Wen faszinieren Engel

Abbas Poya, Bild: SRF
Im Judentum, Christentum und Islam wimmelt es nur so von Engeln. Die Boten Gottes haben in allen heiligen Schriften ihren Auftritt. Auch in unserer heutigen Zeit nach der Aufklärung spielen die geflügelten Wesen im Leben vieler Menschen eine Rolle.

Von Norbert Bischofberger | SRF

Schwülstige Barockengel, nackte Putten, körperlose Wesen mit Flügeln, Lichterscheinungen oder Herzensimpulse. Engel erscheinen den Menschen in vielfältiger Form. Sie bewegen die Menschen weit über die Religion hinaus.

Im Judentum und im Christentum begegnen Engel auf Schritt und Tritt. Engel mit einem Feuerschwert bewachen das Paradies nach dem Hinauswurf der ersten Menschen. Stammvater Jakob sieht in einem Traum Engel auf einer Treppe in den Himmel hinauf und auf die Erde hinuntersteigen.

Engel, wohin man sieht

Im Neuen Testament kündet der Erzengel Gabriel die Geburt Jesu und die Geburt Johannes des Täufers an. Engel erscheinen den Menschen im Traum und leiten dramatische Lebenswenden ein. Engel sitzen im leeren Grab Jesu von Nazareth und verkünden seine Auferstehung.

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In der Fremde wird die Religion wichtiger

Zwei Flüchtlinge in Brandenburg. (picture-alliance / dpa / Ralf Hirschberger)
Die Angst vieler Deutscher gegenüber muslimischen Flüchtlingen könnte dem Jesuitenpater Frido Pflüger zufolge an deren starker Religiosität liegen. Dieser stünden viele Deutsche hilflos gegenüber, weil sie ihre eigenen Werte aus den Augen verloren hätten.

Frido Pflüger im Gespräch mit Philipp Gessler|Deutschlandradio Kultur

Philipp Gessler: Man kann sich aus religiösen Gründen für die Natur einsetzen, für die Schöpfung, aber mehr Menschen engagieren sich aus den gleichen Gründen für ihre Mitmenschen. Zu ihnen gehört der Jesuitenpater Frido Pflüger. Er kümmert sich um Flüchtlinge hier in Berlin, und zwar für den renommierten Flüchtlingsdienst seines Ordens. Dieser Dienst war schon in der Flüchtlingshilfe tätig, als diese Hilfe noch nicht Teil einer neuen Willkommenskultur war.

Der EU-Türkei-Deal verschiebt das Problem nur

Mit Pater Pflüger habe ich über den neuen Deal der EU mit der Türkei zur Lösung der Flüchtlingskrise gesprochen – wenn es denn eine Krise ist. Morgen treten die neuen Zugangsbeschränkungen für die Flüchtlinge in Kraft. Meine erste Frage an ihn war, wie er diese Einigung mit dem europäisch-asiatischen Staat beurteilt.

Frido Pflüger: Ich sehe das sehr skeptisch, weil ich denke, wir verschieben damit die Verantwortung, die wir eigentlich als Europäische Union hätten, jetzt einfach auf die Türkei, dass die das für uns regelt. Und das sehe ich als große Schwäche, denn die EU selber regelt ja jetzt dadurch eigentlich nichts, sondern die Türkei hat es zu tun. Und das ist halt die große Frage, ob die Türkei fähig ist, das zu regeln. Was wir eigentlich wollen, nämlich einen geordneten Zuzug von Flüchtlingen und von Asyl suchenden Ausländern, in denen Krieg herrschte.

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Protest: „Aggressiver Humanismus“ und seine Grenzen

Zeiten ändern sich. Und mit den Zeiten ändern sich die Protestformen, die eine jeweilige Generation nutzt, um sich Gehör zu verschaffen. Die Generation Smartphone also bedient sich, klar, des Cyber-Protests. Philipp Ruch, dem Gründer des Aktionskollektivs „Zentrum für politische Schönheit“, ist das zu wenig. Nur eine Online-Petition zu unterzeichnen, sagt Ruch, „das nützt nichts“. Und für alle im Publikum des Podiums, die das noch nicht verstanden hatten, wiederholt er es gleich noch mal: „Das nützt nichts.“

Von Jakob Rondthaler | taz.blogs

Welche Form des Aktivismus aber ist die richtige? Was kann, was muss man tun, um sich politisch zu artikulieren? Und vor allem: Was ist eigentlich radikal? Diese Fragen beantwortet Ruch gemeinsam mit Erich Rathfelder, dem taz-Korrespondenten für den Balkan.

Als Lösung hat Ruch sich ein eigenes Konzept erdacht, er nennt es „aggressiven Humanismus“. Und dieses Konzept setzt er mit seinem „Zentrum für politische Schönheit“ um, einem Künstler-Kollektiv, das in den vergangenen Monaten mit medienwirksamen, oft umstrittenen Aktionen auf sich aufmerksam machte: Es klaute anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls die Gedenkkreuze an die Mauertoten der deutsch-deutschen Grenze vom Gelände neben dem Reichstag und stellte sie an den Außengrenzen Europas wieder auf. Es exhumierte die Leiche einer aus Syrien geflohenen Frau, die zunächst in Sizilien begraben wurde, und begrub sie auf einem Berliner Friedhof. Und, zuletzt, inszenierte das „Zentrum“ die Verfluchung des Schweizer Publizisten Roger Köppel, der hierzulande der „intellektuelle Vordenker“ der AfD sei, wie Ruch auf dem taz.lab sagt.

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Aufrüsten für den Religionskrieg

islam_christentum

Ist die Klage über eine „Christenverfolgung“ lächerlich? Nein – aber sie wird mit bösen Hintergedanken politisch missbraucht.

Von Martin Staudinger | profil.at

Ach, war das wieder einmal ein Hallo in den sozialen Netzwerken, als das Wahlkampfteam von ÖVP-Präsidentschaftskandidat Andreas Khol zu Ostern ein Sujet mit dem Slogan „Nein zu Christenverfolgungen!“ in Umlauf brachte. Die ganz Schlauen wollten nicht einmal glauben, dass so etwas echt sein könnte; die besonders Lustigen unterstellten den Textern die Einnahme psychoaktiver Substanzen wie Weihrauch; die ideologisch Unanfechtbaren posteten Emoticons von Kotzgesichtern.

Das virtuelle Gelächter war noch längst nicht verklungen, da detonierte in einem Park der pakistanischen Stadt Lahore eine Bombe. Der Anschlag forderte mehr als 70 Todesopfer, darunter mindestens 35 Kinder, und war einem Bekenneranruf zufolge gezielt gegen Christen gerichtet, die Ostern mit einem Picknick feierten.

Insofern weist der zugegebenermaßen etwas dümmlich klingende Satz von Khol auf eine beklagenswerte Realität hin, die absolut keinen Anlass für Belustigung gibt – das ist das eine. Gleichzeitig transportiert er aber auch eine unangenehme Geisteshaltung – das ist das andere.

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Schlaf, der Gedächtnisgärtner

Bild: heise.de
Nichts tun wir so ausdauernd wie – scheinbar – nichts: Schlafen. An einzelnen Tagen mag die Arbeitszeit überwiegen, aber im Durchschnitt unseres Lebens verbringen wir ein Drittel jedes Tages in erholsamer Bewusstlosigkeit.

Von Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Das macht es umso seltsamer, dass die Neurowissenschaften erst seit einigen Jahren dahinter kommen, wozu Schlaf gut ist. Die Frage ist nicht damit beantwortet, dass man sagt: Weil wir müde sind. Müdigkeit ist nur die Wahrnehmung des Schlafbedürfnisses. So, wie die Natur den Hunger eingeführt hat, damit wir essen, hat sie die Müdigkeit erfunden, damit wir schlafen. Wozu wir essen sollen, ist offensichtlich. Aber die Frage bleibt: Wozu sollen wir schlafen?

Es vereinfacht die Beantwortung der Frage nicht, dass es Tiere gibt, bei denen sie sich nicht stellt. Um den Nutzen eines Verhaltensbereichs zu ergründen, ist es ja oft eine gute Idee, den Blick im Tierreich schweifen zu lassen. Immerhin: Alle Tiere schlafen. Aber manche mehr, manche weniger. Nach einer Zusammenstellung von Jerome Siegel von der UCLA finden sich am einen Ende der Skala zwei Fledermäuse, die auf Englisch anscheinend tatsächlich „little brown bat“ und „big brown bat“ heißen. Sie schlafen jeden Tag rund 20 Stunden. Das andere Extrem repräsentieren große Pflanzenfresser wie Elefanten, Pferde, Hirsche und Giraffen, die nur gerade auf drei bis vier Stunden Schlaf am Tag kommen. Und einige Tiere schlafen zeitweise gar nicht. Walrosse können Tage lang aktiv schwimmen, ohne danach Schlaf nachholen zu müssen; auch manche Wale bleiben nach der Geburt eines Kalbs längere Zeit wach.

Evolutionär betrachtet, scheint es keinen Zweck zu geben, für den Schlaf gebraucht würde. Vielmehr nennt Siegel Schlaf eine Phase „adaptiver Untätigkeit“. Das will sagen: Für fast jedes Lebewesen, vom Bakterium aufwärts, gibt es – meist zyklisch wiederkehrende – Umweltbedingungen, an die es nicht gut angepasst ist. Fische können nichts mit Trockenheit anfangen, Pflanzen und viele Tiere nichts mit Winter, und viele Säugetiere nichts mit Nacht. Dann ist es dunkel, sie sehen nichts, und wenn sie blind herumtapsen, besteht die Gefahr, einem anderen Tier vor die Schnauze zu laufen, das sich besser zurechtfindet und lange Zähne hat.

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Helgoland: Albatros auf Kurzurlaub

© dpa Seltener Anblick: ein Schwarzbrauenalbatros im letzte Jahr über der Küste von Helgoland.
Schon 2014 und 2015 machte ein imposanter Vogel mit seiner Spannweite von 2,40 Meter eine Stippvisite auf Helgoland. Für gewöhnlich fliegt er nur auf der Südhalbkugel.

Frankfurter Allgemeine

Vogelfreunde fiebern der Ankunft eines Schwarzbrauenalbatros auf Helgoland entgegen. Der imposante Vogel mit seiner Spannweite von 2,40 Meter wurde in den vergangenen Tagen bereits zweimal auf dem Weg in Richtung Nordsee beobachtet, wie der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) auf seiner Website mitteilt: Am 27. März wurde er vor der Atlantikinsel Noirmoutier am Nordrand der Biskaya gesichtet und kurze Zeit später noch einmal rund 90 Kilometer nordwestlich von der Insel Quiberon. Die Vogelkundler hoffen, dass der Albatros auf Helgoland wie schon in den Frühjahren 2014 und 2015 „spektakuläre Beobachtungen und Fotos aus nächster Nähe zulässt“.

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Erdogan – der Kalif, der aus der Volksneurose kam

erdogan-sultan

„Wie können die ihn immer noch wählen?“ Das Erfolgrezept Erdoğans lautet Verfolgungswahn, Hybris und Fanatisierung seiner Anhänger. Zugeschnitten auf die Untiefen der türkische Seele.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

Die Gezi-Proteste? Eine Verschwörung von „internationaler Finanzlobby“ und ausländischen Medien. Die Korruptionsermittlungen gegen die AKP-Regierung? Eine Intrige der Gülen-Gemeinde, die von den USA und Israel gelenkt wird. Die kurdische PKK? Eine von Deutschland und Europa gesteuerte Agentur voller armenischer Söldner. Der „Islamische Staat“?

Ein globales Projekt gegen die Türkei und den Islam. So sieht sie aus, die Welt von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und seiner Anhänger. Überall „ausländische Kräfte“ und ihre inländischen Handlanger, die danach trachten, den Aufstieg der Türkei zur Weltmacht zu verhindern. Auch das Lied in der NDR-Sendung „extra 3“ ist darum nicht bloß eine Satire, sondern Teil einer globalen Kampagne.

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Chaostheorie: Nicht-lineares Systemverhalten

Jim Al-Khalili Chaostheorie [DVD] Verlag: Furnace und TVF International / Komplett-Media, Grünwald 2016 ISBN: 9783831281855 19,99 €
Jim Al-Khalili
Chaostheorie [DVD]
Verlag: Furnace und TVF International / Komplett-Media, Grünwald 2016
ISBN: 9783831281855
19,99 €
Kleine Manipulationen an einem System können zu dramatisch verschiedenen Entwicklungen führen: Das ist die Kernaussage der vorliegenden Filmdokumentation, durch die uns der Physiker Jim Al-Khalili von der University of Surrey (England) führt. Al-Khalili befasst sich unter anderem mit Alan Turing (1912-1954), einem der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik.

Von Stefan Gillessen | Spektrum.de

1952 veröffentlichte dieser ein theoretisches Modell (den „Turing-Mechanismus“), mit dem sich beschreiben lässt, wie Dinge spontan Gestalt annehmen. Solche Selbstorganisationsprozesse gibt es in der Natur viele, etwa die Morphogenese bei Embryonen, die Bildung von Sanddünen oder das Entstehen farbiger Muster auf Tierfellen. Turing initiierte damit eine Disziplin, deren Fortschritte er nicht mehr verfolgen konnte – er nahm sich mit 41 Jahren das Leben, vermutlich infolge der Hormonbehandlung, zu der er als Homosexueller genötigt worden war.

Ungefähr zeitgleich, aber ohne von Turing zu wissen, entdeckte der russische Chemiker Boris Beloussov (1893-1970) Systeme aus mehreren chemischen Reaktionen, die nichtlinear reagieren und so zeitliche Oszillationen aufweisen. Mathematisch werden derlei Vorgänge durch Gleichungen beschrieben, wie Turing sie entdeckt hatte. Veröffentlichen konnte Beloussov seine bahnbrechenden Erkenntnisse nicht, denn seine Kollegen glaubten ihm nicht. Wie konnten die einfachen Gleichungen, denen ein solches System gehorcht, ein so kompliziertes Verhalten hervorbringen?

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Kurdische Gemeinde fordert Deutschpflicht in Moscheen

Gebet-islam«Die Imame in Deutschland müssen in den Moscheen verpflichtend Deutsch und nicht etwa Türkisch oder Arabisch sprechen».

kath.net

Die Kurdische Gemeinde in der Bundesrepublik fordert Deutsch als Pflichtsprache in Moscheen. «Die Imame in Deutschland müssen in den Moscheen verpflichtend Deutsch und nicht etwa Türkisch oder Arabisch sprechen», sagte der Vize-Vorsitzende Mehmet Tanriverdi der «Huffington Post» (Online, Freitag). Es dürfe nicht sein, dass «in den Predigten zahlreicher Imame gegen Deutsche und Kurden gehetzt wird».
Tanriverdi kritisierte, dass in der Türkei das staatliche Religionsministerium Einfluss auf die Ausbildung der Imame nehme, etwa bei Organisationen wie Ditib und der umstrittenen Milli Görüs. Die Regierung Erdogan habe durch ihre Prediger zu einer «Radikalisierung der Stimmung in den Moscheen beigetragen», so der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland.

„Für die Grünen ist der Islamismus ein blinder Fleck“

Der Urgrüne Kurt Edler wirft seiner Partei einen Debatten- und Diskursverlust vor. Die Rettung? Mehr kantige Typen wie Winfried Kretschmann

Von Jana Werner |DIE WELT

Kurt Edler, geboren im Oldenburger Land, stammt, wie er sagt, aus einer „meckerfreudigen“ Familie. So hat er seine politische Identität auch stets mit dem Äußern von Kritik verbunden. Dabei verschont der Realo nicht einmal seine eigene Partei: die Grünen. In Hamburg hat Edler die Ökopartei einst mitaufgebaut, sich im Landesverband und der Bürgerschaft gestritten und schließlich selbst von der Last der Ämter befreit. Geblieben ist der politische Endverbraucher Edler, 65 Jahre, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik. Er sei eine „politische Ich-AG“, die „die blinden Flecken beleuchtet“. Einer davon ist der Zustand der Grünen bundesweit. Warum nur noch Persönlichkeiten wie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Partei retten können, verrät Edler im Gespräch mit der „Welt“.

Die Welt:

Herr Edler, nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben Sie gesagt, dass das Erfolgsrezept Kretschmann heiße, und es kein grünes sei. Ist Kretschmann derzeit der einzige Typ bei den Grünen?

Kurt Edler:

Nein, es gibt mehr Persönlichkeiten. Das Phänomen bei den Grünen ist nicht aus innerparteilicher Hierarchie erklärbar. Wenn ich von Landesvater Kretschmann spreche, dann aus dem Respekt heraus, dass er innerparteilich Zuspruch ohne Machtausübung beanspruchen kann. Denn die Grünen sind eine extrem machtempfindliche Partei. Ich wünsche mir als Demokrat, dass das so bleibt. Aber wir haben bei den Grünen einen Debatten- und Diskursverlust, der fast schon ein Politikverlust ist. Es hat sich eine Art herausgebildet, Politik zu fertigen, die die Partei eher zu einer geölten Agentur als zu einem lebendigen pluralistischen Forum macht. Politik wird nur noch als Fertigprodukt serviert – in Plastik verpackt und gegen jede journalistische Intervention geschützt. Es ist kein Unterschied, ob ich Zeitung lese oder den internen E-Mail-Verteiler. Das führt bei grünen Mitgliedern zu Verdruss und einer Lähmung. Sie sind Zuschauer im eigenen Laden. Die Angst, einen kantigen Gedanken auszusprechen, ist bei vielen jungen Grünen vorhanden, die ein konfliktscheues Grundmuster von Politik so verinnerlicht haben, dass es zu ihrer eigenen Identität gehört.

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„Extra3“-Affäre: Martin Schulz kritisiert Erdogan scharf

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Wegen der „Extra3“-Affäre kritisiert EU-Parlamentspräsident Schulz den türkischen Präsidenten Erdogan scharf. Er fordert von der EU klare Worte, was die Lage in der Türkei betrifft.

Frankfurter Rundschau

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) kritisiert den jüngsten Angriff des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf die deutsche Pressefreiheit. Es sei „ein starkes Stück“ und „nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt“, sagte Schulz der Zeitung „Bild am Sonntag“. „Wir müssen Erdogan klar machen: In unserem Land gibt es Demokratie. Ende.“

Schulz forderte eine klare Haltung gegenüber dem türkischen Staatschef. Er kenne Erdogan „lange und gut“. „Er ist ein Mann klarer Worte. Er versteht aber auch klare Worte. Und hier muss man sagen: Lieber Herr Erdogan, Sie sind einen Schritt zu weit gegangen. So nicht“, forderte der SPD-Politiker. Schließlich sei Satire „ein Grundelement der demokratischen Kultur“, mit dem Politiker zu leben hätten – „auch der türkische Staatspräsident“.

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Kapital- und Klimakollaps

Bild: nasa
Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen der Wirtschaftskrise und dem außer Kontrolle geratenden Klimawandel?

Von Tomasz Konicz | TELPOLIS

Die Menschheit steuere binnen der kommenden Jahrzehnte auf eine Klimakatastrophe zu, die alle bisherigen klimatischen Umbrüche in der Menschheitsgeschichte in den Schatten stelle und die Zivilisation – insbesondere die Küstenstädte – bedrohe. Dies ist die Kernaussage einer umfassenden Studie, die von einem Team unter der Leitung des bekannten Klimawissenschaftlers James E. Hansen jüngst publiziert wurde.

Der Klimawandel schreite viel schneller voran als ursprünglich angenommen, so fasste Newsweek die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, an der 18 Wissenschaftler beteiligt waren. Ein „gefährlicher Klimaumbruch“ bedrohe die Menschheit in „Dekaden, nicht in Jahrhunderten“, titelte die New York Times (NYT). Die Grundaussage der Studie bestehe laut NYT darin, dass durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern kein gradueller, langfristiger Klimawandel ausgelöst werde, sondern dass es zu einem „abrupten Klimawechsel“ komme.

Ausgelöst werde dieser abrupt ablaufende Klimaumschwung durch die – viel rascher als zuvor angenommen ablaufende – Eisschmelze in den Polarregionen, die sich aufgrund positiver Rückkopplungen selbst verstärkt und gigantische Massen an Schmelzwasser in die Gewässer der Arktis und Antarktis einfließen lässt. Dieses Süßwasser werde dann das „globale Förderband“ der Meeresströmungen, die thermohaline Zirkulation, zum Erliegen bringen, das das gegenwärtige stabile Klima der Welt maßgeblich prägt. Westeuropa etwa profitiert von dem Golfstrom, der für ein gemäßigtes und mildes Klima in dieser Region sorgt.

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Türkischer Botschafter sieht Gefühle von türkischen Mitbürgern verletzt

Genial oder eine große Dummheit? Die Reaktionen auf Jan Böhmermanns neuesten Coup fallen unterschiedlich aus. © Jörg Carstensen/DPA
Jan Böhmermann beleidigt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das ZDF nimmt den umstrittenen Beitrag aus der Mediathek. Worum es bei dem Streit geht und wie die Reaktionen darauf ausfallen.

stern.de

Streit um die Grenzen von Satire: Das ZDF hat in der Nacht zu Samstag in Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ einen Beitrag gestrichen. Wie vom Sender angekündigt, war das Schmähgedicht des Satirikers und Grimmepreisträgers über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan darin nicht mehr zu sehen. Wegen einer Programmänderung nach dem Tod von Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher verschob sich die Sendung außerdem von Mitternacht auf 1.15 Uhr.

In der ersten Ausstrahlung auf ZDFneo am Donnerstag las Böhmermann das Gedicht vor, wies aber selbst darauf hin, dass solche Schmähkritik in Deutschland nicht erlaubt sei. „Das kann bestraft werden.“ Die Verse enthalten zahlreiche Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen.

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Hilfsapostel Losinger: „Der perfekte Mensch ist eine Gefahr“

Warner vor den Folgen einer entfesselten genetischen Diagnostik: Weihbischof Anton Losinger. Foto: imago/reportandum
Nach fast zwölf Jahren verlässt der Augsburger Weihbischof Anton Losinger den Deutschen Ethikrat. Im Gespräch warnt er vor den Folgen der rasant fortschreitenden Gentechnik.

Von Josef Karg | Augsburger Allgemeine

Herr Losinger, Sie haben im Ethikrat an Stellungnahmen zu wichtigen Themen wie „Wann ist der Mensch tot?“ oder dem Umgang mit Möglichkeiten wie Präimplantationsdiagnostik und ihre Folgen mitgewirkt. Gab es einen Anlass, das Gremium Mitte des vergangenen Jahrzehnts zu gründen?

Losinger: Nein. Aber einen drängenden sachlichen Grund gab es schon. Wir mussten auf globaler Ebene, aber auch in Deutschland und Europa realisieren, dass im Bereich der Biowissenschaften und Gentechnik ein Hype von bislang unbekannter Dimension Platz griff. Da kam und kommt mit hoher Geschwindigkeit und dramatischer Wirkung etwas auf uns zu, was den meisten Menschen noch gar nicht bewusst ist. Ein Beispiel ist die Arbeit des Molekularwissenschaftlers und umstrittenen Gentechnik-Pioniers Craig Venter, dem es im Jahr 2001 erstmals gelang, das menschliche Genom zu entschlüsseln. Damit liegen der Mensch und seine Genetik offen wie ein Buch vor uns. So eine Situation wirft ethische Fragen auf.

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Steinmeier verteidigt Kooperation mit der Türkei

Israeli Foreign Minister Avigdor Liberman, right, shakes hands with his German counterpart Frank-Walter Steinmeier at the Foreign Ministry in Jerusalem, January13 , 2014 (photo credit: Yonatan Sindel/Flash90)
Israeli Foreign Minister Avigdor Liberman, right, shakes hands with his German counterpart Frank-Walter Steinmeier at the Foreign Ministry in Jerusalem, January13 , 2014 (photo credit: Yonatan Sindel/Flash90)
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verteidigt die Kooperation mit der Türkei in der Flüchtlingspolitik und dringt auf eine Unterstützung des EU-Mitgliedes Griechenland.

evangelisch.de

Wer geordnete Verhältnisse an den EU-Außengrenzen wolle, dürfe Griechenland nicht alleinlassen, sagte Steinmeier der „Heilbronner Stimme“ (Samstagsausgabe). Deutschland und Frankreich hätten 200 Asylexperten für Griechenland angeboten, dazu kämen jeweils 200 zusätzliche Polizeibeamte für Frontex.

Das EU-Türkei-Abkommen sieht vor, dass ab Montag alle Menschen, die seit dem 20. März irregulär von der Türkei aus auf die griechischen Inseln gelangt sind, zurückgeführt werden, es sei denn, sie beantragen und erhalten Asyl. Das ist aber unwahrscheinlich, weil Griechenland die Anträge in der Regel als unzulässig zurückweisen will, da die Flüchtlinge schon in der Türkei sicher seien. Für jeden in die Türkei zurückgebrachten syrischen Flüchtling soll ein anderer Syrer legal in die EU kommen dürfen.

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Vorwurf: Bodo Ramelow verunglimpft Lebensschützer

Bodo Ramelow, Bild: FB
Bodo Ramelow, Bild: FB

Auf scharfe Kritik von Lebensrechtlern stoßen Aussagen des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) in der ZDF-Fernsehsendung „Maybrit Illner“.

kath.net

Dort ging es am 31. März um das Thema „Terrorismus: Was tun gegen islamistische Gewalt?“. Ramelow hatte auf die Frage, ob es in seinen Augen friedliche und weniger friedlichere Religionen gibt, geantwortet, dass der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin 1995 von einem ultra-orthodoxen fanatisierten Juden umgebracht worden ist. In den USA gebe es „selbst ernannte Evangelikale, die der Meinung sind, sie könnten Abtreibungsgegner oder Abtreibungskliniken überfallen und Menschen umbringen, erschießen, die sich für Abtreibung einsetzen“. Ramelow erinnerte ferner an den jahrzehntelangen Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland. Deswegen sage er: „Der Fanatismus ist das Problem.“

Martin Lohmann: Ramelow relativiert mit falschen Vergleichen

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht (Berlin), Martin Lohmann (Bonn), nannte es gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea perfide, „wenn ausgerechnet ein Linker – dessen linksextreme Partei doch offenbar in der unmittelbaren Nachfolge von demokratie- und menschenrechtshassenden Diktatoren steht – versucht, den für jedermann erkennbaren massenhaften und systematischen Missbrauch einer Religion mit einzelnen Tätern zu vergleichen, die einer anderen Religion angehören“.

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AfD: Die Anti-Wissenschafts-Partei

„Unbelegte Klimaschädlichkeit von CO₂“: Die AfD wirbt gezielt um Klimawandel-Skeptiker (Foto: dpa)
Die AfD macht das Leugnen des Klimawandels zum festen Bestandteil ihrer Politik. Dahinter steckt eine gefährliche Strategie.

Von Christoph Behrens | Süddeutsche.de

„Mut zur Wahrheit“, hieß der Slogan der AfD, als Bernd Lucke Vorsitzender der Partei war. Seine Politik richte sich an der Wissenschaft aus, betonte der Hamburger Professor, mit Sätzen wie „Das ist der neueste Stand der Forschung“. Dass die AfD diesem Anspruch schon zu Luckes Zeit gerecht wurde, darf bezweifelt werden – mittlerweile hat sich die Beziehung der AfD zu Wissenschaft und Wahrheit aber vollständig ins Gegenteil verkehrt.

So erklärt die Partei in ihrem Bundesprogrammentwurf, der im Internet auftauchte, den durch Menschen verursachten Klimawandel für nicht vorhanden. Klimaforscher und Bundesregierung würden die positive Wirkung von Kohlendioxid für die Welternährung unterschlagen, in den letzten zwei Jahrzehnten habe es auch keinen Temperaturanstieg gegeben. Eine Behauptung, die etwa durch Messungen der UN-Meteorologiebehörde WMO und Atmosphärenforschern längst widerlegt ist: 15 der 16 wärmsten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnungen liegen im 21. Jahrhundert – so viel zum „Stand der Forschung“.

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Protest gegen Aufmarsch von Rechtsextremisten in Berlin

Mehr als 1.000 Menschen haben am Samstag in Berlin nach Veranstalterangaben gegen einen Aufmarsch von Rechtsextremisten vor mehreren Flüchtlingsheimen protestiert.

evangelisch.de

Mit Sitzblockaden versuchten sie, den Aufzug im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf zu verhindern, wie Hannah Eberle vom Berliner Bündnis gegen Rechts dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Die Proteste standen unter dem Motto „Keinen Meter den Brandstiftern“.

Die Polizei löste die Blockaden teilweise auf. Dabei seien einige Gegendemonstranten festgenommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Es seien mehrere Strafanzeigen gestellt worden. Zeitgleich versammelten sich etwa 150 Rechtsextremisten im Stadtteil. Die Polizei war nach eigenen Angaben mit 550 Beamten im Einsatz und versuchte, beide Gruppen voneinander fernzuhalten.

How Physicists Image Individual Atoms

 

Image: Lee Park/Purdue University
Image: Lee Park/Purdue University
Until 1981, the atom was a sort of imaginary entity. We knew it was there, of course, and we could even measure and observe it via a number of different techniques—including field ion microscopy—but we couldn’t just go and look at an atom in the same way that we could peer into a microscope and look at some biological cells.

By Michael Byrne|MOTHERBOARD

Then, in 1981, Gerd Binnig and Heinrich Rohrer came along with the scanning tunneling microscope, which allowed scientists to look at surfaces at atomic scales for the first time. The pair won the Nobel Prize for the accomplishment in 1986. Here, in the latest of Physics World’s 100 Second Science series, the physicist Peter Wahl explains how the thing actually works.

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