Das abenteuerliche Leben des Evolutionsbiologen Robert Trivers

Robert Trivers stürzte sich ins Nachtleben von Kingston und rauchte große Mengen Marihuana. (imago/ZUMA Press)
Er ist einer der berühmtesten lebenden Evolutionsbiologen. Seine Arbeiten zu Altruismus, Selbsttäuschung und egoistischen Genen haben neue Studienfelder begründet. Ebenso spektakulär wie seine Forschung ist das Leben von Robert Trivers. In „Wild Life“ erzählt er von diesen beiden Seiten.

Von Lennart Pyritz | Deutschlandfunk

Viele Wissenschaftler drehen ihre Runden im universitären Elfenbeinturm: Lesen, Laborarbeit, Seminare und wieder Lesen. In seinem Buch „Wild Life“ beweist der berühmte Evolutionsbiologe Robert Trivers, dass es auch abenteuerlicher geht.

„Ein Wissenschaftler erforscht das Leben und er lebt das Leben – und ich wollte nie, dass das eine das andere aussticht.“

So pendeln die wilden Lebenserinnerungen des 73-Jährigen zwischen den efeuberankten Hörsälen renommierter Universitäten und den verschlungenen Pfaden durch den Dschungel des Lebens. Als Student in Harvard bricht er mit Anfang 20 psychisch zusammen. Immer wieder muss er im Lauf seines Lebens wegen einer bipolaren Störung in Behandlung. Und immer wieder zieht es ihn als Forscher in die Wildnis – zu Affen in Indien oder auf Bäumen lebenden Echsen auf Jamaika.

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Parolin: Polens Kirche ist Bastion des Glaubens

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Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat die katholische Kirche in Polen als „Bastion des Glaubens und der christlichen Nächstenliebe“ gewürdigt. Auf der Vollversammlung der Polnischen Bischofskonferenz sagte er am Freitag in Posen (Poznan), die Treue Polens zu Gott, dem Evangelium und dem Heiligen Stuhl habe bei anderen Ländern Respekt und Anerkennung hervorgerufen. Die Kirche in Polen bezeichnete er als das „Licht in der Dunkelheit, die Europa mehrfach erfasst hat“.

katholisch.de

Parolin, der ranghöchste Mitarbeiter von Papst Franziskus, verwies auf Kardinalprimas Stefan Wyszynski (1901-1981) und Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Wyszynski habe die Kirche in Polen „mit sicherer Hand durch die stürmische Zeit des atheistischen Kommunismus“ geführt. Johannes Paul II. habe den kostbaren Schatz des Glaubens belebt. Parolin rief die Bischöfe auf, das Evangelium „ohne Abneigung und Angst“ zu verkünden.

Die Bischofskonferenz tagt im Rahmen der Feierlichkeiten zum 1.050. Jahrestag der Christianisierung des Landes in Posen. Die dreitägigen Gedenkfeiern waren am Donnerstag mit einem ökumenischen Gottesdienst auf der Insel Ostrow Lednicki im Lednica-See bei Gnesen (Gniezno) begonnen worden, wo sich Historikern zufolge Fürst Mieszko I. am 14. April 966 taufen ließ. Am Donnerstagabend feierten die Bischöfe in der Gnesener Kathedrale eine Messe. Polens Primas, der Gnesener Erzbischof Wojciech Polak, rief in seiner Predigt zur Einheit des Landes auf. Ohne den derzeitigen schweren politischen Streit um das Verfassungsgericht in Warschau zu erwähnen, mahnte er dazu, Zwietracht zu überwinden.

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Fall Böhmermann: So ist es Recht, so ist es richtig

Screenshot: youtube
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Merkels Entscheidung ist zu begrüßen. Jetzt kann die Justiz tun, was sie tun soll: Den Fall Böhmermann prüfen. Einen guten Nebeneffekt hatte die Aufregung um den Fall auch.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Zwei Wochen lang hatte sich nun Deutschland in ein rechtliches Seminar verwandelt; das ganze Land diskutierte mit Erregung und Ekstase über die Fragen von Ehre und Beleidigung, über die Meinungs- und Kunstfreiheit und über deren Reichweite. So viel Ehre ist diesen Paragrafen und Artikeln selten zuteil geworden. Üblicherweise sind die Finessen dieser Materien Prüfungsgegenstand im Juristischen Staatsexamen, nun waren sie das Objekt der allgemeinen Begierde und der hitzigen politischen Debatten. Diese Begierde erreichte am Freitagmittag mit der Erklärung der Kanzlerin ihre Klimax; das Bohei war fast so groß, als würde Merkel Neuwahlen ankündigen. Aber sie kündigte nur an, dass die Justiz den Fall Böhmermann/Erdogan prüfen soll.

Das klingt spektakulär. Das klingt so, als würde die Kanzlerin Böhmermann quasi ans Messer liefern. Aber das ist Unsinn. Die Übergabe der Causa an die Justiz ist kein Kotau vor Erdoğan, sondern der Gang der Dinge in einem Rechtsstaat. Es war und ist ein wenig befremdlich, dass eine ganze Reihe von Künstlern und Schriftstellern gefordert haben, die Kanzlerin solle die Prüfung durch die Justiz verhindern; man kann nicht dem türkischen Präsidenten – berechtigterweise! – die massive Verletzung der Regeln des Rechtsstaats vorwerfen, und selber dem Rechtsstaat die Prüfung einer eher läppischen Sache nicht zutrauen. Der Fall kommt jetzt aus der Sphäre der Opportunität in die Sphäre der Legalität. So ist es Recht, so ist es richtig.

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Bibel in US Top Ten beanstandeter Bücher

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Während für die einen die Religionen das Grundübel heutiger Gewaltspiralen sind, sind sie für andere Quelle einer Haltung der Gewaltlosigkeit. Verwiesen wird auf die Verfolgung von Christen oder einen radikalen Islam. Nun kommt aus den USA die Nachricht, dass dort die Bibel erstmals unter den zehn am häufigsten beanstandeten Büchern gelandet ist.

kath.ch

Die Bibel ist in den USA erstmals in den Top Ten der am häufigsten beanstandeten Büchern aufgetaucht. Laut einer am Mittwoch, 13. April, veröffentlichten Statistik der US-Bibliothekars-Vereinigung «American Library Association» landete sie auf dem sechsten Platz. 2015 gab es demnach 275 schriftliche Beschwerden über die Bibel. Beanstandet würden vor allem Gewalt und Sexualität.

James LaRue vom «Büro für intellektuelle Freiheit» der Bibliothekarsvereinigung erklärte, die Beschwerden kämen vor allem aus dem Süden und Südwesten der USA. Einige konservative US-Politiker zitierten die Erhebung am Mittwoch als einen Beleg dafür, wie sehr Christen in den USA unter Druck stünden.

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Bibel wird nicht zum „offiziellen Buch“ von Tennessee

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Im US-Bundesstaat Tennessee wird die Bibel nun doch nicht zum „offiziellen Buch“. Der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, hat am Donnerstag (Ortszeit) sein Veto eingelegt.

evangelisch.de

Eine Anerkennung der Bibel als „offizielles Buch“ hätte der US-amerikanischen Verfassung widersprochen, teilte der republikanische Politiker mit. Die Verfassung schreibt eine strikte Trennung von Kirche und Staat vor.

Das Parlament und der Senat von Tennessee hatten das Bibelgesetz vor mehreren Wochen beschlossen. Der eher symbolisch als praktisch relevante Beschluss sollte die historische und wirtschaftliche Bedeutung der Heiligen Schrift für den Bundesstaat unterstreichen. In Tennessee publiziert das Verlagshaus Thomas Nelson Bibles, einer der größten Verleger für Bibeln in den USA.

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Koran versus Kreuz

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Christliche Flüchtlinge berichten, sie würden von Muslimen in den Unterkünften drangsaliert. Vor wenigen Tagen nahm sich die CDU-Bundestagsfraktion des Themas an. Entscheidende Fragen aber bleiben offen: Wie oft kommt das vor? Sind es religiöse Konflikte? Oder ist es der Lagerkoller?

Von Michael Hollenbach | Deutschlandfunk

Die freikirchliche Pfingstgemeinde „Alpha und Omega“in Hamburg. Hier hat der 24-jährige Iraner Moustafa eine neue geistliche Heimat gefunden. Vor zwei Monaten hat sich der ehemalige Muslim taufen lassen. Als im Flüchtlingsheim bekannt wurde, dass er und weitere Iraner zum Christentum konvertieren wollen, bekamen sie Ärger mit anderen muslimischen Flüchtlingen:

Nach wochenlangem Mobbing kam es dann zu einem gewaltsamen Übergriff, erzählt Moustafa, ein schlaksiger junger Mann, der seine langen schwarzen Haare zum Zopf zusammengebunden hat:

„Morgens um vier standen sie neben unseren Betten und fingen an, laut den Koran zu rezitieren. Ich war eigentlich wegen des Islam aus dem Iran geflohen und jetzt wurde ich wieder damit konfrontiert. Als sie gesehen haben, dass wir ein Kreuz trugen, haben sie auf den Boden gespuckt und uns als Verräter bezeichnet. Wir standen in der Schlange an, um zu essen und sind dann nach draußen gedrängt worden. Dort haben afghanische Muslime einen von uns attackiert, der Herzprobleme hatte. Dann wollten wir ihn – wir waren zu viert – schützen, aber es kamen noch 20, 30 andere Muslime, die uns geschlagen haben.“

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Oxfam: Gelder der Weltbank fließen in Steueroasen

Der Weltbankpräsident selbst nennt Steuervermeidung „Korruption“. Doch drei Viertel der Firmen, die 2015 Kredite der Weltbank-Tochter International Finance Corporation (IFC) für Projekte in Subsahara-Afrika bezogen, nutzen Steueroasen.

greenpeace magazine

Das ergibt ein Bericht, den die Entwicklungsorganisation Oxfam zwei Tage vor der am Mittwoch beginnenden Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank veröffentlich hat. Demnach haben 51 der 68 Unternehmen geschäftliche Verbindungen in mindestens eine Steueroase wie Mauritius oder Jersey, ohne dass sich diese Verbindungen mit dem Kerngeschäft erklären ließen.

Die betreffenden Firmen, überwiegend multinationale Konzerne oder deren Tochterunternehmen, haben nach Angaben von Oxfam im vergangenen Jahr insgesamt 84 Prozent aller IFC-Investitionen für das südliche Afrika erhalten. Damit habe die private Weltbanktochter IFC seit 2010 allein in dieser Region ihre Investitionen in Unternehmen mit Bezug zu Steueroasen mehr als verdoppelt: von 1,2 Milliarden US-Dollar auf 2,87 Milliarden.

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Heiliger Geist: Wenn die Taube durchs Gemüt fliegt

L. Schick: Auf den Heiligen Geist hörenDem Heiligen Geist darf man keinen Widerstand leisten, auch nicht mit Verweis auf eine angebliche „Treue zum Gesetz“.

Radio Vatikan

Das sagte Papst Franziskus an diesem Donnertag bei seiner Predigt während der Morgenmesse. Alle Lesungen der vergangenen Tage seien Geschichten der Verschlossenheit vor dem Heiligen Geist gewesen, wies der Papst auf die Liturgie hin. Und immer sei das mit genau dieser Begründung gerechtfertigt worden, mit den Buchstaben des Gesetzes.

Auch die Lesung des heutigen Tages berichte davon: Philippus begegnet dem Kämmerer der Königin der Äthiopier. „Zwei Männer, ein Verkünder und einer, der nichts von Jesus wusste. Aber der Geist hat ihm Neugierde geschenkt, eine gesunde Neugierde, nicht die, die zu Geschwätz führt. Wir haben es in den vergangenen Tagen gehört, was der Widerstand gegen den Geist tut; heute haben wir hier ein Beispiel von zwei Männern, die demütig sind für den Geist.

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Japan: Schimpanse flieht über Stromleitungen aus Zoo

Chacha machte es seinen Pflegern nicht einfach. / Bild: REUTERS
Zwei Stunden lang dauerte die Flucht des Affenmännchens aus einem Zoo in Sendai. Pfleger betäubten Chacha schließlich. Er trug leichte Verletzungen davon.

Die Presse.com

Nur kurz dauerte seine Zeit in Freiheit, der Schimpanse Chacha setzte jedoch alles daran, nicht wieder in den Zoo im japanischen Sendai zurückgebracht zu werden. In einer spektakulären Flucht entwischte der Menschenaffe über Strommasten, bevor er von einem Betäubungspfeil getroffen wurde. Mehrere Meter stürzte Chacha in die Tiefe. Ein Dutzend Helfer fingen ihn am Boden mit einer Matte auf.

Chacha habe den Fall mit geringen Schürfungen und Schnitten überlebt, gab der Yagiyama-Zoo am Freitag bekannt. Das Schimpansenmännchen sei über eine Mauer aus seinem Gehege geklettert und auf einen Telefonmasten aus dem Zoo geflohen, erzählte ein Augenzeuge lokalen Medien.

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Nestlé „Special T“: Das neue Müll-Ritual

Bild: greenpeace magazine
Müll auf Knopfdruck, teurer Tee – nein, auf das Aufbrühsystem „Special T“ von Nestlé hat die Welt nicht gewartet. Mit aufwendiger Reklame wird es trotzdem in den Markt gedrückt. Wir haben den selten blöden Slogan modifiziert.

Von Wolfgang Hassenstein | greenpeace magazine

Was macht eine Firma, die ein Produkt unters Volk bringen will, das 1.) überflüssig ist und 2.) vor allem Müll hinterlässt? Sie engagiert eine Werbeagentur, die den Trash irgendwie edel erscheinen lässt und Begehrlichkeiten für etwas weckt, das sonst keiner vermisst hätte. Im TV-Spot für den Teeautomaten „Special.T“ entfalten sich Traumlandschaften mit asiatischen Elefanten und Teepflückerinnen wie durch ein Wunder auf dem Kleid einer Genießerin. Kolibris – die sonst nur in Amerika vorkommen, aber egal – tragen in ihren Schnäbeln ufoartige Alu-Plastik-Kapseln herbei. Die muss man zu Hause nur noch in ein spezielles Gerät (84,99 Euro) stecken und einen Knopf drücken, schon gibt es tröpfelnd ein Tässchen Tee. Die Kapsel (zehn Stück 3,79 Euro) fällt danach in einen Sammelbehälter.

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Medien: „Vom Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit ist nur Gerede übriggeblieben“

Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
Harmlose Leitartikel, Nachrichtensendungen, die auf die Verlautbarungen der Bundesregierungen warten bevor sie berichten, Hausbesuche bei Hasskommentatoren als einzig reflexives Element im deutschen Journalismus: Der ehemalige FAZ-Journalist Stefan Schulz hat sich intensiv mit der Berichterstattung in Deutschland auseinandergesetzt.

Von Marcus Klöckner | TELEPOLIS

Seinen Einblick und seine Einschätzungen in Sachen Journalismus und Medien hat der Soziologe und Publizist im aktuellen Buch „Redaktionsschluss“ zusammengefasst. Mit einem analytischen Blick geht er darin auch der Frage nach, welche Folgen der „digitale Wandel“ für unsererGesellschaft mit sich bringt. Im Interview mit Telepolis legt er unter anderem da, warum vom Thema Vertrauen und Glaubwürdigkeit im Hinblick auf die Medien nichts übriggeblieben ist – „außer Gerede“.

In Ihrem Buch sprechen Sie von einem „Journalismus, der allen Hindernissen und Hürden ausweicht und die Debatte damit aufweicht…“ Was meinen Sie damit?

Stefan Schulz: Journalisten geben sich für gewöhnlich zwei Aufgaben. Sie dokumentieren als Chronisten und sie diskutieren in Debatten. Seit jedoch die Redaktionen schrumpfen und die Glaubwürdigkeitswerte der Medienhäuser noch schneller sinken als die finanziellen Umsätze, nimmt sich der Journalismus von seinen bekannten, angeblich bewährten Formaten gefangen.

Haben Sie Beispiele dafür, wie Journalismus heutzutage Debatten ausweicht und aufweicht?

Stefan Schulz: Ob in der Eurokrise mit Griechenland oder in der Flüchtlingskrise mit der Türkei warten beispielsweise die Nachrichtenredaktionen des ZDF erst auf die Verlautbarung der Bundesregierung, ehe sie dem Zuschauer vermitteln, was – aus deutscher Sicht – vor sich geht. Die Frage, ob das erste Thema der Abendnachrichten auch eins sein darf, das gerade nicht von der Bundesregierung als wichtig bewertet wird, traut man sich in Mainz nicht zu stellen. Zeitungen wie die F.A.Z. kultivieren ihre Seite-1 mit längst bekannter Topmeldung, harmlosem Leitartikel und beliebiger Glosse auf eine Weise, die nur noch den Rentner als scheues Gewohnheitstier im Blick hat.

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«Bombenangriffe nichts zu tun mit Religion? Lächerlich!»

Richard Dawkins, Screengrab
Richard Dawkins, Screengrab
Der prominente Atheist Richard Dawkins hat nach dem Oster-Angriff in Lahore/Pakistan, der 70 Christen tötete, die Medien scharf kritisiert, die behaupteten, der Angriff habe «nichts mit Religion zu tun». Bereits früher hatte er zugegeben, das Christentum sei «vielleicht unsere beste Verteidigung gegen abartige Formen der Religion, die die Welt bedrohen».

jesus.ch

Ein paar Tage nach dem Bombenattentat in Lahore am Ostersonntag gab Dawkins über Twitter einen kurzen Kommentar zum Angriff: «Pak Bombe tötet 72» schrieb er und zitierte die Urheber des Attentats: «Wir haben diesen Angriff ausgeführt gegen Christen, die Ostern feierten.» Dawkins Kommentar: «Ah, hat also nichts zu tun mit Religion, oder?» Der Angriff kam kaum eine Woche, nachdem US-Aussenminister John Kerry offiziell bekräftigt hatte, dass islamische Extremisten «Genozid» an Christen und anderen Minderheiten im Nahen Osten begehen.

Dawkins hat schon mehrfach die Medien scharf angegriffen, die regelmässig behaupten, dass diese Terrorgruppen mit dem Islam nichts zu tun hätten.

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Türkische Zeitung „Zaman“: „Wir gelten als Terroristen“

Dursun Çelik, Chefredakteur der deutschen Ausgabe der türkischen Zeitung „Zaman“, in seinem Büro in Berlin. (Foto: Hannah Beitzer)
Die Istanbuler Redaktion der „Zaman“ wurde unter staatliche Kontrolle gestellt, der deutsche Ableger will weitermachen – obwohl selbst Leser der Zeitung in Deutschland Anfeindungen befürchten müssen.

Von Hannah Beitzer | Süddeutsche.de

Cem Özdemir hat ein Geschenk dagelassen. Es steht gerahmt im Berliner Büro von Dursun Çelik, dem Chefredakteur der türkischsprachigen Tageszeitung Zaman, die seit 1990 in Deutschland erscheint. Das Geschenk zeigt eine Titelausgabe der Zaman mit den Schlagzeilen: „Genie Erdoğan erhält Nobelpreis für Physik!“, „Erdoğan: Sexiest Man Alive!“ und „Übermensch Erdoğan bezwingt Chuck Norris!“.

Das ist ein Scherz, klar – aber einer mit ernstem Hintergrund. Denn die türkische Ausgabe der Zaman, die bis vor Kurzem in einer Auflage von 650 000 Stück erschien, steht seit Anfang März unter staatlicher Kontrolle. Ihr Chefredakteur wurde entlassen, die Redaktionsräume gestürmt. Seitdem sind Dursun Çelik und seine Redaktion quasi abgeschnitten vom Mutterschiff, das gleich am Tag nach der Regierungsaktion, so sagt es Çelik, „den lächelnden Präsidenten Erdoğan auf der Titelseite hatte“. Darauf spielt auch das Geschenk Cem Özdemirs an.

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Was passiert, wenn man das AfD-Programm per Algorithmus analysiert?

Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Drei Jahre hat sie dafür gebraucht, aber jetzt steht die Alternative für Deutschland endlich kurz davor, ein richtiges Parteiprogramm zu haben. Über die endgültige Fassung muss zwar noch auf dem Parteitag am 30. April in Stuttgart abgestimmt werden, trotzdem gilt der aktuelle Entwurf als schon weitgehend abgeschlossen.

Von Matern Boeselager | VICE.com

Deshalb wird das Programm auch schon seit dem allerersten „Leak“ des Entwurfes intensiv diskutiert und analysiert. „Mehr Polizei, mehr Waffen, mehr Schadstoffe“, fasste zum Beispiel Zeit Online den Text zusammen, David Schraven von Correctiv wollte herausgefunden haben, dass die Partei in Zukunft „Alkoholiker und psychisch Kranke in Lager stecken“ will, und in der Süddeutschen argumentierte Oliver Das Gupta, dass die AfD im Grunde darauf abziele, die „Bundesrepublik abzuschaffen„.

Aber egal, wie scharfsinnig oder gebildet der Lesende auch ist: Eine Analyse von Menschen bleibt immer subjektiv. Was passiert aber, wenn man das Programm der AfD einer rigorosen, datengetriebenen Analyse unterzieht?

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Kirchenkritische Kunst in der Kirche

Bild: Wolfgang Sellinger
Bild: Wolfgang Sellinger
Gericht urteilt: Ausstellung in Eichstätt darf stattfinden

Süddeutsche.de

Eichstätt, Bischofsstadt und Sitz der einzigen katholischen Universität im deutschsprachigen Raum, muss eine kirchenkritische Ausstellung des Künstlers Wolfgang Sellinger zulassen. Dies hat das Verwaltungsgericht (VG) München jetzt mit einem Urteil entschieden. Die Stadt Eichstätt hatte sich gegen die Ausstellung in den Räumen der ehemaligen Kirche St. Baptist gewehrt und dies unter anderem damit begründet, dass durch Sellingers kirchenkritische Werke der öffentliche Friede gestört werde. Nach Überzeugung der Richter des VG bestehe jedoch „keine hinreichende Wahrscheinlichkeit“, dass es zu Ausschreitungen oder Gewalttätigkeiten kommt, wie es im schriftlichen Urteil heißt.

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Die „perfekte“ Religion entsagte Sex und Drogen

Fragment der spätantiken Lebensbeschreibung Manis im Kölner Mani-Kodex. Bild: wikimedia.org/PD
Vor 1800 Jahren wollte der Perser Mani die Anhänger Jesu, Buddhas und Zoroasters zusammenführen. Fast hätte er über das Christentum triumphiert. Doch ein ehemaliger Jünger stellte sich ihm entgegen.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Stellen wir uns einmal vor: Die katholische Kirche würde von zwölf heiligen „Lehrern“ geleitet. Sie stünden den „Auserwählten“ (Electi) vor, die sich dadurch auszeichneten, dass sie sich Heirat, Sex, Fleisch- und Weingenuss enthielten. Um diesem hohen Kreis überhaupt das Leben zu ermöglichen, gäbe es um sie herum eine Fülle von „Hörern“ (Auditores). Deren oberste Pflicht sei es, die Auserwählten mit ihren Almosen zu versorgen. Während die Electi gute Chancen hätten, nach einem bußfertigen Leben zwischen „Blut, Galle, Winden, Kot und der Unreinheit des Leibes“ in die Welt des Lichts zu entfliehen, dürften sich ihre Hörer mit der Gewissheit trösten, ihrer niederen Bestimmung gefolgt zu sein.

Diese Vision wäre beinahe Wirklichkeit geworden. Entworfen hat sie ein Perser mit Namen Mani, der sich um 240 n. Chr. als „Apostel des Lichts“ berufen sah und eine Religion stiftete, die nicht nur die christliche Kirche des Römischen Reiches herausforderte, sondern auch die Priesterschaft seines größten Gegners, des Persischen Weltreichs der Sassaniden. Dort folgte man den Lehren des berühmten Weisen Zoroaster (Zarathustra). Kein Geringerer als der große Kirchenvater Augustinus hing als Auditor mehrere Jahre der Religion Manis an. Hätte er nicht mit ihr gebrochen, sondern seine ganze Kraft in ihre Verbreitung eingebracht, vielleicht wären heute die Manichäer die größte Glaubensgemeinschaft des Planeten.

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Islam-Gesetz? Das langt nicht!

Gläubige Muslime beten im Gebetsraum einer deutschen Moschee.Foto: dpa
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer will mit einem Islam-Gesetz Moscheen vorschreiben, welche Imame sie einzustellen haben. Das ist frommes Wunschdenken. Eine Analyse.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer will, dass die Moscheen und Imame in Deutschland nicht aus dem Ausland finanziert werden. Dazu brauche es ein Islam-Gesetz. „Die Finanzierung von Moscheen oder islamischen Kindergärten aus dem Ausland, etwa aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien, muss beendet werden“, sagte er der Zeitung „Die Welt“. Alle Imame müssten in Deutschland ausgebildet sein und die hiesigen Grundwerte teilen. „Es kann nicht sein, das andere zum Teil extreme Wertvorstellungen aus dem Ausland importiert werden. Deutsch muss die Sprache der Moscheen werden. Das aufgeklärte Europa muss seinen eigenen Islam kultivieren.“

Mit der Forderung nach einem Euro-Islam und nach hier ausgebildeten Imamen rennt Scheuer offene Türen ein. Es ist der Grund dafür, weshalb die deutschen Universitäten vor vier Jahren begonnen haben, erste Zentren für Islamische Theologie einzurichten. Den Anfang machten zum Wintersemester 2011/2012 die Universitäten Tübingen, Münster/Osnabrück, Frankfurt am Main und Erlangen-Nürnberg. Mittlerweile sind dort 1800 Studierende eingeschrieben. Weitere Institute sind geplant, unter anderem in Berlin.

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Zulassung von Geschiedenen – Keine Änderung der Lehre!

Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
„Amoris Laetitia“ darf nicht unabhängig von Bischofssynode sowie bestehender Lehre interpretiert werden, denn das könne zu „falschen Interpretationen“ führen, sagt P. José Granados vom Päpstlichen Institut Johannes Paul II.

kath.net

Den Fernstehenden das Evangelium bringen – das ist ein wesentlicher Auftrag, der aus dem neuen pastoralen Papst-Schreiben „Amoris Laetitia“ hervorgeht, erklärte P. José Granados DCJM, Vizepräsident des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie an der Lateran-Universität, in einem Interview. Wesentliche Punkte sind für Granados außerdem, dass die Familien von der Kirche stärker begleitet werden müssen und dass Papst Franziskus konkrete Hinweise zur Kindererziehung gibt.

Was die Zulassung von Geschiedenen, die in einer neuen Beziehung leben, zur Kommunion betrifft, gibt es laut P. Granados keine Änderung der bestehenden Norm. Wenn der Papst eine Änderung in einer so bedeutenden Sache gewollt hätte, wäre hier eine klare Stellungnahme nötig gewesen, erklärte er in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La nuova Bussola“.

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Riskante militärische Muskelspiele in der Ostsee

Eine russische Su-24 überfliegt den US-Zerstörer Donald Cook. Bild: US-Navy
Russen und Amerikaner führen vermehrt Manöver durch, ein US-Zerstörer, der Teil des US-Raketenabwehrsystems ist, wurde offenbar von russischen Kampflugzeugen getestet

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Während der russische Außenminister Sergej Lawrow gerade bei einem Besuch in der Mongolei erklärte, man werde sich nicht in sinnlose Konfrontationen mit der Nato hineinziehen lassen, beschwert sich das Pentagon, dass russische Kampfflugzeuge und ein Militärhubschrauber am 11. Und 12. April einen US-Zerstörer im Baltischen Meer zweimal provozierend nahe überflogen und „aggressive Manöver“ ausgeführt hätten. Nach der Navy seien die Überflüge am 12. April ein „simulierter Angriff“ gewesen. Manche der Manöver seien „unsicher und unprofessionell“ gewesen. Einen Funkkontakt habe man nicht herstellen können.

Obwohl oder weil letzte Woche von Nato-Generalsekretär Stoltenberg angekündigt wurde, dass der wegen der Ukraine ausgesetzte Nato-Russland-Rat wieder aktiviert werden soll, bei dem es auch um Risikominimierung, gehen mit der neuen Dialogbereitschaft offenbar weitere Störmanöver einher. Am 20. April soll dieser auf Botschafterebene tagen.

Bei dem Vorfall in der Ostsee handelte sich offenbar um die wieder vermehrt üblichen Muskelspiele, die von Militärs auf beiden Seiten aufgeführt werden, um Handlungs- und Einsatzbereitschaft zu signalisieren. Im Hintergrund findet zwischen den USA und Russland (sowie China) ein erneutes Wettrüsten statt. Die USA wollen die Militärausgaben in Europa um das Vierfache erhöhen und permanent Truppen in Osteuropa stationieren, was ebenso wie die Errichtung des Raketenabwehrsystems in Rumänien und Polen in Moskau als Provokation und Drohung empfunden wird. Die russische Regierung spricht von einer „Dämonisierung“ Russlands durch die Nato, die damit den „militärischen Druck“ rechtfertigen will, weil sie, so Lawrow, zu ihrer Existenzberechtigung Feinde benötigt, in Washington werde immer wieder von der „russischen Aggression“ gesprochen.

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Europaparlament beklagt Lage der Meinungsfreiheit in der Türkei

Die Türkische Nationalversammlung "Der Souverän ist ausnahmslos das Volk" (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Die Türkische Nationalversammlung „Der Souverän ist ausnahmslos das Volk“ (Mustafa Kemal Atatürk) © meclishaber.gov.tr, bearb. MiG
Das Europaparlament hat die Lage der Meinungsfreiheit in der Türkei beklagt. Eine große Mehrheit der Abgeordneten stimmte für eine entsprechende Resolution.

evangelisch.de

In Bereichen wie „der Unabhängigkeit der Justiz, der Versammlungsfreiheit, der Meinungsfreiheit und der Achtung der Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit hat es einen Rückschritt gegeben“, urteilte das Parlament in einer am Donnerstag in Straßburg angenommenen Resolution.

Die Resolution stand im Rahmen des Beitrittsprozesses der Türkei turnusmäßig auf der Tagesordnung, ist aber vor dem Hintergrund des Streits um Satiren auf Präsident Recep Tayyip Erdogan in Deutschland und den EU-Türkei-Flüchtlingspakt von besonderer Brisanz. 375 Abgeordnete stimmten für den Text, 133 dagegen und 87 enthielten sich.

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