Noam Chomsky: „Was für Lebewesen sind wir?“

Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Der Philosoph und Linguist Noam Chomsky (dpa/picture-alliance/Martin Bialecki)
Noam Chomsky ist einer der bekanntesten linken Intellektuellen der USA. Sein neues Buch stellt die titelgebende Frage: „Was für Lebewesen sind wir?“ Die Antworten sind nicht so klar, wie man vermuten würde. Chomsky liest sich wie eine Mischung aus Sisyphos und Karl Marx.

Von Ingo Arend | Deutschlandradio Kultur

„Fortschritt ist langsam, aber über lange Zeithorizonte hinweg dramatisch“, befand vor ein paar Jahren US-Forscher Noam Chomsky. Der Linguist, politische Aktivist und weltweit vielzitierte Wissenschaftler gilt selbst als lebendes Beispiel für den Siegeszug geistiger Aufklärung.

Umso überraschter ist man, in seinem neuen Buch auf einen Fortschrittsskeptiker zu treffen. Darin beschwört der heute 88-Jährige nämlich die „Geheimnisse, die für die menschliche Intelligenz undurchdringlich sind“.

„Was für Lebewesen sind wir“ ist kein Buch im klassischen Sinn, bündelt der Band doch die vier Vorträge der Dewey-Lectures, die Chomsky 2013 an der New Yorker Columbia-University gehalten hat. Auf den ersten Blick gehören die vier Fragen, die er darin stellt, nicht zwingend zusammen. Doch was naturphilosophische Reflexionen wie „Was ist Sprache?“, „Was können wir verstehen?“, „Die Geheimnisse der Natur“ mit der politischen Frage „Was ist Gemeinwohl?“ verbindet, ist, dass die Antworten darauf immer unklarer werden.

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Keinen blassen Schimmer, aber eine Meinung

Reichsbürger: Die Illusion, die Welt zu durchschauen, führt zu politischer Radikalisierung / picture alliance
Reichsbürger: Die Illusion, die Welt zu durchschauen, führt zu politischer Radikalisierung / picture alliance
Unwissen und Inkompetenz stärken unser Selbstvertrauen. Doch die maßlose Selbstüberschätzung führt dazu, dass Menschen Fehleinschätzungen nicht bemerken. Wie der Fall der Reichsbürger zeigt
 

Von Alexander Grau | Cicero

Kennen Sie Earth Flatters? Nicht? Muss man auch nicht kennen. Interessant ist die Bewegung aber dennoch. Und komisch dazu. Denn dabei handelt es sich um Leute, die der festen Überzeugung sind, die Erde sei eine Scheibe.

Nun könnte man der naiven Meinung sein, dass es mehr als hinreichend Beweise dafür gibt, dass die Erde eben keine Scheibe, sondern – zumindest Pi mal Daumen – eine Kugel ist: Fotos von Astronauten, ein Blick aus einem hoch fliegenden Flugzeug oder Schiffe, die hinter dem Horizont verschwinden.

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Sprich, Tier, sprich!

Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt
Der Frosch besticht durch filigrane Anmut und ausufernde Wortgewalt Foto: dpa
Charles Darwin zeigte, dass nicht Gott die Lebewesen geschaffen hat, sondern die Evolution und dass speziell die Menschen aus Affen hervorgingen, die irgendwann von Afrika aus im aufrechten Gang, der ja laut Ernst Bloch zuletzt gelernt wird, losmarschierten. Bekanntlich hatte Gott uns, als er noch nicht von Nietzsche für tot erklärt worden war, die Sprache verliehen – als Alleinstellungsmerkmal quasi. Deswegen hatte Darwin nach seiner Evolutionstheorie die Not, zu erklären, wie die menschliche Sprache denn nun wirklich entstand.

Von Helmut Höge | taz.de

Hundert Jahre zuvor hatten die Universitäten in Paris und London bereits so viele Preise für den klügsten Essay über den „Ursprung der Sprache“ ausgeschrieben, dass sie beschlossen, dazu keine Texte mehr anzunehmen. Die Suche nach der „Ursprache“ hatte die gelehrten Gesellschaften mit einer Lawine von „Denkschriften“ überhäuft. Im Grunde suchte man die „Ursprache“ schon seit 2.500 Jahren. Überliefert ist das Sprachexperiment des ägyptischen Pharaos Psammetich I.: Er übergab einem Hirten zwei Neugeborene, die als „Ansprechpartner“ nur einige Ziegen hatten. Nach zwei Jahren konnten sie gerade einmal meckern.

Einen ähnlichen Versuch führte dann im Jahr 1240 der empiriefreudige Stauferkaiser Friedrich II. durch: Seine Versuchskinder wuchsen auf, ohne dass Erwachsene sie ansprachen. Alle Kinder starben – nahezu stumm. Friedrich II resümierte: „Sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Ammen“.

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Undemokratische Kirche will demokratisch sein

Katholikentag 2016 ohne AfD - Kirchentag 2017 mit AfD (dpa / picture-alliance / Matthias Hiekel)
Katholikentag 2016 ohne AfD – Kirchentag 2017 mit AfD (dpa / picture-alliance / Matthias Hiekel)
Auf dem Katholikentag 2016 in Leipzig wurden AfD-Spitzenpolitiker nicht eingeladen, präsent war die Partei in der Berichterstattung gerade deswegen. Der Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg wählt einen anderen Weg: „Rassisten“, so heißt es in einem Beschluss, sind ausdrücklich nicht willkommen. Was bedeutet das für die AfD?

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Es gibt viele Thesen bei der AfD, die kann ich gar nicht mit dem Christentum in Verbindung bringen. Thesen, wo es darum geht, Menschen auf Grund einer bestimmten Kultur oder Zugehörigkeit auszugrenzen. Zu sagen, nur eine völkische Gemeinschaft soll wieder stark gemacht werden. Diese Auseinandersetzung zwischen Christentum und völkischem Denken haben wir eigentlich hinter uns, dass wer sich auf Jesus Christus beruft, der muss sich öffnen, der muss für die Menschenwürde aller eintreten“, sagt der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge. Warum es dennoch eine Bundesvereinigung „Christen in der AfD“ gibt, kann er sich nicht erklären. Auch ein aktives Engagement von AfD-Politikern in seiner Kirche etwa als Gemeindekirchenrat kann sich Dröge schwerlich vorstellen. Zumindest wenn extreme Positionen vertreten werden. „Zum Beispiel, dass Homosexuelle ins Gefängnis kommen sollten. Da weiß ich nicht, was das mit Christentum zu tun haben soll und was das mit Arbeit in unserer Kirche zu tun haben kann“, sagt der Bischof.

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Buchmesse: Religion wird ins Kleingedruckte verbannt

Der Bereich Religion gehört nicht gerade zu den begehrtesten auf der Buchmesse. (dpa-Zentralbild)
Der Bereich Religion gehört nicht gerade zu den begehrtesten auf der Buchmesse. (dpa-Zentralbild)
Selbst Verlage, die starke Berührungspunkte mit Religion haben, trauen sich nicht, ihre Bücher als „religiöse Ratgeber“ zu bezeichnen. Sie fürchten, die Kunden könnten das als belehrend empfinden. Was bleibt, sind Tipps für die Alltagsethik ohne erhobenen Zeigefinger.

Von Ludger Fittkau | Deutschlandradio Kultur

Sechs Wochen Spezialdiät für eine schlankere Figur, sieben Wochen Bewegungskur für mehr Spannkraft – solche Gesundheitstrainingstipps  findet man selten in den Ratgeber-Ecken der religiösen Verlage. Aber: „Acht Wochen Training  für ein Leben mit Leuchtkraft“ – einen solchen, ähnlich klingenden Ratgeber für die Seele gibt dann schon. „Shine“ – so heißt das Werk-  ist eigentlich kein klassisches gebundenes Buch, sondern so eine Art Heftkladde mit tag-täglichen Anweisungen, wie man sich in zwei Monaten mittels Meditationen und kleinen Gebeten zu einem anderen, besseren Menschen verwandeln kann. Gedacht ist das spirituelle Trainingsheft für Jugendliche. Alexander Tremp ist selbst noch Azubi im SCM-Verlag, der der freikirchlichen Evangelischen Allianz nahesteht und den Ratgeber anbietet:

„Und das ist von der Innengestaltung  auch so gemacht, dass es speziell für Jugendliche ansprechend ist. Auch vom Sprachstil her ist das für junge Leute angepasst, dass die das auch gerne lesen.“

Gar nicht gelesen wird im Gang gleich nebenan, sondern andächtig gelauscht. Selbst im Trubel der Buchmesse wie die meditative Kraft der Musik wirksam – ein niederländisches Klarinetten-Trio zieht die Buchmenschen für einen Augenblick mit Klezmer-Musik in seinen Bann.

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Bio und Anthroposophie zum Kirchentag

Kirchentagsbesucher in Berlin, Potsdam und Wittenberg sollen Bio-Lebensmittel genießen

EKD

Die Milchkühe im Stall kauen gemächlich ihr Futter, ein paar Rinder ruhen sich im Liegebereich aus. Im Ökodorf Brodowin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin können sich die Kühe frei im geräumigen Stall bewegen, anders als in vielen konventionellen Großbetrieben. Der Brodowiner Biobetrieb, der nach strengen Demeter-Regeln arbeitet, entstand 1991 aus zwei früheren LPGs der DDR. Heute verkauft er Milchprodukte, Eier, Fleisch und je nach Saison auch Gemüse.

Solche Lebensmittel sucht das Team für den 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin, Potsdam und Wittenberg stattfindet. Rund 140.000 Teilnehmer werden dort erwartet und rund 5.000 Helfer. Einen Naturkostmarkt mit Bio-Streetfood soll es dort für die Gäste auf dem Berliner Messegelände geben und ein vegetarisches „Gläsernes Restaurant“, das 1.000 Mahlzeiten am Tag anbietet.

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Irak: Parlament legt das Land trocken

Tischdestille
Tischdestille „Arabia“. Bild: CopperGarden®
Das irakische Parlament hat gestern ein Alkoholverbot beschlossen, das sowohl die Produktion als auch den Import und den Verkauf von alkoholischen Getränken umfasst. Als Begründung für das Gesetz nannte der Abgeordnete Ammar Toma eine Formulierung in der irakischen Verfassung, die besagt, dass es kein Gesetz geben dürfe, das dem Islam widerspricht.  

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Verschieden verstandene Koranverse

In diesem Zusammenhang berufen sich er und die Mehrheit der Abgeordneten auf drei Koranverse: 4:43 („Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, ohne vorher zu wissen, was ihr sagt!“), 5:90 („Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind Greuel und Teufelswerk. Meidet es! Vielleicht wird es euch wohl ergehen.“) und 2:219 („Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen liegt eine schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen von Nutzen. Die Sünde, die in ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen.“).

Diese drei Verse werden jedoch nicht von allen Moslems als strenges Alkoholverbot verstanden: Gegner einer Verbotsauslegung verweisen unter anderem auf die Sure 16:67 (die den Wein als gute Gabe Gottes lobt), auf die Nichterwähnung von Getränken wie Raki und Bier sowie auf die Tatsache, dass der Weinkonsum lediglich im Zusammenhang mit Übermaß, Gebet und Glücksspiel verdammt wird.

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Keine Haft für Verweigerin des Rundfunkbeitrags

Der Zwang zum Rundfunkbeitrag ist noch immer umstritten.Foto: dpa
Der Zwang zum Rundfunkbeitrag ist noch immer umstritten.Foto: dpa
Eine Brandenburgerin zahlt keine Rundfunkgebühr. Im August wurde ihr ein Haftbefehl ausgestellt – den nun niemand vollziehen möchte.

Von Melanie Berger | DER TAGESSPIEGEL

Gegen Kathrin Weihruch aus Brandenburg liegt seit August ein Haftbefehl vor. Der Grund: Ein nicht bezahlter Rundfunkbeitrag für das Jahr 2013 in Höhe von 309,26 Euro. Der Haftbefehl war die Folge der Verweigerung einer Vermögensauskunft durch Frau Weihrauch. Die 43-Jährige alleinerziehende Mutter arbeitet als Clown und sagt, sie habe nur ein geringes Einkommen und nutze weder Radio noch Fernsehen. Sie habe noch nie Rundfunkbeiträge bezahlt, aus Prinzip, und legte Beschwerde beim Landgericht Potsdam ein.

Laut dem stellvertretenden Sprecher des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) Volker Schreck reichen sogenannte „Gewissensgründe“ aber nicht aus, um als Härtefall eingestuft und von der Gebühr befreit zu werden. Der rbb hatte das Amt Beetzsee mit der Eintreibung der Gebühren beauftragt. „Wie dieser Beitrag eingetrieben wird, darauf haben wir keinen Einfluss“, sagt Schreck.

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Schiaparelli: Absturzstelle gesichtet

Der dunkle Fleck in dieser Aufnahme des Mars Reconnaissance Orbiter zeigt, was von Schiaparelli übrig blieb - aufgewirbelter Staub und wahrscheinlich ein paar Trümmer. © NASA/JPL-Caltech/ MSSS
Der dunkle Fleck in dieser Aufnahme des Mars Reconnaissance Orbiter zeigt, was von Schiaparelli übrig blieb – aufgewirbelter Staub und wahrscheinlich ein paar Trümmer. © NASA/JPL-Caltech/ MSSS
Absturz bestätigt: Von der ExoMars-Landesonde Schiaparelli sind wohl nur noch Trümmer übrig. Darauf deutet eine Aufnahme des Mars Reconnaissance Orbiter der NASA hin, die einen frischen dunklen Fleck auf der Marsoberfläche zeigt – die Absturzstelle des Landers. Die ESA vermutet, dass Schiaparelli aus zwei bis vier Kilometern Höhe abstürzte und zerschellte. Unweit der Absturzstelle ist sein Fallschirm als heller Fleck zu erkennen.

scinexx

Es sollte die erste weiche Landung einer Marssonde für Europa und Russland werden – aber es ging schief. Kurz nachdem die ExoMars-Sonde Schiaparelli ihr Hitzeschild absprengte und ihren Fallschirm freisetze, riss der Kontakt mit ihr ab. Was genau mit der Sonde passiert war, blieb jedoch zunächst unklar.

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Wien: Theologische Fakultät protestiert gegen UNESCO-Resolution

Protestschreiben katholischer Theologen: Resolution zeugt von
Protestschreiben katholischer Theologen: Resolution zeugt von „fahrlässiger Geschichtsvergessenheit“ – „Eine christliche Theologie, welche Auschwitz als Zeitindex ernst nimmt, kann nicht gleichgültig bleiben, wenn Juden in ihrem Selbstverständnis irritiert oder verletzt werden“
Scharfer Protest an der jüngsten UNSECO-Resolution über den Jerusalemer Tempelberg kommt auch von der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät. Die Resolution, die die historische Stätte nur mit ihrer muslimischen Bezeichnung „Haram-esch-Scharif“ (edles Heiligtum) bezeichnet und jede Beziehung zum Judentum ausklammert, müsse als „hochproblematisch, ja inakzeptabel zurückgewiesen werden“, heißt es in der Stellungnahme, die „Kathpress“ vorliegt.

kathpress

Die Ausblendung der engen Beziehungen zwischen Jerusalem und dem Judentum sei ein „Akt fahrlässiger Geschichtsvergessenheit“. Unterzeichnet ist die Stellungnahme von der Dekanin Prof. Siegrid Müller und den beiden Vize-Dekanen Prof. Jan-Heiner Tück und Prof. Johann Pock.

Eine christliche Theologie, die „Auschwitz als Zeitindex ernst nimmt“ und auf der „Erinnerung an die dunkle Nacht der Shoah“ beharre, müsse mit „gesteigerter Wachsamkeit“ alle „judenfeindlichen Tendenzen der Gegenwart“ im Blick haben. So könne christliche Theologie auch „nicht gleichgültig bleiben, wenn Juden in ihrem Selbstverständnis irritiert oder verletzt werden“, wie dies durch die UNESCO-Resolution geschehe. Die Resolution provoziere „Irritationen“ und schüre Konflikte „anstatt dazu beizutragen, dass Jerusalem als ‚Stadt des Friedens‘ ein Ort sein kann, an dem Juden, Christen und Muslime friedlich miteinander leben und die heiligen Stätten aufsuchen können.“

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Übergriffe auf Moscheen nehmen zu

Brand an einem Moscheegebäude. Bild: MiGAZIN
Brand an einem Moscheegebäude. Bild: MiGAZIN
Im laufenden Jahr gab es 52 Angriffe auf Moscheen. Besonders in der zweiten Jahreshälfte verzeichneten Sicherheitsbehörden mit 28 Übergriffen besonders viele Straftaten. Ab 2017 sollen islamfeindliche Straftaten gesondert erfasst werden.

MiGAZIN

Die Zahl islamfeindlicher Übergriffe hat einem Zeitungsbericht zufolge im Laufe dieses Jahres weiter zugenommen. Seit dem 1. Juni hätten die Polizeibehörden bundesweit 28 Angriffe auf Moscheen registriert, berichtet die tageszeitung, der eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Monika Lazar vorliegt. Damit seien bereits mehr Angriffe verzeichnet als in der gesamten ersten Jahreshälfte.

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Aus dem Internet der Dinge wird eine Armee der Dinge

Alle von MalwareTech erfassten Mirai-Infektionen. Bild: MalwareTech
Alle von MalwareTech erfassten Mirai-Infektionen. Bild: MalwareTech
Die Verantwortlichen für den massiven DDoS-Angriff auf DNS-Server am Wochenende sind noch nicht bekannt, neben Schriptkiddies, Kriminellen oder Hackergruppen werden auch die üblichen Verdächtigen Russland oder China genannt

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Schon länger wurde vor den Risiken des Internet of Things (IoT) gewarnt. Wenn Milliarden von Dingen, Maschinen, Geräten etc. mit dem Internet und oft nicht gut gesichert verbunden werden, steigt das Risiko entsprechend an, dass sie gehackt, manipuliert oder lahmgelegt werden können. Dass es dabei keineswegs nur um die Risikoanfälligkeit einzelner Dinge geht, demonstrierte der DDoS-Angriff am Freitag und Samstag, der Websites von amerikanischen Unternehmen wie Twitter, Netflix, Paypal, Shopify, Github, Airbnb, Reddit oder Spotify an der Ost- und Westküste, aber auch in Teilen Europas zeitweise unerreichbar machte. Betroffen sollen auch die Netzwerke von PlayStation und Xbox Live gewesen sein.

Vermutlich hat der Angreifer oder haben die Angreifer keine übernommenen Computer wie üblich zu einem Botnetz verbunden, sondern Millionen von Geräten und damit eine Angriffskapazität von mehr als einem Terabyte pro Sekunde erreicht. Solche Angriffe gab es in diesem Jahr bereits mehrere Male. So wurde auf die Website des Security-Bloggers Brian Krebs im September ein DDoS-Angriff mit einem IoT-Botnetz mit Spitzen von 620 Gigabit pro Sekunde ausgeführt. Die Website wurde dadurch lahmgelegt, obgleich sie von Akamei vor solchen Angriffen geschützt werden sollte. Aber der Angriff war zu massiv und der bis dahin stärkste.

Er wurde allerdings übertrumpft von einem Angriff auf die Server des französischen Hosters OVH, der mit Spitzen von über 1,1 Terabit die Sekunde geführt wurde. Vermutet wurde bereits, dass hier Tausende von Überwachungskameras in Privatwohnungen oder von Firmen und Festplatten-Receiver zum Einsatz kamen. Alle oder fast alle scheinen von einem chinesischen Hersteller zu kommen, die nach Allison Nixon von der Sicherheitsfirma Flashpoint nicht gesichert werden können, wenn sie nicht vom Internet getrennt werden.

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Carolin Emcke: Optimismus gegen Fanatismus

Carolin Emcke (Mitte) erhält den Friedenspreis von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. OB Peter Feldmann (links) applaudiert dazu. Foto: rtr
Carolin Emcke (Mitte) erhält den Friedenspreis von Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. OB Peter Feldmann (links) applaudiert dazu. Foto: rtr
Die Friedenspreisträgerin Carolin Emcke erhält für ihre schwungvolle und von einem verblüffenden Optimismus getragenen Dankesrede in der Paulskirche viel Szenenapplaus.
 

Von Judith von Sternburg | Frankfurter Rundschau

Seit 1982 (George Kennan), seit sie 15 ist, guckte Carolin Emcke, die Verleihung des Friedenspreises im Fernsehen, und zwar aus familienfernsehenchoreografischen Gründen vom Teppich aus. In den ersten dreizehn Jahren sah sie sich Männer an, Preisträger und Laudatoren. Seit 2010 (David Grossman) sitzt sie im Publikum in der Frankfurter Paulskirche. Noch im vergangenen Jahr (Navid Kermani) tummelte sie sich nach eigenem Bekunden mit einem Freund nachts im Hotel Frankfurter Hof, um in die Tischordnung für das Festessen einzugreifen. Peinlicherweise seien sie erwischt worden.

„Wow, so sieht es also aus dieser Perspektive aus“, sagte sie jetzt in ihrer Dankesrede „Anfangen“ als (neunte) Trägerin des Friedenspreises 2016 und übersprang damit nicht nur freundlich und munter die üblichen zeremoniellen Begrüßungen, sondern legte auch die Fährte für ihre Rede aus. Eine echte Emcke-Rede, aus auch sehr persönlicher Emcke-Perspektive, die Moral und Vernunft, Individualität und Rückschlüsse auf die Gesellschaft immer zusammenbringt. Und ein Teil dieser Perspektive ist unbedingt der Perspektivwechsel.

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Ausschreitungen vor Räumung des „Dschungels von Calais“

Französische Polizisten im
Französische Polizisten im „Dschungel von Calais“ in der Nacht vor der Räumung.Foto: Philippe Wojazer/Reuters
Ab diesem Montag will Frankreich das illegale Flüchtlingslager in Calais mit über 6000 Menschen auflösen. Im „Dschungel“ kam es in der Nacht erneut zu Krawallen. Helfer warnen vor einer „Verfolgungsjagd“.

DER TAGESSPIEGEL

Mit einem beispiellosen Kraftakt räumt Frankreich ab diesem Montag das große Flüchtlingslager in Calais. Vom „Dschungel“ genannten Lager aus sollen die Migranten zu Aufnahmezentren in ganz Frankreich gebracht werden. Viele der etwa 6500 Bewohner der Zelt- und Hüttenstadt wehren sich – sie sind auf dem Weg nach Großbritannien in der nordfranzösischen Hafenstadt am Ärmelkanal gestrandet. Die Räumung soll etwa eine Woche lang dauern, im Einsatz sind nach offiziellen Angaben rund 1250 Polizisten.

Kurz vor Beginn der Räumung fanden sich die ersten Flüchtlinge zur Abreise ein: Vor dem von den Behörden eingerichteten Versammlungspunkt warteten am frühen Montagmorgen mehrere Dutzend Flüchtlinge auf Einlass. Viele trugen Koffer und Kleiderbündel bei sich.

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Die mächtigsten Feinde des IS fürchtet auch der Westen

Miliz-Kämpfer Nashuuan Tarek ist erst 19 Jahre alt Quelle: Sebastian Backhaus
Miliz-Kämpfer Nashuuan Tarek ist erst 19 Jahre alt Quelle: Sebastian Backhaus
Wenn die Millionenstadt Mossul im Norden des Irak fällt, ist der IS als Pseudo-Staat erledigt. Ohne die schiitischen Kämpfer der mächtigen Miliz Haschd al-Schaabi ist der Kampf nicht zu gewinnen, sagen Experten. Doch der extrem effizienten Truppe werden immer wieder Gräuel gegen sunnitische Bürger vorworfen.

Von Alfred Hackensberger | DIE WELT

Schwarze Rauchwolken verdunkeln die rote Morgensonne. Schwefeldampf ätzt in Nase und Hals. Überall liegen Trümmer zerbombter Häuser, abgebrannter Geschäfte. Die Stadt Kaiara fühlt sich an wie das Ende der Welt. Diese Verwandlung ist das letzte Werk der Terrormiliz „Islamischer Staat“ hier, kurz vor Mossul.

Bevor die IS-Kämpfer sich zurückzogen vor ihren heranrückenden Feinden, zündeten sie die Ölquellen an, legten Feuer in den Schwefelminen. Vergangene Woche legte sie einen Brand in einer Schwefelfabrik, eine Schwefelgaswolke löste bei mehr als 1000 Menschen Atemprobleme aus. Auf den Gesichtern der Kinder liegt klebriger Ölruß. Die Felle der Schafe, die im Schutt grasen, sind pechschwarz eingefärbt.

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Berliner Polizei entlässt „Reichsbürger“

HP des Gerichtshofs, Screenshot: bb
HP des Gerichtshofs, Screenshot: bb
Weil er sich als „Reichsbürger bekannt hat“, hat die Berliner Polizei einen Mitarbeiter entlassen. Vor zwei Jahren gab es einen ähnlichen Fall.

Von Jörn Hasselmann | DER TAGESSPIEGEL

Die Berliner Polizei hat einen Mitarbeiter entlassen, der „sich als Reichsbürger bekannt hat“. Dies teilte das Polizeipräsidium dem Tagesspiegel auf Anfrage mit. Zuvor hatte die bayerische Polizei bekannt gegeben, zwei Beamte suspendiert zu haben, die den „Reichsbürgern“ nahestehen. Auch in Sachsen-Anhalt gab es bereits drei Suspendierungen.

In der vergangenen Woche hatte ein Angehöriger dieser Art Sekte in Bayern einen SEK-Polizisten getötet. Der 49-jährige mutmaßliche Täter hatte am Mittwoch bei einer Razzia auf Beamte geschossen und vier Polizisten verletzt. Das Landratsamt wollte bei dem Einsatz die 31 Waffen des Jägers sicherstellen, weil es den Mann als nicht mehr zuverlässig einstufte. Dadurch war die Bewegung, die die Existenz der Bundesrepublik Deutschland leugnet und oftmals rechtsextremistische Vorstellungen hat, in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

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Die skrupellosen Methoden Duisburgs gegen Roma

 Rund 13.000 Bulgaren und Rumänen leben in Duisburg. Viele haben keine Arbeit und wohnen auf engem Raum. Immer wieder erklärt die Stadt Wohnungen für unbewohnbar und lässt sie räumen. Quelle: Die Welt
Rund 13.000 Bulgaren und Rumänen leben in Duisburg. Viele haben keine Arbeit und wohnen auf engem Raum. Immer wieder erklärt die Stadt Wohnungen für unbewohnbar und lässt sie räumen. Quelle: Die Welt
Seit Rumänen und Bulgaren die Türken verdrängen, wird Duisburg-Marxloh zunehmend zum Synonym für Armut und Kriminalität. Die Stadt geht dagegen vor – und setzt dabei ganze Familien auf die Straße.
 

Von Stefan Laurin | DIE WELT

Altbauten, auf der Straße spielen Kinder, und an vielen Stellen liegt Müll. Männer stehen in Gruppen beieinander an den Straßenecken. Die Henriettenstraße in Marxloh gehört sicher nicht zu den besten Adressen Duisburgs. Ein Mann in Bauarbeiterkleidung trägt Schutt aus einem Haus und wirft ihn in einen Container. Die Fassade wirkt frisch gestrichen, das Haus wird renoviert.

Seinen Namen will er nicht nennen, aber er sei vor 35 Jahren aus der Türkei gekommen und habe seitdem immer in der Henriettenstraße gelebt. „Das war alles immer gut hier, bis die kamen. Seitdem geht es mit der Straße bergab.“ Die, das sind Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, die meist der Volksgruppe der Roma angehören. Rund 13.000 sollen mittlerweile in Duisburg leben, aber so genau weiß das niemand.

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Suizid eines Flüchtlings: Polizei bestreitet Hetze von Schaulustigen

Ein junger Flüchtling stürzt sich in den Tod, Anwohner sollen ihn dabei angefeuert haben: Ein Unglück in Schmölln sorgt für Entsetzen und Empörung. Noch bleiben viele Fragen offen. Die Polizei widerspricht Vorwürfen gegen Schaulustige.

evangelisch.de

Nach dem Tod eines jugendlichen Flüchtlings im thüringischen Schmölln sorgen Berichte über eine mögliche Anstachelung zum Suizid durch Anwohner für Wirbel. Die Polizei widersprach Medienberichten, wonach Schaulustige den Somalier mit Rufen wie „Spring doch“ ermuntert haben sollen. Beamte vor Ort hätten solche Rufe nicht gehört, sagte der Schichtleiter im Landeseinsatzzentrum in Erfurt, Stefan Erbse, am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bürgermeister Sven Schrade (SPD) hatte dem MDR am Samstag gesagt, ihm lägen Informationen vor, dass Schaulustige dem Vorfall lange beigewohnt und dabei „Spring doch“ gerufen hätten. Der Geschäftsführer des Meuselwitzer Bildungszentrums (MBZ), das die Einrichtung betreibt, bestätigte dies. Mitarbeiter hätten die Rufe zweifelsfrei gehört, sagte David Hirsch am Samstag der Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“.

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Nigeria: Fulani-Nomaden ermorden mindestens 40 Dorfbewohner

Zwei Fulani-Männer, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 2.0/ Dan Lundberg

In Nigeria sind bei einem Angriff auf eine christliche Ortschaft mindestens 40 Menschen getötet worden. Das berichtet der christliche Informationsdienst World Watch Monitor.

kath.net

Bei den Angreifern soll es sich um muslimische Viehhirten des Volkes der Fulani gehandelt haben. Wie es hieß, stürmten sie das Dorf Godogodo (Bundesstaat Kaduna) Mitte Oktober. Sie hätten wahllos auf Bewohner geschossen, Gebäude niedergebrannt und Ackerland zerstört.

Hunderte Menschen wurden obdachlos. Der Rechtsanwalt Solomon Musa sprach auf einer Pressekonferenz von einer „unglaublichen Brutalität“, mit der die Angreifer vorgegangen seien. So hätten sie auch Frauen und Kinder getötet.

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How Einstein and Schrödinger Conspired to Kill a Cat

the death of knowledge: The disturbing and violent events taking place in Europe in Nazi Germany in the 1930s, including book burnings like this one, impacted all levels of life at the time—right down to what sorts of metaphors scientists used to describe their work. US National Archives
the death of knowledge: The disturbing and violent events taking place in Europe in Nazi Germany in the 1930s, including book burnings like this one, impacted all levels of life at the time—right down to what sorts of metaphors scientists used to describe their work. U.S. National Archives
The rise of fascism shaped Schrödinger’s cat fable.

By David Kaiser | NAUTILUS

Of all the bizarre facets of quantum theory, few seem stranger than those captured by Erwin Schrödinger’s famous fable about the cat that is neither alive nor dead. It describes a cat locked inside a windowless box, along with some radioactive material. If the radioactive material happens to decay, then a device releases a hammer, which smashes a vial of poison, which kills the cat. If no radioactivity is detected, the cat lives. Schrödinger dreamt up this gruesome scenario to mock what he considered a ludicrous feature of quantum theory. According to proponents of the theory, before anyone opened the box to check on the cat, the cat was neither alive nor dead; it existed in a strange, quintessentially quantum state of alive-and-dead.

Today, in our LOLcats-saturated world, Schrödinger’s strange little tale is often played for laughs, with a tone more zany than somber. It has also become the standard bearer for a host of quandaries in philosophy and physics. In Schrödinger’s own time, Niels Bohr and Werner Heisenberg proclaimed that hybrid states like the one the cat was supposed to be in were a fundamental feature of nature. Others, like Einstein, insisted that nature must choose: alive or dead, but not both.

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