

Nervenzellen, die aus Stammzellen von Parkinsonpatienten entwickelt wurden: Offenbar kann ein Vitamin diese Zellen vor dem Tod bewahren. © Deleidi, 2018
Neuer Therapieansatz: Eine Form des Vitamins B3 könnte gegen die Neurodegeneration bei Parkinson helfen. Wie erste Tests mit menschlichen Zellen zeigen, scheint der Wirkstoff den defekten Energiestoffwechsel in betroffenen Hirnzellen wieder anzukurbeln – und sie dadurch vor dem Absterben zu schützen. Bei erkrankten Fliegen führte die Gabe des Vitamins dazu, dass die Tiere länger ihr Bewegungsvermögen behielten. Weiterführende Studien sollen das Potenzial dieses Ansatzes nun genauer erforschen.

scinexx

Zittrige Hände, steife Muskeln und verlangsamte Bewegungen – das sind die typischen Symptome von Parkinson. Über sechs Millionen Menschen leiden weltweit an dieser zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung nach Alzheimer. In Deutschland sind 220.000 Patienten betroffen.

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Papst: Das Internet ist ein „Geschenk Gottes“ – kognitive Dissonanzen eines alten Mannes

St. Isidor, Schutzpatron des Internet

Das aktuelle Gebetsvideo des Papstes richtet sich an die Netzgemeinde: Das Internet solle ein Ort der Menschlichkeit sein. Deshalb will Franziskus Gebete für ein respektvolles Miteinander im Netz.

katholisch.de

Nach Worten von Papst Franziskus ist das Internet ein „Geschenk Gottes“. Die damit mögliche Kommunikation habe „enorm vielen Menschen eine Erweiterung des Horizonts mit sich gebracht“, heißt es in dem Video zum Gebetsanliegen des Papstes für den Monat Juni. Allerdings bringe das Internet eine große Verantwortung mit sich. Christen sollten die Möglichkeiten der Begegnung und des Zusammenhalts nutzen, die von den sozialen Netzwerken ausgehen, damit das Netz nicht zum „Ort der Entfremdung“ werde.

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Maischberger: Unbehagen gegenüber Muslimen gibt es, weil die noch an etwas glauben“

Kein Schweinefleisch in der Mensa und umgetaufte Martinsumzüge? Für den Spiegel-Journalisten Jan Fleischhauer sind nicht die Muslime schuld Quelle: WDR/Max Kohr
In der umstrittenen „Maischberger“-Sendung wurde heftig gezankt. Einen Gast besorgte die Angst vor einem islamischen Bundespräsidenten – und beim „Händeschütteln“ kam die Landwirtschaftsministerin in Fahrt.

Von Felix Simon | DIE WELT

Die Klimaerwärmung schreitet immer schneller voran, die Ozeane füllen sich mit Plastik, eine Vision zum Gegenhalten fehlt. Überall verschieben sich alte Machtgefüge, die USA schaffen sich ab, China strebt empor, Europa steht am Scheideweg. Gleichzeitig verpasst Deutschland den digitalen Anschluss, werden Bakterien gegen immer resistenter gegen Antibiotika, künstliche Intelligenz immer mächtiger, und, und, und…Kurzum: Es gäbe genug Probleme, über die es sich zu reden lohnen würde. Deutsche Talkshows hingegen diskutieren lieber über Identitätspolitik.

Sandra Maischberger musste bereits im Vorfeld Kritik für den Titel ihrer Sendung („Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“) einstecken – man könnte argumentieren: nicht zu Unrecht. Die Themensetzung, hieß es daraufhin, sei nicht eine Reaktion auf Forderungen von rechts, man wolle einfach nur wiedergeben, was die Menschen bewege. Doch wie wäre es, einmal stattdessen das zu behandeln, was die Menschen bewegen sollte? Oder einer Talkshow zum Thema „Der Bildungsauftrag der Öffentlich-Rechtlichen: Wo endet die Toleranz?“.

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„Ich stelle Frauenrechte über Religionsfreiheit“

Die Favoritnerin Kathrin Gaal hat mit dem Aufstieg von Michael Ludwig zum Bürgermeister dessen Wohnressort übernommen. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)
Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal über ein Kopftuchverbot für Kinder, Rückschritte bei Frauenrechten und „mehr Gas“ bei Widmungen für Wohnungen.

Von MARTIN STUHLPFARRER, DIETMAR NEUWIRTH | Die Presse.com

Die Presse: Ist es für Sie als Stadträtin, die auch für Frauenagenden zuständig ist, ein Wermutstropfen, dass es in Wien keine Bürgermeisterin gibt?

Kathrin Gaal: Wir haben mit Michael Ludwig den besten Bürgermeister, da spielt das Geschlecht keine Rolle. Mir ist wichtig, dass die 40-Prozent-Quote in der Stadtregierung eingehalten worden ist.

Warum ist keine Frau angetreten? Ist Ihre SPÖ noch nicht bereit für eine Chefin?

Ich glaube schon, aber es hat zwei sehr gute Kandidaten gegeben, und wir haben uns für Michael Ludwig entschieden.

Ihre SPÖ-Parteimanagerin Barbara Novak hat aus feministischen Gründen ein Kopftuchverbot für Mädchen in Schule und Kindergarten gefordert. Ist die Frauenstadträtin dafür?

Junge Mädchen müssen in dieser Stadt frei und selbstbestimmt leben können. In diesem Alter ist das Kopftuch aber keine Entscheidung der Kinder, sondern der Eltern. Deshalb plädiere ich dafür, Kinder einfach Kinder sein und das Kopftuch weg zu lassen.

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Deutschland muss Scheidung durch Scharia-Gericht nicht anerkennen

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Islamische Scheidungen vor einem Scharia-Gericht können in Deutschland nicht anerkannt werden, wenn die Eheleute deutsche Staatsbürger sind. Das entschied das Oberlandesgericht München im Fall eines syrischen Paares.

MiGAZIN

Islamische Scharia-Scheidungen können nach deutschem Recht nicht anerkannt werden. Einen entsprechenden Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) München bestätigte auf Anfrage des „Evangelischen Pressedienstes“ am Mittwoch die Pressesprecherin des Gerichts, Annette Neumair. Dies gelte zumindest dann, wenn beide Eheleute neben der syrischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit haben. (AZ: 34 Wo 146/14)

Konkret ging es um ein aus dem syrischen Homs stammendes und in Deutschland lebendes Paar. Dieses hatte 1999 in Syrien vor einem geistlichen Scharia-Gericht geheiratet. Doch die Ehe ging in die Brüche.

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Der „Jugendwiderstand“ – Identitäre von links?

Grafik: TP
Ein verpeilter Haufen in Berlin-Neukölln und im Ruhrgebiet betreibt giftige Formen von „linkem“ Ideologie-Lego: Vor allem Antisemitismus und toxische Männlichkeit verbinden ihn mit den angeblichen Gegnern im rechten Lager

Marcus Hammerschmitt | TELEPOLIS

Die letzten Jahre haben das paradoxe Fortleben von „kommunistischen“ Splittergruppen gesehen, die sich in völliger Merkbefreitheit hauptsächlich auf stalinistische und maoistische Traditionen berufen. Wenn sie mit ihren Narrenaufzügen durch die Großstädte ziehen, wie zum Beispiel im November 2017, ernten sie meistens die Heiterkeit, die ihnen gebührt.

Ob es sich um beschränkte DDR-Nostalgiker handelt, die MLPD oder um den zweihundertfünfzigsten Aufguss der KPD/ML: Sie alle sind Teil einer übriggebliebenen Avantgarde, die beschlossen hat, den Sozialismus als Mumie zu konservieren.

Die Revolutionsrentner sind fast noch komischer als Leute, die an der SPD noch was erneuern wollen, oder die Karl Marx für einen frühen Globalisierungskritiker halten.

Den „Jugendwiderstand“ könnte man auf den ersten Blick mit diesen traurigen Vereinen verwechseln: Das Herumgepose mit Hammer und Sichel, die vielen Fahnen, die Berufung auf kommunistische Antifaschisten von anno dazumal sprechen zunächst eine vertraute Sprache.

Aber die Parolen des „Jugendwiderstands“ sind noch dürftiger als die der besagten „sozialistischen“ Sklerotiker, seine Mitglieder sind noch nicht grau und sie tendieren zur Gewalttätigkeit, vor allem gegenüber Linken.

Wenn man sich die aufgepumpten, tätowierten Jungmänner ansieht, die den Arbeitersport voranbringen wollen oder die Miniaturaufmärsche mit maximaler Flaggenanzahl, dann könnte man leicht auf den Gedanken kommen, dass das Ganze doch Satire sein soll.

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Religiosität spielt eine Rolle für den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund

Themenbild.

Schulleistungen hängen bei Kindern mit Migrationshintergrund von der Form des religiösen Engagements und der Wohnlage in integrierten Nachbarschaften ab

Religiosität spielt eine Rolle für den Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund
Schulleistungen hängen bei Kindern mit Migrationshintergrund von der Form des religiösen Engagements und der Wohnlage in integrierten Nachbarschaften ab.
In einer Studie haben Prof. Dr. Sarah Carol (Institut für Soziologie und Sozialpsychologie, Uni Köln) und Benjamin Schulz (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) den Einfluss verschiedener Formen der Religiosität auf den Bildungserfolg von muslimischen und christlichen Kindern mit Migrationshintergrund untersucht. Dabei fanden sie heraus, dass der Zusammenhang zwischen Schulleistungen und Religiosität von der Form des religiösen Engagements abhängt. Das Engagement von Kindern und Jugendlichen in Moscheen beispielsweise geht mit besseren Schulleistungen einher, wenn sie nicht in segregierten Nachbarschaften leben. Die Ergebnisse der Studie „Religiosity as a bridge or barrier to immigrant children’s educational achievement?“ wurden nun in der Fachzeitschrift „Research in Social Stratification and Mobility“ veröffentlicht.
Unterschiedliche Studien kamen bisher zu dem Ergebnis, dass in Deutschland Kinder mit Migrationshintergrund geringere Schulleistungen erbringen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Weniger als 25 Prozent der in zweiter Generation in Deutschland lebenden Schülerinnen und Schüler mit türkischem Hintergrund machen das Abitur. Bei Kindern ohne Migrationshintergrund sind es über 40 Prozent. Die bisherige Forschung hat sich auf den ethnischen Hintergrund, das Bildungsniveau und den sozioökonomischen Status der Eltern konzentriert.

Carol und Schulz konzentrieren sich in ihrer Studie stattdessen auf die Bedeutung der Religiosität als Faktor für die Schulleistungen und als Motor für Bildungsmobilität. „Wir wollten herausfinden, ob religiöse Organisationen den Jugendlichen Orientierung und Unterstützung bieten und ob eine religiöse Einstellung eine starke Selbstkontrolle begünstigt“, sagt Sarah Carol. Beides steht in einer positiven Beziehung zum Bildungserfolg.
Die Studie nutzte Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS), um diese Hypothesen in Bezug auf muslimische und christliche Kinder mit Migrationshintergrund zu testen. Als Indikatoren für den schulischen Erfolg werden vor allem die Ergebnisse von Mathetests herangezogen. Der Grad der Religiosität und die Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft wurden über die Beantwortung von Fragen erfasst. Informationen zum Migrationshintergrund lieferte die Herkunft der Eltern (Türkei, ehemalige Sowjetunion, Osteuropa, Südeuropa, Westeuropa, Asien, andere).
„Die Studie zeigt, dass Religiosität nicht generell ein Hindernis für Bildungserfolg ist. Sowohl bei christlichen als auch muslimischen Schülern steht Religiosität unter bestimmten Bedingungen guten schulischen Leistungen nicht im Weg“, sagt Carol. „Religiosität spielt jedoch in erster Linie für den Bildungserfolg von muslimischen Kindern eine Rolle; für christliche Kinder spielt Religiosität hingegen kaum eine Rolle.“ Bei dem Zusammenhang zwischen dem Engagement in einer islamischen Gemeinschaft und der Schulleistung musste das Forscher-Duo einen zusätzlichen Faktor beachten: Leben Schüler in nicht-segregierten Nachbarschaften, besteht ein positiver Zusammenhang zwischen religiösem Engagement und Mathekompetenz. Leben sie allerdings in segregierten Nachbarschaften, haben diese Kinder keinen Vorteil mehr. Dann kann das religiöse Engagement sogar ein Hindernis für den Schulerfolg sein.
Eine hohe Gebetshäufigkeit geht bei muslimischen Kindern ebenfalls mit besseren Schulleistungen einher. „Regelmäßiges Beten deutet auf Selbstdisziplin und intrinsische Motivation hin. Beides sind auch Schlüsselfaktoren für den Schulerfolg“, so Carol. Anders sieht das Bild bei muslimischen Schülerinnen und Schülern mit einer hohen religiösen Selbsteinschätzung aus und jenen, die keinen regelmäßigen religiösen Verpflichtungen nachgehen. In dieser Schülergruppe ist es wahrscheinlicher, dass sie die Schule beispielsweise früh verlassen (Hauptschulabschluss) oder sogar abbrechen. „Muslimische Religiosität kann ein wichtiger Teil der sozialen Identität der Schüler sein, wenn sie Probleme in der Schule oder Schwierigkeiten beim Übergang in die Arbeitswelt haben“, interpretiert Carol dieses Ergebnis.
Zusammenfassend stellen Carol und Schulz fest, dass subjektive Religiosität ein Hindernis darstellen kann, aber andere Facetten der muslimischen Religiosität kein Hindernis für den Bildungserfolg sein müssen.
Inhaltlicher Kontakt:
Prof. Dr. Sarah Carol
Institut für Soziologie und Sozialpsychologie
+49 221 470-89165
carol@wiso.uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Corinna Kielwein
+49 221 470-1700
c.kielwein@verw.uni-koeln.de

Zur Publikation:
Sarah Carol, Benjamin Schulz: Religiosity as a bridge or barrier to immigrant children’s educational achievement?
https://doi.org/10.1016/j.rssm.2018.04.001

Ates kritisiert Kirchen wegen Islam-Verständnis

Die Frauenrechtlerin und Moschee-Gründerin Seyran Ates hat die Kirchen zu einem kritischeren Umgang mit dem Islam in Deutschland aufgefordert.

evangelisch.de

Die Kirchen lebten in einer Illusion und würden nicht wahrnehmen, „dass hier, teilweise sogar mit ihrer Unterstützung, ein Islam Verbreitung findet, der die Einführung der Scharia will, also die religiöse Macht über die weltliche Macht stellen möchte“, sagte Ates der in Weimar erscheinenden Mitteldeutschen Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“ (Ausgabe zum 10. Juni).

So seien die Kirchen beispielsweise sehr schnell bereit, das Kopftuch mit dem Kreuz zu vergleichen und sich für eine vermeintliche Religionsfreiheit einzusetzen.

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Brasiliens Fußballer bekommen Bet-Verbot

© Bild: picture alliance/AP Photo/Andre Penner
Viele brasilianische Fußballer gehören evangelikalen Pfingstkirchen an. Katholiken sind in der Minderheit. Um eine Spaltung des Teams bei der WM in Russland zu vermeiden, gibt es nun religiöse Regeln.

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Brasiliens Fußballer müssen bei der Fußball-WM in Russland auf früher übliche religiöse Gesten verzichten. Anders als bei früheren Weltmeisterschaften erlaubt der Trainerstab laut Bericht der Zeitung „O Globo“ (Dienstag Ortszeit) weder gemeinsame Gebete auf dem Platz noch im Mannschaftshotel. Man wolle damit unnötige Spaltungen im Kader vermeiden. Viele brasilianische Fußballer sind Mitglieder evangelikaler Pfingstkirchen; Katholiken sind in der Minderheit.

Oft zeigten Spieler früher bei WM-Spielen Stirnbänder oder Unterhemden mit religiösen Botschaften. So ist Superstar Neymar bekannt für sein Stirnband mit der Aufschrift „100 Prozent Jesus“, das schon bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro für Aufregung bei IOC-Funktionären sorgte. Der Weltfußballverband FIFA sah sich bereits vor Jahren gezwungen, solche Botschaften bei der WM zu untersagen.

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Epigenetik und Krebs: Von Zellen, die ihr Gedächtnis verlieren

DNA auf einem Nukleosom. Die Epigenetik kontrolliert die dreidimensionale Verpackung der DNA in der Zelle. Illustration: Christoph Bock
Wenn sich Zellen unseres Körpers ohne Rücksicht vermehren, dann entsteht Krebs. Dies kann genetische und epigenetische Ursachen haben

Christoph Bock | derStandard.de

Die Entstehung eines komplexen Organismus erfordert ein beeindruckendes Maß an Koordination und Kooperation der Zellen untereinander. Der menschliche Körper besteht aus etwa 30 bis 40 Billionen Zellen, die in vielfältiger Weise zusammenarbeiten, um die Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Diese Zellen folgen einem genetischen Programm der Spezialisierungen und Kooperation, welches kontrolliertes Wachstum ebenso vorsieht wie den geplanten Tod von Zellen, die nicht mehr gebraucht werden.

Diese Zusammenarbeit ist nur möglich, weil alle Zellen eines Körpers dasselbe Erbgut in sich tragen. Damit ist die Darwin’sche Selektion für einen evolutionären Moment außer Kraft gesetzt: Für das Überleben der gemeinsamen Gene spielt es keine Rolle mehr, ob eine Zelle sich selbst vermehrt oder ihre Schwesterzellen diese Aufgabe übernehmen. Daher konkurrieren die Zellen des Körpers nicht um knappe Ressourcen, sondern ergänzen und unterstützen sich gegenseitig. Ein komplexer Organismus mit hochspezialisierten Zellen kann so erst entstehen.

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Roger Waters provoziert in der Mannheimer SAP-Arena mit politischen Statements

Ein Weltverbesserer macht Musik: Roger Waters bei seinem Mannheimer Auftritt. Foto: Sven-Sebastian Sajak
Kontrovers, radikal und aufrührerisch: „Pink-Floyd“-Mitgründer Roger Waters polarisiert auf seiner „Us-&-Them“-Tour in der Mannheimer SAP-Arena mit einer Mischung aus Entertainment und Agit-Propaganda.

Von Maximilian Steiner | Frankfurter Neue Presse

Meeresrauschen und Möwengeschrei: Gut eine halbe Stunde lang blicken rund 12 000 Zuschauer unter gedämpften New-Age-Klängen auf eine ihnen den Rücken zukehrende Frau, die am Strand sitzt und ins weite Meer stiert. Als eine Übung in Zen erweist sich der statische Anblick auf der gigantischen LED-Wand. Irgendwann färbt sich das Bild blutrot. Subtil steigen Roger Waters und seine Begleiter mit „Breathe“ ein. Es ist der Auftakt einer opulenten Inszenierung aus zahllosen „Pink-Floyd“-Klassikern, Songs von Waters’ aktuellem Solowerk „Is This The Life We Really Want?“ sowie dezidiert pro-palästinensischer Agit-Propaganda des Bandchefs.

Angeblich soll es Roger Waters’ letzte Tournee sein. Das haben andere allerdings auch schon behauptet, um dann doch wieder auf die große Reise zu gehen. Im Fokus steht Material diverser LP-Klassiker aus den 70er Jahren. Von „Meddle“ bis „The Wall“, um genauer zu sein. So eine Mischung zieht beim hiesigen Publikum immer – gleich, ob nun Roger Waters, David Gilmour oder eine der Dutzenden Tributbands das Pensum bestreiten. Gleich mehrfach Widerhall im Repertoire findet der Meilenstein „The Dark Side Of The Moon“.

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